Unsere Liebe Frau von Tschenstochau in Polen

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte der himmlischen Himmelskönigin

Die Geschichte unserer Lieben Frau von Tschenstochau *)

Unsere Liebe Frau von Tschenstochau, auch Schwarze Madonna genannt, mit dem Wundmal im Gesicht

Maria, erzählen treuherzige und gewissenhafte Autoren, habe nach Jesu Christi Erlösungstod bei dem Evangelisten Johannes auf dem Berge Sion gewohnt, wo mehrere heilige Jungfrauen sie besuchten und vor ihrer Himmelfahrt ihr Bild zu besitzen wünschten. Als der heilige Evangelist Lukas mit dem Weltapostel Paulus nach Jerusalem kam, sei er als gewandter Maler ersucht worden, ein wohl getroffenes Bild der göttlichen Mutter zu entwerfen. Maria’s einfacher Hausrat bestand unter anderm aus einem Tisch, den Jesu Christi Nährvater, der heilige Joseph als Zimmermann, aus Zypressenholz verfertigt haben soll. Auf die Tafel dieses Tisches habe der heilige Evangelist Lukas das Porträt gemalt.

Bei der Zerstörung von Jerusalem, unter den Kaisern Vespasian und Titus, im Jahre des Heiles 72, sei nicht nur die Kanzel, auf welcher der Apostel Jakobus der Ältere gepredigt, sondern auch das Haus des Zebedäus, des Vaters der beiden Jünger Johannes und Jakobus, auf dem Berge Sion unversehrt geblieben, dasselbe Haus, wo Jesus Christus mit seinen Jüngern das Osterlamm aß, wo die Jünger aus Furcht vor den Juden am Pfingstfest verschlossen beisammen waren, das Haus, wo der heilige Geist über sie ausgegossen ward, wo der auferstandene Heiland den Jüngern erschien, wo Thomas im Glauben gestärkt wurde, und Maria ihr heiliges Leben endete. Das Bild der göttlichen Mutter sei ebenfalls unversehrt geblieben, und nahe bei dem heiligen Kreuz, an welchem Christus gestorben war, verborgen gehalten worden. Als nun im Jahr Christi 326, zwei hundert vier und fünfzig Jahre nach Jerusalems Zerstörung, die hohe Mutter des großen Kaisers Konstantin, die heilige Helena, das wahre Kreuz Christi suchte, und auf wunderbare Weise fand, habe dieselbe auch das Bild der göttlichen Mutter mit aufgefunden, und dem ersten christlichen Kaiser, ihrem Sohne Konstantin nach Konstantinopel gesendet, welche Stadt hierauf der göttlichen Mutter völlig geweiht, und Neuram oder Marienstadt genannt ward.

„Es ist dieses Bild“, sagt der berühmte Canisius, „bei den Griechen in großen Ehren gehalten worden, und Gott bekräftigte durch Wunderzeichen, wie angenehm ihm die Andacht zu seiner jungfräulichen Mutter sei.“ Noch heute ist bekannt, daß Konstantinopels Einwohner Maria zur Kriegszeit anriefen: „Heilige Gottesgebärerin, die du so oft uns beschützt hast, mach’ uns von den Feinden deines Sohnes frei, stürze sie in den Abgrund des Meeres!“ — Zur Zeit, als die Arianer unter Anführung des furchtbaren Kainas katholische Kirchen vom Kaiser Arcadius zu ihrem abtrünnigen Kultus verlangten, zu dieser Zeit zeigte sich den Gerechten Mariä Schutz: der Aufruhr der Arianer fand durch sie Widerstand.

Als der römisch-deutsche Kaiser, Karl der Große, zu Anfang des neunten Jahrhunderts, in Verbindung mit russischer Heeresmacht, glücklich gegen die Sarazenen gefochten, und das heilige Land in Sicherheit gesetzt hatte, hielt er auf dem Rückweg an der griechischen Grenze Rast. Nicephorus, der seine fromme Gemahlin Irene verwiesen hatte, fürchtete in Karl dem Großen einen Rächer der schuldlos Verwiesenen zu finden, Er eilte ihm entgegen, und lud ihn mit zuvorkommender Artigkeit und unter tausend Glückwünschen ein, durch Dalmatien die Rückreise zu machen, und Konstantinopel mit einem Besuch zu beehren.

