Das Pontifikat von Papst Gregor XV. (1621-1623)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Kreuz und der Halbmond

Das Pontifikat von Papst Gregor XV. (regierte 1621 bis 1623)

Am 9. Februar 1621 wurde der Kardinal Alexander Ludovisio zum Papst erwählt und nahm den Namen Gregor XV. an.

Geboren am 9. Januar des Jahres 1554 zu Bologna war Gregor klein an Person, infolge des hohen Alters gebeugt und krank. Aber im unscheinbaren Körper wohnte ein großer Geist. (1) Sein erstes Werk galt der Verbesserung der Papstwahl. Daß jedesmal der würdigste aus der Wahl hervor gehe, war der Wunsch aller Päpste gewesen. Um dies aber sicher zu bewirken, ordnete Gregor die geheime Wahl an, wie sie noch heute besteht, und setzte fest: „Die Kardinäle mögen ihre Stimme geheim abgeben; es soll derjenige Papst sein, welcher zwei Drittteile der Stimmen auf sich vereinigt.“ Vor der Abstimmung sollte jeder der Kardinäle den Schwur leisten: „Ich nehme unsern Herrn Jesus zum Zeugen, daß ich jenen wähle, von dem ich glaube, daß ihn Gott sich erwählt hat.“ Die Nachfolger dieses Papstes bestätigten dieses Verfahren bei der Wahl eines Papstes und so blieb es bis heute üblich.

Um die Ausbreitung des heiligen Glaubens über alle Länder und Nationen möglich zu machen, gründete Papst Gregor ein Seminar für die Verbreitung des Glaubens in Rom unter dem Namen Propaganda. In dieses werden Knaben aus allen Weltteilen aufgenommen; sie werden in allen Wissenschaften unterrichtet und kehren später wieder in ihre Heimat zurück, um ihren Landsleuten die wahre Religion zu predigen.

Der heilige Vater erhielt vom Herzog Maximilian von Bayern nach der Eroberung von Heidelberg im Jahre 1622 die dortige wertvolle Bibliothek. (2)

Den Jesuitenorden ehrte Papst Gregor, indem er dessen Stifter Ignatius Loyola und Philippus Neri heilig sprach. Außerdem erklärte dieser Papst noch als Heilige: Aloysius von Gonzaga, Stanislaus Kostka und die berühmte Karmelitin Theresia. (3)
In Frankreich erlebte der heilige Vater die Freude, daß die Macht der Katholiken feindlichen Hugenotten mehr und mehr gebrochen wurde. Das Bistum Paris erhob Gregor zum Erzbistum.

Die Liebe zu den Armen und zu seinen Untertanen, besonders den Römern, hatte Gregor von seinen Vorgängern geerbt.
Obwohl er meist krank war, besuchte er doch gerne die Kranken. In teurer Zeit kaufte er Getreide und gab es den Römern wohlfeil. Indessen regierte Gregor nur etwas über zwei Jahre; denn am 8. Juli des Jahres 1623 starb er in einem Alter von fast siebzig Jahren. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 652 – S. 653

Der protestantische Geschichtsschreiber Ranke äußert sich über das Pontifikat Gregors XV. in folgender Weise: „Eine unermessliche, weltumfassende Tätigkeit, welche zugleich in den Andes und in den Alpen vordringt, nach Tibet und nach Skandinavien ihre Späher, ihre Vorkämpfer aussendet, in England und in China sich der Staatsgewalt nähert – auf diesem unbegrenzten Schauplatz aber allenthalben frisch und ganz und unermüdlich: der Antrieb, der im Mittelpunkt tätig ist, begeistert, und zwar vielleicht noch lebhafter und inniger jeden Arbeiter an den äußersten Grenzen.“

(1) Er studierte im Kollegium der Jesuiten. Er widmete sich dem Studium der Rechte. Gregor XIII. nahm ihn in das Richterkolleg auf, Paul V. ernannte ihn zum Bischof von Bologna und im Jahre 1616 zum Kardinal.

(2) Nachdem Ferdinand II. durch die Schlacht am weißen Berg 1620 wieder in Besitz der Erblande gekommen war, ermunterte er diesen durch seinen Legaten Caraffa, alles aufzubieten, daß die Gegenreformation in Böhmen und Mähren so rasch als möglich durchgeführt werde. Er verschaffte dem Herzog Maximilian von Bayern die Kurwürde. Tilly nahm nach der Eroberung Heidelbergs 1622 die Bibliothek als Kriegsbeute weg, welche nach Rom in den Vatikan kam.

(3) und den Bauern Isidor –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 569 – S. 570

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum, Stangl
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