Die Sekte der Donatisten im 4. Jahrhundert

Die Sekte der Donatisten: Der hl. Augustinus im Religionsgespräch mit den Donatisten

Die Sekte der Donatisten – Aufstieg und Niedergang der Schismatiker des 4. Jahrhunderts

Das größte und hartnäckigste Schisma der alten Kirche war das donatistische, unter den schlimmen Nachwehen der diokletianischen Verfolgung vielleicht die schlimmste. Grund und Veranlassung desselben war ein gewisser Rigorismus und schwärmerischer Fanatismus, welcher seit den montanistischen Wirren bei einem Teil der afrikanischen Kirche vorherrschte und namentlich in der diokletianischen Christenverfolgung stark hervortrat. Es gab während derselben manche Christen, welche sich unaufgefordert der heidnischen Obrigkeit darstellten und erklärten, sie besäßen heilige Schriften, würden sie aber nicht ausliefern, um auf diese Weise der Ehre des Martyriums teilhaftig zu werden. Zuweilen waren bei solchen Provokationen nebenbei sogar unreine Motive im Spiel. Eine besondere Stütze hatte diese rigoristisch-schwärmerische Partei an dem Primas von Numidien, dem Bischof Secundus von Tigisis.

Die gemäßigte und besonnene Partei unter Mensurius

Es gab aber auch eine gemäßigtere und besonnenere Partei, und an der Spitze dieser stand der damalige Bischof Mensurius von Karthago nebst seinem mit ihm in allem übereinstimmenden Archidiakon Cäcilian. Mensurius, ein würdiger Mann, verlangte zwar von seinen Gläubigen kräftigen Mut, aber er missbilligte auch auf das Entschiedenste jenes unbesonnen und schwärmerische Streben nach dem Martyrium und wollte es namentlich nicht zugeben, dass die auf diese Weise den Tod Suchenden von den Christen als Märtyrer verehrt würden. Er selbst hatte während der Verfolgung statt der Bibel häretische Schriften in der Kirche zurückgelassen und diese der Konfiskation preisgegeben. Die heidnische Behörde gab sich damit zufrieden, auch nachdem ihr die Täuschung bekannt geworden war.

Aber es war natürlich, dass der Bischof sowohl wie sein Archidiakon durch jenes Verfahren die Fanatiker aufs Höchste gegen sich aufreizte, und dass diese seine Handlungsweise im gehässigsten Licht darzustellen suchten. Namentlich wollten sie auch von einem solchen Kompromiss mit der Staatsbehörde nichts wissen und brandmarkten denselben mit dem Namen der traditio (s. d. Art. Abgefallene)

Vielleicht ist aber Cäcilian in der Durchführung seiner Grundsätze etwas zu schroff aufgetreten. So entstand in der karthagischen Gemeinde eine dem Bischof und noch mehr seinem Archidiakon feindselige Partei, als deren Seele eine frömmelnde, reiche, spanische Witwe Lucilla erscheint. Diese hatte Cäcilian, weil sie vor Empfang der heiligen Kommunion einen Knochen eines angeblichen, von der Kirche nicht anerkannten Märtyrers zu küssen pflegte, öffentlich getadelt und auf diese Weise tödlich beleidigt. Jedoch erst nach dem Tod Bischofs Mensurius führte diese Bewegung in Karthago zu dem unseligen Schisma.

Die Entstehung des afrikanischen Schismas

Mensurius, der auf der Rückreise von Rom in die Heimat (Ende 311 oder Anfang 312) gestorben war, hatte vor seiner Abreise dem Herkommen gemäß die Leitung seiner Kirche seinem Klerus übertragen, unter welchem der Archidiakon Cäcilian jedenfalls die einflussreichste Stellung einnahm. Es scheinen aber nach dem Tod des Bischofs alsbald die vorhandenen Gegensätze aufs Äußerste sich zugespitzt zu haben.

Die Gegner des Cäcilian, vor allen Lucilla, aber auch karthagische Priester, wie Botrus und Celestius, wandten sich mit ihren Klagen gegen den Archidiakon an den Primas von Numidien, Secundus von Tigisis, den Begünstiger der rigoristischen Partei. Dieser sandte eine Kommission nach Karthago, welches daselbst einen Bistumsverweser (interventor) aufstellte. Es wurde dies Donatus von Casä Nigrä.

