Heiliger Heinrich II deutscher Kaiser

Christus sitzt in der Mitte, Löwe und Stier zu seinen Füßen, die Heiligen aus den Orden und Jungfrauen stehen in der oberen Reihe, in der unteren Reihe knien heilige Kinder und Ehepaare

Heiligenkalender

15. Juli

Heiliger Heinrich II. deutscher Kaiser

Unter den vielen Ruhm gekrönten deutschen Kaisern glänzt Heinrich II. nicht so sehr durch großartige Waffentaten und politische Herrschergröße, aber desto mehr durch seine Herzensgüte und geläuterte Frömmigkeit. Zu Abbach in Bayern am 6. Mai 972 geboren, wurde Heinrich von seinem Vater Heinrich, Herzog von Bayern, dem hl. Bischof Wolfgang in Regensburg zur Erziehung übergeben. Dieser eben so gelehrte als frommer Mann pflanzte in das empfängliche Herz seines hohen Schülers die heiligen Lehren und schönen Tugenden, deren herrliche Früchte ihm den Dank und die Verehrung der Mit- und Nachwelt erworben haben. Im Jahre 995 folgte er dem Vater in der Regierung und vermählte sich bald darauf mit Kunigunde, mit der er, treu seinem Gelübde, in jungfräulicher Ehe lebte.

Um sich die notwendige Gnade zu glücklicher Regierung seines Landes von Gott zu erbitten, wallfahrtete Heinrich öfters zum Grabe des geliebten Lehrers Wolfgang († 994). Als er daselbst einst in stiller Andacht betete, hörte er deutlich den Ruf: „Schau` aufwärts!“ Heinrich sah über sich in Flammenschrift die zwei Worte: „Nach sechs“. Er deutete den Sinn dieser Worte dahin, daß er nach sechs Tagen sterben werde, ergab sich voll Demut in den heiligen Willen Gottes und bereitete sich auf den Tod vor. Da er aber nach sechs Tagen noch unveränderlich gesund war, glaubte er fest, daß er nach sechs Wochen sterben werde, und setzte die Vorbereitung zum Tode eifrigst fort. Aber auch nach sechs Wochen zeigte sich keine Krankheit. Nun meinte er, daß er nach sechs Monaten, und nach Verlauf derselben, daß er sicher nach sechs Jahren vor dem Gericht Gottes stehen werde; und heiligte so die ganze Zeit zu einem guten Tode. Nach sechs Jahren wurde er zum deutschen König gewählt. Seine Mitbewerber um die deutsche Krone, die ihre Ansprüche mit Waffengewalt geltend zu machen versuchten, hat er mehr durch hochherzigen Edelmut als durch herrschsüchtiges Blutvergießen besiegt.

Ein prachtvolles Bild des heiligen Kaisers Heinrich II.: umrahmt von einem Band aus kunstvollen Bildchen ist der Kaiser mit Krone, Reichsstab und einer Kirche auf dem linken Arm zu sehen

Auf dem Throne hatte er keinen andern Ehrgeiz, als den, das Wohl der ihm anvertrauten Völker, den Frieden und die Erhöhung der katholischen Kirche, und in Allem die Ehre Gottes zu befördern. Unermüdlich bis zum Tode war er tätig, fast immer auf Reisen in seinem weiten Reich, nirgends hielt er sich nur zum Vergnügen auf. Wohin er kam, rottete er mit fester Hand Mißbräuche und Gesetzlosigkeit aus, schützte Recht und Billigkeit, unterstützte mit königlicher Milde die Armen, beschenkte oder gründete fromme Anstalten und Klöster, spendete unzählige Gaben zur Verschönerung der Kirchen. Dabei zeigte er eine solche Herablassung, daß man zu sagen pflegte, es sei unter dem goldenen Fürstenmantel nie eine solche Demut gesehen worden. Schmeichler floh er wie die Pest und liebte nur jene als seine Freunde, die ihn aufrichtigen Herzens auf seine Fehler aufmerksam machten. Nur heilige Männer wollte er um sich haben, und darum ehrte er mit besonderer Freundschaft den hl. Abt Odilo von Cluny, den hl. Bischof Burkard von Worms und den hl. Erzbischof Heribert von Köln. Mit diesem war er einige Zeit entzweit, weil man ihn belogen hatte. Als es aber Heribert`s Unschuld erkannte, bat er ihn kniefällig und weinend um Verzeihung.

Im Jahre 1010 sah sich Heinrich gezwungen, gegen den Polenherzog Boleslaus (II.), welcher Merseburg verwüstet hatte, das Schwert zu ziehen. Auf dem Schlachtfeld rief er die hl. Georg, Laurentius und Adrian um Hilfe an und siehe, diese Heiligen gingen in den Lüften den Deutschen voran, jagten die fliehenden Feinde vor sich her, und ihre Niederlage war bald vollständig. Zum Dank stellte er das Bistum Merseburg wieder her und stattete es reichlich aus.

