Glaubwürdigkeit der heiligen Evangelien

Die Heilige Schrift nach der Vulgata übersetzt und kommentiert von Allioli

Die Glaubwürdigkeit der heiligen Evangelien

Die sehr wichtige Tatsache, daß schon bald nach der Himmelfahrt Jesu, noch unter den Augen seiner ersten Apostel und Jünger mangelhafte, irrtümliche und gefälschte Berichte über sein Leben und Wirken, Lehren und Leiden in Umlauf kamen und den hl. Lukas veranlaßten, Alles von Anfang an der Ordnung nach wahrheitsgetreu aufzuschreiben, drängt zur Frage: „Wie steht es aber mit der Glaubwürdigkeit der Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes; hat nicht bloß der katholische Glaube, sondern auch die bloße Vernunft genügende Beweise dafür?“ Die Antwort ist eine bejahende, denn:

1. Die Verfasser der vier Evangelien konnten und wollten die Wahrheit sagen. Sie konnten die Wahrheit wissen, weil zwei von ihnen selbst Apostel, die andern zwei vieljährige Schüler und Begleiter der Apostelfürsten Petrus und Paulus waren. Daß sie die Wahrheit sagen wollten, dafür bürgt:

a) Der Edelmut und die Heiligkeit ihres ganzen Lebens und Charakters. Sie werden verachtet und verfolgt wegen der Lehre ihres Meisters, aber niemals einer Unsittlichkeit, eines Betruges, einer Hinterlist beschuldigt.
b) Die Art und Weise ihrer Erzählung. Welche Einfalt und Nüchternheit, welch` ruhiges Maßhalten und welche Aufrichtigkeit! Sie erzählen Erstaunliches – Toten-Erweckungen – und erstaunen nicht; ihre eigenen Sünden und Torheiten und – entschuldigen sich nicht; die Anklagen, Lästerungen, Verhöhnungen gegen ihren Meister und – verteidigen Ihn nicht. Nur die skrupulöseste Wahrhaftigkeit kann so berichten.
c) Ihr Mut. Sie verfaßten diesen Bericht unter den Augen der Juden, denen das Leben und die Taten Jesu verhaßt waren, denen jede Unrichtigkeit oder Lüge ein willkommener Anlass gewesen wäre, wider die verwünschten Christen ins Feld zu ziehen.
d) Die Aussicht auf die Folgen. Sie wußten aus eigener und fremder Erfahrung, daß ihnen das Schreiben dieser Geschichte keinen Gewinn, sondern viele Unannehmlichkeiten von Seiten ihrer Feinde, Leiden, Gefahren, ja den Tod bringen werde. Wer möchte lügen, um seine Lüge mit dem Tode büßen zu können?

2. Die Verfasser der vier Evangelien mussten die Wahrheit sagen; sie wären gar nicht im Stande gewesen, den Inhalt derselben zu erdichten, denn:

a) Sie schildern die Person Jesus Christus in solcher Größe und Erhabenheit des Geistes und Herzens, in solcher Vollkommenheit in allen religiösen, sittlichen und gesellschaftlichen Tugenden, daß vor ihnen und nach ihnen bis heute kein Gelehrter ein solches Ideal von einem vollkommenen Mann zu zeichnen im Stande war. Die Evangelisten mussten also Zeugen des ganzen Lebens und Wirkens Jesu in den nach Zeit, Ort und Umständen verschiedenen Verhältnissen gewesen sein und konnten nur das berichten, was sie selbst an Ihm gesehen und von Ihm gehört hatten, weil für ihre Bildung und ihren Charakter eine derartige Erfindung unmöglich gewesen wäre.
b) Sie erzählen aus dem Munde Jesu Glaubens-Wahrheiten und Sittenlehren so ganz neu, so großartig, so die Vernunft befriedigend und zugleich wieder so einfach und so geeignet, um die Menschheit aus der Tiefe ihres Elendes zur vollkommenen Glückseligkeit zu erheben, daß die Philosophen-Schulen aller Jahrtausende nicht von ferne ein ähnliches System von Lehren und Gesetzen zusammen gebracht haben. Die Evangelisten konnten also unmöglich ihren Bericht erfinden, sie mussten wahrheitsgetreu das berichten, was sie aus dem Munde des Gottmenschen Jesus Christus gehört hatten.

3. Die Feinde des Christentums von Anfang an, obschon es ihnen an Talent und Willen, an Fleiß und Tätigkeit niemals gebrach, waren doch nie so glücklich, die Verfasser der Evangelien einer Lüge, eines Betruges, oder auch nur eines Irrtums zu überführen. So oft sie schadenfroh ausposaunten, jetzt hätten sie ihre Absicht erreicht; jedesmal zeigte es sich bald, daß sie wieder im Irrtum waren.

4. Endlich ist es ganz gewiß, daß eine Lüge, ein Betrug, eine Schlechtigkeit niemals die Grundursache einer nach allen Ländern hin und unter allen Völkern verbreiteten Wahrheit, Tugend und Heiligkeit sein kann. Durch die christliche Religion aber, welche sich ganz auf die in den Evangelien erzählten Lehren und Taten Jesu Christi stützt, wurde überall, wo sie Aufnahme fand, Bildung des Geistes, Reinheit der Sitten, Tugendhaftigkeit des Lebens erzielt: folglich ist es undenkbar, daß die Verfasser der Evangelien Falsches, Erdichtetes, Irriges berichtet haben. – Lies darum nur fleißig die heiligen Evangelien, sie sind ein unerschöpflicher Schatz göttlicher Wahrheiten und Gnaden. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 774 – S. 776

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