Oder es war derselbe wenigstens die Hauptperson bei diesem Schritt, welcher das Schisma inaugurierte. Die Kommission hatte offenbar gehandelt, ohne sich mit dem karthagischen Klerus in Verbindung zu setzen; deshalb wurde der aufgestellte Interventor von Cäcilian und seinem Anhang nicht anerkannt. Es war jetzt für diese von der größten Wichtigkeit, bei der Bischofswahl den Numidiern zuvorzukommen, wenn nicht die Gegenpartei ans Ruder gelangen sollte. Die verwirrte Lage der Kirche bot Entschuldigung genug, von dem alten Herkommen abzuweichen.

Wahl des Bischofs Cäcilian von Karthago

Dieses bestand darin, dass zu der Wahl eines Bischofs von Karthago, da dieser der Primas vom ganzen lateinischen Afrika war, auch die Bischöfe von Numidien eingeladen wurden. Die Einladung unterließ man jetzt, und es versammelten sich nur der karthagische Klerus mit einigen Bischöfen aus der Nachbarschaft zur Wahl. Dieselbe fiel einstimmig auf Cäcilian und Felix von Aptunga, ein Suffragan von Karthago, erteilte ihm die Ordination. Kaum war dies geschehen, so sandte die Gegenpartei an Secundus von Tigisis, der alsbald eine Synode nach Karthago berief. Es versammelten sich daselbst im J. 312 ungefähr 70 Bischöfe, welche in einem Privathaus ihre Sitzungen abhielten.

Auf der Synode wurden die alten Klagen gegen Cäcilian laut, seiner Wahl wurde der Vorwurf gemacht, dass sie nicht ordnungsgemäß mit Zuziehung der numidischen Bischöfe vor sich gegangen, und an seiner Ordination fand man den Mangel, dass sie von Felix von Aptunga, der in der diokletianischen Verfolgung ein Traditor (s. Lapsi) geworden, vollzogen, daher ungültig sei. (… bei den Donatisten bildete diese Beschuldigung fortwährend den Haupt-Rechtfertigungsgrund für ihr Vorgehen gegen Cäcilian. Hätten sie denselben erst 314 erfunden, so würde man von gegnerischer Seite um so leichter die Unrechtmäßigkeit des Verhaltens dieser Synode, die das Schisma aufrichtete, haben dartun können.)

Wahl des Gegenbischofs Majorinus

Cäcilian wurde vorgeladen. Er erschien nicht, erklärte aber seinen Feinden, wenn sie glaubten, Felix habe ihn nicht wahrhaft geweiht, so möchten sie jetzt selbst die Ordination an ihm vornehmen. Es war nämlich noch nicht durch ein Konzil die bestimmte Entscheidung gegeben, dass die Sakramente auch von großen Sündern gespendet, doch gültig seien. Übrigens war die Anklage gegen Felix durchaus falsch und unbegründet, wie eine spätere gerichtliche Untersuchung im J. 314 zeigte. Trotzdem aber wurde Cäcilian von der Synode abgesetzt, seine Weihe für nichtig erklärt, und an seiner Stelle der Lektor Majorinus, ein Hausfreund der Lucilla, die sich durch große Geldspenden die numidischen Bischöfe verbindlich gemacht hatte, zum Bischof von Karthago gewählt und alsbald geweiht.

Da Karthago sozusagen der Patriarchstuhl des ganzen lateinischen Afrika war, und die Parteigegensätze, aus denen die zwiespältige Wahl hervorgegangen, auch in den übrigen afrikanischen Kirchen bestanden, so wurde nicht bloß Africa proconsularis, sondern auch das ganze christliche Afrika in diesen Streit mit hineingezogen, und fast in allen Städten bildeten sich zwei Gemeinden mit zwei Bischöfen, einem cäcilianischen und einem majorinischen.

