Marienandacht Die sechste Rose des Ave

Zwei himmlische Wesen mit Flügeln, das eine mit Palmzweigen in den Händen, das andere läßt aus dem Gewand Rosen nieder fallen

Die sieben Rosen des Ave Maria

Der heilige Geist als Taube schwebt über dem Engel und über Maria, der Engel schwebt auf einer Wolke, eine Lilie in der Hand, Maria steht demütig, die Hände über der Brust gekreuzt, vor dem Engel, statt Rosen sieht man Lilien vor ihr

(Auf die sieben Wochentage eingeteilt)

Marienandacht – Die sechste Rose des Ave

(Für den Freitag)

„Heilige Maria, Mutter Gottes!“

Ich erkenne und bekenne, o Maria! Vor Himmel und Erde, daß du heilig bist, und zwar heiliger als die Cherubim und Seraphim; heiliger als alle Heiligen zusammen, und daß du wegen dieser ausnehmenden Heiligkeit würdig erachtet wurdest, den Heiligen aller Heiligen, Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, in den Schoß deiner Jungfräulichkeit aufzunehmen und Ihn der sündigen Welt als Heiland und Erlöser zu gebären.

Darum erkennen und verehre ich dich auch als die Mutter Gottes und ich bin bereit, diese Wahrheit mit meinem Blut zu besiegeln. Nicht Menschen haben diese Wahrheit erfunden und gelehrt, sondern Gott ließ sie durch Gabriel, den höchsten der Engel, verkünden, da dieser zu dir, o hehre Jungfrau! sprach: „Sieh, du wirst empfangen und einen Sohn gebären, welchen du Jesus nennen sollst. Dieser wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden.“ Und weiter: „Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch der Heilige, der aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden!“

O heilige Maria, Mutter Gottes! Wer ist nun im Stande, dein Lob würdig zu verkünden? Alles steht nun unter dir und Gott allein über dir. Hell strahlend wie der Morgenstern leichtest du aus den Chören der Seligen hervor, und nächst Gott übertrifft dein Glanz alle Herrlichkeit Himmels und der Erde. Du bist die Krone aller erschaffenen Wesen und die hohe Mittlerin, durch welche Gott der Allerhöchste sich mit uns armen Erdenmenschen verband!

Wahrhaftig, der Herr hat Großes getan an dir und deinen Namen als erhöht, daß dich selig preisen müssen alle Geschlechter!
O würdige mich, dich, heilige Jungfrau! Zu loben, und spende mir Kraft wider deine Feinde!

Du bist die Mutter unseres Herrn und Gottes, aber auch zugleich unsere gütige Gnadenmutter. Deine Heiligkeit ist nächst Gott die höchste; darum ist auch deine Mutterliebe zu uns Sündern die größte.

Zeige denn, daß du unsere Mutter bist, und spende Gnaden und Wohltaten so reichlich deinen Kindern, wie es dein gütiges Mutterherz dir eingibt.

Deinem mütterlichen Schutze empfehle ich mich und alle meine Angehörigen, sowie die ganze liebe Christenheit.

Heilige Maria, Mutter Gottes! Bitte für uns Sünder! Amen.

Eine Rose aus dem Leben.

Cäsarius von Heisterbach und der heilige Liguori erzählen folgende Begebenheit:

In einem der berühmten Klöster von Fontevrand in Frankreich lebte eine Nonne mit Namen Beatrix, welche schon mehrere Jahre sich als treue Ordensperson bewährt und in der Andacht zu Maria ausgezeichnet hatte. Auf einmal aber fing dieselbe an, lässig in ihrem Eifer zu werden und die Andacht zur göttlichen Mutter zu vernachlässigen. Da geschah es denn nun auch bald, daß Satanas, der Feind unseres Heiles, welcher umher geht wie ein Löwe, zu suchen, wen er verschlinge, ihr gewaltige Fallstricke legte. Sie faßte den Entschluß, heimlich aus dem Kloster zu entweichen und in irgend einer entfernten Gegend ein weltliches Leben zu führen. Die Ausführung des Entschlusses hatte keine sonderliche Beschwernisse, denn sie versah eben den Pförtnerdienst und konnte leicht entkommen. Eines Morgens in der Frühe zog sie weltliche Kleider an, nahm ihr Ordensgewand und die Schlüssel, legte beides vor ein Muttergottes-Bild, vor welchem sie früher so oft ihre Andacht verrichtet hatte, nieder und floh in ein weit entlegenes Gebirgsstädtchen. Hier versank sie in ein langes Sündenleben. Fünfzehn Jahre hindurch hatte sie bereits dieses Leben geführt und die traurige Rolle einer verlorenen Tochter gespielt, als sie eines Tages unverhofft auf der Straße den Verwalter jenes Klosters von ferne daher kommen und in ein Gasthaus einkehren sah. Erschrocken eilte sie nach Hause und wurde dort nicht allein von Angst, sondern bald noch viel mehr von der Neugierde gequält, zu erfahren, wie man in dem Kloster von ihr denke, spreche und urteile. Sie kam daher auf den Gedanken, sich durch Färbung des Gesichtes unkenntlich zu machen und gegen Abend sich selbst zu dem Verwalter in das Gasthaus zu begeben, umErkundigungen einzuziehen. Sie fand ihn eben auf seinem Zimmer allein und fragte ihn nach einer kurzen höflichen Einleitung: „ob er ihr Nichts von dem Schicksal der Schwester Beatrix mitteilen könne, welche vor fünfzehn Jahren in seinem Kloster gelebt und damals den Pförtnerdienst versehen habe?“

