Heiliger Guido von Anderlecht Sakristan

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

12. September

Der heilige Guido von Anderlecht Sakristan

Guido, geboren im Dörflein Anderlecht bei Brüssel, war der Sohn dürftiger Eltern. Diese hatten kein Geld, ihrem Kind eine gelehrte Schulbildung und dadurch die Befähigung zu geben, Namhaftes zu leisten für die Welt; aber sie waren reich an kindlichem Vertrauen zu Gott und sparten keine Mühe, diesen wertvollsten Reichtum auf Guido zu vererben. Sie beteten täglich mit ihm, erzählten ihm von der Güte des himmlischen Vaters, von der Barmherzigkeit Jesu Christi, von der Belehrung und dem Trost des heiligen Geistes, von dem Schutz Mariä und der heiligen Engel. Sie nahmen ihn mit sich in die Kirche und erklärten ihm nach dem Gottesdienst, was er dabei gesehen und gehört, damit er während der Arbeit, an die sie ihn sorgfältig gewöhnten, daran denke und daraus seine Schußgebetlein schöpfe. Gott segnete huldvoll ihre Mühe bei der Erziehung; der Knabe wurde mehr und mehr eine Zierde der Jugend in Bescheidenheit, Gehorsam und sittlichem Ernst.

Eines Tages machte Guido, vierzehn Jahre alt, einen Botengang in das Dorf Laeken, wo eine Wallfahrtskirche zu Ehren der Mutter Gottes war. Diesen Anlass benützte er voll Freuden, um dort recht andächtig sich der teuren Mutter zu empfehlen. Den stillen Beter beobachtete der Ortspfarrer unvermerkt und mit steigendem Wohlgefallen; er lud ihn, als er fortgehen wollte, ein, bei ihm eine Erfrischung zu nehmen. Im Verlaufe des Gespräches überzeugte sich der Pfarrer, daß der Knabe einen geweckten Verstand, ein gar frommes Herz und eine ungewöhnliche Kenntnis des mit Gott vereinten Lebens besitze, und fragte ihn, ob er nicht Mesner in dieser Kirche werden möchte. Mit einer Freudenträne im Auge antwortete Guido: „Ja, herzlich gerne mit Bewilligung meiner lieben Eltern“; er trat schon in den nächsten Tagen diesen Dienst an.

Der jugendliche Mesner entfaltete einen erstaunlichen Eifer für die Heiligkeit des Hauses Gottes; sorgfältige Reinlichkeit und Ordnung auf den Altären und in der ganzen Kirche erbaute die Andacht der Besucher. Obwohl der Kirchenschatz nicht bedeutend war, wußte seine Frömmigkeit doch stets wieder eine neue Zier für den Tabernakel des heiligsten Erlösers und für den Altar der Mutter Gottes zu finden. Wenn er auch ganz allein in der Kirche seines Amtes waltete, bezeugte die Ehrfurcht seines Ganges, seines Benehmens, seiner Tätigkeit die heilige Gottesliebe, welche in seinem makellosen Herzen brannte. Und in der Zeit, welche die Arbeit ihm frei ließ, kniete er vor dem Tabernakel oder vor dem Bilde Mariä im Gebet; oft durchwachte er dort die ganze Nacht. Der zeitliche Lohn, den dieser Dienst ihm eintrug, war sehr gering; aber seine Sparsamkeit erübrigte dennoch manche schöne Gabe an die Armen.

Inzwischen ließ Gott eine Versuchung über ihn kommen. Ein Kaufmann aus Brüssel, der Guido`s Liebe zu den Armen bewunderte, schwätzte ihm vor, er solle mit ihm Handel treiben, dadurch werde er weit mehr verdienen, als durch den Mesnerdienst und könne dann reichlicher Almosen austeilen.

