Heiliger Stephan König von Ungarn

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

2. September

Der heilige König empfängt eine Delegation einschließlich des Bischofs und gibt sein Testament bekannt

Der heilige Stephan König von Ungarn

Die letzte große Welle der Völkerwanderung hatte die Magyaren oder Ungarn in das Land an der Donau geschwemmt, das heute noch ihren Namen trägt. Sie waren sehr rohe Heiden, gefürchtet wegen ihrer Tapferkeit, aber noch mehr wegen ihrer Grausamkeit; sie lebten fast nur von der Jagd und dem Kriege und zogen oft mordend und brennend nach Italien und Deutschland, bis das Schwert des Kaisers Otto I. auf dem Lechfeld bei Augsburg (955) ihren Raubzügen ein Ziel setzte. Dazu wirkte jedoch ganz vorzüglich der Umstand mit, daß ihr Herzog Geisa durch seine Gemahlin Sarolta, eine durch körperliche Schönheit, geistige Begabung und gottinnige Frömmigkeit ausgezeichnete Christin, die christliche Religion hoch schätzen lernte, den katholischen Missionaren freien Eintritt ins Land gewährte und sich selbst 977 taufen ließ. Mit ungestümem Eifer wollte er nun das Heidentum ausrotten; allein sein hastiges Drängen und gebieterisches Drohen hatte vielfach den entgegen gesetzten Erfolg, daß die Ungarn nur um so hartnäckiger an ihren Göttern fest hielten. Gott offenbarte ihm in einem Traumgesicht, daß er einen Sohn erhalten werde, welcher bestimmt sei, sein Volk im christlichen Glauben zu unterrichten und unter den Heiligen zu glänzen.

Sarolta gebar im Jahre 978 zu Gran den verheißenen Sohn, und der hoch erfreute Vater wetteiferte mit der frommen Mutter, demselben die sorgfältigste Ausbildung in den weltlichen Wissenschaften, wie im christlichen Glauben zu geben. Der sehr talentvolle Prinz nahm in viel versprechender Weise zu, wie an Alter so auch an Weisheit und Liebenswürdigkeit vor Gott und den Menschen. Die Klarheit seines Verstandes befähigte ihn, schon mit fünfzehn Jahren an den Regierungs-Geschäften sich zu beteiligen, und der Eifer seines Herzens für die Ehre Gottes und für das Wohl der Mitmenschen begeisterte ihn so, daß er bei jedem Anlass vor seinem etwas harten und heftigen Vater die Unglücklichen und Bedrängten warm verteidigte und kräftig schützte gegen die gesetzlose Willkür und herzlose Tyrannei der Unterdrücker. Erst in seinem achtzehnten Jahre (966) empfing er unter großen Feierlichkeiten, zu denen Kaiser Otto III. und Herzog Heinrich von Bayern sich einfanden, die heilige Taufe und den Namen Stephan und legte zugleich das Gelübde ab, mit Gottes Hilfe auch sein Volk zu Jesus Christus zu bekehren.

Als im folgenden Jahr der Tod seines Vaters die ganze Regierung in seine Hand legte, ehelichte Stephan die bayerische Prinzessin Gisela, die Schwester des nachmaligen hl. Kaisers Heinrich II., und zog in Folge dessen aus Deutschland viele edle Herren und gelehrte Priester an seinen Hof nach Ungarn, um sich ihrer Mitwirkung bei Ausführung seines Gelöbnisses zu bedienen. Er begann sein Werk damit, daß er mit allen benachbarten christlichen Fürsten Frieden schloß oder denselben befestigte, um sich mit ungeteilter Tätigkeit der Einführung des Christentums hinzugeben und sich gegen die Empörungen, die voraussichtlich unter dem eigenen Volk deshalb sich erheben würden, auswärtiger Hilfe zu versichern. Dann schickte er Herolde durch das ganze Land mit der Ankündigung: „Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist der unsichtbare König aller Reiche; Ihm müssen, wie alle anderen Völker, so auch die Ungarn untertänig sein, der Gräuel des Götzendienstes muss verschwinden und die Anbetung des Gekreuzigten aufblühen, alle Ungarn sind eingeladen, sich taufen zu lassen.“

Diese Ankündigung des jungen Herzogs erzeugte mehrfach eine bittere Aufregung. Viele Große, von dämonischem Stolz aufgestachelt, reizten, statt die Missionare mit Ruhe anzuhören, die rohen Massen zu bewaffnetem Widerstand. An die Spitze der wilden Empörung stellte sich Kupa, der mächtige Graf von Sümegh, und marschierte gen Weißbrunn, der Residenz des Herzogs. Dieser sammelte seine Getreuen, bereitete sich durch Fasten, Almosen und Gebet zum Krieg vor, flehte vertrauensvoll die Mutter des Gekreuzigten, die heiligen Martin und Georg um ihren Schutz an, entflammte seine Krieger zu mutigem Kampf um Christi willen und führte sie selbst in die Schlacht mit dem Losungswort: „Maria!“ Stephan kämpfte mit der Umsicht und Tapferkeit eines erprobten Feldherrn gegen den überlegenen Feind, und Gott verlieh ihm den vollständigen Sieg. Kupa fiel durch das Schwert eines deutschen Ritters, die andern Rädelsführer büßten ihre Schuld, das übrige Volk durfte straflos heimkehren.

Nun konnten die Missionare sicherer das Evangelium predigen. Stephan erbaute in der Nähe des Schlachtfeldes das heute noch herrlich blühende Kloster Martinsberg nebst vier andern Benediktiner-Abteien, bevölkerte sie mit trefflich gebildeten Mönchen aus Deutschland und Italien, vermehrte dadurch die Zahl der Glaubensboten und der tüchtigen Lehrer, welche das kriegerische und raubsüchtige Volk im Ackerbau, in den Gewerben und Künsten des Friedens unterrichteten und ihre wilden Gemüter für die Wohltaten des Christentums dankbar machten.

