Die Güte Gottes soll dich zur Buße führen

Weißt du nicht, daß die Güte Gottes dich zur Buße führt?

 8. März

Ignoras, quoniam benignitas Dei ad poenitentiam te adducit.
„Weißt du nicht, daß die Güte Gottes dich zur Buße führt?“ (Röm. II, 8)

1. Betrachte, wie gefährlich deine Unwissenheit ist, wenn du nicht erkennst, warum dich Gott so geduldig in deinen Sünden erträgt. Solange du das nicht weißt, ist auch nicht zu denken, daß du dich bekehrst. Denn etwas anderes ist es, einer Wohltat nicht entsprechen, etwas anderes, sie nicht zu schätzen, und etwas anderes, sie nicht erkennen. Wer ihr nicht entspricht, gehört zu den Undankbaren, wer sie nicht schätzt, zu den Boshaften, wer sie aber nicht erkennt, zu den Unverbesserlichen.

2. Wenn dich indes Gott in deinem elenden Zustand erträgt, so erwäge, daß dies nicht deshalb geschieht, weil er dich nicht augenblicklich in die Hölle stürzen kann, sondern, weil er es nicht will, da er hofft, du würdest dich indes bessern. Wer sieht da nicht, daß Gottes Güte dich nicht bloß zur Buße einlädt, sondern soviel es möglich ist, dich dazu führt, oder wie Andere lesen, antreibt, stachelt und spornt? Wie kannst du dich widersetzen, wenn du siehst, daß ein Herr von so großer Majestät so viele Verachtungen erträgt, die du ihm zufügst; und das bloß darum, damit du, elender Erdenwurm, nicht zu Grunde gehst? Sollte eine so wunderbare Güte nicht hinreichen, um selbst ein Herz von Stein zu erweichen? Und doch ist es so. „Deshalb wartet der Herr“, spricht der Prophet, „damit er sich eurer erbarme.“ (Is. 30, 18)

3. Betrachte, welch schreckliches Übel du begehst, wenn du gerade deshalb freier sündigst, weil Gott sich gegen dich gütig erzeigt. Heißt das nicht darum böse sein wollen, weil Gott gut ist? Wenn du Gott beleidigen willst, weil er gütig ist, dann mußt du ihn auch noch beleidigen, weil er dich mit Wohltaten überhäuft, weil er für dich Mensch geworden, weil er für dich so viel Schweiß und Blut vergossen, endlich weil er selbst am Kreuz für dich sterben wollte. Bedenke doch ein wenig, welche schrecklichen Folgerungen das sind. Und doch ist das, wenn du aufrichtig sein willst, bei dir der Fall, da Gottes Güte dich keineswegs zur Buße, sondern vielmehr zur Unbußfertigkeit führt.

4. Erwäge, daß diese Langmut des Herrn Güte genannt wird, weil sie allein von der Gnade herrührt, ganz unverdient ist. Deshalb kann er dich verlassen, wann er will, und dich den Händen der Gerechtigkeit überliefern. Zitterst du nicht bei dem Gedanken, was aus dir werden wird, wenn er dich verläßt? Oder meinst du, seine Güte habe nicht auch ihre Grenzen, über die sie nicht hinausgeht? Du weißt, Gottes Macht ist unendlich, und doch bringt sie nicht unendliche Dinge hervor. Gottes Vorsehung ist unendlich, und doch schränkt sie sich auf endliche Dinge ein. Auf gleiche Weise erträgt auch seine Güte, wie unendlich sie auch sei, dich nicht unendliche Male. Sie hat ihre Zahl, geschrieben in Gottes undurchdringlichen Ratschlüssen. Und wer weiß, ob diese für dich nicht schon voll ist! Die Barmherzigkeit ist zu unterscheiden, je nachdem sie als göttliche Vollkommenheit, oder in ihren Wirkungen nach außen betrachtet wird. Unendlich ist Gottes Barmherzigkeit, endlich seine Erbarmungen: denn „seine Erbarmungen“, sagt die Heilige Schrift, „sind viele“ (1. Par. 21, 13), aber nirgends heißt es, daß sie unendlich seien. –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 185 – S. 186

Verwandte Beiträge

Heilige Franziska von Rom sieht die Hölle
Der heilige Thomas als Lebensvorbild
Menü