„Ich kenne sie gut“, war die Antwort, „sie ist eine ausgezeichnete Klosterfrau und gegenwärtig Novizenmeisterin.“

Dieses machte sie ganz verwirrt und betroffen, da sie sich die Sache nicht erklären konnte. Um zu erfahren, was daran sei, ging sie verkleidet zum Kloster und ließ die Schwester Beatrix rufen. Diese erscheint, und wer ist die Erschienene? Es ist – Maria, die allerseligste Jungfrau in der Gestalt jenes Bildes, vor welchem Beatrix bei ihrem Entweichen aus dem Kloster Schlüssel und Habit nieder gelegt hatte. „Wisse, Beatrix“, so redete die hohe, himmlische Frau sie an, „um deine Ehre zu retten und dir die Möglichkeit zu bewahren, ins Kloster zurück zu kehren, habe ich deine Gestalt angenommen, und während der fünfzehn Jahre, die du fern von den heiligen Räumen und fern von deinem Gott in der Welt und in der Sünde zugebracht hast, habe ich statt deiner dein Amt versehen. Kehre um, und wirke Buße, noch erwartet dich mein Sohn; lege dein Ordensgewand wieder an und suche es fortan in Ehre und treue zu tragen.“ Bei diesen Worten verschwand sie – und Beatrix tat, wie ihr gesagt worden. In stiller, aber strenger Buße suchte sie ihre Sünden durch ein musterhaftes strenges Leben zu sühnen. Auf ihrem Sterbebett aber eröffnete sie zur größeren Ehre der göttlichen Mutter und zum Trost der bußfertigen Sünder den ganzen Hergang.

Mein Christ, wir haben gegen mancherlei sündliche Begierden unserer verderbten Natur zu kämpfen, aber von keiner haben wir für unser Heil so gefährliche Angriffe zu bestehen, als von jener, die ganz besonders die böse Begierlichkeit, der Stachel des Fleisches, die unreine Lust genannt wird. In dieser besteht so recht eigentlich das verdorbene Gesetz der Glieder, von welchem der Apostel sagt, daß es dem Gesetze des Geistes widerstrebt und uns selten in Ruhe läßt. Wir Alle haben dagegen zu kämpfen, und viel Wachsamkeit, Gebet und Sorgfalt ist nötig, wenn wir hier nicht erliegen und von dem Schmutz der schmutzigsten Sünde uns rein erhalten wollen. Menschen von ausgezeichneter Frömmigkeit, Weisheit und Heiligkeit des Lebens sind hierin in unbewachten Augenblicken gefallen und in die schändlichsten Sünden geraten. Man denke nur an den gottseligen König David und an den weisen Salomon. Ach, wenn solche Säulen sinken und stürzen konnten; ja, wenn selbst die heiligsten Gelübde vor diesen gefahren keine ausreichende Sicherheit zu gewähren vermögen – was soll es dann mit uns armen, gebrechlichen Menschen geben inmitten einer durchaus verdorbenen Welt, wo so gar Vieles darauf angelegt zu sein scheint, der unreinen Lust zur Lockspeise zu dienen? Wie sollen wir da rein und schuldlos hindurch kommen und unser ewiges, glückliches Zier erreichen? – Wir werden es, mein Christ! Wenn wir recht oft, recht herzlich, recht vertrauensvoll und beharrlich zu Maria unsere Zuflucht nehmen und es niemals unterlassen, sie um ihren Schutz, ihren Beistand und ihre Hilfe anzurufen. Hätte die Nonne Beatrix in diesem Punkte nicht gefehlt und nicht ihre Andacht zu Maria vernachlässigt, fürwahr sie würde ihrem Ordensgelübde nicht treulos geworden und gewiß nicht so tief in den Schlamm der Sünde gesunken sein. Ihr unglücklicher Fall sei demnach allen noch schuldlosen Seelen eine mächtige Anmahnung, beharrlich zu sein im Wachen und im Beten, und häufig Augen, Hände und Herz zu der reinen und unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria zu erheben, die es so sehr liebt, fromme Seelen in Unschuld und Reinheit zu bewahren. Diejenigen aber, welche schon Schiffbruch in dieser Hinsicht gelitten haben, mögen sich durch die obige Geschichte aufgemuntert finden, zu dem verlassenen Pfade des Heiles zurück zu kehren und dieserhalb ein unbegrenztes Vertrauen auf die unaussprechliche Barmherzigkeit der göttlichen Mutter zu setzen, die mit so großer Zuvorkommenheit und Milde bereit ist, ihnen die Hand zur Rettung zu bieten. Fürwahr, sie will nicht, daß das geknickte Rohr zerbreche, der glimmende Docht völlig erlösche, sondern sie will verbinden, helfen und heilen; sie will sorgen, daß das Verderben entfernt, die Schande bedeckt, das Ärgernis aufgehoben, die Unschuld wieder hergestellt und das Glück und Heil der armen Seele gesichert werde für Zeit und Ewigkeit. Amen. – aus: Joseph Kremer, Eucharistische Liebesblumen mit Marianischen Rosen, 1900, S. 139-144

Bildquellen

  • kremer-marianische-rosen: Bildrechte beim Autor
  • Bitschnau Engel Rosen Streuend: Bildrechte beim Autor
Category: Marianische Gebete
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