Das donatistische Schisma

Das unglückliche Schisma war damit perfekt. Da jedoch Majorinus nur von anderen vorgeschoben war und auch schon in Bälde starb, so benannte man das Schisma nicht nach ihm, sondern nach seinem Nachfolger im schismatischen Bistum Karthago, Donatus d. Gr., und nach dem bereits erwähnten Donatus von Casä Nigrä. Außerhalb Afrikas wurde übrigens Cäcilian für den rechtmäßigen Bischof erachtet. Auch Kaiser Konstantin d. Gr., welcher, während dies vorging, Maxentius in der berühmten Schlacht am Pons Milvius besiegt hatte und dadurch Herr von Afrika geworden war, anerkannte ihn in einem an ihn gerichteten Erlass als solchen und schloss die Donatisten von der katholischen Kirche gewährten Begünstigungen aus.

Die Synode zu Rom 313

Jetzt ließen die Schismatiker dem Kaiser zwei Schreiben überreichen, in welchen sie verschiedene Klagen gegen Cäcilian vorbrachten und zugleich verlangten, Konstantin solle Richter aus Gallien ernennen, um zu entscheiden, ob sie oder Cäcilian recht hätten.

Obgleich der Kaiser diese Anrufung des weltlichen Arms in einer kirchlichen Angelegenheit missbilligte, bestellte er doch drei gallische Bischöfe, Maternus von Köln, Reticius von Autun und Marinus von Arles, welche in Verbindung mit Papst Miltiades oder Melchiades und 15 anderen Bischöfen auf einer Synode zu Rom im Oktober 313 die Sache entscheiden sollten. Auch Cäcilian und seine Ankläger mussten erscheinen.

Da letztere jedoch nichts beweisen konnten, wurde Cäcilian freigesprochen, dagegen sein Hauptankläger Donatus von Casä Nigrä verurteilt, den übrigen donatistischen Bischöfen aber der Friedensvorschlag gemacht: wenn sie zur Einheit der Kirche zurückkehren wollten, sollten sie in ihrer Würde verbleiben, so dass in jeder Stadt, wo bisher zwei Bischöfe gewesen, der ältere die Gemeinde behalten, der andere aber einer anderen Gemeinde vorgesetzt werden sollte. –

Die Synode zu Arles 314

Dies veranlasste den Kaiser, vor allem die Anschuldigung gegen Felix von Aptunga gerichtlich untersuchen zu lassen und überdies den ganzen Streit einer großen Synode zur Entscheidung vorzulegen.

Das Resultat der gerichtlichen Untersuchung war, dass sich die Unschuld des Felix erwies. Es bezeugte nämlich der römische Beamte, welcher unter Diokletian die heiligen Bücher in Aptunga hatte wegnehmen sollen, selbst, dass Felix ihm keine ausgeliefert habe; ein gewisser Ingentius aber, welcher aus Privathass eine Urkunde zu Ungunsten des Felix gefälscht hatte, gestand sein Vergehen.

Die Synode ward 314 zu Arles in Gallien gehalten, und auch diese sprach sich für Cäcilian und gegen seine Ankläger aus. Die letzteren wurden teils verurteilt, teils zurückgewiesen; doch machte man den donatistischen Bischöfen, wenn sie zur kirchlichen Einheit zurückkehrten, ähnliche Anerbietungen, wie im vorigen Jahr zu Rom.

Zur Frage des Ketzertaufstreites

Die Hauptsache jedoch war, dass die Synode zu Arles (c. 13) den Satz aussprach:

„eine Weihe, welche ein Traditor erteile, könne nicht beanstandet werden, wenn nur der Geweihte selbst die nötigen Eigenschaften besitze“. Ein weiterer Kanon (14) bedrohte, offenbar mit Rücksicht auf die Donatisten, die falschen Ankläger mit Exkommunikation, und der achte Kanon stellte durch die für den Ketzertaufstreit entscheidende Erklärung:

„die von einem Häretiker erteilte Taufe sei gültig, wenn auf den Vater, Sohn und heiligen Geist getauft worden sei“, nur in anderer Spezialisierung, denselben Grundsatz auf, der in Kanon 13 ausgesprochen war: die Gültigkeit eines Sakrament hänge nicht von der Würdigkeit des Spenders ab. –

Kaiser Konstantin erlässt strenge Gesetze gegen die Donatisten

Die Donatisten gaben sich mitnichten zufrieden, sondern appellierten aufs Neue, und Konstantin ließ sich bestimmen, jetzt zu Mailand im J. 316 persönlich Cäcilian und seine Gegner zu vernehmen. Nachdem er die Reden beider Teile geprüft, erklärte er Cäcilian für unschuldig, seine Ankläger aber für Verleumder. Um das Gewicht dieses kaiserlichen Spruches zu schwächen, sprengten die Donatisten das Gerücht aus, Hosius von Corduba habe den Kaiser zu demselben verleitet.

