Heiliger Fidelis von Sigmaringen Märtyrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

24. April

Der heilige Fidelis kniet auf dem Boden, das Kreuz mit beiden Händen umfassend, vor den Calvinisten, die ihn bedrohen und umbringen wollen. Sie tragen verschiedene mittelalterliche Waffen; im Hintergrund ist eine Kirche zu sehen

Der heilige Fidelis von Sigmaringen Märtyrer

Kapuziner und Missionar

Im Jahre 1577 wurde zu Sigmaringen in Hohenzollern Marcus Roy (der heilige Märtyrer Fidelis) geboren. Seine frommen Eltern erzogen ihn gottesfürchtig. Als er seinen Vater durch frühzeitigen Tod verloren hatte, sandten die Mutter und der Vormund ihn nach Freiburg im Breisgau, wo er den Studien oblag und das Doktorat im kanonischen und weltlichen Recht sich erwarb. Dann fing er an, dem Nächsten in dem Amt eines Advokaten zu dienen. Er war gelehrt und gewissenhaft, deswegen brachte er alle seine Prozesse schnell zu Ende. Als er aber deswegen von andern Advokaten angefeindet wurde, sowie die Gefahren für das Seelenheil bedachte, so verließ er diesen Stand.

Nach reifer Überlegung erwählte er 1612 den Kapuziner-Orden; darin lebte bereits sein älterer Bruder in Gottseligkeit und Frieden. Bei der Erteilung des Ordenskleides in Feldkirch ward ihm der Name Fidelis gegeben, welcher so viel heißt als „treu“. Der Novizenmeister bediente sich bei der Einkleidung dieses Spruches aus der geheimen Offenbarung: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ Diese Worte drückte sich der eingekleidete Novize tief in das Herz und hatte selbe auf einem Papier geschrieben beständig vor Augen. Er fing das Probejahr mit großem Eifer an und setzte dasselbe auf gleiche Weise bis an das Ende fort. Wenn andere ihm zuredeten, den Eifer zu mäßigen, sprach er: „Ach, verhindert mich nicht, in dem Weinberg des Herrn zu arbeiten; denn ich bin gar spät angekommen. Ihr seid in der Blüte des Alters eingetreten; ich aber habe meine ersten Jahre der törichten Welt geschenkt. Daher ist billig, daß ich so viele unnütz verschwendete Zeit einzubringen suche.“ Was er gelobt, das hielt er auch; niemals erkaltete sein erster Eifer, sondern er betätigte ihn fortwährend durch vieles Gebet, Betrachten und durch Bußwerke. Als ihm da Amt eines Predigers übertragen wurde, schaffte er ungemeinen Nutzen durch die Bekehrung der Irrgläubigen und verstockter Sünder. Zu Feldkirch bediente er die von einer ansteckenden Seuche krank liegenden Soldaten der kaiserlichen Armee mit solcher Liebe und Sorgfalt, daß man seinen frommen Eifer nicht genug rühmen konnte. Überall, wo er war, suchte er die Sünder zur Buße zu bewegen, bald mit Schilderung der himmlischen Güter, bald mit der Androhung der Strafe Gottes, welche auch nicht selten erfolgte. Es begegnete ihm einst ein Offizier zu Pferde. Vor diesem, obgleich er ihn nie gesehen hatte, stand er still, sah ihn ernst an und sprach: „Guter Freund! Ihr seid schon so lange Zeit dem Fluchen und der Gotteslästerung ergeben, und habt euch niemals beflissen, dies zu unterlassen. Diese ist die letzte Ermahnung, die euch Gott durch meinen Mund gibt. Bessert euch ohne Verzug und enthaltet euch von diesem abscheulichen Lästern, sonst werdet ihr die göttliche Strafe bald erfahren. Ihr werdet mit dem Schwert durchbohrt und so in die Ewigkeit eingehen.“ Der Offizier trieb zwar sein Gespött mit diesem Propheten, aber gar bald erfuhr er, wie wahr dessen Weissagung gewesen sei; denn er geriet in einen Zweikampf, in welchem er tödlich verwundet war und ohne ein Zeichen der Reue dahin starb. – Der Heilige wurde Guardian in Feldkirch und zeichnete sich in allen Tugenden aus.

