Unehrbarkeit des Fastnachtstreibens

Die Unehrbarkeit des Fastnachtstreibens

O lieber Heiland! Geh´ einmal jetzt in der Welt umher; nicht einen Blinden am Wege, sondern unzählbare blinde Menschen wirst du auf den Straßen, in den Häusern, in den Zimmern, da und dort antreffen, welche nicht, wie jener rufen: Jesu, Sohn Davids, erbarme dich meiner! Sondern welche sich in ihrer Blindheit freuen und lustig machen. Ich meine besonders in den gegenwärtigen Fastnachtstagen. Wer blind ist, der irret umher, und weiß nicht, wo er ist, wohin er geht; er fühlt mit den Händen rings umher, und erkennt doch nicht, was er antaste, ob es schwarz oder oder weiß sei. So tut in diesen Tagen die blinde Welt und ihre blinden Fastnachts-Kinder: alle suchen sich zu belustigen. Aber gleich den Blinden greifen sie, wo sie eine Freude zu erhaschen wähnen, nach einer falschen Lustbarkeit, bei welcher weder Ehre, noch wahres Vergnügen zu finden ist, welche folglich neben dem christlichen Namen, ja neben der gesunden Vernunft nicht bestehen kann. Um diese Blindheit zu offenbaren, und alle guten und vernünftigen Christen davor zu warnen, will ich heute beweisen, daß dies wirklich wahr ist.
Die Lustbarkeit der Fastnachts-Kinder ist meistenteils keine ehrbare Belustigung, folglich für einen Christenmenschen unanständig. Dies werde ich im ersteren und größeren Teil beweisen. Sie ist keine angenehme Belustigung, folglich von keinem vernünftigen Menschen zu suchen…

… wessen Standes, welcher Lage, welchen Bekenntnisses sind wir, auch die Weltleute mit eingeschlossen? Wir sind katholische Christen. Das ist schon genug, weiter brauche ich nichts. Katholische Christen sind wir, das ist, Rechtgläubige: so ziemt es sich denn nicht, daß wir mit dem blinden Heidentum und seinen übrig gebliebenen Missbräuchen irgend eine Gemeinschaft haben. Katholische Christen sind wir, das ist, Kinder des Lichts: so dürfen wir denn mit den Werken der Finsternis nichts zu schaffen haben. Katholische Christen sind wir, das ist, Soldaten Jesu Christi, oder, wie die heiligen Väter den Zunamen beigelegt haben, Professoren und Geschworene auf das Gesetz und Evangelium Jesu Christi, welche, wie schon oft gesagt, in der heiligen Taufe mit einem öffentlichen Eid geschworen haben, daß wir in alle Ewigkeit nichts mit dem Teufel, noch mit mit seinem Anhang, nichts mit dem Fleisch, noch mit seinen Gelüsten, nichts mit der Welt, noch mit ihren Eitelkeiten zu tun haben wollten: so ist uns denn alles unanständig, was mit einem von den besagten Dingen übereinstimmt. Katholische Christen sind wir, das ist, nach dem Zeugnis des heiligen Apostels Paulus, Glieder und Nachfolger Jesu Christi, welche Christum anziehen, und das Leben eines so demütigen, und mit Dornen beladenen Hauptes in allen unsern äußern Sitten und in unserm ganzen Lebenswandel uns befleißigen müssen, so viel als möglich nachzuahmen; Blutsverwandte und Tischgenossen Jesu Christi, welche so oft mit seinem allerheiligsten Fleisch und Blut gespeist und getränkt werden, und, wie er selbst ausdrücklich sagt, Er in uns, und wir in ihm bleiben: so kann denn das, was einem solchen Leben, was einer solchen Würde entgegen ist, für uns nicht ehrbar noch geziemend sein. Wollen wir also Fastnacht halten, wollen wir uns belustigen, und zwar in der unserer Person geziemenden Ehrbarkeit, so muss es eine Fastnacht, eine Lustbarkeit sein, von welcher jede Vernunft mit Wahrheit sagen kann: ja, das steht wohl an einem von Gott erleuchteten Gläubigen, einem Kinde des übernatürlichen Lichtes, einem Professen des christlichen Evangeliums, einem abgeschworenen Feindes des Teufels, des Fleisches, der üppigen Welt, einem Mitglied, einem Nachfolger, einem Tischgenossen und Blutsverwandten des demütigen, gekreuzigten Jesu Christi.

