Heiligenkalender
3. Januar
Die heilige Genovefa, Jungfrau
Patronin von Paris
Genovefa erblickte 422 zu Nanterre bei Paris in Frankreich das Licht der Welt. Ihre Eltern waren Severus und Gerontia, arm an zeitlichen Gütern, aber reich an Tugenden. Sie hütete die Schafe. Schon in der Kindheit bemerkte man an ihr eine englische Eingezogenheit, reifen Verstand und ganz auserlesene Frömmigkeit. Als der heilige Germanus, Bischof von Auxerre, bei seiner Durchreise diese unter dem Volk bei ihren Eltern stehen sah, sprach er aus Eingebung Gottes zu den Eltern: „Glückselig seid ihr, die ihr ein Gott so angenehmes Kind zur Welt gebracht habt. Traget alle mögliche Sorge, damit es wohl erzogen werde; denn Gott hat sich dasselbe zu einem Opfer ausersehen.“ Hierauf wandte er sich an die Kleine selbst mit den Worten: „Meine Tochter, willst du eine Braut Christi werden und ihm dein ganzes Herz weihen?“ „Ja, ich will es gerne“, erwiderte Genovefa; „ich habe kein sehnlicheres Verlangen als das, mich ganz dem Herrn zu widmen, und dazu gebe er seine Gnade!“ Der heilige Bischof gab ihr darauf ein Kreuzlein, welches sie statt alles eitlen Schmuckes an dem Hals tragen und sich beim Anblick desselben des gemachten Vorsatzes immer erinnern sollte. Von jener Zeit an nahm Genovefa täglich in der Tugend zu; sie redete wenig mit den Menschen, liebte die Einsamkeit, das Gebet und die Arbeit, suchte niemanden als einzig Gott zu gefallen. Einstens bat sie inständig ihre Mutter um Erlaubnis, mit ihr in die Kirche zu gehen; die Mutter wollte solches nicht gestatten, sondern gab ihr auf wiederholtes Bitten einen Schlag in das Angesicht, wurde aber von Gott auf der Stelle mit Blindheit gestraft. Die Mutter erkannte und bereute ihren Fehler. Genovefa fing voll Mitleid für sie zu beten an, schöpfte alsdann Wasser aus dem Brunnen, machte das heilige Kreuzzeichen darüber und wusch mit demselben die Augen der Mutter, worauf sie wieder das Gesicht erhielt. Dieses war das erste Wunder der heiligen Genovefa, welchem viele andere folgten.
Im 14. Jahre ihres Alters kam sie zu dem Bischof mit zwei anderen Jungfrau und bat ihn um die Einsegnung und Aufnahme in ein Kloster. Die Bitte der heiligen Jungfrau wurde erhört, und Genovefa den geistlichen Jungfrauen beigezählt, bei denen sie das Gelübde der ewigen Keuschheit ablegte. Nach dem Tode ihrer Eltern wurde sie von ihrer Oberin nach Paris zu ihrer Taufpatin geschickt. Gott suchte sie daselbst mit einer höchst schmerzlichen Glieder-Krankheit heim. Nachdem er aber so ihre Geduld und Demut geprüft, ließ er sie wieder genesen und machte sie durch große Wunderwerke berühmt. Attila, der grausame König der Hunnen, war mit großer Wut in Frankreich eingefallen und verheerte alles auf das Schrecklichste. Die Bewohner von Paris hatten Angst, er würde ihrer Stadt dasselbe Schicksal bereiten, wie den anderen, und sahen nur in der Flucht das Heil. Aber Genovefa sprach zu ihnen: „Bleibt in der Stadt, und nehmt eure Zuflucht zu dem Herrn. Ihm bringt aus reumütigem Herzen Gebet, Fasten und Almosen dar und hofft alsdann von seiner Vaterhuld Schutz und Rettung!“ Die Pariser taten nach dem Wort der Heiligen, die ihr Gebet mit ihnen vereinigt zu Gott sandte. Und wirklich, es ward erhört; wider aller Erwarten zog der furchtbare Feind an Paris vorüber, ohne die Stadt auch nur im geringsten zu beschädigen. Diese wunderbare Rettung schrieb man nicht ohne Grund der Fürbitte der heiligen Jungfrau zu. Dann half sie der Stadt, als Hunger sie auf das Jammervollste bedrängte. Sie schiffte auf der Seine nach Troyes und führte von da trotz aller Gefahren 11 Fahrzeuge mit Getreide beladen nach Paris und sättigte damit die Notleidenden.
