Heilige Berta von Blangy Äbtissin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

4. Juli

Heilige Berta von Blangy Prinzessin und Äbtissin

(Gefreit werden)

Zur Zeit des Frankenkönigs Chlodwig lebte ein vorzüglicher Mann, Namens Rigobert, welcher von dem König ob seiner vortrefflichen Eigenschaften zum Grafen ernannt und von Jedermann hoch geehrt wurde. Seine Gemahlin Ursana war von königlichem Geschlecht aus England. Beide dienten Gott in aller Treue. Und indem sie Gerechtigkeit übten, den Werken der Barmherzigkeit ergeben waren, in standhaftem Gebet verharrten, flehten sie Gottes Güte besonders um Nachkommenschaft an.
Es wurde ihnen aber eine Tochter geboren, welcher sie den Namen Berta beilegten. Das Kind war überaus schön und wurde als einzige Tochter mit großer Sorgfalt von der Mutter unterrichtet und erzogen. Auch ausgewählte Stücke der hl. Schrift wurden dem Mädchen, sobald es die Jahre zu genügsamem Verständnis erreicht hatte, erläutert und ans Herz gelegt, damit sein Sinn und Wandel dadurch geheiligt werde. Das Mädchen nahm aber zu in aller Frömmigkeit und Tugend, und wurde noch viel schöner innerlich dem Geist und Herzen nach, als äußerlich dem Leibe nach.
Als nun Berta das achtzehnte Jahr erreicht hatte, erscholl ihr Ruf weit und breit im Frankenland, daß kein Mädchen dieses Alters mit ihr verglichen werden könne. Sigfried, ein Verwandter des Königs Chlodwig, ein vortrefflicher Mann, hörte auch von Berta, faßte den Entschluss, um sie anzuhalten und reiste deshalb mit fürstlichem Gefolge zu dem Grafen Rigobert, nachdem er vorher Gott um Beistand angefleht hatte, daß sein Vorhaben gelinge. In Blangy, wo Berta wohnte, bat er ihren Vater inständig, ihm seine Tochter nicht zu verweigern, und versprach dabei Geschenke und Gaben, wie es bei den Franken damals üblich war. Rigobert willigte zu Allem ein und setzte den Tag fest, wo Sigfried seine Tochter in gesetzlicher Weise zum Ehegemahl bekommen sollte. Es wurde sonach dazumal Berta einem irdischen Fürsten verlobt, die sich schon vorher im Geist dem himmlischen angetraut hatte; und nach wenigen tagen führte Sigfried seine schöne Braut mit prachtvoller Begleitung in seine Behausung. Es war aber die selige Berta zwanzig Jahre alt, da sie in den Ehestand trat.

Bevor ich in der Erzählung fortfahre, will ich auf einen bemerkenswerten Umstand aufmerksam machen. Es kommt nämlich kein Wort darüber vor, daß sich Sigfried bei Berta selbst beworben hätte, oder daß sie um ihre Einwilligung gefragt worden wäre. So wurde es überhaupt im Altertum und wird jetzt noch im Morgenland gehalten; und wo der Apostel Paulus im ersten Brief an die Korinther Kap. 7 vom Heiraten spricht, so redet er nicht vom Willen der Tochter hierbei, sondern nur vom Willen des Vaters, z. B. Vers 18: „Wer (seine Tochter) verheiratet, tut gut; wer (sie) aber nicht verheiratet, tut besser.“ Gegenwärtig ist es in den meisten Familien anders. Die Töchter wollen nur ihren eigenen Kopf, oder, wie sie sagen, ihr eigenes Herz fragen, ob sie den oder jene heiraten – und meinen, die Eltern hätten hierbei nichts zu sagen. Fahren sie aber dabei besser? Gibt es weniger unglückliche Ehen als in den Ländern und zu jenen Zeiten, wo lediglich die Eltern über die Hand ihrer Töchter verfügen? Ich glaube gerade das Gegenteil. Die sogenannten Liebschaften, wie sie gewöhnlich jetzt den Heiraten voraus gehen, sind sehr häufig nur ein Zustand der Verblendung, wo jeder Teil in dem andern einen wahren Engel sieht; einige Zeit nach geschlossener Ehe stellt sich dann Vieles oder alles ganz anders heraus, als einem die blinde Neigung vorgelogen hat. Die Leidenschaft macht blind und wählt deshalb blind, während erfahrene und christlich gesinnte Eltern besser erkennen, wann und mit wem eine gute Ehe zu erwarten ist. Sobald daher ein rechtschaffenes Mädchen von Jemanden gesucht wird, soll sie gleich im Beginn den Eltern davon sagen, bevor sie eine Neigung durch längeren Umgang zu einem Menschen faßt und so lange ihr Herz noch frei ist. Die Eltern sollen dann nach ihrer reiferen Einsicht und Erfahrung bestimmen, ob ein Ehebündnis ratsam ist oder nicht; auch bei Heiraten gilt: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohl ergehe und du lang lebest auf Erden.“ Bekanntschaften aber ohne Absicht und Aussicht bald sich zu verehelichen – sind ganz zu verwerfen.

