Die selige Jungfrau Herluka von Bernried

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

18. April

Die selige Jungfrau Herluka von Epfach und Bernried

Das Leben dieser Heiligen hat derselbe fromme und gelehrte Priester Paul von Bernried geschrieben, von dem wir auch eine Lebensgeschichte des heiligen Papstes Gregorius VII. besitzen. Der Ort ihrer Geburt ist unbekannt, scheint jedoch in der Nähe des Bodensees zwischen Villingen und Hirschau gewesen zu sein; denn die Äbte Wilhelm von Hirschau und Deocar von St. Georg bei Villingen waren in ihrer Jugend ihre Seelenführer.
Von frühester Kindheit auf ward ihr das Glück einer sorgfältigen christlichen Erziehung zu Teil. Als sie die Jahre der Mündigkeit erreicht hatte, wollte sie die Wege der Welt wandeln. Davor wurde sie verwahrt durch eine langwierige Krankheit, die ihr Gott zum Heil ihrer Seele sendete. Hier lernte sie einsehen, wie eitel alles weltliche Thun und Treiben sei. Allein nachdem sie genesen war, wendete sie sich wieder den weltlichen Eitelkeiten zu. Jetzt wurde sie mit einem Augenleiden heimgesucht, das gänzliche Erblindung zur Folge hatte.

Einer inneren Mahnung folgend opferte Herluka, nachdem sie ihren Sinn gründlich geändert und auch das Gewand gottgeweihter Jungfrauen angezogen hatte, zu Ehren des heiligen Märtyrers Cyriakus eine Wachskerze. Auf die Fürbitte dieses Heiligen erlangte sie auf dem einen Auge wunderbare Heilung. Bis an ihr Lebensende hatte sie so scharfes Auge, wie man es an Solchen, die an beiden Augen sehen, nicht leicht findet.

Von nun an wendete sie all ihre Sorgfalt armen, verlassenen Kindern zu. Wie eine Mutter reinigte sie ihnen die Köpfe, versorgte sie mit Wäsche und verschaffte ihnen das notwendige Gewand und Brot.

Um diese Zeit wurde sie mit der Gemahlin des Pfalzgrafen Mangold, Namens Adelhaid, bekannt. Diese führte auf ihrem Schloss Moropolis ein heiliges Leben und wollte an Herluka eine Genossin ihrer Andacht und ihrer Werke der Barmherzigkeit haben. Sie nahm die fromme Jungfrau zu sich auf ihr Schloss. Hier beteten sie oft ganze Nächte gemeinschaftlich.

Dies segensvolle Wirken der Dienerin Gottes war dem Satan zuwider. Er suchte es auf alle mögliche Weise zu hintertreiben. Als scheußliches Gespenst störte er die Betenden in ihrer Andacht. Einmal löschte er das Kerzenlicht aus. Herluka zündete es wieder an und flehte zu Gott um Schutz wider dieses Trugbild. Augenblicklich verschwand der Arge mit einem solchen Gekrache, daß man meinte, das ganze Schloss stürze zusammen. Allein das war eitler Lärm. Als es Tag geworden war, sah man, daß Alles unversehrt, und nicht einmal ein Ziegel auf dem Dache verrückt war. Nur Herluka behielt ein Denkzeichen. Ihr schwoll in derselben Nacht ein Knie auf und verursachte ihr lebenslänglich viele Schmerzen. Dies und viele andere Leiden ertrug sie mit bewunderungswürdiger Geduld.

Sie stand aber auch mit den Seligen des Himmels in einem besonders freundlichen Verkehr. Einst hatte eine Dienerin der Gräfin eine Ungeschicklichkeit begangen und fürchtete harte Strafe. Aus ungeeignetem Mitleid wollte Herluka der Magd durch eine Notlüge hinaus helfen. Darüber erhielt sie durch eine himmlische Erscheinung scharfe Zurechtweisung. Die heilige Felicitas erschien ihr und sprach: „Du hast über getan, daß du deine Lippen mit einer Lüge beflecktest. Den Umgang mit Männern zu meiden ist nicht das Einzige, was einer Jungfrau ziemt; sie muss auch aus Kräften jeder Lüge sich enthalten. Wo die Wahrheit verletzt wird, hat die leibliche Unversehrtheit wenig Wert.“

Solche himmlische Erscheinungen und Ansprachen wurden ihr häufig zu Teil. Nach dem Tode der Adelhaid schaute sie diese ihre Herrin in der Herrlichkeit des Himmels. Allein ihr Glanz war lange nicht so prachtvoll wie derjenige, in dem ihre Schwestern Wielika und Hiltiburgis strahlten, die in klösterlicher Abgeschiedenheit sich ganz ihrem Herrn und Heiland geweiht hatten. Der Verkehr mit der Welt hatte der Adelhaid einige Makeln angehängt, die selbst ihre himmlische Glorie minderten.

