Heilige Jungfrau Pelagia Märtyrerin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

9. Juni

Heilige Pelagia, Jungfrau und Märtyrerin

(Selbstmord)

Diese heilige Jungfrau lebte zur Zeit der Christenverfolgung in Antiochia. Sie war von vornehmer reicher Familie und wurde ihres Glaubens wegen angeklagt. Auf einmal, da Pelagia ganz allein zu Hause war, wurde sie von Soldaten überfallen, um sie vor Gericht zu führen; dort sollte sie entweder ihren Glauben abschwören, oder gewaltsam um ihre Keuschheit gebracht werden. Das fromme Mädchen war erst 15 Jahre alt; kein Mensch war gegenwärtig, welcher ihr in dieser schrecklichen Not raten oder helfen konnte. Sie wäre schon bereit gewesen, alle Martern für den Glauben auszustehen, aber sich ihre Keuschheit nehmen zu lassen, das war ihr ein ganz unerträglicher Gedanke. Was sollte sie nun in dieser Lage machen? Sie faßte schnell ihren Entschluss. Ohne Angst zu zeigen, bat Pelagia die Soldaten, ihr so viele Zeit zu lassen, daß sie sich anständig umkleiden könnte. Dieses Gesuch wurde ihr gestattet. Nun ging die Jungfrau in ihr Zimmer, bat Gott inständig um die Gnade, rein und fleckenlos vor ihm zu erscheinen, schmückte sich mit ihren besten Kleidern; dann stieg sie auf die Höhe des Hauses und stürzte sich hinab. – Sie war sogleich tot.

War dieses nicht ein Selbstmord, wie kann man sonach Pelagia unter die Heiligen zählen? Denkt vielleicht mancher Leser. Oberflächlich betrachtet, spricht allerdings der schein gegen Pelagia; denn sich selbst das Leben nehmen, ist eine der schauerlichsten Sünden; man stürzt sich durch eine Todsünde, durch einen Mord, in die andere Welt hinüber; und wie ,an sich die Rückkehr ins Leben unmöglich macht, so zerstört man sich auch für ewig die Möglichkeit zur Bekehrung und Begnadigung. Deshalb ist der Anblick keines Toten so schauerlich, als der eines Selbstmörders, man meint da den Leichnam eines Verdammten zu sehen. Und doch kann man auch hier durch liebloses und ungerechtes Urteil sich versündigen. Sehr oft ist der Mensch, welcher sich einen Tod angetan hat, im Augenblick seiner Tat geisteskrank gewesen, so daß er gleichsam wie in der Fieberhitze nicht recht wußte, was er tat, oder nicht recht Herr war über sich selbst. Was aber der Mensch in einem Zustand tut, wo seine Vernunft oder sein freier Wille gebunden ist, das rechnet ihm Gott nicht an, es sei denn, daß der Mensch durch eigene Schuld, z. B. wie der Betrunkene, sich in diesen Zustand versetzt hat. Daher behandelt die Kirche solche Menschen, welche sich in Verrücktheit oder dergleichen Zustand selbst entleibt haben, nicht als Selbstmörder und läßt sie beerdigen mit den Kirchengebeten wie einen andern verstorbenen Christen. Zudem kann Gott auch manchem Selbstmörder noch im Augenblick vor der Trennung der Seele vom Leib die Gnade vollkommener Reue gewährt haben. –

Die Tat der hl. Pelagia muss aber nicht nur als entschuldigt angesehen werden, sondern als ein Verdienst. Denn gerade ihr Abscheu vor aller Verletzung der Keuschheit, ihr Festhalten an jungfräulicher Unschuld, ihre Liebe zu Gott war der Beweggrund, ihr Leben schneller zu enden. Hätte sie sich auch geirrt, insofern der Selbstmord an sich eine Sünde ist, so würde ihr Irrtum gegen die Reinheit und Treue ihres guten Willens nicht schwer in das Gewicht fallen können; allein der hl. Augustinus, welcher sonst allen Selbstmord für große Sünde erklärt, sagt in Betreff solcher Fälle, es könnte wohl sein, daß eine heilige Person dieses getan habe auf besondere Offenbarung und Befehl Gottes, wie auch Abraham seinen Sohn zu opfern geheißen wurde, ohne daß deshalb ein anderer Mensch ohne besondere Offenbarung Gottes solches tun dürfte. Die Kirche aber verehrt diese Jungfrau als Märtyrer, und der hl. Chrysostomus hat zu ihrem Gedächtnis zwei Reden gehalten, aus welchen ich hier Einiges aufführen will.