Unchristliches Fastnachtstreiben – den Heiden ein Gespött für ein verderbtes Christentum

Jetzt lasse ich euch die Untersuchung aufstellen. Geht hin, betrachtet die Fastnachts-Lustbarkeiten, wie sie in den gegenwärtigen Tagen in der Welt von vielen Christen veranstaltet werden, und seht zu, wie dieselben mit allen oben genannten Titeln und Pflichten übereinstimmen. Einige Stunden vor dem Spiegel zum Schminken zubringen, in allerlei eitlem, leichtfertigen Putz, in öffentlichen Gesellschaften aus beiderlei Geschlecht den Augen zum Fallstrick erscheinen, und gleichsam zur Schau dasitzen; sich in allerlei possierlichen Gestalten und Figuren, Männer in Weiber, Weiber in Männer verkleiden, damit die angeborene Schamhaftigkeit auf die Seite gesetzt werde; mit vermummten Gesichtern unter Schreien und Jauchzen auf öffentlicher Straße aus einer Gasse in die andere, unter phantastischem Aufzug und schamlosen Gebärden gleich den Narren und Wahnsinnigen auch an Gott geheiligten Sonn- und Feiertagen herum schwärmen (was jetzt, Gott sei Dank, wie ich zur Freude meines Herzens vernommen habe, von einer hohen Obrigkeit hier aufgehoben und verboten ist: gebe Gott, daß es in der ganzen katholischen Welt geschehe!), ganze Nächte mit Tanzen und Springen, mit gefährlichen und unerlaubten Scherzen, mit unmäßigem Fressen und Saufen bis zur völligen Trunkenheit hinbringen; die jungfräuliche, eheliche Zucht mit Begierden, Worten und Werken besudeln, was in diesen Tagen von manchem fast für keine Sünde gehalten wird, und dergleichen Mutwillen mehr – sind das Vergnügungen, die einer Person, welche sich für einen oben beschriebenen Christen ausgibt, ziemen und anständig sein sollen? Sind das Lustbarkeiten für einen Nachfolger Jesu Christi und seines Lebens? Ei, was ziemt dann der eitlen Welt? Was ist fleischlich? Was ist heidnisch? Ja, was ist teuflisch, wenn es dies nicht ist?