Nachdem Herluka Jahre lang mit Adelhaid auf ihrem Schloss Gott gedient und Barmherzigkeit geübt hatte, musste sie eine adelige Familie auf einer Reise gegen den Lech hin begleiten. In dem alten Epfach am Lech hielt man sich eine Zeit lang auf. Dieser Ort hat den heiligen Laurentius und den Bischof Wikterp zu Patronen. Wikterp war ehedem Bischof von Augsburg, und sein Leichnam ruhte damals noch unter dem Altare des der Mutter Gottes geweihten Kirchleins. Hier blieb Herluka. Ihre Herrschaft begab sich wieder zurück in die Heimat. „Bleibe hier, meine Tochter, ich werde dir alle Hindernisse aus dem Wege räumen.“ Diese Worte vernahm sie im Geiste von dem heiligen Bischof Wikterp. (Siehe I. Th. S. 141-144.)

In Epfach schloss sie sich an eine fromme Frau an, die Duda hieß, und unter der Leitung ihres gottseligen Oheims, des Sigibod von Raitenbuch, ein heiliges Leben führte. Diese nahm sie mit mütterlicher Liebe auf und sorgte für sie als ihre geistliche Tochter. Als einst Herluka etwas verdrossen aus der Kirche kam und die Scheiter auf dem Herde etwas unfreundlich hin und her legte, fragte Duda sie gar liebevoll und freundlich: „Wo bist du denn gewesen, und woher kommst du?“ Auf die Antwort: „In der Kirche bin ich gewesen, und aus der Kirche komme ich“, entgegnete Duda: „Das glaube ich nicht, denn wärest Du in der Kirche gewesen, und kämest du aus der Kirche, dann hättest du eine weit lieblichere Frucht des Gebetes mitgebracht.“

Einst wurde ihr gezeigt, welch eine schreckliche Beleidigung des Herrn es sei, wenn das hochheilige Opfer in unwürdiger Weise dargebracht werde. Sie sah den leidenden Heiland aus allen seinen Wunden bluten, mit schmerzlich betrübtem Antlitze; und der heilige Wikterp, der die Erscheinung begleitete, erklärte ihr, das sei der Ausdruck jener Beleidigung, die den Herrn durch gottlose Priester in Darbringung des heiligen Messopfers angetan werde. Damals gab es nämlich viele Geistliche, welche mit Verachtung der kirchlichen Gesetze in verbotener Ehe lebten und des ungeachtet das priesterliche Amt verwalteten.

Der Blick in den schauerlichen Zustand der Verdammten und in die Glorie der Seligen war ihr gegönnt. Öfters tat sie Aussprüche, die ganz deutlich zeigten, daß sie davon genaue Kunde habe. So sagte sie: Kein Feuer in der Hölle brennt schmerzlicher, als das Feuer der Exkommunikation. Und öfters erklärte sie, die himmlische Freude sei so groß, daß sie jeden Augenblick bereit stehe, jedes Todesleiden der Märtyrer auf sich zu nehmen, um aufgelöst zu werden und bei Christo zu sein.

Außerordentlich war die ihr von Gott verliehene Gnade, Seelen für Christus zu gewinnen. Den Herrn der Familie, in deren Gefolge sie nach Epfach kam, gewann sie so für das Streben nach christlicher Vollkommenheit, daß er Gott gelobte, mit seiner frommen Gemahlin Hedwiga ein Leben der Abtötung und des Gebetes in vollkommener Entsagung zu üben. Juta, eine ganz weltlich gesinnte Tochter dieser frommen Eheleute, wurde durch die Ermahnungen und das Gebet der Seligen aus der Welt heraus gerissen und für ein strenges Büßerleben im Kloster gewonnen. Diese Juta starb dann im Rufe der Heiligkeit und wurde im Kloster Wessobrunn begraben. Herluka schaute ihre heilige Seele in der himmlischen Verklärung.

