Unchristlicher Sklavenhandel nach Amerika

Der unchristliche Sklavenhandel nach Amerika

Deswegen soll es freilich nicht entschuldigt werden, wenn Nikolaus V. dem König von Portugal 1452 und 1454 die Erlaubnis erteilte, die entdeckten Länder sich zu unterwerfen und ihre Bewohner in die Sklaverei zu versetzen. Auch die Ausdrücke, mit denen Alexander VI. den Spaniern 1493 das Eroberungsrecht über Amerika zuteilte, klingen nicht immer christlich. Aber das Verfahren beider entsprach dem damaligen Bewusstsein und Recht; zudem hat Paul III. 1537 die Fehler seiner beiden Vorgänger reichlich wieder gut gemacht. Freilich haben die Spanier lange genug mit jener päpstlichen Erlaubnis Missbrauch getrieben und ihre Eroberungen mit dem Namen des Papstes gedeckt.

Aber die Protestanten handelten in der Beziehung nicht besser, im Gegenteil verfuhren sie viel radikaler. Die Holländer und Engländer haben die Urbewohner nach Möglichkeit alle ausgerottet, während die Spanier und Portugiesen sie bloß verknechteten. (siehe den Beitrag: Mexiko vor der Herrschaft der Freimaurer) Als der sonst so mild gesinnte und geistig so hoch stehende Kolumbus 1495 von Haiti aus nicht weniger als 500 Karaiben-Sklaven zum Verkauf nach Sevilla abführen ließ, lehnte sich dagegen das christliche Gewissen hervorragender Theologen auf, und die Königin Isabella schenkte jenen Sklaven die Freiheit.

Für die Kolonien selbst war indes ein Sklavenverbot nicht durchzuführen; die spanischen Eroberer und Ansiedler erzwangen sich das Recht, Sklaven zu halten, nur wurde die eigentliche Sklaverei (encomiendas), verhüllt. Die Kommenden und Repartimientos behielten der spanischen Regierung das Eigentumsrecht vor, gewährten aber den Kolonisten den Besitz an Land und Leuten „unter der Bedingung, die Leute in der christlichen Lehre und den übrigen Bestandteilen des heiligen katholischen Glaubens zu unterweisen“. Dadurch glaubte man seinem Gewissen genügt zu haben, aber es war doch in den meisten Fällen nichts Anderes als eine verkappte Sklaverei. Durch spätere Milderungen verwandelten sich die Kommenden zwar in eine Art Hörigkeit und persönliche Dienstbarkeit (servicio personal). Aber zunächst war die Habsucht der Ansiedler zu groß, als daß sie sich mit Wenigem begnügt hätten.

Wohl setzten sich die Dominikaner mit großer Unerschrockenheit und teilweise heldenmütigen Opfern zum Verdruss selbst der Regierungs-Beamten auch dem Kommenden-Wesen entgegen, während sich die Franziskaner gleichgültiger verhielten. Aber sie wurden zuerst selbst vom König im Stich gelassen, bis Las Casas die Sache in die Hand nahm und hierbei von Ximenes unterstützt wurde. Eine radikale Abschaffung der Sklaverei hielt er für eine Unmöglichkeit; er dachte, die schwächeren Indianer, die in den Bergwerken erlagen, durch Neger zu ersetzen, deren Arbeitskraft auf das Vierfache der Indianerarbeit geschätzt wurde. Die Negereinfuhr war zuerst gestattet, dann wieder verboten worden. Ximenes hielt als Reichsverweser von Spanien das Verbot aufrecht. Der Negerhandel war jedoch für Spanien nichts Unbekanntes, und es war weniger aus Humanität als vielmehr aus politischer Sorge, daß Ximenes gegen die Negereinfuhr war; er fürchtete, die Neger würden Unruhe stiften und die Sitten der Indianer verderben.

Erst nach Ximenes‘ Tod drang der Plan des Las Casas durch. Karl V. hatte schon zu Ximenes‘ Lebzeiten für die Niederlande den Negerhandel gestattet; er erteilte im Jahre 1517 flämischen Schiffern das Privileg, alljährlich 4000 afrikanische Sklaven in Amerika einzuführen, und dieser sog. Assiento-Handel wurde an verschiedene Handelsvölker, 1580 an die Genuesen, 1702 an die Franzosen, 1713 an die Engländer vergeben. Schon lange vor 1713 beteiligten sich die Engländer am Sklavenhandel, und die Königin Elisabeth begünstigte ihn, wie überhaupt alles, was England Macht und Geld brachte. In den drei Jahrhunderten, seitdem der amerikanische Sklavenhandel besteht, sollen nicht weniger als 30 Millionen Afrikaner als Sklaven in die neue Welt geschleppt worden sein. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 11, 1899, Sp. 414 – Sp. 415

Fortsetzung: Abschaffung der Sklaverei in Amerika

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