Balmes, Jaime Luciano

  1. Start
  2. Klerus
  3. Balmes, Jaime Luciano

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Balmes

Balmes, Jaime Luciano, spanischer Publizist und Philosoph, * 28.8.1810 zu Vich in Katalonien, † 9.7.1848 ebd., Sohn armer, frommer Eltern (1), erhielt seine erste Ausbildung im bischöflichen Seminar zu Vich (2), oblag 7 Jahre den philosophischen und theologischen Studien an der Universität Cervera, beschäftigte sich 4 Jahre fast nur mit dem Studium der theologischen Summe des hl. Thomas; 1833 Priester, 4 weitere Jahre stillen Ausreifens folgten, während deren er auch Lehrer der Mathematik zu Vich war. (3) Er wandte sich nun den öffentlichen Fragen und Wirren seines Vaterlandes zu und erwarb sich bald durch die Schrift Observaciones sociales, políticas y económicas sobre los bienes del Clero (1840) einen Namen. (4) Nach Barcelona übergesiedelt, gab er die Zeitschrift La Civilización, später La Sociedad heraus und trat in der Schrift Consideraciones políticas sobre la situación en España (1840) mit großem Erfolg kühn gegen den Minister Espartero auf. Nach dessen Sturz nach Madrid berufen, gründete Balmes 1844 die Zeitschrift El Pensamiento de la Nación, die während 2 Jahre eine geistige Macht im öffentlichen Leben Spaniens darstellte. Als jedoch seine Bemühungen um die Vermählung der Königin Isabella mit dem Sohn des Don Carlos ohne Erfolg blieben (5), zog er sich nach Vich zurück, wo er bald einer Brustkrankheit erlag. Sein Denkmal steht in Madrid. Die große Bibliothek in Barcelona ist nach Balmes benannt.

Neben seiner umfangreichen publizistischen Tätigkeit und mitten in den politischen Unruhen seiner Tage fand des Balmes` tiefer und reicher Geist die Spannkraft zu einer ebenso fruchtbaren philosophisch-apologetischen Schriftstellerei, die sich durch Bildungsfülle, Lebensnähe und glänzenden Stil (von dem freilich in den deutschen Übertragungen wenig zu spüren) auszeichnet. Seine beiden Hauptwerke: El Protestantismo comparado con el Catolicismo en sus relaciones con la civilización europea (4 Bde, 1842/44, deutsch von F. X: Hahn, Regensburg 1862, 1888 ebd. Von J. Haas) und Filosofia fundamental (4 Bde, 1846/47, deutsch von F. Lorinser, 2 Bde, ebd. 1855/56), haben die ernsten Gefahren beschworen, die dem spanisch-katholischen Geistesleben damals aus der kulturpolitischen Propaganda des Protestantismus und aus dem europäischen Siegeszug der modernen Philosophie erstanden. (6) Das Werk über den Protestantismus behandelt ein auch von unserer heutigen Apologetik bevorzugtes Problem, nämlich „Kirche und Kultur“ oder „Religion und Leben“; wenn auch die Grundthese, daß alle kulturellen und sozialen Fortschritte nach der Glaubensneuerung nicht durch den Protestantismus, sondern trotz ihm erfolgt seien, in dieser Allgemeinheit geschichtlich unhaltbar ist, so hat Balmes doch überzeugend das protestantische Doppelprinzip, die religiöse Autonomie des Subjekts und die religiöse Suprametie der Staatsgewalt, in seiner die abendländischen Kultur zersetzenden Schädlichkeit aufgewiesen.

In Balmes` Fundamental-Philosophie, die einen stark apologetischen Einschlag hat, nimmt den ersten Platz eine Kriterienlehre ein, deren Kampfstellung zu Descartes und den französischen Sensualisten und Abhängigkeit von der schottischen Schule unverkennbar ist: „Bewusstsein, Evidenz, intellektueller Instinkt (oder allgemeiner gesunder Sinn): dies sind die 3 Erkenntnismittel; Wahrheiten des inneren Sinnes, notwendige Wahrheiten, Wahrheiten des allgemeinen Sinnes entsprechen diesen Mitteln.“ So sehr der Philosoph Balmes sich auf die aristotelische Scholastik stützt und als einer ihrer Erneuerer in Spanien zu gelten hat, so lehnt er doch einen ihrer wesentlichen Lehrpunkte, die Spezies-Lehre, ab und betont, nicht zuletzt unter Leibnizischem Einfluss, die Aktivität unseres Geistes in der Ideenbildung. Von andern apologetisch-theologischen Schriften sind noch hervor zu heben die viel gelesenen Cartas á un escéptico (7) (1843 bis 1844 zuerst erschienen in La Sociedad, deutsch von Lorinser, 1855, 1894), El Criterio (1843, unter dem Titel „Weg zur Erkenntnis des Wahren“ übersetzt von F. Lorinser, 1896), Curso de Filisofía Elemental (4 Bdchen, 1847, deutsch von F. Lorinser, 1852 u. 1861), eine Preisschrift über den Priester-Zölibat (1839) und ein sehr verbreiteter Katechismus für Kinder (1841). –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, Sp. 934- Sp. 935

(1) Sohn eines Kürschners
(2) durch Unterstützung des Bischofs
(3) weil seine Kenntnisse anderweitig keine Würdigung fanden
(4) In der Schrift wendete er sich mit glänzender Beredsamkeit gegen die Plünderung der Kirchengüter
(5) Besonders warm befürwortete er die Vermählung Isabella`s mit Don Carlo`s Sohn, ,dem Grafen von Montemolin, ein Projekt, dessen Ausführung Spanien vor sehr vielem Unglück bewahrt haben würde.
(6) ein Werk, das sofort in mehrere Sprachen übersetzt wurde und dem Namen des Verfassers einen europäischen Ruf verschaffte
(7) am verbreitetsten, wenigstens in Deutschland, bekannt auf deutsch: Briefe an einen Zweifler