In dem heiligen Erzmärtyrer Laurentius verehrte sie ihren vorzüglichsten Beschützer und Fürsprecher. Gar oft wurde sie einer Erscheinung von ihm gewürdigt. Fast regelmäßig begleitete er sie auf dem Hingang zum Tisch des Herrn. Unter seiner Leitung besuchte sie im Geiste die heiligen Stätten in Rom. Von diesen ausgezeichneten Gnaden-Erweisungen redete sie jedoch mit Niemand außer ihrem späteren Seelenführer, Paul von Bernried, dessen Ankunft in Epfach sie jedesmal schon lange vorher im Geiste schaute und auch ihren Hausgenossen ankündigte.

In Epfach blieb die Selige 36 Jahre lang. Ihr Beispiel und ihre Ermahnungen bewogen Viele zur Lebensbesserung. Viele Mädchen wurden durch sie bestimmt, ihre Jungfräulichkeit unversehrt für ihren himmlischen Bräutigam zu bewahren und in der Welt ein klösterliches Leben zu führen. Sie selbst stand unter der sichtbaren Leitung des genannten eifrigen Priesters Paul von Bernried, und ward unsichtbar geleitet und zurecht gewiesen vom heiligen Laurentius und vom heiligen Wikterp.

Nach dieser langen, segensreichen Wirksamkeit in Epfach wurde die Heilige aus dieser ihrer zweiten Heimat vertrieben. Barbaren sollen sie verjagt haben. Nun wendete sie sich nach Bernried am Würmsee. Hier war im Jahre 1120 vom Grafen Otto von Valley und seiner Gemahlin Adelhaid ein Chorherrenstift gegründet worden. Papst Calixtus II. hatte die Stiftung am 12. Februar 1122 bestätigt. Dies war schon seit Jahren die Zufluchtsstätte für den Priester Paul. Dieser hatte sich den Hass seiner Mitbrüder, der Kanoniker in Regensburg, zugezogen, und war von ihnen wegen seiner Rechtgläubigkeit und seines unbescholtenen Wandels verfolgt worden. Sie hielten es nämlich allesamt mit dem kirchenfeindlichen Kaiser Heinrich IV. und waren Gegner des für kirchliche Zucht und Ordnung eifernden Papstes Gregor VII. Paul war ein Freund dieses Papstes und von strengen Sitten. Deshalb hatte er sich von Regensburg flüchten müssen. In Bernried war er freundlich aufgenommen worden. Hier lebte er in Gemeinschaft mit frommen, gewissenhaften Priestern, suchte durch Wort und Beispiel die verirrten und verweltlichten Geistlichen für ein frommes Leben zu gewinnen und war ein fester Anhalt für Wankende. An ihn schlossen sich die Besseren an. Auch frommen Laien der Umgebung ward er ein Lehrer und Führer.

Unter der Leitung dieses treuen Dieners Gottes setzte Herluka in Bernried ihr strenges, beschauliches Leben nur mehr eine kurze Zeit fort. Sie lebte in einer engen Zelle, unweit der Kirche, bis zum Jahre 1142, in dem sie starb. Ihr Leichnam wurde in der Klosterkirche zu Bernried begraben. Drei Jahre nach ihrem Tode beschrieb Paul ihr Leben. Die Gläubigen hatten sie schon während ihres Lebens um ihrer Heiligkeit willen geehrt. Nach ihrem Tode empfahlen sie sich ihrer Fürsprache am Throne Gottes. Diese Verehrung besteht noch bis auf den heutigen Tag. Im Jahre 1653 wurde die Klosterkirche in Bernried neu erbaut. Als man im Jahre 1763 in derselben ein neues Pflaster legte, fand man zu beiden Seiten des Chores gemauerte Grüfte. In der einen, auf der Evangelistenseite, waren die Gebeine des seligen Stifters, Otto von Valley, in der andern, auf der Epistelseite, die Überreste der seligen Herluka aufbewahrt. Diese Überreste wurden vom Staub gereinigt, in blecherne Särge eingeschlossen und wieder in die Grüfte gelegt. Ein einfaches Kreuz in einem Stein des Kirchenpflasters bezeichnet die Stelle ihrer Gruft.

Quelle: BAVARIA SANCTA – Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes zur Belehrung und Erbauung für das christliche Volk, Zweiter Band, 1862, S. 75 – S. 81

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