Heilige Olympias von Konstantinopel

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

17. Dezember

Heilige Olympias Witwe

Olympias, zu Konstantinopel 368 geboren, stammte aus einer sehr vornehmen, dem kaiserlichen Hofe befreundeten Familie. In zartem Alter schon eine Waise, war sie die einzige Erbin eines unermeßlichen Vermögens. Theodosia, die Schwester des heiligen Amphilochius, eine ebenso gebildete als fromme Matrone, leitete die Erziehung des schönen Mädchens, dessen Herz für die heilige und heiligende Liebe zu Jesus Christus so empfänglich war.

Olympias blühte auf zu einer Jungfrau von wunderbarer Anmut und Lieblichkeit; auf ihrer sanften Stirne leuchtete der süße Friede heiliger Unschuld und aus ihrem dunklen Auge blitzte die Kraft ihres großen Geistes. Die edelsten Jünglinge rangen um den Besitz dieser köstlichen Perle; aber Olympias wünschte die Braut des Sohnes Gottes zu bleiben. Doch mehr gezwungen als freiwillig reichte sie dem Stadtpräfekten Nibridius die Hand, der ihr, nach der gewöhnlichen Angabe, eine jungfräuliche Ehe versprach und nach zwanzig Monaten schon ins Grab sank.

Olympias, die vorher die schönste Perle der Jungfrauen war, bewährte sch jetzt als die Zierde der Witwen, indem se ihre zeitlichen Reichtümer und ihr makelloses Herz zu den Füßen des Kreuzes legte und ganz dem Gekreuzigten weihte. Unter den vielen Bewerbern befand sich sogar der Kaiser Theodosius, ihr Verwandter, der ihre Verbindung mit einem seiner Vettern erzwingen wollte. Ihre entschiedene Abweisung erbitterte ihn so sehr, daß er ihr ganzes Vermögen in Beschlag nahm. Darüber legte sie ihm ihre Gesinnung schriftlich dar: „Du hast mir, o Herr, eine Gnade erwiesen, die nicht nur eines Kaisers, sondern auch eines Kirchenfürsten würdig ist, indem du durch Übernahme meiner Güter mich vieler Sorge und Unruhe über deren gute Verwendung enthoben hast. Geruhe doch, um meine Freude vollkommen zu machen, zu befehlen, daß sie an Kirchen und Arme ausgeteilt werden. Schon längst fürchtete ich die Empfindungen der Eitelkeit, welche bei Ausspendung milder Gaben leicht aufleben, wenn man dieses selbst tut. Auch möchten die zeitlichen Güter mein Herz abziehen von den wahren Gütern, welche geistig und ewig sind.“

Da der Kaiser durch diese Maßregel nur sie zur Nachgiebigkeit zwingen wollte, ging der Verwalter dieser Güter soweit, daß er Olympias darben ließ, den besuch der Kirchen und den Empfang priesterlichen Trostes versagte; aber ihre Liebe zum Gekreuzigten war stärker und ausdauernder als des Elenden Grausamkeit. Inzwischen kam der Kaiser nach dreijähriger Abwesenheit zurück und gab, gerührt von solcher Seelengröße, seiner Base ihr Vermögen und ihre Freiheit zurück.

Olympias, erst 23 Jahre alt, machte den bewunderungswürdigsten Gebrauch davon: ihren zarten, schwächlichen Leib gestaltete sie durch strenges fasten, Nachtwachen im Gebet und harte Abtötungen nach dem Bilde des gekreuzigten Jesus; ihre Reichtümer strömten ganz den Armen, Notleidenden und durch die Hände der Bischöfe den kirchlichen Bedürfnissen zu, während ihre geistvolle Frömmigkeit sehr viele Jungfrauen den Gefahren des Verderbens entriß und noch mehr christliche Frauen, die mit Heiden verehelicht waren, mit heilsamen Rat und Trost unterstützte. Der heilige Patriarch Nektarius weihte sie, obwohl noch sehr jung, wegen ihrer herrlichen Verdienste um die Kirche zur Diakonissin. Der damals so ehrenvolle Dienst der Diakonissinnen bestand darin, daß sie in den Kirchen den Eingang, der für das Frauenvolk bestimmt war, hüteten und die Unberufenen abwiesen, daß sie während des Gottesdienstes die Ordnung auf der Frauenseite überwachten, daß sie die Aufträge des Bischofs an den weiblichen Teil der Gemeinde vollzogen, daß sie die Pflege der weiblichen Kranken besorgten, daß sie oft die weiblichen Katechumenen in den Glaubenslehren unterrichteten und ihnen dann bei der Taufe durch Untertauchung assistierten. Diesen in der Kaiserstadt so umfangreichen und wichtigen Dienst verrichtete Olympias mit einer Seelengröße, Opferwilligkeit und Umsicht, daß sie von allen angestaunt, von den besten Männern ihrer Zeit, vom heiligen Gregor von Nyssa, Amphilochius, Gregor von Nazianz bewundert, vom heiligen Epiphanius, Chrysostomus und Palladius in ihren beredten Schriften mit Begeisterung gerühmt wurde.

Die tiefe Demut ihres Herzens, die englische Einfalt ihrer Gesinnung, die Glut ihrer Gottesliebe, die überströmende Freigebigkeit ihres Mitleidens, die gewinnende Freundlichkeit ihrer Nächstenliebe, die wunderbare Ausdauer ihrer Barmherzigkeit in den Kammern der Kranken und Sterbenden entzückte alle diejenigen, welche Sinn und Gefühl für eine so erhabene Heiligkeit hatten. Ein hohes Verdienst um den Glanz solcher Tugend gebührt nebst der göttlichen Gnade auch dem heiligen Chrysostomus, welcher lange Jahre ihr Seelenführer war.

Die Bosheit der stolzen Kaiserin Eudoxia, welche den großen Kirchenlehrer Chrysostomus aus Konstantinopel verbannte, schonte auch der heiligen Olympias nicht, und beschuldigte sie der Brandstiftung, wodurch nach der Verbannung des heiligen Patriarchen die Hauptkirche zerstört wurde. Mit Würde erklärte die Angeklagte dem Richter: „Das Leben, welches ich bisher geführt habe, sollte mich vor diesem Verbrechen freisprechen. Wer so viele Kirchen gebaut und ausgeschmückt hat, wie ich, wird wohl diese Kirchen nicht wieder verbrennen; auch weigerte sie sich, mit dem von der Kaiserin aufgedrängten, ketzerischen Patriarchen Ursacius in Kirchen-Gemeinschaft zu treten. Obwohl ganz unschuldig, wurde sie mit schwerer Geldstrafe belegt und genötigt, die Stadt zu verlassen. Man verkaufte öffentlich ihre Güter, zerstreute die Genossenschaft der Jungfrauen, deren mütterliche Leiterin sie so lange gewesen und überhäufte sie mit den bittersten Unbilden; dabei tat sich vorzüglich die Schamlosigkeit und der Undank derjenigen hervor, denen sie die meisten Wohltaten gespendet hatte. Aber kein Blick der Erbitterung trübte ihr Auge, kein Wort der Klage entweihte ihre Lippen; mit sanfter Gelassenheit ertrug sie alle diese Bedrängnisse; die Liebe zum gekreuzigten Jesus und die Trostbriefe des heiligen Chrysostomus ließen ihr Herz nicht brechen, bis das Opfer vollbracht war und sie ihren Geist in die Hände des himmlischen Vaters übergeben durfte, was um das Jahr 410 geschah. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 941 – S. 942

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