Ohne Zweifel ist Balmes einer der bedeutendsten und edelsten Menschen, einer der geistreichsten Schriftsteller der neueren Zeit nicht bloß in Spanien, sondern in Europa auf politischem, sozialem und philosophischem Gebiet gewesen. Eine kurz gefaßte Biographie von ihm enthält die deutsche Ausgabe der „Briefe an einen Zweifler“, Regensburg 1864.-

 

Kirchenlexikon, Bd. 1, Sp. 1898 – Sp. 1899 –

Bildquellen

Coligny
Antitrinitarier

Weitere Lexikon-Einträge

Dereser

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Dereser Dereser, Johann Anton, kath. Aufklärungs-Theologe, * 3.2.1757 zu Fahr a. Main, † 16.6.1827 zu Breslau; studierte in Würzburg unter Berg und Oberthür, 1776 Ocarm dort (Klostername: Thaddäus a Sancto Adamo), 1780 Priester und…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Reformationsrecht Reformationsrecht (jus reformandi) des Landesherrn heißt in der Geschichte der sogenannten Reformation das Recht, welches sich die Fürsten und Stände des deutschen Reiches beilegten, kraft ihrer Territorialhoheit in ihren Ländern die eigene Konfession…

Riegger

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Riegger Riegger, Joseph Anton Stephan, Ritter von, österreichischer Kanonist staatskirchlicher Richtung, wurde am 13. Febr. 1742 zu Innsbruck als Sohn des dortigen Professors P. J. v. Riegger geboren. Nachdem er zu Wien bei den…

Quesnel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Quesnel Quesnel, Paschasius, Jansenist, * 14.7.1634 als Sohn eines Pariser Buchhändlers schottischer Herkunft, † 2.12.1719 zu Amsterdam; studierte bei den Jesuiten und an der Sorbonne, trat 1657 ins Oratorium ein, das er 1685 wieder…

Chamos

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Chamos Chamos, im Alten Testament die moabitische Nationalgottheit (4. Kön. 23, 13; Jer. 48, 13), welche Jer. 48, 7 schlechthin als Repräsentant der Moabiter steht, und nach welcher diese selbst Num. 21, 29; Jer.…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Allioli, Joseph Franz

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Allioli Allioli, Joseph Franz, Exeget und Bibelübersetzer, *10.8.1793 zu Sulzbach, † 22.5.1873 zu Augsburg. Priester 1816 zu Regensburg, Dr. Theol. 1816 zu Landshut. Nach Verwendung in der Seelsorge studierte er 1818-1821 in Wien, Rom und Paris, begann 1821 die akademische Laufbahn, wurde 1823 außerordentlicher, 1824 ordentlicher Professor der orientalischen…
Buch mit Kruzifix

Heinrich, Johann Baptist

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Heinrich, Johann Baptist Heinrich, Johann Baptist, * 15.4.1816 zu Mainz, † 9.2. 1891 ebd.; studierte seit 1834 Rechtswissenschaft in Gießen, 1837 Dr. jur., 1840 Privatdozent daselbst; studierte 1842-43 Theologie in Tübingen und Freiburg i. Br., 1844 Seminar in Mainz zum Priester geweiht, Domkaplan, 1846 Religionslehrer in Mainz, 1848 Schriftführer…
Buch mit Kruzifix

Weiß, Albert Maria

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Weiß, Albert Maria Weiß, Albert Maria (Taufname Adalbert), OP, Apologet von umfassendem Wissen und flammendem Wort, * 22.4.1844 zu Indersdorf (O.-Bayern), studierte in München und Freising, 1867 Priester, 1870 Dr. theol. in München, dann Repetent und Theologie-Professor am Seminar in Freising, trat 19.7.1876 zu Graz in den Orden ein,…
Buch mit Kruzifix

Deharbe, Joseph

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Deharbe Deharbe, Joseph, SJ (seit 1817), * 1.4.1800 zu Straßburg i. E., † 8.11.1871 zu Maria Laach. 1830-1836 und 1839 Professor der Rhetorik zu Brig, 1840-1841 Volksmissionar in der Schweiz und in Bayern, 1842-1845 Hilfs-Seeelsorger in Cöthen (Anhalt), 1845 Rhetorik-Professor zu Freiburg im Schwarzwald, 1846 Regens und Pastoralprofessor am…
Buch mit Kruzifix

Hergenröther

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hergenröther Hergenröther, Joseph, Kirchenhistoriker * 15.9.1824 zu Würzburg, † 3.10.1890 in Mehrerau (hier bestattet); studierte 1842-44 in Würzburg, 1844 bis 1848 am Germanikum in Rom, promovierte 1850 in München auf Grund der Schrift „Die Lehre von der göttlichen Dreieinigkeit nach dem hl. Gregor von Nazianz“ (Regensburg 1850) zum Dr.…
Buch mit Kruzifix

Rippel, Anton Gregor

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rippel, Anton Gregor Rippel, Anton Gregor, Kontroversist, eine Stütze der älteren Restaurations-Bewegung im deutschen Katholizismus, * 10.6.1681 in Schlettstadt, † 6.1.1729 zu Fessenheim (Unterelsaß); 1700-15 Jesuit, seit 1719 Pfarrer von Fessenheim mit Filiale Nordheim. Schrieb: Lutheranus inexcusabilis (Straßburg 1720) und das in vielen Auflagen erschienene Buch: Alterthumb, Ursprung und…
Menü