Als Konstantin nun sehen musste, dass auch seine eigene Entscheidung von den Donatisten nicht respektiert werde, dass diese vielmehr unter ihrem neuen gelehrten und hochmütigen Haupt Donatus d. Gr. ihr Wesen noch ärger trieben als zuvor, erließ er strenge Gesetze gegen sie, wonach ihnen die Kirchen genommen und ihre angesehensten Bischöfe exiliert werden sollten.

Diese Strenge, durch den Statthalter Ursacius durchgeführt, reizte die Schismatiker zu noch größerer Heftigkeit und rief schon jetzt hier und da eine förmliche Raserei hervor. Zudem belagerten die Donatisten wieder wie gewöhnlich das Ohr des Kaisers und verlangten völlig freie Religionsausübung und Zurückberufung ihrer verbannten Bischöfe. Konstantin gewann jetzt eine andere Ansicht über die Behandlung der Angelegenheit; er glaubte, dass die krankhafte Heftigkeit der Schismatiker mehr zu bedauern als zu strafen sei und nur durch Ruhe und Mäßigung überwunden werden könne.

Die Sekte der Donatisten breitet sich in Afrika weiter aus

Er hob darum im J. 321 alle Strafbestimmungen gegen die Donatisten wieder auf, gestattete den Exilierten die Rückkehr und erklärte in seinem Reskript an den Vikar von Afrika: „man müsse ihre Wut dem Gericht Gottes überlassen“. Die Gewalttätigkeiten, welche sie auch jetzt noch gegen die Katholiken zu üben fortfuhren (sie entrissen ihnen besonders ihre Kirchen), veranlasste den Kaiser, die Kirchlichen dringend zur Geduld zu ermahnen.

Weitere Schritte Konstantins in Betreff der Donatisten sind nicht bekannt; doch breiteten sie sich schon bei seinen Lebzeiten in Afrika so sehr aus, dass auf einer Synode, welche sie im J. 330 hielten, bereits 270 donatistische Bischöfe anwesend waren.

Außerhalb Afrikas aber gewannen sie nur wenig Anhänger; wir wissen nur von zwei Gemeinden, welche sie jenseits des Meeres besaßen, nämlich einer in Spanien und einer in Rom. Natürlich wünschten sie namentlich auch in der Primitialstadt der ganzen Christenheit eine Gemeinde zu haben, aber sie konnten hier nur heimlich auf einem Berg außerhalb der Stadt zusammenkommen, weshalb man sie zu Rom Montenses, Campitae und Rupitae nannte.

Die donatistischen Lehrsätze

Werfen wir jetzt einen Blick auf die donatistischen Lehrsäze, so bemerken wir, dass dieselbe Heftigkeit, welche sie zu rasenden Exzessen trieb, sie auch zu immer mehr Irrtümern verleitete. Sie waren von dem Satz ausgegangen, welcher früher auch orthodoxe Lehrer Afrikas, selbst der hl. Cyprian, verteidigt hatten, daß keiner, der außerhalb der Kirche stehe, ein Sakrament gültig spenden könne. Während jedoch Cyprian nur die Häretiker als außerhalb der Kirche stehend und zur Sakramenten-Spendung unfähig betrachtete, erweiterten dies die Donatisten zu der Behauptung: auch derjenige könne kein Sakrament gültig erteilen, der durch die Sünde des Abfalls, namentlich als Traditor, sich selbst von der Kirche ausgeschlossen habe, wenn er gleich nicht förmlich exkommuniziert sei.

Während also Cyprian die Gültigkeit des Sakramenten-Spendung durch die Orthodoxie des Spenders bedingt sein ließ, haben die Donatisten dieselbe auch von der Moralität des Spenders abhängig gemacht. Bis hierher hat der Donatisten-Kampf Ähnlichkeit mit dem Ketzertaufstreit.

