Heiliger Raimund Nonnatus Kardinal

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

31. August

Der heilige Raimund Nonnatus Kardinal

Raimund, zubenannt Nonnatus, stammte aus adeliger Familie zu Portello in Spanien. Als Kind schon zeigte er einen frommen Sinn, Freude am Gebet und herzliches Wohlwollen gegen die Armen. Er machte seine Studien mit Auszeichnung zu Barcelona und wünschte sehr, der Theologie sich zu widmen. Als aber der Vater seine Neigung, Priester oder gar noch Mönch zu werden, bemerkte, ließ er ihn seine wissenschaftliche Ausbildung nicht vollenden, sondern schickte ihn auf sein Landgut im Gebirge, damit er dort als Schäfer die „Grillen“ vergesse und sich später zum Soldatenstand bestimmen lasse. Aber gerade das stille Land- und Hirtenleben mehrte Raimund`s Liebe zur Einsamkeit, und er fühlte sich selig in frommen Betrachtungen bei den weidenden Schafen.

Auf sonniger Anhöhe stand eine Mutter-GottesKapelle, und zur gütigen, milden, süßen Jungfrau Maria fühlte sich sein Herz wundersam hingezogen. Hierher trieb er am liebsten seine Herde, hier bat er die Hochgebenedeite auf den Knien, daß sie ihm Mutter, Freundin und Gebieterin sei; hier schüttete er seine Gedanken und Gefühle, seine Bitten und Wünsche mit kindlichem Zutrauen vor der gnadenvollen Himmelskönigin aus; hier fand er seine liebste Unterhaltung, indem er mit Blumen und Kränzen das Bild der teuersten Mutter zierte und dafür süße Tröstungen und Erleuchtungen erhielt; hier lieferte er den sprechendsten Beweis, wie innig die Liebe zu Maria ihn beseligte, dadurch er ihr das Gelübde lebenslänglicher Keuschheit und das Versprechen aufopferte, in den unter ihren Schutz gestellten Orden „zur Erlösung der Gefangenen“ zu treten, den Petrus Nolaskus vor kurzem gestiftet hatte. Durch Vermittlung seines Taufpatens, des mächtigen Grafen von Cardona, welcher oft in dieses Gebirge auf die Jagd kam, erhielt er auch vom Vater die Erlaubnis dazu und zu Barcelona aus den Händen des Stifters selbst das weiße Ordenskleid mit dem blau-roten Kreuz.

Nun durfte der gottgeweihte Jüngling seine Studien vollenden, die Priesterweihe empfangen und sich dem Predigtamt widmen, das er so segensreich verwaltete, daß seine Oberen schon nach wenigen Jahren ihn tüchtig fanden zum eigentlichen Zweck des Ordens. Denn zu dem höchst schwierigen Amt, gefangene Christen aus der Sklaverei der Sarazenen auszulösen, verwendeten sie nur Mitglieder von erprobter Frömmigkeit und opfermutiger Gottesliebe.

Auf zwei Reisen begleitete er als Gehilfe den heiligen Ordensstifter, und dann wurde er als Führer an der Spitze einiger Brüder nach Algier geschickt und brachte glücklich 150 erlöste Christensklaven in die Heimat zurück. Im folgenden Jahr 1235 reiste er in einer wichtigen Angelegenheit des Ordens nach Rom, erwirkte von Papst Gregor IX. die kirchliche Bestätigung desselben und segelte dann wieder nach Afrika. Seinem übergroßen Eifer und Opfermut gelang es, wieder 228 Christen die Sklavenketten abzunehmen und sie ihren Familien zurück zu geben. Als aber seine Geldmittel erschöpft waren, bot er sich selbst als Bürgschaft für einige Gefangene an, bis das bedungene Lösegeld aus Spanien ankommen würde. Mit heiliger Freude, daß er gewürdigt werde, etwas zu leiden aus Liebe zu Jesus, ließ er sich die Sklavenketten anschmieden, arbeitete mit ihnen in der Sonnenhitze und setzte dabei sein geistliches Amt fort. Mit liebevollen Worten tröstete er die Mitgefangenen, belebte ihren Glauben an die gütige Vorsehung Gottes und stärkte ihren Mut.