„Gott sei gelobt und hoch gepriesen, daß auch Frauen, ja selbst Mädchen den Tod verachten und verlachen. Dies ist uns zu Teil geworden durch Christus, der selbst von einer Jungfrau geboren worden ist und die Kräfte des Todes besiegt und abgeschwächt hat. Denn wenn ein trefflicher Hirt einen Löwen, welcher unter der Herde Mord anrichtet, fangen und ihm die Zähne und die Klauen ausreißen würde, so wäre ein solches Tier selbst den Kindern zum Gespött: desgleichen hat Christus den unserer Natur so schrecklichen Tod überwältigt,s eine Schrecken zerstört, so daß selbst Jungfrauen nun seiner spotten.

„Deswegen ist auch die selige Jungfrau Pelagia mit so großer Lust zum Tod gelaufen, daß sie weder die Hand der Henker erwartete, noch vor dem Richter sich stellte, sondern im fröhlichen Eifer dem Wüten jener Menschen zuvor kam. Sie war bereit zu jeder Art von Qual und Marter; aber sie fürchtete, die Krone der Jungfrauschaft zu verlieren. Wenn sie die Jungfrauschaft bis ans Ende hätte bewahren können und zugleich die Marterkrone erwerben, so hätte sie sich nicht geweigert, vor den Richter zu treten. Weil aber auf eines von beiden verzichtet werden musste, so hielt es die selige Jungfrau für den größten Unsinn, wo eine zweifache Krone erreicht werden konnte, nur mit der einen, nämlich der des Märtyrertums, sich allein zu begnügen; daher wollte sie nicht durch ihren Anblick unreinen Augen Lust gewähren und ihren heiligen Leib dem Missbrauch hingeben.

„Es ist zwar etwas Großes die Henker zu verlachen, während sie einem den Leib zerfleischen, aber dieses ist nicht minder groß. Die gemartert werden, denen kommt der Tod nicht fürchterlich, sondern erwünscht vor, weil er sie von ihren Qualen erlöst. Da Pelagia hingegen keine Schmerzen hatte und ihr Leib noch ganz unverletzt war, so bedurfte es einer großen, erhabenen Seelenstärke, sich selbst durch einen gewaltsamen Tod aus diesem Leben hinaus zu stürzen. Wenn du daher die Standhaftigkeit und Geduld jener Märtyrer bewunderst, so bewundere auch den hohen, tapferen Geist dieser Jungfrau. Bedenke, was jenes zarte Mädchen gefühlt haben muss, da es ganz allein zu Haus plötzlich von einem Haufen Soldaten überfallen wird und von diesem vor Gericht geführt werden und über die höchsten Güter, Leben, Jungfrauschaft, Seligkeit und Gott entschieden werden soll. Man muss wahrhaft erstaunen, daß sie noch atmen und stehen, daß sie heraus treten, die Henker anblicken und anreden konnte. Das war nicht Sache der menschlichen Natur, sondern durch Gottes Hilfe geschehen. Aber doch ist sie dabei nicht müßig gewesen, sondern sie brachte ihren guten Willen und ihr edles Herz entgegen. Darum nennen wir sie mit Recht selig, weil sie die Gnade Gottes hatte, und bewundernswert, weil sie eine so herrliche Seele beurkundete.