Die Gemeinschaft der Donatisten ist die wahre reine Kirche

Aber die Anerkennung, welche Cäcilian überall fand, reizte dessen Gegner, auch seine Anhänger im Allgemeinen anzugreifen, und dieselbe überstarke Betonung des Subjektiven, der persönlichen Qualität, half auch hier. Sie behaupteten jetzt nicht bloß, wer selbst ein Traditor sei, sondern auch jeder, der mit einem solchen in Verbindung stehe, höre auf, Mitglied der Kirche zu sein.

So kamen sie auf die novatianische Anschauungsweise von der Reinheit der Kirche. Indem sie die sichtbare und die unsichtbare Kirche verwechselten, stellten sie die auf den ersten Blick so plausible Behauptung auf, dass in der Kirche, als der reinen und makellosen Braut Christi, keine Sünder geduldet werden könne. Die wahre, reine Kirche bildete natürlich die Gemeinschaft der Donatisten, wogegen dieselben die Katholiken wegen ihrer Verbindung zu Felix und Cäcilian für filii traditorum und dadurch als außerhalb der Kirche stehend erklärten.

Soweit stimmten sie mit den Novatianern überein. Aber sie hatten dennoch recht, wenn sie sich nicht mit den Novatianern identifizieren lassen wollten; denn während letztere jeden, der einmal nach seiner Taufe eine schwere Sünde begangen, auf immer und trotz aller Buße von der Kirchengemeinschaft ausschlossen, anerkannten die Donatisten die Buße als das Mittel, die Mitgliedschaft der Kirche wiederzuerlangen. Trat jemand von den Katholiken zu ihnen über, so vollzogen sie an demselben nochmals die Taufe, da die in der katholischen Kirche erteilten Sakramente nichtig und unwirksam seien. Im Interesse der Verbreitung ihrer Sekte machten sie jedoch auch Ausnahmen und unterließen manchmal die Wiedertaufe. –

Die Circumcellionen

Als nach Konstantins Tod sein Sohn Konstans die Herrschaft über Afrika erhielt und, wie es scheint, bald nach dem Anfang seiner Regierung die Donatisten durch seine Beamten Urssacius, Leontius, Gregorius d. A. niederhalten ließ, erhob sich eine rasende Reaktion besonders von Seiten der sogen. Circumcellionen. Der Grundstock dieser Circumcellionen waren entartete Aszeten, welche sich in ihrem schwärmerischen Fanatismus mit den meisten Donatisten berührten, weshalb diese, eben dadurch angezogen, sich mit ihnen verbanden.

Optatus von Mileve und Augustinus schildern die Circumcellionen als Haufen fanatisierter und schwärmerischer Donatisten, meist niederen Standes, welche einen ganz besonderen Eifer für Gott an den Tag legten, alle irdische Arbeit mieden und auf alles Eigentum verzichten wollten.

Sie bettelten ihre Nahrung, verlangten sie wohl auch mit Gewalt und streiften ohne feste Wohnung auf dem Land umher, weshalb sie den Namen Circumcellionen erhielten (circum cellas rusticorum vagabantur). Man hieß sie auch kürzer Circelliones, auch Circuitores, sie selbst aber nannten sich Agonistae, d. h. Kämpfer Christi.

Mit Hilfe dieser Circumcellionen widersetzten sich die Donatisten-Häupter jedem missliebigen Befehl der Obrigkeit, und, von ihnen wie von einer Leibwache umgeben, entrissen sie da und dort den Katholiken ihre Kirchen mit bewaffneter Hand. Oft zogen sie in Horden auf den Straßen umher, misshandelten alle, welche ihnen begegneten, lauerten besonders den angesehenen katholischen Lehrern auf, brachen auch nächtlicher Weile in die Häuser ein, zwangen die Reichen, ihre Schuldbücher zu verbrennen, und streuten vielen Priestern Kalk und Essig in die Augen, um sie zu blenden.