Karl der Große erblickte in Konstantinopels Schatzkammer das Bild der seligsten Jungfrau, läßt sich die Beschreibung des Ursprungs überreichen, verehrt die Gnadenmutter in diesem Bild und — erhält es von dem im Gewissen verzagten Kaiser Nicephorus also bald zum Geschenk. Auf dem Rückweg des Kaisers mit der russischen Heeresmacht, kommen ihm Boten mit der Nachricht entgegen, wie die Tataren Russland mit Feuer und Schwert zu verheeren drohen. Der Anführer der Reußen, Fürst Leo, ritt in Eilmärschen nach dem bedrohten Vaterland zurück. Karl verheißt ihm kaiserlichen Lohn für die erwiesene Hilfe und Leo verlangt das Marianische Gnadenbild zur Belohnung, das Karl sofort großherzig ihm übergibt, worauf es Leo auf sein Schloß Belz bringen läßt, unter Bedienung und Verehrung griechischer Priester. Damals sollen die Reußen sich scharenweise zum heiligen Glauben bekehrt, und Mariä andächtig gedient haben.

Polens König, Kasimir der Große, führte mit den Reußen Krieg, und besiegte sie so völlig, daß er den größten Teil ihres Landes seinem Königreich einverleibte. Fünf befestigte Schlösser: Chelm, Grabow, Horadlo, Sewobosza und Belz sollten noch bezwungen werden. Nach Kasimir’s Tod ward Ludwig, König von Ungarn, im Jahre 1310 zugleich König von Polen. Er war es, der die genannten fünf freien Schlösser einnahm, und die Regierung seinem Blutsverwandten, dem Fürsten von Oppeln Ladislaus als Vizekönig übergab. Gegen diesen Ladislaus entstand eine furchtbare Empörung: Ladislaus flüchtet nach dem Schloss Belz, wo er dies Gnadenbild gewahrt, in die dortige Schlosskapelle übertragen läßt, und unter dem Schutz Mariens wohnend, in fester Hoffnung des Friedens, sein Kriegsheer entläßt, und mit geringer Mannschaft und einigen Hofbedienten sich ruhig hält. Da belagerten die Tataren das Belzische Schloss. Ladislaus soll sich zu den Füßen Mariens hingeworfen, und weinend um ihren Schutz gefleht haben, während seine wenigen Leute draußen ritterlich stritten — siehe, da sei ein feindlicher Pfeil durch das Fenster in die Kapelle gefahren, und habe das Gnadenbild dort, wo der Hals Mariä gemalt war, durchstochen. Da soll Ladislaus gerufen haben: »Räche, heiligste Jungfrau, räche diese sakrilegische Tat an deinen und meinen Feinden!“ — worauf die Tataren bald von einem panischen Schreck ergriffen, vor den tapferen Reisigen des Vizekönigs flüchtig wurden. Ladislaus berichtet diesen Sieg nach Ungarn an den König, und bittet zugleich um Erlaubnis, das Gnadenbild persönlich nach Oppeln, seinem Fürstentum, bringen zu dürfen. Er erhält die Erlaubnis, und will seine Reise nach Schlesien mit dem Bild antreten, allein nach dem Bericht Lanskoronski’s, sei das Bild nicht von der Stelle zu bewegen gewesen.

