Papst Bonifaz VIII (1294-1303)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Statthalter Jesu Christi regieren die Welt

Papst Bonifaz VIII. steht, in schlichter Kleidung, und hält ein Buch in Hand; er trägt einen langen Bart und schaut ernst und konzentriert

Papst Bonifaz VIII. (regierte von 1294-1303)

bestieg elf Tage nach der Abdankung des heiligen Cölestin, am 24. Dezember des Jahres 1294, den Heiligen Stuhl. Weil seine Regierung in eine äußerst zerrüttete und schwierige Zeit fiel, weil er, ebenso wie einst Papst Gregor VII. gegen Gott entfremdete Fürsten auftreten musste, wurde er schwer verleumdet und sein Andenken verunehrt, wie das kaum eines andern Papstes.

Bonifaz, mit dem Familiennamen Benedikt, stammte aus dem edlen, ursprünglich spanischen Geschlecht der Gaëtani und war zu Anagni im Jahre 1216 geboren. Er hat sich während seiner Studienzeit bei den Franziskanern und später auf der hohen Schule in Paris ausgezeichnet und schon sehr jung den Doktorgrad erworben. Im Jahre 1260 wurde er Domherr in seiner Vaterstadt Anagni und stand bei Papst Alexander IV. in hohen Gnaden. Er wurde Mitarbeiter in den wichtigsten Geschäften und im Jahre 1265 sogar mit einer Gesandtschaft nach England geschickt. Er erlangte auch den Ruf eines berühmten Rechtsgelehrten. Papst Martin IV. machte ihn zum Kardinaldiakon bei St. Nicola in Rom, Papst Nikolaus IV. zum Kardinalpriester. In das römische Parteigezänke mischte er sich nie; er war ein stiller Mann, weshalb von ihm, als er Papst wurde, keine Partei etwas fürchtete, jede hoffte, alle sich freuten.

Als Gesandter des Papstes Martin IV. und Nikolaus IV. hatte er in Portugal, Spanien und Frankreich in den schwierigsten Aufträgen und Stellungen ebenso viel Charakterfestigkeit, als Geschick und Fleiß an den Tag gelegt. Wie seine Gelehrsamkeit und Klugheit, so war auch seine Sittenreinheit vor aller Welt bekannt. Groß gewachsen, von Ehrfurcht gebietendem Äußeren versprach er die glänzendste Zukunft. Gleich nach seiner Wahl begab er sich nach Rom, wo er im Januar des Jahres 1295 zum Bischof geweiht und dann gekrönt wurde.

In seinem ersten Rundschreiben, im Januar desselben Jahres, schilderte Papst Bonifaz in begeisterten Worten die Erhabenheit und Unbesiegbarkeit der Kirche. Seine erstes Werk war, die Kardinäle um sich zu versammeln; nachdem er ihren Rat gehört, widerrief er alle jene Gnaden, die man dem unerfahrenen Papst Cölestin V. abgebettelt hatte. Dieses Vorgehen des neuen Papstes offenbarte der Welt, daß er sich nur von der Gerechtigkeit leiten lasse. Alsbald brach aber auch gegen diesen Papst der Sturm los. Anklagen über Anklagen wurden gegen den Inhaber des Heiligen Stuhles geschleudert. Allein Bonifaz ging seinen Weg, ohne sich beunruhigen zu lassen, im Vertrauen auf das gute Zeugnis seines Gewissens und in der Überzeugung, daß alle jene, welche die Reinheit seiner Gesinnung erkennen würden, ihn günstig beurteilten.

Sein Bestreben ging vor allem dahin, allenthalben den Frieden herzustellen und die christlichen Fürsten zur Befreiung des heiligen Landes zu einem großen Kreuzzug zu vereinigen. Zu diesem Zweck suchte er vor allem die beiden Könige Philipp von Frankreich und Eduard von England, die sich gegenseitig bekriegten, auszusöhnen. Der Papst bot alles auf, um den Frieden zwischen beiden Fürsten herzustellen. Schon im Februar des Jahres 1295 sandte der heilige Vater französische Kardinäle an beide Könige; doch nützten seine Bemühungen wenig. Ja, die beiden Könige vergriffen sich sogar am Kirchengut, um Mittel zu ihren Kriegen zu bekommen. Besonders den Geistlichen dieser Länder wurden schwere Steuern auferlegt. In diese Kriege wurden schließlich auch andere europäische Fürsten verwickelt, so daß beinahe das ganze Abendland gegeneinander in Waffen stand; ein trauriger Anblick für den Papst, dessen Herzenswunsch dahin ging, die europäischen Fürsten zum gemeinsamen Kampf gegen den türkischen Erbfeind zu vereinigen.