Ein ganz besonderes Mitleiden bezeugte er den Unglücklichsten unter diesen Unglücklichen, welche, um von den Sarazenen einige Schonung und Erleichterung zu erlangen, den Glauben an Jesus Christus verleugnet und so ihr Gewissen mit diesem häßlichen Eidbruch belastet und sich vor ihren Mitbrüdern entehrt hatten. Diesen redete er so milde und eindringlich zu Herzen, daß Viele mit bitteren Tränen ihre Treulosigkeit widerriefen und würdige Früchte der Buße wirkten. Ja sein Eifer für die Ehre Gottes ließ ihn die Gefahr seines Lebens vergessen und machte ihn kühn, das Evangelium bei jeder Gelegenheit auch den Sarazenen zu verkündigen. Er hatte den süßen Trost, mehrere Vornehme für Jesus zu gewinnen, wurde aber dafür von dem Magistrat grausam mißhandelt, wiederholt auf den öffentlichen Plätzen der Stadt blutig geschlagen und zur peinlichsten Todesart durch Anspießung verurteilt. Nur die Furcht der Sarazenen, das für die entlassenen Sklaven noch nicht erhaltene Lösegeld zu verlieren, rettete ihm das Leben. Dafür aber wendete der Richter eine andere, vom Teufel ersonnene Strafe an: er ließ ihm beide Lippen mit einem glühenden Eisen durchbohren, durch ein Hängeschloss zusammen zwängen und höhnte den Leidenden: „Nun wirst du wohl schweigen von deinem Christus und die Verehrer unseres großen Propheten Mohammed nicht weiter betören.“ Aber er täuschte sich. Raimund lag acht Monate in einem finstern Kerkerloch, kümmerlich genährt, schwere ketten an Händen und Füßen, das eiserne Schloß am Mund; allein recht viele trost- und heilsbegierige Christen und Bekehrte schlichen zu ihm und – er redete zu ihnen, und sie verstanden ihn; schon der Anblick des heiligen Märtyrers, der sich über seine schmerzen freute, war eine mächtige Predigt voll kräftigen Trostes.

Inzwischen brachten Ordensbrüder aus Spanien das Lösegeld, Raimund erhielt die Freiheit und arbeitete wieder mit unverdrossener Freudigkeit in seinem mühsamen Beruf. Doch bald rief ihn der Obere nach Spanien zurück; denn Papst Gregor IX. hatte in Anerkennung seiner Tugenden und Verdienste ihn zum Kardinal erhoben. In Barcelona wurde Raimund feierlich empfangen und mit Jubel in die prachtvolle Kardinals-Wohnung begleitet; allein die hohe Würde vermochte nichts zu ändern an der Demut seiner Gesinnung; er verließ die prunkvollen Zimmer, bezog eine Zelle seines Klosters, trug das ärmliche Mönchskleid und lebte ganz als einfacher Ordensmann. Wenn man ihm zu bedenken gab, daß er doch seinen Rang zu wenig berücksichtige, antwortete er mit der ihm eigenen Freundlichkeit, daß Demut und Würde sich sehr wohl vertragen, indem sie sich gegenseitig stützen und nützen. In demselben Jahre 1240 noch berief ihn der Papst nach Rom und – Jesus in den Himmel. Denn während der Kardinal seinem Taufpaten und Wohltäter, dem Grafen von und in Cardona, einen Abschiedsbesuch machte, erkrankte er tödlich, empfing wunderbar durch einen Engel in Gestalt eines Ordensbruders die göttliche Wegzehrung und starb in seinem 37. Jahre, 1240.

Um den Besitz des heiligen Leibes stritten sich der Graf von Cardona, die Stadt Barcelona und die Ordensbrüder. Die Entscheidung wurde Gott selbst überlassen. Man legte den heiligen Leichnam auf einen Wagen, spannte ein blindes Maultier daran und ließ ihm freien Lauf. Das Tier zog den von sehr vielem Volk begleiteten Wagen zu jener Mutter-Gottes-Kapelle auf dem Berge, wo der Heilige in seiner Jugend als Schäfer so oft und innig gebetet hatte. Hier wurde er mit allen Ehren beigesetzt; aus der Kapelle ward ein prächtiger Tempel und viel besuchter Wallfahrtsort, und der hl. Petrus Nolaskus baute 1255 daneben ein Kloster seines Ordens. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 643 – S. 645

Bildquellen

  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor

Verwandte Beiträge

Buch mit Kruzifix
Die heilige Messe ist ein Versöhnungsopfer
Warum sollen wir die läßliche Sünde meiden
Menü