Da habe Ladislaus gebetet, den Willen Gottes zu erkennen, und ein wunderbares Traumgesicht habe ihm angezeigt, das Bild solle nach Tschenstochau, unweit vom Ollsteiner Schloss übertragen werden. Die Reise ging ruhig vor sich; in einem eigenen wohlverhüllten Wagen sei nach den Berichten des polnischen Marianischen Geschichtschreibers das Gnadenbild sofort auf den Tschenstochauer Klarenberg in Polen, nicht weit von Schlesiens Grenze, übertragen worden; man langte am 28. August des Jahres 1382 dort an, der Fürst selbst habe die Prozession begleitet, die das Bild in die dortige jetzige Pfarrkirche einführte. Es waren die Ordensbrüder des ersten heiligen Einsiedlers Paulus, denen er auf Anraten Ludwig’s, des Königs von Ungarn, damals Kirche und Kloster mit den nötigen Einkünften einräumte, die noch in demselben Jahre 1382 dort angelangt, die Ehre der göttlichen Mutter weithin verbreiteten, so daß nach den Worten einer alten Chronik „vom Klarenberg (Jasna góra) in Tschenstochau die Klarheit der wundertätigen Mutter aller schönen Liebe, Furcht, Hoffnung und Erkenntnis, die Welt überglänzte und durchleuchtete.“

Acht und vierzig Jahre nach Überbringung des Gnadenbildes auf den Klarenberg, im Jahre Christi 1430, als Johannes Hus sein Leben auf dem Scheiterhaufen schon geendet hatte, versammelte Ziska Rotten aus Böhmen, Mähren und Schlesien, seines Meisters und Freundes Tod zu rächen. Er verbreitete überall Schreck und Angst, und langte am heiligen Ostertag selbst in Tschenstochau an. Was an Schmuck und Votiven vorrätig war, wurde nebst den wichtigsten, das Gnadenbild betreffenden Urkunden geraubt, zerstört und verbrannt. Ein Hussit soll das Gnadenbild selbst von der Wand herab gerissen und auf einen Wagen geworfen haben, auf demselben der Grenze zueilend: — als an der Grenze abermals Ross und Wagen unbeweglich stehen blieben. Der Hussit habe hierauf das Bild fluchend vom Wagen herab geworfen, so daß es in drei Stücke zersprang, ohne daß jedoch das Antlitz Mariens und jenes des Jesukindes verletzt worden wäre. Da habe der Hussit mit den Lästerworten: „verbrannt muss es werden, das papistische Götzenbild!“ mit gezücktem Schwert nach der rechten Wange der Marianischen Abbildung gestoßen, und es an dem genannten Ort zweimal verletzt , worauf er tot hinfiel. Als die ehrwürdigen Pauliner das Bild hierauf auf den Klarenberg zurück brachten, wurde die zertrümmerte Tafel von polnischen Künstlern zwar wieder auf unkenntliche Weise zusammen gefügt, doch konnte die verletzte Wange weder von polnischen noch griechischen Malern völlig übermalt werden, und so verordnete Ladislaus Jagiello, damals König von Polen, das Bild mit großem Pomp neu aufzustellen, und auf das kostbarste zu schmücken.

Es war im Jahre 1655, als Karl Gustav, König der Schweden, einiger Unterdrückungen wegen, die von verschiedenen Historiographen verschieden beurteilt werden, mit dem König von Polen, Johannes Kasimir, Krieg anfing, und von dem, durch viele Kriege entkräfteten polnischen Land das damalige Großpolen samt Posen abriss; bei seinem Einfall in das damalige Kleinpolen aber — Tschenstochau zu belagern begann. Schon waren Krakau und Warschau von ihm erobert, als er 3000 Mann gegen Tschenstochau sandte. Die Anführer dieser Heeresmacht, General Müller und der böhmische Graf Wrzesczewitz, verlangten unbedingte Unterwerfung unter den Zepter des Schwedenkönigs. Als diese verweigert wurde, soll sich das Heer der Schweden bis auf 16,500, nach Andern auf 20,000 Mann verstärkt, und den Klarenberg fünf Mal, doch immer ohne Erfolg bestürmt haben. Bei mehrmals wiederholten Aufforderungen zur Übergabe, war die von den Priestern Bleszynski und Malachowski abgefaßte Erklärung immer dieselbe :

