Heiliger Placidus und seine Gefährten Märtyrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

5. Oktober

Der heilige Placidus und seine Gefährten Märtyrer

Kaum hatte der hl. Benedikt, der von Gott mit seltenen natürlichen Gaben und mit einem Vollmaß höherer Gnadenkräfte ausgerüstet und zu einem außerordentlichen Eingreifen in die Geschicke der Völker bestimmt war, seine eigenen Lehrjahre in und bei der Felsenhöhle von Subiaco vollendet; kaum hatte der Glanz seiner Tugenden und Wunderwerke hinaus geleuchtet in die weite Umgegend: so erwachte in einer großen Anzahl von Jünglingen und Männern das opferwillige Verlangen, sich ganz der Leitung dieses Geistesmannes anzuvertrauen und so die Heiligung ihrer Seelen anzustreben. Auch die vornehmsten, adeligen Familien von Rom und andern Städten brachten ihre Söhne zu Benedikt, damit er sie zu einem Leben in Gott und für Gott erziehe.

Unter den Ersten, die dem Heiligen solches Vertrauen schenkten, war der Grundbesitzer dieser Talgegend, der Patrizier Anicius Tertullus, auf dessen Eigentum die klösterliche Ansiedlung befand. Dieser war ein naher Verwandter Benedikt`s, vielleicht sein Oheim väterlicherseits und brachte ihm (522) seinen – erst sieben Jahre alten Sohn Placidus, damit er ihn für das religiöse Leben heranbilde; zugleich schenkte er ihm einen großen Teil dieser Gegend zu eigen. Um dieselbe Zeit brachte der edle Römer Equitius seinen zwölfjährigen Sohn Maurus als Zögling da hin (siehe 15. Januar).

In dem lieblichen Knaben Placidus entwickelte sich sein reines kindliches Gemüt unter der weisen Sorge und Pflege des großen Meisters zu freudiger Gottesliebe; der milde Ernst der Einsamkeit, die treue Übung des Stillschweigens und des Gebetes, die würdevolle Feier des Gottesdienstes wirkten mächtig auf seinen reichen Geist und erschlossen ihm eine innere Welt himmlischer Ahnungen und Freuden. Mit erbaulicher Munterkeit tat er alle Dienste und Verrichtungen, welche der Gehorsam ihm vorschrieb; mit herzlichem Wohlwollen erwies er Allen Gefälligkeiten, wo immer seine Liebe Gelegenheit dazu fand.

Eines Tages ging Placidus, wie ihm befohlen war, zum nahen See hinaus, um Wasser zu holen. Beim Schöpfen entglitt seiner Hand der Krug. Hastig beugte er sich, um denselben wieder zu fassen; verlor aber den Halt und stürzte ins Wasser. Benedikt bemerkte von seiner Zelle aus den Unfall und schickte schnell den Maurus zu Hilfe. Dieser eilte im Eifer des Gehorsams über die Wellen des See`s, als hätte er festes Land unter den Füßen und zog den Knaben an`s Ufer. Der Gerettete beteuerte, er habe, als Maurus ihn der Flut entriß, das Chorgewand des heiligen Abtes über sich gesehen.

Placidus, fortschreitend an Jahren, nahm mehr und mehr den Geist seines Lehrers in sich auf;M er übertraf alle an Sanftmut und Demut, an Mäßigung und Ernst, durchwachte einen großen Teil der Nacht in Betrachtung der göttlichen Geheimnisse, fastete sehr strenge und aß während der 40tägigen Fasten nur am Sonntag, Dienstag und Donnerstag ein Stücklein Brot mit einigen Kräutern. Benedikt schätzte ihn sehr hoch und nahm ihn nebst einigen erprobten Schülern mit sich nach Monte Cassino, als er, um den Feindseligkeiten des unwürdigenPriesters Florentius auszuweichen, Subiaco verließ. In kurzen Jahren schufen ihre fleißigen Hände den dicht bewaldeten Cassino um in einen Berg des Segens für die weite Umgegend.

Tertullus, des Placidus Vater, welcher das aufblühende Kloster Cassino als eine Wohnung der Seligen verehrte und gerne in demselben verweilte, auch daselbst i. J. 536 die Tage seines Erdenlebens beschloß, hatte durch eine gerichtliche Schenkungs-Urkunde vom Jahre 532 dem Kloster vierzehn große Gehöfte in Sizilien vergabt. Dies war die Veranlassung, den Orden auch dorthin zu verpflanzen.

Benedikt schickte den hoffnungsvollen, fünfundzwanzig Jahre alten Placidus mit einigen Gefährten – genannt werden Donatus, Gordianus und Victorinus – nach Sizilien, um diese Güter zu bewirtschaften und den Orden in jener Gegend auszubreiten. In Messina, wo ein bequemer Landungsplatz zu den Besitzungen gehörte, erbaute Placidus mit den Seinen das hl. Johannes dem Täufer geweihte Kloster. Im Jahre 534 wurde der Grundstein gelegt, in vier Jahren der Bau vollendet und zugleich die Stiftung mehrerer Klöster auf dieser Insel begonnen. Zu dieser zeit standen schon dreißig Brüder unter der Leitung des noch jugendlichen Abtes, der mit Milde und Ernst den Krummstab führte. Hier war es, wo der Benediktinerorden zuerst die Bluttaufe erhalten hat.

Herrlich blühte die junge Pflanzung in voller Frische und in ihr der Geist des heiligen Vaters, der Geist des Gebetes, der Selbstentsagung und der Liebe. Da würdigte sich Gott, diese Erstlinge als wohlgefälliges Opfer anzunehmen. Einst um Mitternacht, als die Ordensbrüder im Chore der Kirche Psalmen sangen und des Placidus Geschwister Eutychius und Flavia eben auf Besuch in Messina waren, überfielen afrikanische Seeräuber das Kloster, legten den Abt, seine Geschwister und sämtliche Mönche in Ketten und verlangten mit Gewalt, daß sie ihren Glauben verleugnen oder sterben sollten. Einstimmig wählten Alle das Letztere – den Tod. Sogleich wurde Donatus mit dem Schwerte getötet, die Übrigen aber wurden mit Geißeln zerfleischt, mit Prügeln geschlagen, an den Füßen aufgehängt über qualmendem Rauch und zuletzt nach langen furchtbaren Martern enthauptet. Einer der Mönche – Gordianus – hatte sich durch die Flucht gerettet und begrub nach dem Abzug der Feinde die Leichen der heiligen Märtyrer. Während der Herrschaft der Araber geriet die die ehrwürdige Grabstätte in Vergessenheit und wurde erst 1588 wieder aufgefunden. Papst Sixtus V. genehmigte dann die Feier eines Festes und die öffentliche Verehrung des hl. Placidus und seiner Gefährten. Die sizilianischen Schiffer verehren ihn als ihren Patron. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 739 – S. 740

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