In Dänemark war zwischen dem dortigen König Erich VII. und dem Erzbischof Johannes Grant von Lund ein Streit ausgebrochen; der Erzbischof wurde unschuldig ins Gefängnis geworfen, entkam aber und eilte nach Rom. Nachlängerer Untersuchung sprach der Papst im Jahre 1298 den Bann über den König und das Interdikt über Dänemark aus. Erst im Jahre 1302 wurde der Friede wieder hergestellt.

Ebenso war ein erbitterter Kampf ausgebrochen zwischen den beiden italienischen Städten Venedig und Genua. Dem heiligen Vater lag auch hier sehr viel daran, Frieden zu stiften, weil die Mitwirkung dieser Städte zu einem Kreuzzug nach dem heiligen Land sehr nötig war. Der Krieg wurde aber erst im Jahre 1299 beendigt. Auch zwischen den Königen von Aragonien und Neapel war um das Königreich Sizilien ein Krieg entstanden. Nach langen und vergeblichen Bemühungen des Papstes kam auch hier im Jahre 1302 ein Friede zustande, der vom heiligen Vater im Juni desselben Jahres bestätigt wurde.

König Philipp von Frankreich war der mächtigste und gefährlichste Gegner des Heiligen Stuhles während der Regierung dieses Papstes. Bonifaz hatte sich, wie wir schon erzählten, vergeblich bemüht, dem Krieg Frankreichs mit England ein Ende zu machen. Doch König Philipp hörte nicht auf die Stimme des Vaters der Christenheit, sondern erpreßte von den Geistlichen und kirchlichen Stiftungen nur um so mehr Geld für den Krieg.

Da verbot der Papst endlich im Februar des Jahres 1296 unter den schwersten kirchlichen Strafen solche Abgaben kirchlicher Gelder für weltliche Zwecke. König Philipp hatte in seinem Argwohn und Mißtrauen gegen den Papst bald gemerkt, daß dieses Verbot hauptsächlich gegen ihn gerichtet sei. Noch im August des nämlichen Jahres erschien eine königliche Verordnung, welche die Sendung von Geld, Kostbarkeiten, Waffen und Lebensmitteln ins Ausland unter den schwersten Strafen verbot. Dadurch sollte natürlich hauptsächlich der Papst geschädigt werden. Bonifaz erklärte darauf ausdrücklich, daß sein Verbot nur auf ungerechte Forderungen von Geistlichen und Kirchen gehe, und suchte den König zu besänftigen.

Im Jahre 1297 bewies der heilige Vater durch eine edle Tat, wie hoch er König Philipp und das französische Volk trotzdem schätzte. Siebenundzwanzig Jahre waren seit dem Tode des heiligen Ludwig IX., des Großvaters dieses Königs, verflossen. Eine Reihe von Wundern, die an seinem Grab geschahen, lieferten den unumstößlichen Beweis, daß dieser König die ewige Seligkeit erlangt habe. Papst Bonifaz säumte nun nicht mehr, König Ludwig die Ehre des Altares zu gewähren und sprach ihn im August des Jahres 1297 heilig. König Philipp schien sich nun zu beruhigen. Im Januar des Jahres 1298 kam auch zwischen Frankreich und England ein Waffenstillstand zustande, nachdem beide Könige den Papst als Schiedsrichter anerkannt hatten.

Kaum war aber hier für einige Zeit Ruhe eingetreten, da brach in Italien der Kampf wieder aus. Die mächtige Adelsfamilie der Colonna, aus der zwei Männer Kardinäle in Rom waren, empörten sich gegen den Papst. Statt dem heiligen Vater zu gehorchen, entfernten sich die beiden Kardinäle von Rom und antworteten, als sie zur Rechenschaft gezogen wurden, mit einem trotzigen Schreiben. Ja, sie zogen sogar gegen den obersten Hirten der Christenheit Truppen zusammen, so daß sich dieser in Rom nicht mehr sicher fühlte und sich nach Orvieto begab. Inzwischen wurden die Aufständischen besiegt und ihre Burgen erobert; die beiden Kardinäle begnadigte zwar der Papst, setzte sie aber in ihre Würden nicht mehr ein.

In Deutschland war auf König Rudolf von Habsburg Adolf von Nassau gefolgt, mit dem aber die Fürsten nicht zufrieden waren, ihn im Jahre 1298 absetzten und Albrecht von Österreich zum König wählten. Im Juni desselben Jahres verlor Adolf gegen Albrecht in der Schlacht bei Göllheim das Leben. Der Papst anerkannte den neuen König erst im Jahre 1303, als sich dieser gegen verschiedene Anklagen gerechtfertigt hatte. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 510 – S. 513

siehe weiter den Beitrag: Die Leiden des Papstes Bonifaz VIII.

Bildquellen

  • stangl-papst-bonifaz-viii: Bildrechte beim Autor
  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
Category: Papsttum
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