Die gottselige Berta lebte mit ihrem Herrn mehrere Jahre in einträchtiger Ehe, und es sind aus derselben fünf Töchter geboren worden, die alle durch gute Werke ihre Herkunft von einer so frommen Mutter erwiesen. Endlich starb Sigfried glückselig im Herrn und wurde ehrenvoll begraben in Blangy neben der Kirche. Nun wollte Berta all` ihre Hoffnung und all` ihren Dienst ganz allein dem allmächtigen Gott zuwenden; sie legte ihren kostbaren Schmuck, Edelsteine und Seiden ab, und kleidete sich nur noch mit Wollzeug und trug einen Schleier, wie es in Frauenklöstern üblich ist. Nach reiflicher Überlegung faßte sie den Entschluss, zur Ehre unseres Herrn Jesu Christi und seiner seligsten Mutter der Jungfrau Maria eine Kirche zu erbauen. Allein der erste Bau stürzte gänzlich zusammen, bevor er vollendet war, zur Strafe, daß Berta einiges Wohlgefallen hatte, daß die Welt ihr gutes Werk sah, wie denn Gott solche Fehler an seinen Auserwählten oft sehr streng straft. Nun ließ sie die Kirche an einem andern Ort erbauen und brachte es damit zum vollständigen Ausbau, nur war dieselbe noch nicht eingeweiht. Da machte Berta einen Besuch bei einer Freundin, Namens Rotrud, welche mehrere Stunden weit entfernt wohnte. Während beide mit einander ein Gespräch führten in Betreff der neu erbauten Kirche, stürzte dieselbe auf`s Neue zusammen und der Ton des Sturzes gelangte an die Ohren des Herzens von Berta. Voll Bestürzung wurde sie bleich und zitterte, so daß Rotrud fragte, was mit ihr sei? Berta antwortete: daß sie innerlich vernommen habe, wie ihr Bau auf`s Neue eingefallen sei. Da sie sich nun auf den Rückweg machen wollte, kam schon ein Bote, welcher meldete, was sie durch übernatürliche Offenbarung schon vorher erkannt hatte. Rotrud tröstete nun ihre Freundin und sprach: „Ich hoffe, meine Schwester, daß der Herr einen andern Ort auserwählt habe, wo du ihm ein Haus bauen sollst; wir wollen deshalb durch standhaftes Gebet und Fasten seine Barmherzigkeit anflehen, daß er selbst uns gnädig den Ort anzeigen möge, wo ihm der Bau eines Klosters zu seinem Dienst angenehm sei.“ Solches taten nun die beiden gottseligen Personen; schon gegen Morgen der dritten Nacht ihres gemeinsamen Fastens wurde einem Baumeister der Berta die Offenbarung darüber zu Teil, daß die Kirche und das Kloster gebaut sollen werden in der Nähe von Blangy am Fluss Thena, wo vier Steine in Gestalt eines Kreuzes liegen. Berta, hoch erfreut, suchte den Ort auf, fand das von Steinen geformte Kreuz und machte sogleich alle Anordnung, um hier den Bau zum dritten Mal zu beginnen. Nachdem Kirche und Kloster vollendet waren, kamen auf das Gesuch der seligen Berta mehrere Bischöfe zusammen und weihten das Gotteshaus mit großer Feierlichkeit und Freude. Hierauf begehrte Berta, daß ihr selbst mit zwei Töchtern das Klostergelübde abgenommen und der Schleier erteilt werde. Zwei andere Töchter waren ihr schon vorher gestorben; hingegen Gertrud und Deotila waren durch das Beispiel ihrer Mutter höchst eifrig in der Religion geworden und hatten gleichen Entschluss gefaßt. Die dritte Tochter, Emma, blieb in dem weltlichen Stand, obschon auch sie in aller Sorgfalt mit ihren Schwestern erzogen worden war.

