Hl. Markus Verfasser des zweiten Evangeliums

Markus-Basilika: Man sieht den heiligen Markus auf der Spitze der Kirche, rechts und links sind Engel; vorne ist ein geflügelter Löwe zu sehen

Der heilige Evangelist Markus steht mit Schreibfeder und Papier in Gedanken versunken; hinter ihm steht ein prächtiger Löwe

II. Der hl. Markus Verfasser des zweiten Evangeliums

Der Evangelist Markus, der in der Apostelgeschichte (12,12 u. 25; 15,37) Johannes mit dem Beinamen Markus, in den Briefen (Kol. 4,10; Philem. 24; 2. Tim. 4,11) nur Markus genannt wird, war von Geburt ein Jude, ein Vetter des hl. Barnabas (Kol. 4,10), und stand in naher Beziehung zum hl. Petrus, der ihn im Christentum unterrichtet und getauft hat (1. Petr. 5,13). Mit Barnabas beteiligte er sich an der ersten paulinischen Missionsreise im Jahre 45, trennte sich aber zu Perge in Pamphylien von seinen Begleitern und kehrte nach Jerusalem zurück (Apg. 13,5 u. 13). Um 61/62 finden wir ihn in Rom beim hl. Paulus (Kol. 4,10), um 63/64 beim hl. Petrus (1. Petr. 5,13) tätig. Die Tradition bezeichnet ihn als den ersten Bischof von Alexandrien. Die Kirche verehrt ihn als Märtyrer und feiert sein Fest am 25. April.

Verfasser des zweiten Evangeliums

Dem Apostelschüler Markus schreibt die Tradition das zweite Evangelium zu. Papias sagt: „Markus, der dem Apostel Petrus als Dolmetscher diente, schrieb … genau, jedoch nicht der Reihenfolge nach, Worte und Taten Jesu auf.“ Der hl. Irenäus berichtet: „Nach dem Hingang dieser (des Petrus und Paulus) hat uns Markus, der Jünger und Dolmetscher des Petrus, die Lehrvorträge des Petrus schriftlich überliefert.“ Klemens von Alexandrien bezeugt: „Markus, der Begleiter des Petrus, verfaßte, während Petrus in Rom öffentlich das Evangelium verkündete…, ein Evangelium, das nach Markus benannt wird.“ Durch diese ältesten Nachrichten ist verbürgt, daß das Markusevangelium in engem Zusammenhang mit der Predigt des hl. Petrus steht.
Das gleiche wird auch durch die innere Beschaffenheit des Evangeliums bestätigt. Es entwirft eine so genaue, anschauliche und lebendige Schilderung der kleinsten Umstände des Ortes, der Zeit, der Personen und ihrer Handlungsweise, wie man sie nur bei einem Augen- und Ohrenzeugen gewohnt ist (vgl. 2,3 u.4; 5,13 u. 24, 37-43; 9,2 u. 6 u. 8; 11,4; 14,3 u. 5 u. 51f); der hl. Markus war aber nicht Augenzeuge, darum muss ein anderer, der hl. Petrus, für ihn eintreten. Sodann zeichnet unser Evangelist ein viel bestimmteres Bild des hl. Petrus (vgl. 1,16-20 u. 33 u. 36; 5,37; 14,66-72) als die andern. Die Erzählung ist viel genauer, wenn es sich um Schwächen und Fehler des hl. Petrus handelt, schweigsam dagegen, wo eine Auszeichnung von ihm in Betracht kommt.

Der Schlussabschnitt 16,9-20 fehlt in den zwei ältesten Handschriften (Codex Vaticanus und Sinaiticus) und nach der Äußerung des Eusebius und Hiernoymus in den meisten griechischen Handschriften. Doch haben ihn die übrigen griechischen Handschriften sowie die meisten alten Übersetzungen; ebenso ist er bei Irenäus, Justin, Tatian u.a. bekannt. Nach der Entscheidung der Bibelkommission vom 26. Juni 1912 ist Markus als der Verfasser des Abschnittes anzusehen.

Zielgruppe waren die Heidenchristen

Das Evangelium ist für heidenchristliche, insbesondere für römische Leser bestimmt. Die Berufung auf das Alte Testament fehlt ebenso wie die Polemik gegen die pharisäische Auslegung des alttestamentlichen Gesetzes. Jüdische Örtlichkeiten, Verhältnisse, Sitten, aramäische Ausdrücke werden erläutert, dagegen römische (bürgerliche, staatliche und militärische) Einrichtungen als bekannt vorausgesetzt.

Der Hauptzweck der Abfassung

Der Zweck, den die Schrift verfolgt, ist die Befestigung der ersten Leser im Glauben an Jesu Gottheit und seine Herrschaft über alles. Dieses Ziel ist in jedem Hauptabschnitt deutlich zu erkennen und wird vorzüglich erreicht durch die Erzählung einer Reihe von Wundern, die Jesus vor dem Volk und insbesondere vor seinen Jüngern gewirkt hat, die er mit der Fortsetzung seines Werkes beauftragte und bevollmächtigte.

Die Abfassungszeit

Die Abfassungszeit des Evangeliums läßt sich nicht genau bestimmen. Es ist jünger als das aramäische Matthäusevangelium, aber älter als das Lukasevangelium, das etwa im Jahre 62/63 entstanden ist. Somit dürfte Markus in den fünfziger Jahren geschrieben haben. Als Ort der Entstehung wurde bereits im Altertum Rom angegeben (Irenäus, Klemens von Alexandrien, Hieronymus).

Inhalt des Evangeliums

Für den Inhalt der Markusschrift war im großen und ganzen der Rahmen des ersten Evangeliums maßgebend. Die Geschichte der Kindheit Jesu fehlt, und von der ganzen Vorgeschichte wird nur kurz die Tätigkeit des Täufers sowie Jesu Taufe und Versuchung berichtet (1,1-13). Dann geht die Erzählung über zum öffentlichen Wirken Jesu in Galiläa (1,14-9,50), in Judäa und Jerusalem (10,1-13,35), zu seinem Leiden und seiner Verherrlichung (14,1-16,20).

Entscheidung der Bibelkommission vom 26. Juni 1912:

Äußere und innere Gründe erhärten die Echtheit des Evangeliums. Die Einwendungen gegen die Echtheit des Markus-Schlusses sind nicht beweiskräftig. Außer der Predigt des hl. Petrus hat Markus noch andere Quellen benutzt und ist in seinen Angaben durchaus glaubwürdig. Das Evangelium ist vor 70 entstanden.

aus: Das Neue Testament, übersetzt und kurz erläutert von P. Konstantin Rösch O.M.Cap., ausgeteilt durch Kriegshilfe Nationale Katholische Wohlfahrts Konferenz New York, 1928, S. 72-74

Bildquellen

  • st-marks-basilica-2518334_640: pixabay

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