Heiliger Landelin von Crespin Abt

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

15. Juni

Der heilige Landelin von Crespin

„Wie groß ist die Barmherzigkeit des Herrn und seine Versöhnlichkeit gegen die, so sich bekehren!“

Diese Worte des weisen Sirach (17, 28) möchte man ausrufen, wenn man die Lebensgeschichte des Abtes Landelin liest. –
Landelin, geboren zu Cambrai in Frankreich, wurde von seinen rechtschaffenen Eltern als Knabe dem Bischof Autbertus zur Erziehung übergeben. Sie hätten gerne gesehen, daß er ein frommer, tüchtiger Mann werde. Anfangs ging auch Alles gut; Landelin gehorchte willig dem frommen Bischof, lernte fleißig und lebte recht gottesfürchtig, so daß sein ehrwürdiger Erzieher die größte Freude an ihm hatte. Zum hoffnungsvollen Jüngling heran gewachsen, zeigte Landelin Neigung zum geistlichen Stand, worin ihn auch der Bischof freudig bestärkte. Sobald dies aber die Freunde Landelins merkten, suchten sie ihn davon abzubringen. Sie machten ihm deshalb allerhand Vorspiegelungen und stellten ihm unter anderm auch vor, wie er mit seinem Vermögen, das er von seinen Eltern bekomme, ein herrliches Leben führen und hohe Ehrenstellen erlangen könne. Zugleich nahmen sie ihn zu ihren Lustbarkeiten mit, regten seine Leidenschaften auf und brachten es bald so weit, daß er seine Studien vernachlässigte, das gebet versäumte und keine Freude mehr an dem Umgang mit seinem frommen Lehrer fand. Ja, um das ernste, wohlwollende Gesicht seines frommen Erziehers nicht mehr zu sehen und seine warnende Stimme nicht mehr zu hören, machte er sich heimlich auf und davon, ohne seinen Eltern Etwas davon zu sagen.

„Gleich und gleich gesellt sich gern“, sagt das Sprichwort, und so fand auch Landelin bald lustige Kameraden, mit denen er Tag und nacht herum schwelgte, bis sein Geld, das er mitgenommen hatte, verschwendet war. Statt zu seinen Eltern oder seinem Lehrer heim zu kehren, trieb er sich unstet im Lande herum, bis er endlich unter eine Räuberbande geriet, die ihn mit Freuden in ihre Mitte aufnahm.Mit diesem Gesindel trieb nun Landelin längere Zeit das Räuberhandwerk und brachte es hierin bald sehr weit. Der ehrwürdige Bischof wußte nicht, wo sein Zögling hingeraten war; Schmerz und Trauer durchbohrten sein herz. Er hätte so gerne den leichtsinnigen Jüngling aufgesucht, allein er konnte ihn nirgends erfragen. In seinem großen Herzeleid wandte er sich daher zu Gott um Rettung des Unglücklichen. Tag und nacht betete er und tat strenge Buße. Der barmherzige Gott sah die Tränen des Bischofs und das Elend des Jünglings und erbarmte sich über Beide. Ein besonderer Vorfall brachte Landelin zur Besinnung.

Die Räuberbande schlich sich einmal nächtlicher Weise zu einem Haus, um dort einzubrechen und zu rauben; Landelin befand sich unter ihnen. Ein Räuber legte eine Leiter an und stieg zum Fenster hinauf; aber kaum hatte er die Höhe erstiegen, als er herab stürzte und das Genick brach. Vom Schrecken ergriffen stürzten die Räuber in die dunkle Nacht hinaus; Landelin floh dem Walde zu und verkroch sich unter ein dichtes Gebüsch. Da, zitternd vor Angst, dachte er über sein Leben nach; tiefer Schmerz ergriff sein Herz; vor Trauer und Kummer schlief er ein. Da erschien ihm im Traum ein blühender Jüngling, der ihn bei der Hand nahm und ihn zu einem schauerlichen Ort führte, wo er ihn in die Hölle hinab blicken ließ. Dort sah er den von der Leiter herab gestürzten Räuber mitten unter den Verdammten im glühenden Feuer aufs Schrecklichste gepeinigt. „Willst du auch“, sprach der Jüngling zu Landelin, deinem Spießgesellen Gesellschaft leisten? Landelin, Landelin, der nämliche Ort der Qual erwartet auch dich, wenn du den alten Weg fortwandelst und nicht umkehrst!“ Der Jüngling, Landelins heiliger Schutzengel, verschwand, und Landelin erwachte zitternd und bebend vom Schlaf.