O erstgeborene Kinder der christlichen Kirche, wie weit anders ging es bei euch her! Euch hatten die Heiden nicht mehr vorzuwerfen, als daß ihr euch nicht auf den Fecht- und Tanzplätzen einfinden wolltet, vor ihren Unterhaltungen und öffentlichen Freudenfesten Abscheu hegtet, bei euern Mahlzeiten nur Demut, Eingezogenheit, Nüchternheit und Mäßigkeit zu finden war. Dies waren die Laster, deren ihr von ihnen bezichtigt wurdet; diese eure Zucht und Eingezogenheit war es, welche so viele Heiden und Ungläubige zur Bewunderung und zur Erkenntnis der Wahrheit unserer christlichen Religion vermöchte, daß sie den falschen Götzen abschworen, und nach eurem erbaulichen Beispiel Jesum Christum, sein heiliges Evangelium öffentlich bekannten, und gestehen mussten, es sei keineswegs wahrscheinlich, daß die Finsternis eines Irrtums da statthaben könne, wo eine so große Demut und Eingezogenheit ihren Glanz verbreitete. O Christen, wo sind wir? Ein offenbares Ärgernis geben wir mit unsern Fastnachts-Possen den Heiden, Türken, Juden und Ketzern, welche aus solchen unordentlichen Missbräuchen Grund und Veranlassung schöpfen, daß sie sich von der christlichen Kirche trennen und glauben, es könne unter einer so großen Verwirrung unmöglich die Wahrheit zu finden sein. Wie viele waren schon, welche bei Betrachtung dieses unmäßigen, liederlichen Lebens in ihrem Irrtum gesteift wurden, und vielleicht Gott, dem Herrn, Dank sagten, daß er sie nicht habe in einem so verderbten Christentum geboren werden lassen. Den Türken und Mohammedanern sind wir eben hierdurch öfters zum Spott und Gelächter geworden, und zwar so, daß viele von denen, welche unsern Fastnachts-Unterhaltungen zusahen, ganz der Meinung waren, als müssten die Christen einmal Narren werden. Welchen Gesetzgeber, welchen Gott beten diese Menschen an, der ihnen dies vorgeschrieben hat oder erlaubt? So ließen sich jene vernehmen. Seht, nicht allein die christliche Religion, sondern Jesus Christus, unser Gesetzgeber und Lehrer selbst wird dadurch den Heiden und Juden zum Gespött und Gelächter, worüber er sich billig beklagt und sagt, was einst der Patriarch Jakob zu seinen Söhnen Simeon und Levi mit trauerndem Herzen sprach, nachdem diese die Sichemiten grausamer Weise erschlagen hatten: Ihr habt mich betrübt und verhaßt gemacht bei den Kanaaniter und Pherezitern, den Einwohnern dieses Landes. (1. Mos. 34, 30) Von den ersten Christen schreibt der heilige Apostel Paulus an seine Korinther: Wir sind Gott ein guter Geruch Christi (2. Kor. 2, 19), das ist, durch unsern züchtigen und erbaulichen Lebenswandel bewirken wir, daß alle Nationen und Völker der Welt eine löbliche Meinung von Jesu Christo und dem christlichen Namen fassen, auch viele von ihnen bewegt werden, sein Gesetz anzunehmen. Jetzt mögen wohl alle frommen Christen wider die heutigen Fastnachts-Kinder mit mehr Fug und Recht seufzen und klagen, als die Hebräer in Ägypten wider Moses und Aaron taten: Und sie sprachen zu ihnen: Der Herr sehe und richte, daß ihr uns verhaßt gemacht habt vor Pharao und seinen Knechten (2. Mos. 5, 21). Durch eure Ausgelassenheit bewirkt ihr, daß die Ungläubigen und Abtrünnigen, so zu sagen, ihre Nasen zuhalten, als vor einem unleidlichen Gestank, wenn sie ein solches Betragen in unserer Religion wahrnehmen. So ist es in der Tat, andächtige Zuhörer! Und das soll eine ehrbare Belustigung sein, welche den auserwählten Kindern Gottes und Nachfolgern Jesu Christi gezieme und wohl anstehe?

So sollen wir uns ja schämen, etwas zu tun, was nicht geziemend noch wohlanständig ist. Ermuntert man uns bisweilen, daß wir die göttlichen Gebote aufs genaueste halten, unsern Feinden von Herzen vergeben, die erfahrenen Unbilden ungerächt lassen, das Böse mit Gutem vergelten sollen, und dergleichen mehr, da sagt mancher gleich zu seiner Entschuldigung: das schickt sich nicht für mich, daß ich jene Unbild hinnehmen sollte, das leidet mein Ansehen und meine Ehre nicht etc. Ei, warum fassen wir denn nicht denselben Entschluss, wenn es die Ehre Gottes, wenn es den Ruhm und das Ansehen unseres hochwürdigen christlichen Namens und unserer heiligsten Religion betrifft? Darum ermahnt uns der heilige Apostel Paulus: Laßt uns ablegen die Werke der Finsternis und anziehen die Waffen des Lichts. Wie am Tage lasset uns ehrbar wandeln: nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Tanzen und Springen, sondern ziehet den Herrn Jesum Christum an (Röm. 13, 12-14), in allen euern Sitten und Gebärden, der euch nichts dergleichen gelehrt hat. Laßt uns lustig machen, aber mit ehrbarem Vergnügen, welches einem Kinde Gottes, einem Mitglied, Bruder, Nachfolger, Blutsfreunde und Tischgenossen Jesu Christi ziemt. Solches kann man von den gewöhnlichen Fastnachts-Lustbarkeiten nicht sagen. Doch, was rede ich noch lange von Lustbarkeiten? Diesen Namen verdienen sie nicht einmal, weil keine wahre Lust, kein wahres Vergnügen an ihnen sein kann: deswegen sind wir unvernünftig und blind, wenn wir dergleichen suchen. –
aus: Franz Hunolt SJ, Christliche Sittenlehre der evangelischen Wahrheiten, dem christlichen Volk in sonn- und festtäglichen Predigten vorgetragen, Bd. 4, Siebenter Teil, 1844, S. 244 – S. 254

Category: Hunolt, Predigten
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