Dabei hatten sie eine krankhafte Sehnsucht nach dem Martyrium, wurden darum, wenn man sie verfolgte, Selbstmörder zu Hunderten, reizten Katholiken und Heiden, sie zu erschlagen, ja boten sogar Geld dafür, dass man sie töte. Zu ihrer Rechtfertigung bberiefen sie sich dabei auf das Beispiel des Juden Razias (2. Mach. 14, 37ff.) –

Aufstand der Donatisten gegen kaiserliche Beamten

Dieses Unwesen dauerte mit Unterbrechung bis in die Zeiten Augustins; doch waren nicht alle Donatisten damit einverstanden, im Gegenteil bewirkten mehrere ihrer Bischöfe ums Jahr 345 bei dem kaiserlichen General Taurinus, dass diese Leute durch Waffengewalt zur Ruhe gebracht wurden. Um dieselbe Zeit starb Bischof Cäcilian von Karthago, um dessentwillen das Schisma begonnen; aber da ihm ein neuer katholischer Bischof, Gratus, folgte, so verharrten die Donatisten in der Spaltung. Teils um manche von ihnen zu gewinnen, teils um überhaupt die verarmten Afrikaner zu unterstützen, schickte Kaiser Konstans im Jahr 348 zwei Beamte, Paulus und Makarius, nach Afrika, welche den Armen Geld spenden und alle zum Frieden ermahnen sollten.

Allein Donatus d. Gr., Donatus, Bischof von Bagai, und andere Häupter der Donatisten erregten gegen die kaiserlichen Beamten einen förmlichen Aufstand und zwangen diese zu Gewaltmaßnahmen, über welche, als über die tempora Macariana, sich die Donatisten später bitter beschwerten. Makarius ließ nämlich mehrere hinrichten, wie Donatus von Bagai, und sehr viele exilieren, wie Donatus d. Gr. So lange überhaupt Konstans und nach ihm sein Bruder Konstantius regierte, konnten sich die Donatisten in Afrika nur heimlich forterhalten. –

Das Geschick der Schismatiker unter dem Apostaten Kaiser Julian

Eine neue Wendung nahm das Geschick der Schismatiker unter Kaiser Julian, welcher, um die Verwirrung unter den Christen recht groß zu machen, die exilierten Bischöfe aller Parteien, auch der Donatisten, zurückrief und dafür von diesen, trotz seiner Apostasie, mit Lob überhäuft wurde. An Stelle des im Exil gestorbenen Donatus d. Gr. wurde jetzt Parmenian zum schismatischen Bischof von Karthago erhoben. Von kaiserlichen Gerichtsdienern und Soldaten unterstützt, erlaubten sich die Donatisten wieder allerlei Gewalttätigkeiten.

Doch Julian starb schon im J. 363, und wenn auch nicht Kaiser Jovian, so doch dessen Nachfolger, Valentinian und Gratian, erließen in den Jahren 373 und 375 strenge Gesetze gegen die Donatisten, verboten ihnen alle religiösen Zusammenkünfte und konfiszierten ihre Kirchen. Um diese Zeit schrieb auch Optatus von Mileve sein berühmres Werk De schismate Donatistarum Libri VII contra Parmenianum.

Die Zersplitterung der Donatisten-Sekte

Weit mehr als die kaiserlichen Edikte schadete den Donatisten gegen Ende des vierten Jahrhunderts ihre eigene Zersplitterung in zahlreiche, einander feindlich gegenüberstehende Parteien. Der erste, welcher eine besondere, wenn auch kleine Partei bildete, war der gelehrte Donatist Tychonius. Er bekämpfte sowohl die Behauptung, dass die Kirche durch Duldung von Sündern aufhöre, die wahre zu sein, als auch die Notwendigkeit und Zulässigkeit der Wiedertaufe. Wahrscheinlich wollte er auf diese Weise eine Versöhnung zwischen der Kirche und den Donatisten bewirken, allein er erntete nur Hass und Verfolgung von den Sektierern.

