Petrus Damiani im Kampf gegen die Sodomie

Petrus Damiani und seine Schrift ‚Liber Gomorrhianus‘ im Kampf gegen die Sodomie

Sein Blick (wandte) sich schon früh auch auf die damals so überaus traurigen Zustände der allgemeinen Kirche. Der päpstliche Stuhl war vielfach das Ziel ehrgeiziger Bestrebungen geworden und befand sich in einer Art Abhängigkeit von dem deutschen Kaiserhaus. Wie mit dem heiligen Stuhl, so stand es in Italien, Frankreich und Deutschland um die Bischofssitze und die höheren kirchlichen Würden. Unter der Vergewaltigung seitens der Fürsten und Großen wurden sie vielfach um Geld verhandelt oder willenlosen Kreaturen übergeben. Ein großer Teil des Klerus hatte seine Bestimmung vergessen und lag wie begraben im Laster der Simonie und des Nikolaitismus, das Volk hatte keine Führer, und darum fiel es immer mehr einer tief betrübenden Gott-Entfremdung anheim. Diesen Übelständen stellte sich Damiani mit der ganzen Gewalt seines starken Willens und mit dem Gewicht entgegen, das ihm seine für die damalige Zeit bewundernswerte Gelehrsamkeit gab.

Schon im Jahr 1045 schrieb er an Papst Gregor VI. und ein Jahr später an dessen Nachfolger Clemens II. wegen Entfernung einiger schlechter Bischöfe von ihren Sitzen. Mit Kaiser Heinrich III. stand er um diese Zeit ebenfalls in Briefwechsel und persönlichem Verkehr. Unter Leo IX. gehörte er zu der Zahl jener trefflichen, für das Wohl der Kirche begeisterten Männer, mit welchen dieser Papst sich umgab, um mit denselben, wenn die Notwendigkeit es erheischte, auf dem Kampfplatz zu erscheinen. Wie Clemens II. mit einem Dekret gegen die Simonie sein Pontifikat eröffnete, so ging auch Leo mit einem solchen Dekret gegen die Simonisten vor. Doch wurden die Weihen derselben nicht für ungültig erklärt, sondern bestimmt, daß diejenigen, welche wissentlich von einem Simonisten geweiht worden, in ihrem Amt nur verbleiben sollten, nachdem sie 40 Tage Buße getan hätten. Zu den Hauptverfechtern der milderen Richtung in dieser Frage gehörte auch Damiani; über seinen Anteil daran unterrichtet die von ihm wenige Jahre später verfaßte Schrift Liber gratissimus.

Ein anderes ebenso bedeutsames Büchlein, welches er dem Papst widmen durfte, ist der Liber Gomorrhianus. In der Abfassung desselben hatte er sich von der Absicht bestimmen lassen, dem Papst in ernster und ungeschminkter Weise das unzüchtige Treiben vieler Kleriker vor Augen zu führen und ihn dadurch zu einem entschiedenen Handeln gegen dieselben zu bewegen. Dabei verhehlte er es sich nicht, daß er sich mit diesem Schritt eine schwierige Aufgabe gestellt hatte. Er sah voraus, daß die einen seine Schrift wegen der rücksichtslosen Schilderung und Enthüllung des Lasters für einen Gegenstand des Ärgernisses, die anderen ihren Inhalt für Lüge und Verleumdung halten würden; deshalb verwahrte er sich am Schluss desselben in einer sehr energischen Sprache gegen solche Anschuldigungen. Dennoch gelang es seinen Gegnern, ihn wegen dieser Schrift bei Leo IX. zu verdächtigen; allein dieser überzeugte sich bald eines anderen und wandte ihm nun für das erlittene Unrecht seine Gunst in erhöhtem Maße zu.