Sogleich fiel er auf die Knie und dankte Gott für die große Barmherzigkeit, mit welcher er ihn zur Umkehr mahnte, versprach heilig, sich zu bessern und flehte mit heißer Inbrunst um Vergebung seiner Sünden. Mit Tagesanbruch machte er sich alsbald auf den Weg; und wie der verlorene Sohn zu seinem Vater, kehrte er reuevoll zu seinem frommen Lehrer, dem ehrwürdigen Bischof Autbert, zurück.

Der Bischof war vor Freuden außer sich; als er den verlorenen Schüler wieder sah, fiel er ihm um den Hals, verzieh ihm Alles und nahm ihn wieder in sein Haus auf. Auf seinen Rat übte nun Landelin die strengste Buße und suchte sein bisheriges gottloses Lebens durch größeren Eifer in Ausübung guter Werke einigermaßen wieder gut zu machen. Dreimal wallfahrtete er nach Rom, um dort von dem Nachfolger des heiligen Petrus selbst Nachlassung seiner Sünden zu erhalten. Nachdem der Bischof gesehen, wie ernst es Landelin sei, ein frommer Diener Gottes zu werden, erteilte er ihm die heilige Priesterweihe und übertrug ihm das Amt eines Bußpredigers. Landelin hatte das große Elend des Sünders selbst an sich kennen gelernt und ebenso auch die große Barmherzigkeit Gottes und die Süßigkeit einer wahren Bekehrung. Er predigte daher auch den verstockten Sündern mit solcher Wahrheit und Eindringlichkeit, daß keiner ihm widerstehen konnte. Von allen Seiten kamen die verworfensten Menschen daher und wollten durch ihn mit Gott versöhnt werden und unter seiner Leitung ein neues, gottseliges Leben führen.

Um nun dem Bußeifer dieser Leute zu genügen und sich selbst zu heiligen, begab sich Landelin mit Erlaubnis und Gutheißung des Bischofs in eine Einöde, Laubach genannt. Dort baute er mit denen, die ihm nachgefolgt, kleine Zellen und lebte mit ihnen in größter Abgeschiedenheit von der Welt wie die alten Einsiedler in der Wüste. Bald aber vermehrte sich die Zahl der Büßer und er musste daher mehrere Klöster bauen, in denen nachher die Brüder das heiligste Leben führten. Ihr Leben bestand in Ackerbau und Gebet. Mit eigener Hand rotteten sie mühsam die Wälder aus, trockneten die Sümpfe, gruben die Steine aus und bebauten den Boden. Mitten in der Einsiedelei errichteten sie eine kleine Kapelle zu Ehren der heiligen Gottesmutter, wo sie sich zum Gottesdienst versammelten. –

Landelin wurde Abt und ging allen mit dem besten Beispiel voran. Da das Kloster an Wassermangel viel zu leiden hatte, betete er zu Gott, stieß dann auf einem tauglichen Platz mit seinem Stab auf den Boden und sogleich sprudelte eine reiche Wasserquelle hervor.
Schon im hohen Alter verließ Abt Landelin das Kloster und begab sich allein noch tiefer in die Einöde, um noch bußfertiger leben zu können. Dort ergriff ihn ein Fieber; er erkannte, daß sein Tod heran nahe und ließ nun durch einen Bruder, der ihn von Zeit zu Zeit besuchte, alle Brüder aus den Klöstern zusammen rufen. – Dringend ermahnte er sie zur Beständigkeit, empfing dann die heiligen Sakramente und starb im Frieden im Jahre 686. Sein Grab verherrlichte Gott durch viele Wunder. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 997 – S. 1000

Bildquellen

  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor
Category: Ordensleute, Ott
Tags:

Verwandte Beiträge

Heilige Germana Cousin Hirtenmädchen
Vitus Modestus Crescentia Märtyrer
Menü