Heiliger Johannes der Almosengeber

Christus mit dem Buch des Lebens in der Mitte, links der heilige Joseph mit der Lilie sowie den heiligen Mönchen; rechts sind die heiligen Jungfrauen, vorne knien auf der linken Seite Jünglinge und ein Mann, rechts Mädchen und eine Frau, Christus anbetend

Heiligenkalender

23. Januar

Der heilige Johannes der Almosengeber

Johannes, um 559 auf der Insel Zypern geboren, war der einzige Sohn einer edlen, reichen Familie und hatte von zarter Jugend an eine innige Liebe zu Maria, wie auch ein herzliches Mitleid gegen die Armen. Als Knabe begegnete er einst auf dem Wege zur Kirche einem halbnackten Bettler, der vor Kälte zitterte, und sogleich schenkte er ihm sein warmes Oberkleid. Bevor er die Kirche erreichte, kam ein vornehmer, weiß gekleideter Herr auf ihn zu, drückte ihm einen Geldbeutel in die Hand mit den Worten: „Nimm dies, mein Freund.“ Johannes dankte und fand in dem Beutel hundert Goldstücke. Erschrocken eilte er dem Geber nach, um ihm das Geld zurück zu geben; allein er konnte ihn nicht mehr finden. Dafür rief ihm eine innere Stimme die Worte Jesu zu: „Was du um meines Namens willen verläßt, wirst du hundertfältig besitzen.“ Von da an hatte der fromme Knabe erst recht einen freudigen Eifer zum Almosengeben.

Auf das Drängen der Eltern heiratete Johannes frühzeitig und wurde Vater von zwei Kindern. Doch bald entriß ihm der Tod die teure Gattin und beide Kinder. Nun faßte er den heroischen Entschluss, sein ganzes Vermögen unter die Armen zu verteilen, der Welt zu entsagen und Gott allein zu dienen im geistlichen Stande. Der Glanz seiner Heiligkeit leuchtete hin über das ganze Morgenland, und die Kirche von Alexandria erbat sich ihn zum Patriarchen.

Mit rastloser Hirtentreue waltete Johannes seines schweren Amtes, rottete die Irrlehren aus, pflegte das katholische Glaubens-Leben, baute dreiundsechzig neue Kirchen und wachte mit scharfem Vaterauge über die Heiligkeit seiner Priester. Vorzüglich aber war er zugetan „seinen Herren“, – so nannte er die Armen, weil sie die besten Helfer sind, das Himmelreich zu erlangen -; er legte ein genaues Verzeichnis an über alle – 7500 an der Zahl – und keinen Tag fehlten ihm die Mittel für ihre Bedürfnisse. Den Handelsleuten gab er strenge Vorschriften gegen falsches Maß und Gewicht, wodurch die Armen benachteiligt würden; seinen Dienern verbot er, irgend ein Geschenk anzunehmen oder Jemanden abzuweisen; jeden Mittwoch und Freitag setzte er sich vor die Kirchentüre, um die Anliegen und Bitten eines Jeden anzuhören, treu seinem Grundsatz: „Wenn wir arme Sünder ganz frei und ohne vorherige Anmeldung vor Gott selbst unsere Bitten bringen dürfen, wie sollten wir unsern Mitbrüdern den Zutritt zu uns erschweren; denn mit dem Maße, mit welchem wir ausmessen, wird uns eingemessen werden.“ Einst baten ihn die Armenpfleger, seine Wohltätigkeit doch zu beschränken. Ernst belehrte er sie: „Wenn das Geld, welches wir besitzen, uns gehörte, so dürften wir ans Sparen denken; da es aber Gott gehört, so müssen wir es Ihm durch die Armen zurück geben. Wenn ihr fürchtet, die Ausgaben möchten größer werden als die Einnahmen, so will ich an eurer Kleingläubigkeit keinen Anteil haben; denn ich bin überzeugt, daß, wenn die ganze Welt nach Alexandrien um Almosen kommt, die Schätze Gottes nie werden erschöpft werden.“ Diesem Glauben gemäß handelte er auch. Er errichtete mehrere Armen- und Krankenhäuser, unterstützte viele zu gering dotierte Bischöfe und Priester, sehr viele Familien, welche sich aus Syrien vor den Persern nach Ägypten geflüchtet hatten, schickte große Schiffsladungen Getreide, Wein und Geld den ausgeplünderten Christen in Palästina und erkaufte den Kriegsgefangenen die Freiheit. Für sich behielt er nicht einmal eine ordentliche Decke über den Strohsack, auf den er sich zu kurzer Nachtruhe nieder legte.