Gleiches Los hatte die Partei der Rogatianer, von dem donatistischen Bischof Rogatus von Cartenna ums Jahr 370 gegründet, welcher das Treiben der Circumcellionen missbilligte und überhaupt nach Augustin unter den Donatisten die mildesten Grundsätze hatte… –

Der Kampf des hl. Augustinus gegen die Donatisten

Während dieser Streitigkeiten der Donatisten untereinander war der hl. Augustinus Bischof von Hippo, und Honorius Kaiser des Abendlandes geworden, zwei Männer, von denen der eine durch seine geistige Tiefe und dialektische wie irenische Energie, der andere durch seine strengen Gesetze und energische Handhabung derselben dem Donatisten-Schisma den Todesstoß versetzten.

Vom Antritt seines Amtes an wurde Augustin nicht müde, die Schismatiker in Schriften und Predigten zu bekämpfen und mit den Angesehensten unter ihnen Unterredungen zu halten oder Briefe zu wechseln, um möglichst viele für die Kirche wiederzugewinnen. Zugleich suchte er die eigene Kirche durch eine Reihe von Synoden, deren Abhaltung er betrieb und deren Seele er war, von manchen eingerissenen Schäden zu heilen, um dadurch den rigoristischen Donatisten allen Vorwand für eine längere Trennung zu benehmen.

Einladung an die Donatisten zu einem Religionsgespräch

Auf diesen Synoden wurden den Schismatikern zugleich die mildesten Bedingungen für den Rücktritt in die Kirche angeboten, namentlich ihren Geistlichen die Belassung in ihren bisherigen Würden zugesichert. Was die Religionsgespräche anlangt, so waren nur wenige von den donatistischen Bischöfen geneigt, in solche einzutreten, weil sie die geistige Überlegenheit des großen Bischofs von Hippo fürchteten. Auch eine förmliche Einladung zu einem Religionsgespräch, welche eine Synode von Karthago im J. 403 an die Donatisten erließ, wurde von diesen schnöde zurückgewiesen. Überhaupt waren letztere, seit Augustinus so viele Proselyten machte, wieder viel heftiger geworden, und auch die Wut der Circumcellionen war wieder ausgebrochen.

Kaiser Honorius erlässt strenge Dekrete gegen die Donatisten

Deshalb erließ der Kaiser Honorius schon 398 ein Gesetz gegen Störung des Gottesdienstes. Die katholischen Bischöfe hatten es bisher vermieden, den weltlichen Arm gegen die Schismatiker anzurufen, allein die rohen Gewalttätigkeiten der Donatisten zwangen sie im J. 404, noch zu diesem letzten Mittel zu greifen, und eine Synode zu Karthago bat nun den Kaiser, die Sektierer mit Geldstrafen zu belegen. Bevor jedoch die Boten der Synode bei Honorius ankamen, hatte dieser schon ein härteres Edikt erlassen und die donatistischen Laien mit Geldstrafen, die Kleriker mit Landesverweisung bedroht. Gleich darauf, im Februar 405, publizierte er mehrere noch strengere Dekrete und befahl insbesondere, den Donatisten ihre Kirchen zu nehmen.

Zahlreiche Übertritte erfolgten nunmehr, und darum erschien im J. 407 ein neues Edikt, welches den zur Kirche Zurückkehrenden volle Verzeihung, den Halsstarrigen dagegen die strengste Ahndung verkündete. Diese Gesetze wurden im folgenden Jahr erneuert. Um so auffallender war es, daß Honorius im J. 409 allen christlichen Parteien Religionsfreiheit gestattete; wahrscheinlich wurde er dazu durch die politische Gefahr Afrikas veranlasst. Allein auf Bitten einer Synode zu Karthago hob er dieses Gesetz nach wenigen Monaten wieder auf.

Zu gleicher Zeit erneuerten die katholischen Bischöfe ihren Antrag auf ein allgemeines Religionsgespräch, das jedoch kein privates sein, sondern unter kaiserlicher Autorität abgehalten werden sollte. Honorius säumte nicht, ein solches anzuordnen, und schickte im J. 411 einen seiner ersten Beamten, den Tribun Marcellinus, nach Afrika, um dem Kolloquium zu präsidieren und im Namen des Kaisers die Schluss-Entscheidung zu geben. Zu Karthago erschienen nun 286 katholische und 279 donatistische Bischöfe. Von jeder Seite wurden sieben Sprecher gewählt. Augustinus und Aurelius von Karthago waren die Hauptredner der Katholiken; Primian von Karthago, Petilian von Constantine und Emeritus von Cäsarea die Hauptsprecher der Donatisten.