Stephan beteilige sich an dieser Riesenarbeit mit der aufopferndsten Tätigkeit; er baute viele und schöne Kirchen, schmückte sie reichlich zum Gottesdienst, reiste beständig im Land umher, die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, Vorgesetzte und Untergebene zur Pflichttreue anzueifern und durch weise Gesetze einen gesegneten Fortschritt zu sichern. Den eigenen Leib und Geist hielt er durch strenge Bußwerke in beständiger Zucht und gestattete sich nur die eine Freude, der Vater aller Armen, Witwen und Waisen zu sein. Ja, er ging oft verkleidet umher, um denjenigen Almosen ins Haus zu tragen, welche sich in ihrem Elend des Bettels schämten. Als er einmal so verkleidet Almosen austeilte, stürzte ein Haufen Bettler auf ihn los, schlug ihn zu Boden, mißhandelte und plünderte ihn aus. Kaum im Stande, sich aufzurichten, sprach er zur heiligen Mutter Gottes, die er mit der kindlichste Innigkeit liebte: „Da siehst du es, o Himmelskönigin, wie ich von denen belohnt werde, die deinem Sohn, meinem Erlöser, angehören; aber weil sie seine Freunde sind, will ich es mir von ihnen gerne gefallen lassen.“ –

Nachdem die meisten Untertanen getauft, zehn Bistümer und das Erzbistum Gran errichtet waren, schickte Stephan Gesandte nach Rom, um dem Oberhaupt der Christenheit über das getane Werk Bericht zu erstatten und von ihm die Bestätigung zu erbitten.
Papst Silvester II., hoch erfreut über die Eroberung eines so wichtigen Landes für Christus, bestätigte alle Einrichtungen Stephan`s, sandte ihm den Königstitel mit einer kostbaren Krone und ernannte ihn und seine Nachfolger zu apostolischen Legaten mit dem Ehrenrecht, sich ein doppeltes Kreuz als Zeichen des Apostolats vortragen zu lassen. Am Fest Mariä Himmelfahrt des Jahres 1000 wurde Stephan als erster König von Ungarn feierlichst gekrönt. Am gleichen Tage noch erklärte er in öffentlicher Urkunde, daß er Maria zur Patronin seines Reiches auserwählt habe.

Doch Stephan`s goldene Krone hatte auch stechende Dornen. Sein noch heidnischer Oheim Gyula, Lehnsfürst von Siebenbürgen, entbrannte in solchem Ingrimm gegen seinen Neffen und die christliche Religion, daß er Stephan`s höfliche Vorstellungen und friedfertige Bitten mit Hohn zurück wies und wie ein Räuber in sein Land einbrach. Stephan nahm den treulosen Oheim gefangen, sicherte Siebenbürgen gegen die feindlichen Einfälle der Bulgaren und vereinte ihr Land mit Ungarn.

Bald darauf fand auch Kaiser Konrad II. von Deutschland einen nichtigen Vorwand, ihm den Krieg zu erklären. Stephan, das Blutvergießen verabscheuend, griff nur langsam zu den Waffen, ordnete in allen Kirchen fromme Gebete zur Mutter Gottes an und erlangte den Frieden ohne Schwertstreich auf eine heute noch unerklärliche Weise.

Nachdem er das Reich mit den größten Opfern und Mühen in religiöser und politischer Beziehung geordnet, wollte er die Regierung seinem einzigen, vierundzwanzig Jahre alten Sohn Emerich übergeben, um sich in stiller Zurückgezogenheit auf den Tod vorzubereiten. Emerich war ein Engel im Fleische, der Liebling des Volkes, die Hoffnung des Landes. Am Fest Mariä Geburt 1031 sollte im Beisein aller Großen Ungarns diese Übergabe geschehen; allein Gottes Weisheit leitete anders, sechs Tage zuvor starb der heilige Prinz, um statt der irdischen die himmlische Krone zu tragen; ihn hat später Papst Benedikt IX. unter die Heiligen versetzt. Schwer traf Stephan`s Vaterherz dieser Schlag, der so freudige Hoffnungen für sein Haus und sein Volk zertrümmerte, und eine dreijährige Krankheit, während welcher vier unzufriedene Grafen einen Mordversuch wider ihn wagten, füllte seinen Leidenskelch bis oben; aber sein Gottvertrauen wankte nicht.

Die Nähe des Todes erkennend, versammelte der Heilige den Adel des Reiches um sein Sterbebett, empfahl ihnen Gehorsam gegen den Papst und Treue gegen Jesus Christus, ihren Gott und Herrn, empfing mit erhebender Andacht die heiligen Sakramente und flehte nochmals die Himmelskönigin an um gnädigen Schutz für sein Land und Volk. „Maria“ war sein letztes Wort im Scheiden am 15. August 1038. Allgemein und groß war die Trauer des Volkes um den geliebten Vater, es begleitete die teure Leiche zur Ruhestätte in der Mutter-Gottes. Kirche zu Stuhlweißenburg; ein wunderbarer Engelgesang verherrlichte sein Grab, sein heiliger Leib verbreitete einen unbeschreiblichen Wohlgeruch, sehr viele Kranke fanden plötzliche Heilung. Nach fünfzig Jahren öffnete man das wunderreiche Grab; der Leichnam war zerfallen, aber die rechte Hand, mit der er so viel Gutes getan und so viele Almosen gespendet, war unversehrt. Papst Gregor VII. setzte ihn in das Verzeichnis der Heiligen, und Innozenz XI. bestimmte für sein Fest den 2. September. – aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 649-651

Bildquellen

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  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor

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