Jakobus der Ältere

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Jakobus der Ältere

Jakobus der Ältere (wegen Mk. 15,40), Apostel, Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome (Mk. 15,40; vgl.Mt. 27,56), älterer Bruder des Evangelisten Johannes. Zusammen mit diesem berufen (Mt. 4,21). Mit Petrus bildeten die beiden Brüder, die wegen ihres stürmischen Eifers von Jesus den Namen Donnersöhne erhielten (Mk. 3,17), die bevorzugten Apostel des Herrn (Mk. 5,37; Mt. 17,1; 26,37; Mk. 13,3). Als erster der Zwölfe erlitt Jakobus um Ostern 44 durch Herodes Agrippa I den Märtyrertod (Apg. 12,2). Nach Klemens v. Alexandrien (bei Eusebius, HE II 9) soll sich ein Häscher bekehrt haben und sein Mitmärtyrer geworden sein. An der vermuteten Stätte der Enthauptung entstand die Jakobuskirche (Jerusalem I 5). – Die erst im 7. Jahrhundert auftauchende Behauptung, Jakobus habe in Spanien gepredigt und sei dort begraben (Isidor v. Sevilla,De ortu et obitu patrum…), ist unhaltbar und jetzt ziemlich allgemein aufgegeben. Die altspanischen, altgallischen und römischen Quellen, besonders Julian v. Toledo († 686), der das Breviarium apostolorum kennt und von des Jakobus` Schicksalen redet, erwähnen nichts davon. Nach sehr alter Überlieferung blieben die Apostel 12 Jahre, also bis nach dem Tod des Jakobus, in Jerusalem. Röm. 15,24 zufolge waren damals in Spanien noch keine Kirchen gegründet. Nach alter spanischer Tradition wurde der Leib des hl. Jakobus nach Santiago de Compostela gebracht und dort von Bischof Theodomir v. Iria im 9. Jahrhundert wieder aufgefunden. Die Wallfahrt zu seinem Grab in Compostela wurde namentlich im 10. – 15. Jahrhundert weltberühmt. Jakobuskirchen und Jakobuskapellen am Wege dorthin und an den Heerstraßen, Jakobusorden, Jakobusklöster (besonders der Schottenmönche), Jakobushospize, Jakobusbruderschaften, Jakobuslegenden, und Jakobuslieder entstanden in Menge. Jakobus war zeitwillig der volkstümlichste Apostel. Er wurde Schutzheiliger im Kampf gegen die Mohammedaner (neben Michael), Patron Spaniens und besonders der Pilger, dargestellt zuerst mit Buch oder Rolle als dem Apostelattribut, seit etwa dem 12. Jahrhundert selbst als (Santiago-) Pilger mit der Muschel, zunächst auch mit dem Schwert, dann mit langem Pilgerstab. Häufig stellte die Kunst Szenen aus seiner reich entwickelten Legende dar, besonders die Rettung eines Pilgers vom Galgen und das Wunder des wieder lebendig gewordenen gebratenen Huhns.

Orden vom hl. Jakobus

1) Ritterorden vom hl. Jakobus vom Schwert, auch Orden v. Compostela, in Spanien 1161 zum Schutz dieses Heiligtums und der Santiago-Pilger und zum Kampf gegen die Mauren gegründet mit dem Hauptsitz zuerst in Cáceres, seit 1174 in Uclés, 1175 päpstlich approbiert unter Gestattung des ehelichen Lebens, 1288 der portugiesische Zweig selbständig, später auch nach Brasilien übertragen; in Portugal 1789, in Spanien 1835, in Braslilien1843 säkularisiert. Damit erloschen auch die mit ihm vereinigten, ebenfalls nach der Augustinerregel lebenden und das rote, schwertförmige Kreuz der Ritter (Jakobuskreuz) auf der Brust tragenden Chorherren und Chorfrauen vom hl. Jakobus vom Schwerte zur Pflege der Santiago-Pilger, jene hervorgegangen aus den Chorherren des hl. Eligius, 1170 mit dem Ritterorden verschmolzen und in Spanien wie Portugal verbreitet, diese 1312 in Salamanca entstanden mit 7 Klöstern in Spanien. –
2) Ritterorden vom hl. Jakobus, auch Ritter von der Muschel, 1290 im Haag vom Grafen Florentius v. Holland gestiftet, bestand bis zur Glaubens-Spaltung. –
3) Hospitaliter vom hl. Jakobus oder Jakobusbrüder, Ordensgenossenschaft für Brückenbau, Pilgerschutz, Krankenpflege, 1127 zuerst erwähnt, Mutterhaus in Alto Passo bei Lucca; durch Pius II 1459 mit den Bethlehemiten vereinigt, am Pariser Hospital St-Jacques bis 1672 tätig. –
4) Töchter (oder Schwestern) des hl. Jakobus, gegründet zu Beginn des 19. Jahrhunderts für Krankenhauspflege; Mutterhaus noch heute in Besancon. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, Sp. 268 – Sp. 269

Weiß, Albert Maria
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