Die heiligen Aurelius und Natalia

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

27. Juli

Heiliger Aurelius und heilige Natalia, Märtyrer

Im neunten Jahrhundert hatten die Sarazenen den größten Teil von Spanien in ihrer Gewalt, und die Christen hatten schwere Bedrückung und Verfolgung von ihnen zu dulden. Damals lebte in der Stadt Cordoba ein Jüngling Namens Aurelius von vornehmem Geschlecht und bedeutendem Vermögen. Da er schon in der Kindheit seinen mohammedanischen Vater und seine christliche Mutter verloren hatte, so erzog ihn mit großer Sorgfalt eine Tante bis in’s Jünglingsalter und brachte ihm den Glauben an den Sohn Gottes bei, so daß er recht fest im Christentum wurde. Die übrigen Verwandten bestanden aber darauf, daß er auch die arabischen Wissenschaften studiere, was ihn jedoch glücklicher Weise nicht abwendig machte von seinem Glauben und seiner Liebe zur katholischen Kirche, da er das Trügerische und Nichtige in der mohammedanischen Lehre klar erkannte. Während er damals noch nicht den christlichen Gottesdienst mitmachen konnte, so empfahl er sich doch überall den Priestern, daß sie für ihn beten möchten.

Unterdessen war Aurelius zu einem jungen Manne schön von Ansehen herangewachsen. Die Verwandten drangen darauf, daß er sich verheirate; bald wurde ihm zugemutet, er solle die, bald jene nehmen; allein er wendete sich in dieser Angelegenheit an Christus und flehte ihn mit vielem Gebet an ihm eine solche Gemahlin zukommen zu lassen, welche in Betreff der Religion gleicher Gesinnung sei. Sein Gebet wurde auch erhört. Aurelius fand eine Jungfrau, welche alle wünschenswerte Eigenschaften besaß, insbesondere aber gerade die, woran ihm am meisten gelegen war, sie war nämlich insgeheim eine Christin. Sie stammte auch von Mohammedanern ab; allein da ihr Vater gestorben war, verheiratete sich ihre Mutter mit einem Christen, welcher Mutter und Tochter zum Christentum bekehrte; das Mädchen bekam in der hl. Taufe den Namen Sabigotho (Natalia). Diese nahm Aurelius nun zur Ehe. Sie lebten nun einige Zeit mit einander ihrer Religion getreu, getrauten sich aber der Unsicherheit wegen nicht, Jedermann ihren christlichen Glauben zu offenbaren.

Die Verwandten des hl. Aurelius scheinen keine Christen gewesen zu sein und rieten ihm deshalb zur Ehe verschiedene Personen an, welche seinem Glauben nicht angehörten. Obschon er aber unter den damaligen Umständen selber vor Verfolgung sicherer gewesen wäre, wenn er eine Mohammedanerin geheiratet hätte, so blieb er standhaft bei seinem Vorhaben nur eine Christin zu ehelichen. Die Ehe soll nämlich ganz besonders auch im Allerwichtigsten, in der Religion, eine vollkommene Einigung sein. Wenn sich daher zwei Personen ehelichen, wovon jede eines andern Glaubens ist, so ist das wie wenn sie vor der Welt erklärten, daß die Religion mit ihrer Ehe nichts zu schaffen habe. Ist jedes der beiden Eheteile für seine Religion eingenommen, so ist gerade die Religion für ihr friedliches und freudiges Zusammenleben eine Störung, gleichsam ein nagender Wurm am Band der Ehe. Und wie unnatürlich ist es erst, wenn Kinder da sind, welche im Religionsunterricht lernen, daß Vater oder Mutter einer falschen Religion angehören? Wenn aber insbesondere der katholische Eheteil einwilligt, daß die Kinder protestantisch erzogen werden, so sagt er damit entweder: „ich glaube nicht mehr an die katholische Kirche, darum verlieren meine Kinder nichts, wenn ihnen die katholische Glaubenslehre und Sakramente und das Messopfer nicht zu Teil wird“ – oder er sagt: „ich glaube an die katholische Religion, allein ich bekomme diese Frau oder diesen Mann nicht, ohne auf protestantische Kindererziehung einzuwilligen; die Lust oder der irdische Vorteil dieser Ehe gilt mir aber mehr, als die Religion und die Sakramente und das Seelenheil der Kinder.“ Es mag zwar für viele gemischte Ehen die Entschuldigung gelten, daß in früheren Jahren durch Nachlässigkeit der Geistlichen Viele nicht gewußt haben, was es auf sich hat katholisch sein und seine Kinder protestantisch erziehen lassen; aber jetzt, da jedem die katholische Trauung verweigert wird wofern die Kinder nicht katholisch erzogen werden, kann Niemand mehr mit Unwissenheit einen solchen Seelenhandel entschuldigen.

Standhaft im Glauben

Da sie nun wieder auf den Richtplatz geführt werden sollten, so fing Natalia an ihren Mann mit heiligen Zusprüchen aufzumuntern und zu befestigen. Die versammelten Richter boten ihnen noch einmal die Wahl an zwischen reichen Geschenken oder dem Beil. Allein die Märtyrer blieben standhaft im Bekenntnis ihres Glaubens, darum wurden sie von den Blutrichtern den Henkern zugesprochen, hinausgeführt und hingerichtet am heutigen Tag in oben bezeichneten Jahr. Die Christen sammelten ihre Gebeine, welche später als kostbare Reliquien galten, wobei manche Wunder geschahen.

Der hl. Eulogius war persönlich mit diesem heiligen Ehepaar bekannt und befreundet. Als sie das Märtyrertum bestanden hatten, begegnete Eulogius ihrem jüngsten Kinde. Wie wenn es kein Mädchen von erst fünf Jahren, sondern ein ernster Engel gewesen wäre, so ermahnte es den hl. Eulogius auf das inständigste, daß er die Taten der Eltern aufschreibe und ihren herrlichen Märtyrertod bekannt mache. Eulogius fragte nun prüfend das Kind: „Was wirst du mir dafür geben, wenn ich deinen Wunsch erfülle?“ – Da antwortete es: „Ich will dir von Gott das Paradies erbitten.“

Was dieses gute Christenkind in Spanien einst gewünscht und begehrt hat, das geschieht jetzt nach tausend Jahren noch in Deutschland: ich schreibe die Geschichte seiner Eltern und du hast sie vor Augen und liest sie. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 3 Juli bis September, 1872, S. 149 – S. 155

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