Lexikon J

Jakobus der Jüngere

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Jakobus der Jüngere

Jakobus der Jüngere (minor), gleichfalls Apostel, hat seinen Beinamen hauptsächlich nur deswegen erhalten, weil er von den Zebedäiden Jakobus unterschieden werden sollte; da dieser der Ältere als Bruder von Johannes genannt wurde, so bot sich ungesucht die Benennung der Jüngere dar, obwohl die beiden Zunamen nicht in relativem Verhältnis aufzufassen sind.

Jakobus der Jüngere war der Sohn von Alphäus oder Kleophas, indem beide Namen nur auf einer verschiedenen Aussprache beruhen (Matth. 10,3; Mark. 3,18; Luk. 6,15; Apg. 1,13). Seine Mutter hieß Maria (Matth. 27,56, Mark. 15,40). Dieselbe lernen wir bei Joh. 19,25 als Frau des Kleophas und als Schwester der Mutter Jesu kennen; Jakobus war also mit Jesu Geschwisterkind (consobrinus) und heißt darum als Verwandter Jesu vorzugsweise Bruder des Herrn (Gal. 1,19) …

Der jüngere Jakobus der Apostel, und Jakobus, der Bruder der Herrn, sind demnach nur eine Person, und das Neue Testament kennt keine drei, sondern nur zwei Jakobi, die es, so lange beide am Leben waren, genau voneinander unterscheidet, während nach dem Tode des älteren Jakobus stets nur noch von einem Jakobus, also von Jakobus Alphäi, die Rede ist (m.s. Mark. 15,40; Apg. 1,13; 12,2; und vgl. hiermit Apg. 12,17; 15,13; 21,18; Gal. 2,12; 1. Kor. 15,7).

Jakobus, der Sohn des Alphäus, welcher in der evangelischen Geschichte keine hervorragenden Persönlichkeit bildet, erscheint in den ersten 30 Jahren nach Christi Himmelfahrt als hoch berühmter Mann, dessen Namen allenthalben, wohin das Christentum sich damals verbreitete, gekannt war. Paulus nennt ihn (Gal. 2,9) nebst Petrus und Johannes eine Säule der Kirche. Diese Berühmtheit verdankte er teils dem Umstand, dass er der erste Bischof von Jerusalem war und von allen Judenchristen als Haupt angesehen wurde, teils seiner ausgezeichneten Frömmigkeit, vermöge welcher er nicht nur bei den Christen, sondern selbst bei den Juden in höchster Achtung stand und sich allgemein den Beinamen des Gerechten erworben hatte (Eus., Hist. Eccl. 2,1).

In der ersten Zeit nach der Sendung des heiligen Geistes hatten die Apostel gemeinschaftlich die Leitung der Kirche zu Jerusalem geführt, hatten aber gleich Anfangs Jakobus zum eigentlichen Episkopus derselben bestimmt, welcher in Jerusalem als Vorsteher der palästinischen Gemeinden zurückbleiben sollte, während sie selbst das Land verließen, um in auswärtigen Regionen das Evangelium zu verkündigen (Euseb. 3,5; 4,5; Apg. 12,17; 15,13-21; 21,18; Gal. 2,12).

Da er hierdurch zur Residenz verpflichtet war, so erklärt sich, dass Paulus Gal. 1,19 schreibt, er habe zu Jerusalem keinen andern Apostel gesehen als Jakobus, den Bruder des Herrn. Von seiner bevorzugten Stellung gibt die Nachricht Apg. 12,17 Kunde, wonach Petrus, als er aus dem Gefängnis erlöst war und in Markus` Haus kam, seine Befreiung „Jakobus und den Brüdern“ zu melden befahl. Auch Apg. 21,18 erscheint Jakobus in der nämlichen Stellung, insofern Paulus gleich nach seiner Ankunft sich ihm vorstellt und alle Priester bei ihm zusammen kommen.

Demgemäß tritt er auf dem Apostelkonzil Apg. 15,13 mit einer Autorität auf, welche nur der des hl. Petrus nachsteht, und gibt das entscheidende Votum ab. Zu der ihm angewiesenen Stelle war Jakobus ganz vorzüglich geeignet, denn seine Frömmigkeit bewegte sich bis an sein Lebensende in den von Jugend auf gewohnten, d.h. alt-testamentlichen Formen.

Er war Nazaräer von Jugend auf, übte fortwährend die größte Strenge gegen sich und war zu jeder Zeit im Tempel auf den Knien betend zu finden, so dass er zuletzt Schwielen wie ein Kamel auf den Knien trug. So war er ein Judenchrist im vollen Sinn des Wortes, ohne dass eigentümliche Wesen des Christentums in der Mitteilung eines neuen göttlichen Lebensprinzips, wodurch die Vollziehung des Sittengesetzes möglich gemacht (…), im Geringsten zu verkennen. Zwar sprach er die Heidenchristen auf dem apostolischen Konzil zu Jerusalem im Jahre 52 von der Beobachtung des mosaischen Gesetzes frei, aber die Judenchristen ließ er, wie er es selbst blieb, nach wie vor äußerlich Juden bleiben.

Man muss zugeben, dass sich auf andere Weise das Christentum in Jerusalem bis zur Zerstörung dieser Stadt nicht hätte erhalten können, und es ist Jakobus nicht zuzurechnen, dass er später auch für judenchristliche Träumereien, wie sie z. B. in den klementinischen Homilien vorliegen, als Autorität gelten musste.

Im Jahre 63 starb Jakobus den Märtyrertod. Die immer größer werdende Anzahl von Juden, welche, durch ihn bewogen, den Glauben an Jesum als den Messias annahmen, brachte die jüdischen Hierarchen in Aufregung. Als daher der Prokrator Festus gestorben, dessen Nachfolger Albinus aber noch unterwegs war, benützte der damalige Hohepriester, der tollkühne jüngere Ananus, den Zeitpunkt, um seinen Hass gegen Jakobus und einige andere angesehene Christen zu befriedigen.

Er ließ sie in einem zusammen berufenen Synedrium mit frecher Verletzung der römischen Hoheitsrechte zur Steinigung verurteilen, und an Jakobus wurde das Urteil tumultuarisch gleich in der Nähe des Tempels, worin das Sessionszimmer des Synedriums war, vollzogen. Da er bei der Steinigung noch nicht den Tod fand, so brachte ihn ein Walker mit seinem Knittel vollends um und endete die Schmerzen des Blutzeugen, welcher wie Stephanus noch für seine Feinde gebetet hatte (Joseph. Antt. Jud. 20,9,1; Euseb. 2,23) –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 6, 1889, Sp. 1191 – Sp. 1193

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