Hildebrand der zukünftige Papst Gregor VII.

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Freiheit und Knechtschaft

Die Tätigkeit Hildebrands für das Heil der Kirche

Wir haben den Namen Hildebrand schon mehrmals genannt. Ihm hatte die göttliche Vorsehung bei der Befreiung seiner Kirche die hervorragendste Rolle übertragen. (siehe den Beitrag: Heiliger Papst Gregor VII.)
Um das Jahr 1013 wurde Hildebrand als der Sohn eines Zimmermanns in einer kleinen Stadt Italiens geboren. Er zeigte bald so außergewöhnliche geistige Gaben, daß sein Vater such entschloss, ihn studieren zu lassen. Später wurde der Knabe dem Benediktinerabt Laurentius des Klosters zur Jungfrau Maria auf dem Berge Aventin in Rom anvertraut.

Dann kam Hildebrand an den Hof des Königs Heinrich III. von Deutschland, um jenen jungen Prinzen Heinrich zu erziehen, gegen den er als Papst später zu kämpfen berufen war. Als der Bischof von Toul durch Kaiser Heinrich III. zum Papst gewählt worden war, begab sich Hildebrand nach Clugny in Frankreich. Er folgte von dort dem Papst in die ewige Stadt und wohnte von da an fast immer in Rom. Er beeinflußte nur zum Wohle und Heile der Kirche und der Religion die Päpste Leo, Viktor, Stephan, Nikolaus und Alexander. Um aber die Tätigkeit Hildebrands ganz zu begreifen und zu verstehen, müssen wir uns einen Augenblick vergegenwärtigen, in welcher Lage die Kirche sich befand, als er selbst leitend eingriff und seine öffentliche Tätigkeit begann.

In Europa hatte sich ein eigentümliches Verhältnis ausgebildet. Die Fürsten verliehen ihre Ländereinen an den Adel. Dieser musste ihnen dafür den Eid der Treue leisten, mit in den Krieg ziehen, sie unterstützen. Nun fiel es den weltlichen Herren ein, auch die Kirchengüter an ihre Freunde zu vergeben und von ihnen sich den Eid der Abhängigkeit leisten zu lassen. Der Kaiser setzte die Bischöfe und Äbte in den Besitz ihrer Bistümer und Klöster ein und gab ihnen ihre neue Würde unter den geistlichen Zeichen von Ring und Stab. Dieses Verfahren nannte man die „Investitur“. Anfangs gab man diese Investitur auf die zeitlichen Verpflichtungen, denen die Kirchenfürsten unterworfen waren. Allein infolge der menschlichen Schwachheit kam es so weit, daß die weltlichen Fürsten gar keinen Unterschied mehr machten zwischen den zeitlichen Gütern und der kirchlichen Würde. Das brachte die Welt auf den Glauben, daß der Bischof auch als Fürst der Kirche vom weltlichen Machthaber abhänge und seine Befehle auch in geistlichen Angelegenheiten zu vollziehen habe. Von da an wurden die göttlichen, die rein geistlichen Würden in der Kirche behandelt wie die zeitlichen und irdischen Güter.

Die Investitur mit Ring und Stab führte gar bald zur Simonie, indem sich die Fürsten für eine Summe Geldes die heiligen Ämter der Kirche abkaufen ließen, da sie dieselben als ihr Eigentum betrachteten. Dazu kam noch ein weiterer Missstand. Ausgedienten Soldaten, Leuten ohne allen Beruf, wurden auf diese Weise die heiligen Weihen erteilt; diese Menschen aber brachten eine schreckliche Lasterhaftigkeit in die Kirche.

Diesen Zustand der Kirche sah der edle Hildebrand in allen Ländern Europas und erkannte, daß der Glaube untergehen müsse, wenn nicht die Päpste auch in der Ernennung der Bischöfe wieder ganz frei würden.

Mit Papst Leo IX. ging Hildebrand nach Rom und blieb dort in der Hoffnung, der Kirche dienen zu können. Dieser Wunsch ging schon nach dem Tode des heiligen Leo in Erfüllung. Hildebrand hätte am liebsten schon jetzt die freie Papstwahl in Rom gewünscht; allein er war klug genug, einzusehen, daß man ein großes Haus langsam bauen muss. Daher umging er bei der Papstwahl den deutschen Kaiser noch nicht, verstand es aber, denselben zu bestimmen, daß er es ihm überließ, die passenden Person für den päpstlichen Stuhl zu bezeichnen. Seine Wahl fiel auf den Bischof Gebhard von Eichstätt, einen Verwandten Leo IX. und Freund und vertrauten Ratgeber des Kaisers.

Anfangs war Kaiser Heinrich gegen die Wahl. Er wollte sich nämlich nicht von seinem Freund trennen, dessen Einsicht und Weisheit er notwendig brauchte. Allein Hildebrand blieb bei seinem Entschluss, und so ging der Bischof von Eichstätt nach Rom und bestieg als Papst Viktor II. den Stuhl Petri, nachdem ihn zuvor noch die römische Geistlichkeit und das Volk gewählt hatten. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 394 – S. 395

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