Dem Guido gefiel dieser Vorschlag, er kündet den Dienst auf, kaufte für seinen kleinen Geldvorrat Waren und schiffte sich mit dem Kaufmann ein. Aber Gott fügte es, daß das Schiff mit der ganzen Ladung im Sturm zu Grunde ging, daß sich Guido dabei an der rechten Hand schwer verletzte und nur fast wunderbar das nackte Leben rettete. So war er auf einmal nicht nur ganz arm, sondern auch zugleich wegen der verletzten Hand unfähig, seinen früheren Dienst wieder zu verrichten.

In dieser dunklen nacht des Elends leuchtete ihm jedoch tröstend sein felsenfestes Gottvertrauen; in kindlicher Demut küßte er die Hand des Herrn, die ihn getroffen, und unternahm eine Wallfahrt nach Rom und Jerusalem. Die Beschwerden dieser weiten Reise mehrten sich von Tag zu Tag; oft war er ratlos, dennoch bewahrte er nicht nur eine unerschütterliche Gemütsruhe, sondern verschärfte noch seine freiwilligen Bußübungen. Er durchwanderte das heilige Land nach allen Richtungen und verehrte mit Tränen des Mitleids, der Liebe und Dankbarkeit alle Orte, Straßen und Pfade, wo Jesus Christus das Evangelium voll Gnade und Wahrheit verkündet und das Geheimnis unserer Erlösung vollendet hat. Sieben lange, für den Leib furchtbar peinliche, für die Seele aber sehr gesegnete Jahre verwendete Guido auf diese Wallfahrt.

Als er auf der Rückreise in Rom eintraf, fand er dort den Dekan Wandulf aus seinem Heimatort Anderlecht mit noch einigen Pilgern, welche nach Jerusalem wallfahrten wollten. Nach freundlichem Willkomm baten sie flehentlich: „Gottes Hand hat dich uns in den Weg geführt, du wirst für Gottes Ehre auch weitere Mühe und Beschwerde wagen; sei unser Führer, weil du der uns fremden Wege, Sprache und Sitte kundig bist, unser Dank und Gottes Lohn ist dir sicher.“

Guido sagte dienstbereit zu und führte sie glücklich nach Jerusalem, an das Ziel ihrer frommen Sehnsucht. Schon hatten sie die Heimreise angetreten, als Wandulf erkrankte. Guido stand Tag und Nacht mit der rührendsten Sorgfalt an seinem Sterbebett. In der Stunde des Todes zog der Dekan seinen goldenen Ring vom Finger und gab ihn dem treuen Wärter mit den Worten: „Gott vergelte dir deine aufopfernde Liebe und Barmherzigkeit; der Herr hat mir geoffenbart, daß ich und meine Begleiter hier sterben werden, du aber wirst glücklich in die Heimat zurück kommen; bringe meinen Freunden die Kunde meines Todes und gib ihnen zur Beglaubigung deiner Botschaft diesen goldenen Ring.“ So geschah es.

Guido kam wohl behalten mit dem Ring nach Anderlecht und fand bei den Chorherren eine gute Aufnahme und Verpflegung; allein die harten Entbehrungen und strengen Bußwerke während der langen Pilgerfahrt hatten seine Kräfte so sehr aufgezehrt, daß er nur kurze Zeit noch lebte Vor seinem Ende erleuchtete ein himmlischer Glanz sein Kämmerlein, und die Anwesenden hörten klar eine Stimme: „Komm, mein guter und getreuer Diener, komm in die Freude deines Herrn, Ich selbst will dein Lohn sein!“ Nach dem sanften Hinscheiden verklärte sich sein von der Sonne gebräuntes und vom Fasten abgemagertes Gesicht in wunderbarer Frische. In Folge der vielen Wunder, die an seinem Grabe geschahen, wurde über demselben eine Mutter-Gottes-Kapelle erbaut. Im Jahre 1112 hat Bischof Gerard von Cambrai die heiligen Reliquien erhoben und in die neu erbaute Kirche zur Verehrung übertragen. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 675 – S. 677

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