„Wer sollte nicht mit Recht erstaunen, wenn er hört, daß jene in einem einzigen Augenblick solchen Entschluss gedacht, gefaßt und vollbracht habe. Ihr wißt doch Alle, wenn wir viel und lang etwas vorgenommen haben, und nun die Zeit der Ausführung da ist und ein wenig Furcht uns anwandelt, wie wir da oft plötzlich verzagt unsern Vorsatz wieder aufgeben. Aber jene hat es über sich gebracht, im Augenblick einen furchtbaren Entschluss zu ersinnen, dafür sich zu entscheiden und in der Tat zu vollführen. Nicht Schrecken vor den anwesenden Männern, nicht die Kürze der Zeit, nicht Mangel an Beistand bei so vielen Nachstellungen, nicht ihr Alleinsein im Haus bei dem Überfall, noch sonst irgend eine Sache hat jene selige Jungfrau in Bestürzung gebracht: sondern sie tat Alles mit so sicherem und besonnenem Geist, wie wenn Freunde und Bekannte um sie gewesen wären. Und zwar ganz mit Recht; denn sie war innerlich nicht allein, sondern sie hatte Jesus selbst zum Ratgeber. Dieser war der Jungfrau gegenwärtig, dieser weckte und stärkte ihr Herz; er allein vertrieb alle Furcht. Aber Jesus tat dieses nicht einfach für sich, sondern weil Pelagia schon vorher seiner Hilfe sich würdig erwiesen hatte.

„Wie eine Gemse, wenn sie den Händen der Jäger entwischt, schnell auf den Gipfel eines Berges flieht, wo die Füße der Jäger und ihre Geschosse nicht zukommen, und dort ihren Lauf einhält und furchtlos auf die Verfolger herab sieht: so war auch jene Jungfrau in die Hände der Jäger gefallen und in den Wänden des Hauses wie in Netzen gefangen; sie entsprang, aber nicht auf die Höhe eines Berges, sondern auch die Höhe des Himmels, wohin sie zu verfolgen jenen keine Möglichkeit war. Von dort schaute sie herab und freute sich, wie ihre Verfolger beschämt mit leeren Händen zurück kehrten. Denke dir einmal den Ärger und die Beschämung des Richters und der Henkersknechte, als die Soldaten ohne das Mädchen zurück kamen. Joseph in Ägypten ließ das Kleid in den Händen des lasterhaften Weibes zurück und floh; Pelagia aber ließ den Leib zurück, und indem ihre Seele desselben entkleidet zum Himmel stieg, wurde nicht einmal ihr Leib von den Händen jener unreinen Menschen berührt. Ihr Körper lag nun auf dem Boden, aber deshalb nicht ehrlos, denn der Boden selbst wurde dadurch ehrenvoll, daß er jenen hochwürdigen Körper aufgenommen hatte. Die Engel umgaben ihren Leichnam. Die Erzengel ehrten ihn, und Christus selbst war gegenwärtig. Sie lag da gekleidet mit einem Kleid kostbarer, als aller königliche Purpur; dieses Kleid war aber ein doppeltes, das eine die Jungfrauschaft, das andere das Märtyrertum.

„O Mädchen, dem Geschlecht nach weiblich, an der Seele aber ein Mann! O Jungfrau, preiswürdig mit zwei Ehrennamen, weil du beigezählt bist der Schar der Jungfrauen und dem Chor der Märtyrer! O Mädchen, so keusch, daß du dem wollüstigen Richter auch nicht einmal Gelegenheit gabst, dich nur anzuschauen! Dieser Jungfrau Züchtigkeit wollen auch wir nachahmen, gegen die Gelüste kämpfen und siegen, die Seele hingegen zur Gottseligkeit antreiben: damit wir unsere Glieder für die Sünde abtöten, und für Leben und Tod uns auch mit dem herrlichen Kleid der Tugend schmücken. So wird dann der Herr unsern armseligen Leib der Art umbilden, daß er ihm die Gestalt seines verklärten Leibes mitteilt: Ihm sei Ruhm und Herrschaft in Ewigkeit! Amen! –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 2 April bis Juni, 1872, S. 350 – S. 354

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