Gott befreite durch sie an einem Tag 12 Besessene von den bösen Geistern. Er gab durch sie lahmen Menschen den Gebrauch ihrer Glieder, Blinden das Gesicht, einem ungetauften, in den Brunnen geworfenen und toten Kind das Leben und zahlreichen Kranken die Gesundheit wieder. Gott hatte nämlich dieser heiligen Jungfrau die Gabe, Wunder zu wirken, in einem sehr hohen Grade verliehen. Die Ursache, warum Gott sie so verherrlichte, war ihr heiliges Leben. Ihre erste Unschuld erhielt sie bis in den Tod unversehrt. In jungfräulicher Reinigkeit glich sie mehr den Engeln als den Menschen. In der Abtötung ihres Körpers übertraf sie viele Einsiedler; denn man weiß nebst anderen, daß sie von dem 15. Lebensjahr an bis in da 50. nur zweimal in der Woche, am Sonntag und am Donnerstag, ein wenig Gerstenbrot und Bohnen zur Nahrung genossen habe. Vom 50. Jahre an musste sie auf Befehl des Bischofs diese ihre Strenge in etwas mildern. Es bestand aber diese Milderung nur darin, daß sie bisweilen etwas von Milch und Fischen aß. Vom Wein hat sie sich immer enthalten. Ihr Herz war von so heftiger Liebe gegen Gott entzündet, daß sie gewöhnlich den Himmel ohne Weinen nicht ansehen konnte. Die Begierde, ihren geliebten Heiland vollkommen zu besitzen, drückte ihr heiße Tränen des Verlangens aus den Augen. Nichts fiel ihr schmerzlicher, als wenn sie hörte, daß Gott, den sie über alles liebte, und von allen geliebt wissen wollte, beleidigt wurde. Daher kam es auch, daß sie sich von dem Fest der heiligen drei Könige an bis zum Aschermittwoch in einer engen Zelle verschloß, und die ganze Zeit mit Beten, Fasten und anderen Bußwerken zubrachte; denn schon damals ward dies Götzenfest, das Namenchristen aus dem Heidentum in das Christentum gebracht hatten, zum Jammer der Frommen mit den Werken der Heiden gefeiert, und so Gott zu dieser Zeit vielfach beleidigt. Die Fastnacht, schreibt der heilige Karl Borromäus, ist ein teuflisches Fest. (siehe dazu den Beitrag: Die Unehrbarkeit des Fastnachtstreibens) Und wenn man den Ursprung desselben betrachtet, und wie es gewöhnlich begangen wird, hat der heilige Karl Borromäus nicht zu viel gesagt.
Nachdem nun diese große Dienerin Gottes 80 Jahre erreicht hatte, schickte ihr Gott der Herr eine Krankheit zu als Vorboten des so lange von ihr gewünschten Todes. Sie starb als Heilige den 3. Januar 512. Die Stadt Paris verehrt sie als ihre besondere Patronin. Sie wurde in einer Kirche beigesetzt, die später nach ihr benannt worden ist. Man pflegt diese heilige Jungfrau abzubilden mit einem Palmzweig und zwei Schlüsseln in der rechten, und mit einem brennenden Licht in der linken Hand. Auch wird sie als Schäferin dargestellt.
Beherzigung.
Hast du bedacht, was die heilige Jungfrau Genovefa zur Zeit der sogenannten Fastnacht getan hat? Lies es noch einmal, und lerne daraus, daß, wenn du gemäß dem Ziel und Ende deiner Erschaffung Gott allein und beständig zu dienen dich gestern entschlossen hast, du es ja nicht während dieser Zeit mit den leichtsinnigen Weltkindern halten darfst; denn diese weichen von dem Dienst Gottes ab, wollen Gott nicht beständig, sondern einige Zeit der Welt, dem Fleisch, dem Satan dienen; oder sie teilen ihr Herz und wollen zugleich Gott und der Welt dienen. Was solche zu erwarten haben, hast du gestern gehört. Tue du nichts dergleichen, weiche nicht von Gott ab, sondern diene ihm desto eifriger, je mehr er von anderen beleidigt wird. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 11-13