Das Religionsgespräch unter kaiserlicher Autorität

Schon vor Beginn der Verhandlungen erklärten die Katholiken schriftlich: „wenn die Donatisten bewiesen, dass die katholische Kirche überall, außer bei ihnen, untergegangen sei, so wollten sie sich ihnen unterwerfen und auf ihre Bistümer verzichten; gelinge aber den Katholiken, das Gegenteil darzutun, so seien sie dennoch bereit, die donatistischen Bischöfe, welche zur Kirche zurückkehrten, in ihrem Amt zu belassen. Dieselben sollten dann mit den betreffenden katholischen Bischöfen in der Amtsführung abwechseln; wenn aber eine Gemeinde dies nicht wolle, sollten beide Bischöfe resignieren und ein neuer gewählt werden.“

Darauf wurde die Collatio selbst im Juni 411, also gerade 100 Jahre nach dem Beginn des Schismas, gehalten und dauerte drei Tage. Die Donatisten suchten anfangs durch auffallende Winkelzüge und Sophistereien den Gang der Verhandlung zu stören und die Untersuchung der Hauptsache zu verhindern. Nur mit Mühe konnten sie erst am dritten Tag dahin gebracht werden, auf die zwei entscheidenden Fragen einzugehen, nämlich auf die dogmatische: ob die Kirche durch Duldung von Sündern aufgehört habe, die wahre zu sein; und auf die historische: wer die Ursache des Schismas gewesen sei.

Die neuen Edikte von Kaiser Honorius gegen die Donatisten

Augustin brachte in Betreff der ersten Frage die Donatisten bald zum Verstummen; in Betreff der zweiten aber zeigten verifizierte Urkunden die Unschuld Cäcilians und des Felix von Aptunga so evident, dass endlich Marcellin die amtliche Erklärung abgab, die Katholiken hätten in allen Punkten gesiegt. Wenige Tage darauf erließ er im Namen des Kaisers ein Edikt des Inhaltes, die Donatisten dürften keine religiösen Zusammenkünfte mehr abhalten, und ihre Kirchen seien den Katholiken zu übergeben. Die Verurteilten appellierten an den Kaiser: Honorius aber bestätigte die Sentenz seines Beamten und erließ im J. 412 ein neues strenges Gesetz, wonach alle Donatisten mit großen Geldbußen, ihre Kleriker mit Landesverweisung bedroht wurden.

Viele Hunderte traten jetzt, wenn auch zunächst nur aus Furcht, zur Kirche zurück, und Augustin fuhr fort, durch Schriften für die Union zu wirken und die Beschuldigungen der Donatisten gegen Marcellin und die Collatio zu widerlegen. Obschon Marcellin im J. 413 wegen unbegründeten politischen Verdachtes auf Befehl des kaiserlichen Feldherrn Marinus (vielleicht nicht ohne Schuld der Donatisten) hingerichtet wurde, bestätigte Honorius dennoch dessen Edikt aufs Neue und entzog den Schismatikern im J. 414 alle bürgerlichen Rechte. Im J. 415 verbot er ihre religiösen Zusammenkünfte sogar unter Todesstrafe, ungeachtet Augustinus stets gegen solche Härte nach dem Grundsatz: ecclesia non sitit sanguinem, protestierte.

Der Niedergang der donatistischen Sekte

Seitdem verschwanden die Donatisten immer mehr, zumal da auch die Nachfolger des Honorius, Valentinian III. und Thedosius II., letzterer im Jahr 428, neue Strafgesetze gegen sie erließen. In demselben Jahr 428 wurde Nordafrika von den Vandalen erobert, und obgleich selbst Häretiker, bedrückten diese dennoch die Donatisten ebenso wie die Anhänger der katholischen Kirche. Von da an hörte man nur selten mehr den Namen der Donatisten, und nur sehr wenige Überreste von ihnen scheinen sich bis zur Eroberung Afrikas durch die Sarazenen im siebenten Jahrhundert forterhalten zu haben. Seit dieser Zeit aber sind sie in der Geschichte verschwunden. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 3, 1969 – Sp. 1979

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