Da reizte aber der Satan einen der höchsten Beamten des Königs, Ruodgar, einen stolzen, übermütigen Mann, daß er nach Blangy reiste und von der seligen Berta inständig ihre Tochter Gertrud zur Ehe begehrte. Die gottselige Mutter schlug es ab, indem sich Gertrud dem himmlischen Bräutigam gelobt habe. Ruodgar ließ sich damit aber nicht abweisen, sondern starrköpfig tat er einen Schwur, daß er nicht eher aus dem Kloster fort gehe, als bis ihm Gertrud zu Gesicht gebracht worden sei.
Berta führte nun ihre beiden gottgeweihten Töchter, Gertrud und Deotila, unter Begleitung aller Klosterfrauen in die Kirche, stellte sie neben den Altar, ließ dann alle Türen aufmachen, Kirchenlieder anstimmen und den Ruodgar kommen. Als er sich eingefunden hatte, sprach Berta zu ihm: „Sieh`, hier steht die Magd und Braut Christi; sie ist von hochwürdigen Bischöfen für den Orden eingesegnet und diesem Altar zugesprochen. Wenn du es wagen willst, sie dem Herrn zu rauben, so raube sie; denn wir Frauenspersonen können dir nicht mit Mannesgewalt widerstehen. Aber Gott, unser Schützer, verläßt die nicht, welche von ganzem Herzen auf ihn vertrauen.“
Ruodgar, von Angst ergriffen, verließ ganz schnell die Kirche und ritt voll Zorn davon, indem er viele Schmähworte und grausame Drohungen ausstieß. In dieser Wut ging er zum König, klagte fälschlich die gottselige Berta an, als sei sie des Hochverrates an König und Reich schuldig; sie habe ein Einverständnis mit den Völkern jenseits des Meeres, damit sich diese des Landes bemächtigen könnten. Der König glaubte voreilig dieser lügenhaften Anklage und befahl, daß die Dienerin Gottes unverzüglich in seinen Palast gebracht werde.
Die ehrwürdige und heilige Berta, im Vertrauen auf Gottes Beistand, unternahm die Reise in einem ihrem Stand gebührenden Aufzug. Da nun Ruodgar dieses sah, zwang er sie, ihr Pferd mit einem ganz schlechten ohne alle Zier zu vertauschen und darauf zum Palast zu reiten, was damals für eine Frau von ihrer Herkunft und Würde als sehr schimpflich galt. Als sie eintrat, kam ihr Ruodgar hier wieder entgegen und blickte sie mit gehässigen Augen an; da wurde er plötzlich blind. Dieses wurde mit Recht im königlichen Haus als eine handgreifliche Strafe Gottes angesehen. Der König änderte in Folge davon seine vorgefaßte Meinung, bat die ehrwürdige Äbtissin Berta selbst um Verzeihung, daß er, durch lügenhafte Anklagen bewogen, sie in Unruhe gebracht habe, und ließ sie in Frieden wieder zurück kehren.

Berta baute später noch einige Gotteshäuser; um aber noch mehr von der Welt ich zu trennen und sich Gott in unabläßlichem Gebet hinzugeben, ließ sie sich auf der rechten Seite der Klosterkirche eine Zelle bauen, welche ein Fenster zu dem Hauptaltar hatte, und bewohnte dieselbe. Als sie endlich das neunundsechzigste Jahr erreicht hatte, fühlte sie die Auflösung ihres Leibes heran nahen. Da hörte sie himmlischen Gesang und namentlich die Worte: „Komm`, Auserwählte! Komm`, Auserwählte!“ – worauf ihre Seele von dem Chor der Engel aufgenommen wurde.-
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 3 Juli bis September, 1872, S.19 – S. 23

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