Ein reicher Herr verehrte ihm einst eine wertvolle Bettdecke. Aber schon in der ersten Nacht konnte der Patriarch unter dieser Decke nicht schlafen; sein Diener hörte ihn seufzen: „Weh` mir armen Sünder! Ich pflege mich so gemächlich, und viele Brüder Christi müssen vor Hunger und Kälte verschmachten! Viele würden sich freuen, wenn sie sich erquicken könnten an den Speisen, die in meiner Küche weggeworfen, oder an dem Weine, der im Keller verschüttet wird. Viele haben nur ein und dazu noch geringes Kleid und müssen, oft vom Regen durchnäßt, ohne Obdach schlafen; ich dagegen, ich esse Fische, trinke Wein, schlafe in einem geschützten Zimmer und gar noch unter einer so köstlichen Decke; ich lebe, ja wie ein reicher Prasser – so kann ich nicht selig werden.“ Sogleich am Morgen verkaufte er die Decke und schenkte der Erlös einem Armen. Als jener reiche Herr dies vernahm, kaufte er die Decke wieder und schenkte sie dem Patriarchen; dieser aber verkaufte sie auch sogleich wieder zu Gunsten der Armen. Als der Herr sie zum dritten Male ihm schenkte, lächelte Johannes: „Wir wollen doch sehen, wer von uns Beiden des Verschenkens müde wird!“ Wie seine Freigebigkeit, so war auch seine Friedensliebe unerschöpflich. Ein vornehmer Herr wollte sich mit seinem Feind nicht versöhnen. Johannes lud ihn zu sich und führte ihn in die Hauskapelle zur heiligen Messe. Beim Pater noster ließ er ihn die Worte: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern“, allein beten und sprach dann feierlich: „Sieh`, was betest du in dieser ernsten Stunde!“ Der Feindselige versöhnte sich. Einmal war Johannes selbst wider den angesehenen Niketas in gerechten Zorn entbrannt. Als es Abend wurde, schickte er einenPriester zu Niketas und ließ ihm sagen: „Verehrter Herr, die Sonn will untergehen!“ Niketas verstand die Mahnung, eilte zu Johannes, und noch vor Sonnen-Untergang freuten sie sich des Friedens.

Von seinem Eifer für die würdige Feier des Gottesdienstes nur ein Beispiel. Er bemerkte, daß mehrere, statt die Predigt anzuhören, vor der Kirche draußen sich unterhielten. Sogleich ging er zu ihnen hinaus, setzte sich neben sie hin und sagte wehmütig zu den Betroffenen: „Meine Kinder, wo die Schafe sind, dahin gehört auch der Hirt: um eures Heiles willen predige ich, wollet ihr mich nicht in der Kirche hören, so muss ich hier bei euch bleiben.“ Damit war der Missbrauch abgeschafft. – Die unermüdlichen Anstrengungen erschöpften zu bald die Kräfte seines Körpers. Längere Zeit vor seinem Tode hatte er sich ein Grab bereiten und bei feierlichen Anlässen zurufen lassen: „Gib Acht, dein Grab ist noch nicht fertig, laß es vollenden; denn du weißt nicht, wann der Dieb kommen wird.“ Aber der Tod sollte ihn nicht in Alexandria ereilen. Als die Perser diese Stadt mit Krieg bedrohten, reiste er mit dem Statthalter Niketas zum Kaiser nach Konstantinopel. Auf dem Wege hatte er ein Gesicht, das ihm seine nahe Auflösung ankündigte. Von dem reichen Einkommen seiner Diözese und von den fast unzähligen Geschenken, welche fromme Leute in seine Hand gelegt hatten, besaß er noch einziges Goldstück, welches er auch noch einem Notleidenden gab. Er starb in seiner Heimat auf Zypern am 11. November 616. Seine wunderreichen Reliquien werden jetzt zu Preßburg in Ungarn aufbewahrt und verehrt. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 57 – S. 58

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