Im Jahre 1622 wurde der heilige Fidelis nebst neun andern zum apostolischen Missionar und zum Superior der Mission im Kanton Graubünden in der Schweiz ernannt und in das Veltlin geschickt, um der dort sich verbreitenden Irrlehre Calvins Widerstand zu leisten und die Katholiken im wahren Glauben zu bestärken. Er bereitete sich zu diesem großen Werk einige Tage lang durch geistliche Übungen vor und sagte auch vor seiner Abreise in Feldkirch, daß er nicht mehr zurückkehren, sondern von den Irrgläubigen würde getötet werden. Am Fest der heiligen Drei Könige fing er seine Mission an. Er predigte mit apostolischem Mut, führte dabei wie immer ein wahrhaft apostolisches Leben und zwang auch den Feinden der katholischen Kirche die größte Hochachtung ab. Gott segnete die Arbeit seines getreuen Dieners. Es bekehrten sich so viele Calvinisten, daß die Prädikanten fürchteten, es könnte ihre ganze Sekte zugrunde gehen. Daher beschlossen sie, vor allem den heiligen Fidelis aus dem Wege zu räumen. Ein Katholik, der dieses erfahren hatte, ging zum Heiligen und fragte ihn, was er tun würde, wenn die Irrgläubigen ihn unversehens anfallen und töten wollten? „Ich würde tun“, antwortete er, „was so viele heilige Märtyrer aus Liebe zu ihrem Heiland und zum wahren Evangelium getan. Ich schätze mir dieses für die größte Gnade.“ Bald darauf wurde der apostolische Missionar von den Katholiken zu Sevis zum Predigen eingeladen. Er sagte es zu; weil ihm aber sein Tod von Gott schon geoffenbart worden war, beichtete er vor seiner Abreise, las die heilige Messe und ermahnte alle zur Standhaftigkeit. Dann sagte er zu seinen Gefährten mit deutlichen Worten: „Ich gehe nach Sevis, um dort meine Lauf zu vollenden.“ Am 24. April langte er daselbst an und bestieg sogleich die Kanzel. Auf derselben las er diese Worte mit großen Buchstaben geschrieben: „Heute wirst du noch predigen, und künftighin nicht mehr.“ Er entsetzte sich darüber nicht im mindesten, sondern begann seine Predigt mit diesem Vorspruch: „Ein Gott, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.“ Während der Predigt rief ein Fanatiker überlaut: „Nicht weiter, du Vermessener!“ und schoß zugleich mit einer Flinte auf den Heiligen, aber ohne ihn zu treffen. Zugleich sah man eine Menge von allerlei Waffen in der Kirche und hörte ein rasendes Murren der anwesenden Calvinisten.

Der Heilige fürchtete, es könnte in der Kirche zwischen Katholiken und Irrgläubigen zu einem blutigen Gefecht kommen; deswegen stieg er von der Kanzel herab, betete einige Zeit vor dem Altare und ging dann zur Kirche hinaus durch die Sakristei. Kaum hatte er aber einige Schritte getan, da kamen gegen 20 bewaffnete Calvinisten, überhäuften ihn mit Schmähungen und Lästerworten, stießen ihn zur Erde und bedrohten ihn mit dem grausamsten Tod, wenn er nicht dem römischen Glauben auf der Stelle entsage. Er antwortete mit fröhlichem Angesicht. „Liebe Brüder! Ich bin nicht zu euch gekommen, einen falschen Glauben anzunehmen, sondern euch den wahren zu lehren.“ Nun stürzte man über ihn her. Der Heilige fiel auf seine Knie und rief die heiligsten Namen Jesus und Maria an. Ein Verschworener spaltete ihm mit wiederholtem Schwertstreich sein Haupt. Andere durchstießen seinen Leib mit Spießen; wieder andere schlugen auf ihn mit hölzernen Knütteln, welche mit eisernen Spitzen beschlagen waren. Sogar den schon leblosen Leib schonten sie nicht. Sie traten ihn mit Füßen und sprangen auf demselben herum, als wenn sie eine Heldentat ausgeübt hätten.

Der heilige Fidelis erduldete den Martertod am 24. April 1622. Zugleich sind die Wunder, welche Gott auf die Fürbitte seines glorreichen Märtyrers gewirkt hat. Deshalb wurde er 1729 selig und vom Papst Benedikt XIV. 1744 heilig gesprochen. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 297-299

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