„König Kasimir habe die Krone nicht abgelegt; die Reichsstände hätten ihm Treue geschworen. Es sei ferne von Tschenstochau, rechtmäßig erwählten und gekrönten Häuptern nicht gehorchen zu wollen. Die Söhne des Landes, die vom König abtrünnig geworden, seien wie ein befleckter Spiegel, den man sich nicht vorsetzen könne, um die wahre Gestalt der Dinge zu erkennen.“

Nach vielen fruchtlosen Versuchen, unter denen das Unterminieren des Klosters von Tschenstochau der denkwürdigste ist, forderte General Müller am 25. Dezember 1655 die Summe von 60,000 Talern von den Rittern und der Geistlichkeit zu Tschenstochau. Am Stephanstag erklärten sich die Belagerten außer Stand, die geforderte Summe aufzubringen, und feierten mit vielem Gepränge und Salven das Namensfest der tapferen polnischen Helden, Zamoyski und seines Sohnes, was die Schweden für ein Freudenfest wegen angekommener Hilfstruppen hielten, und am 27. Dezember in der Nacht von der belagerten Festung abzogen. Natürlich war der Sieg der Hilfe der göttlichen Mutter zugeschrieben, und wir könnten den Leser mit vielen Sagen hierüber unterhalten. So bezeugte der tapfere Ritter Mathias Wengerski, die Schweden hätten ihm versichert: es sei bei der Belagerung eine hohe, in blaue Schleier gehüllte Frau auf den Mauern gesehen worden, die nebst einem Greis mit grauen Haaren die feindlichen Kugeln auffing, und ins Lager zurück warf.

König Kasimir eilte nach erhaltenem Bericht von der Befreiung der Festung seinem Land zu, und schlug im Jahre 1657 dort seine Residenz auf. Im Jahre 1702 brachen die Schweden, unter König Karl XII., auf’s neue in Polen ein, daraus sie König Kasimir zum Teil vertrieben hatte. Den Spott: Czenstochovia extremus suecicae fortunae scopulus, „Tschenstochau, die letzte Klippe des schwedischen Glückes“, nicht ertragend, sollte Tschenstochau, nun vernichtet werden. General Guldenstern zog mit 8000 Mann Schweden nach dem Klarenberg, und berannte ihn zu drei verschiedenen Malen, doch immer ohne Erfolg, so daß er und sein Nachfolger, General Stromberg, ohne sogar die verlangte Kontribution von 10,000 Thalern erhalten zu können, gegen das Ende des Jahres 1723 in größter Unordnung nach Krakau unverrichteter Sache abzuziehen genötigt waren.

Die, über diese zweite Belagerung noch in Tschenstochau vorhandenen Urkunden beweisen klar, daß der glückliche Ausgang derselben abermals der seligsten Jungfrau zugeschrieben ward. Wie im Jahre 1655 Johannes Kasimir dem Papst Alexander VII., berichtete nun August II. den abgewiesenen Schwedensturm an Papst Clemens XI., welcher das Gnadenbild, nach hergestellter Ruhe, zur Danksagung feierlich zu frönen befahl. Diese Festlichkeit ging am 8. September 1717 vor sich, und die Zahl der Kommunikanten, während der Oktave derselben, soll sich auf 143,300 belaufen haben. –
aus: Kaltenbäck, Die Mariensagen in Österreich, S. 302- 312

*) Anmerkung von Kaltenbäck: Gehört nicht in unsern Zyklus; da aber mehrere Kopien dieses merkwürdigen Bildes in Wien, Klosterneuburg, in Ungarn und Schlesien als wundertätig verehrt werden, glaubte ich, die schöne Legende zum Schluss geben zu müssen. Ich tue dieses, indem ich wörtlich einer kleinen Broschüre folge, welche im Jahre 1832 zu Wien erschienen ist: »Kurze Geschichte des marianischen Gnadenbildes, Maria von Tschenstochau, das in der neu erbauten Kirche der Mechitaristen – Kongregation in Klosterneuburg zu St. Jakob andächtig verehrt wird. Wien, 1832. 8.

Bildquellen

  • unsere-liebe-frau-von-tschenstochau: Wikimedia
Category: Gnadenorte
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