Im Jahre 1013 zog er mit seiner Gemahlin Kunigunde nach Mailand, um den treulosen Aufrührer Harduin zu züchtigen, und dann nach Rom, um aus den Händen des Papstes die Kaiserkrone zu empfangen. Benedikt VIII. übergab ihm bei dieser Feier den goldenen Reichsapfel als Sinnbild der Herrschaft über die ganze Welt, welcher fortan neben Krone, Zepter und Schwert als Ehrenzeichen der kaiserlichen Würde beibehalten wurde. Auf dem Rückweg begegnete der Kaiser in Verona dem hl. Romuald, den er mit den Worten begrüßte: „O, daß doch meine Seele in deinem Leibe wohnete!“ Gerne hätte er hier den goldenen Reichsapfel um eine rauhe Mönchskutte gegeben, wenn es Gottes Wille gewesen wäre. Wirklich, so wird erzählt, bat er im Kloster St. Guido zu Verdun um das Ordenskleid des hl. Benedikt. Der Abt versammelte die Brüder und fragte ihn, ob er der heiligen Regel gemäß unbedingten Gehorsam gelobe, und sprach dann auf die bejahende Antwort des Kaisers: „Nun, so nehme ich Euch als Bruder auf und befehle Euch, daß Ihr in der Welt bleibt und auch ferner die Krone traget.“ Heinrich gehorchte und führte das Zepter mit dem wohl verdienten Ruhm, den ihm die Geschichte zuerkannt hat.

Papst Benedikt VIII. kam im Jahre 1019 selbst nach Deutschland und bat den Kaiser um Hilfe wider die Griechen, welche bereits Capua erobert hatten. Heinrich marschierte mit 60000 Mann nach Italien. Als ihm die Stadt Troja nicht nur hartnäckigen Widerstand leistete, sondern auch schimpflichen Hohn antat, schwor er bei seiner Krone deren Zerstörung. Schon nach drei Monaten war ihr Untergang unvermeidlich. Da schickten die Bürger einen frommen Mönch und alle ihre Kinder unter zehn Jahren ins kaiserliche Lager, um Gnade zu bitten. Wie diese unschuldigen Knaben und Mädchen paarweise daher zogen und mit Tränen auf den Wangen laut jammerten: „Kyrie eleison (Herr, erbarme dich unser)“ war der Zorn des Kaisers besänftigt. Mit bewegter Stimme rief er den Nahenden zu: „Gnade, Gnade“, und erklärte seinem Heere: „Es geziemt sich nicht, daß dieses Bitten und Weinen, durch welches Gott selbst so oft von den Menschen sich erweichen läßt, von mir einem Menschen abgewiesen werde.“

Diese schöne Handlung segnete Gott sichtbar. Schnell und glücklich endete der Feldzug, und im Kloster Monte Cassino wurde Heinrich durch ein Wunder des hl. Benedikt von der sehr schmerzlichen Steinkrankheit befreit.

Alle von Regierungs-Geschäften freie Zeit widmete er dem Gebet, hörte täglich die hl. Messe, verehrte kindlich die Mutter Gottes und den heiligen Schutzengel. Glühend liebte er die katholische Kirche. Auf seine Lieblings-Stiftung, das Bistum Bamberg, verwendete er sehr große Summen und unsägliche Mühe, um das Werk zu Stande zu bringen. Es gab kaum ein deutsches Bistum, welches nicht der unerschöpflichen Freigebigkeit des Kaisers an Geldspenden, an neuen Einkünften, Rechten und Privilegien Vieles verdankte. Dafür hatte sein mildes Herz die bittersten Kränkungen und Gewalttätigkeiten von seinen eigenen Blutsverwandten zu erdulden, aber sein Eifer für die Ehre Gottes erkaltete nicht, die Armen blieben seine Haupterben.

Erschöpft von den anstrengenden Reisen und körperlichen Leiden erkrankte der Kaiser zu Grona bei Halberstadt. In demütigster Andacht empfing er die heiligen Sakramente, rief die Gemahlin und die Verwandten an sein Sterbebett, bat in herzlicher Rührung Kunigunde nochmals um Verzeihung und sprach dann zu den Gegenwärtigen: „Diese teure Kaiserin ist mir von euch oder vielmehr von Christus angetraut worden; ich gebe sie Christus und euch als unversehrte Jungfrau zurück.“ Hierauf hauchte er seine keusche Seele in die Hände Gottes am 14. Juli 1024, 52 Jahre alt. Seine Reliquien werden im Dom zu Bamberg verehrt. Die Heiligsprechung vollzog Papst Eugen III. im Jahre 1145. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 531 – S. 533

Bildquellen

  • ott-heiliger-heinrich-ii-kaiser: Bildrechte beim Autor
  • Bitschnau Das Fest Der Heiligen: Bildrechte beim Autor

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