Das Ansehen, welches Damiani sich so teils durch sein Leben, teils durch seine Schriften erworben hatte, war Ursache, daß ihn Papst Stephan IX. (X.) im Herbst 1057 gegen seinen Willen zum Kardinalbischof von Ostia ernannte, wodurch er zugleich Dekan des heiligen Kollegiums wurde. Als nach dem Tod Stephans der Bischof Johannes von Velletri unter dem Namen Benedikt X. als Papst aufgestellt wurde, ließ Damiani es sich besonders angelegen sein, daß auf Betreiben seines Freundes Hildebrand der Bischof Gerhard von Florenz im Dezember 1058 als Papst Nikolaus II. gewählt wurde. Kaum aber waren die Tage der Papstkrönung vorüber, so entstand in der Lombardei und besonders in Mailand bei der beweibten und simonistischen Geistlichkeit eine gewaltige Aufregung.

Auf dem erzbischöflichen Stuhl saß Guido von Velate, der in keiner Weise das Vertrauen rechtfertigte, das Kaiser Heinrich III. in ihn gesetzt hatte. Unter der Anführung eines gewissen Arialdus und des Landulf von Cotta, deren Anhänger Patariner genannt wurden, nahm die Erbitterung gegen den Erzbischof und den Klerus einen solchen Grad an, daß der Papst sich genötigt sah, zur Beilegung der Streitigkeiten Anselm von Lucca (den späteren Papst Alexander II.) und Damiani dorthin zu schicken. Die Aufgabe war eine so schwierige und gefährliche, daß Damiani dabei sogar in Lebensgefahr kam; allein er erreichte seinen Zweck, indem sowohl der Erzbischof als auch der Klerus in seine Hände Besserung gelobten. Um das Priestertum aus seiner tiefen Erniedrigung zu erheben, gab der Papst unserem Heiligen den Auftrag, sich dieserhalb mit den Bischöfen persönlich zu benehmen; denn wenn diese gewonnen, dachte er, würde der niedere Klerus leichter dahin zu bringen sein, seiner hohen Würde gemäß zu leben. Indessen blieben die Bemühungen des Heiligen erfolglos, wie das aus seiner Schrift De coelibatu clericorum an Papst Nikolaus hervorgeht.

Ohne Zweifel ist es aber hauptsächlich seinem Eifer zu verdanken, daß auf der römischen Synode von 1059 das Dekret erlassen wurde, „niemand dürfe der Messe eines Priesters beiwohnen, niemand das Evangelium von einem Diakon, niemand die Epistel von einem Subdiakon anhören, von dem er wisse, daß er in verbotenem Umgang lebe“. Nicht weniger als das Zustandekommen dieses Dekretes ließ Damiani sich auch die Verbreitung desselben angelegen sein. Dieser große und segensreiche Eifer war auch der Grund, weshalb der Papst von einer Niederlegung der ungern übernommenen Kardinalswürde nichts wissen wollte. Zwar wandte sich Damiani schriftlich und mündlich an Nikolaus und Hildebrand mit diesem Wunsch, allein alle sein Bitten blieben erfolglos. Die Folge lehrte, wie gut dies für die Kirche gewesen war.

Denn als nach dem Tode Nikolaus II. im Juli 1061 die kaiserliche Partei dem rechtmäßig gewählten Papst Alexander II. in Bischof Cadalous von Parma einen Gegenpapst unter dem Namen Honorius II. aufstellte, bedurfte es Damianis energischer Tätigkeit mehr denn je. Um Cadalous sein gottloses Beginnen vorzuhalten, richtete er in kurzer Zeit zwei Schreiben an ihn. Der kaiserlichen Partei aber zeigte er in seiner Schrift Disceptatio synodalis, daß die Wahl Alexanders auch ohne kaiserliche Genehmigung vollzogen werden konnte, und mahnte den Herzog Gottfried von Tuscien, der sich noch nicht ganz von Cadalous losgesagt hatte, an seine Fürstenpflicht. Sein Schreiben an Gottfried erreichte seinen Zweck, denn im Januar 1063 führte dieser Alexander wieder nach Rom zurück…
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 9, 1895, Sp. 1905 – Sp. 1907

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