Das Fest Kettenfeier des heiligen Petrus

Heiligenkalender

1. August

Petrus im Gefängnis wird durch einen Engel befreit; die Wächter sind vom Licht geblendet und liegen oder sitzen auf dem Boden

Kettenfeier des heiligen Petrus

Das Fest „Die Kettenfeier des heiligen Petrus“ wird in der katholischen Kirche schon seit den ältesten Zeiten gefeiert und ist ein rührendes Andenken an die innige Liebe, mit der unsere ersten katholischen Vorfahren an dem Statthalter Jesu Christi hingen, und an ihr felsenfestes Vertrauen, mit dem sie in der Trübsal auf den Schutz des Allmächtigen freudig hofften.

Herodes Agrippa I., ein Enkel des Herodes, der zu Bethlehem die Kinder morden ließ, wurde am römischen Hofe erzogen, von wo er wegen leichtfertiger Verschwendung und wegen übermäßiger Schulden sich flüchten musste. Allein seine Meisterschaft im Schmeicheln bahnte ihm wieder den Weg zum Herzen des charakterlosesten Kaisers Caligula. Dieser machte ihn zum Fürsten über einen großen Teil des jüdischen Landes, und im Jahre 41 erhob ihn Kaiser Claudius zum König über ganz Palästina.

Herodes kannte die „schwache Seite“ seines Volkes und schmeichelte ihm auf doppelte Art: einerseits indem er durch pünktliche Beobachtung der jüdischen Gesetze und Zeremonien und durch fromme Teilnahme an dem öffentlichen Gottesdienst tiefe Religiosität heuchelte, anderseits indem er durch Verfolgung der Christen den Haß der Juden gegen dieselben befriedigte. Das Osterfest, welches Tausende von auswärtigen Juden in Jerusalem versammelte, wollte er als die passendste Zeit benützen, um dem Lob seines Glaubenseifers schnelle Verbreitung zu verschaffen. Kurz vor dem Fest befahl er, den Apostel Jakobus mit dem Schwert zu töten. Das Volk, berauscht vor Freude, jubelte ihm Beifall zu. Als Herodes die schmeichelhafte Wirkung dieses Köders bemerkte, beeilte er sich, das Oberhaupt der Christen gefangen zu nehmen, um den Judenhass an dem Blut des Petrus zu ergötzen; aber die schon begonnene Osterzeit nötigte ihn, das blutige Schauspiel bis nach den Festtagen zu verschieben.

Die Nachricht, daß Petrus im Kerker liege und von vier Rotten Soldaten scharf bewacht werde, erfüllte die Christen mit dem tiefsten Schmerz und der größten Besorgnis; sie wußten keine Hilfe, sie hatten keine Hoffnung, ihren heiligen Vater zu retten, als das Gebet; und sie flehten ohne Unterlaß für ihn zu Gott. Die letzte Nacht vor dem Tage, an dem Petrus öffentlich hingerichtet werden sollte, war angebrochen. Er schlief zwischen zwei Soldaten, an die er rechts und links mit zwei Ketten angeschmiedet war. Plötzlich erhellte himmlischer Glanz die Finsternis des Kerkers; ein Engel stieß den Apostel an die Seite, weckte ihn auf und sprach: „Steh` eilends auf, gürte dich, ziehe deine Schuhe an, wirf das Obergewand um und folge mir!“ Petrus glaubte zu träumen; er sah die Ketten von den Händen und Füßen fallen, folgte dem Führer durch die erste und zweite Wache bis zum eisernen Tor, das in die Stadt führte; es öffnete sich selbst; sie traten hinaus, gingen eine Gasse voran und der Retter verschwand. Jetzt erst wurde Petrus sich selbst klar und sprach: „Nun weiß ich, daß es kein Gesicht war, sondern daß der Herr seinen Engel gesendet und mich aus der Hand des Herodes und der Erwartung des Judenvolkes entrissen hat!“ Mit seliger Freude empfing ihn die Christen-Gemeinde; er erzählte das Geschehene und ging an einen andern Ort.

Als der König, so erzählt der hl. Cäsarius, am Morgen die Flucht des Petrus vernahm, fand eine strenge Untersuchung statt. Ein Hauptmann, der sich überzeugte, daß ein Wunder geschehen sei, nahm die Ketten des Petrus zu sich als ein Heiligtum und wurde Christ. In seiner Familie blieben diese Ketten bis auf Kaiser Konstantin. Als die katholische Kirche aus der Verborgenheit der Katakomben frei hervor ging und auch äußerlich ihren Glanz entfaltete, übergab diese Familie die Ketten des hl. Petrus dem Bischof in Jerusalem mit der Bitte, daß er dieselben in der Kirche zur Verehrung aussetze.

Bei Anlaß einer Wallfahrt, welche die Kaiserin Eudoxia, Gemahlin Theodosius II., nach Jerusalem machte, schenkte ihr der Patriarch Juvenalis nebst andern kostbaren Heiligtümern auch die zwei Ketten, mit denen der hl. Petrus gebunden war, als der Engel ihn aus dem Kerker führte. Eudoxia, hoch erfreut über das Geschenk dieser so ehrwürdigen Reliquien, übergab die eine Kette der Kathedrale in Konstantinopel und übersandte die andere ihrer gleichnamigen Tochter in Rom, welche mit Kaiser Valentin III. vermählt war. Diese Fürstin beeilte sich, die von der Mutter empfangene Kostbarkeit dem Papst Sixtus III. zu zeigen. Da ließ der Papst zur Vergleichung jene Kette herbei bringen, welche der hl. Petrus unter Kaiser Nero im mamertinischen Kerker zu Rom getragen hatte. Und siehe, sobald die beiden Ketten einander berührten, schloß sich wunderbar die eine so an die andere an, als wäre es nur eine und zwar von derselben Hand gearbeitete Kette. Was Gott vereinigt hatte, wollte die Kaiserin nicht mehr trennen; sie baute auf dem esquilinischen Hügel eine schöne Kirche, unter dem Namen „St. Peter zu den Banden“, in welcher die Ketten zur Verehrung den Gläubigen ausgesetzt wurden. Gott belohnte diese Verehrung durch zahlreiche Wunder.

Es pflegten die Päpste Feilspäne von diesen Ketten des hl. Petrus, in goldene Kreuzlein oder Schlüsselchen eingeschlossen, den Fürsten zu verehren.

So sind die Ketten des hl. Petrus, welche den Statthalter Jesu nicht fest genug zu binden vermochten, ein deutliches Zeichen, daß die Macht der Hölle gebunden, die wahre Freiheit aber den Rechtgläubigen von Gott gegeben ist. Diese Ketten waren einst des Apostelfürsten schönste Zierde und seiner Würde kostbarster Schmuck; jetzt sind sie ein teures Heiligtum der ganzen Kirche und die Halszier der auserwählten Braut Jesu Christi.-aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 571-573

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