Mexiko vor der Herrschaft der Freimaurerei

Mexiko vor dem Auftreten und der Herrschaft der Freimaurerei

Um das Jahr 1600 waren schon prachtvolle Kirchen, Klöster, Waisenhäuser usw. gebaut und das ganze Vizekönigreich in sieben Diözesen eingeteilt… Die Ordensgeistlichen waren um diese Zeit schon sehr zahlreich, und sie waren es auch, welche unter dem Schutz der meist aus ihrer Mitte hervor gegangenen Bischöfe sich der von einzelnen Spaniern schwer bedrückten und als Leibeigene behandelten Indianer annahmen. So hatte es schon der erste Bischof von Tlaxcala, Julius Garces O. Pr., sich zum Grundsatz gemacht, den Indianern zuerst Vater und Beschützer und dann erst Missionar und Bischof zu sein, und seinem Beispiel folgten die meisten Missionare und Bischöfe. Er war es auch, der im Verein mit Las Casas, Ribeira da Sahagun, Toribia und Anderen bei Kaiser Karl V. als dem König von Spanien einen für die Freiheit der Indianer günstigen Entscheid erwirkte. Auch Papst Paul III. erklärte die Indianer, welche von den ersten Eroberern als unvernünftiges Volk (gente sin razon) dargestellt worden, für vernünftige Geschöpfe und befahl, sie als solche zu behandeln (vgl. Lorenzana, Council. Mexic. in der Einleitung, und Die kath. Kirche in den Vereinigten Staaten N.-A., Regensburg 1864, 498f). Dies bewirkte, daß sich in Mexiko, wie in dem andern vormals spanischen Amerika, bis heute eine zahlreiche indianische Bevölkerung erhalten hat, welche durchgängig bis zum Auftreten der Freimaurerei daselbst, ja trotz derselben, im Allgemeinen der katholischen Kirche treu anhängt, und aus welcher stets der größte Teil der Geistlichkeit herangebildet werden konnte und kann. Die Kirche selbst befand sich hier bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts in einer günstigen Lage.

Die gefährliche Philosophie und Aufklärung bringt die Freimaurerei nach Mexiko

Die erste Wunde wurde ihr geschlagen durch die Aufhebung des Jesuitenordens. Alle Jesuiten mussten 1767, zum größten Nachteil des Landes, dasselbe verlassen. Eine schwerere Wunde wurde der Kirche beigebracht durch die falsche Philosophie und Aufklärung, welche damals vom Mutterland aus in die alten Kolonien eingeschmuggelt wurden. Spanien musste es aber bald selbst büßen; denn dadurch hatte es seine bisher fast hermetisch verschlossenen Kolonien (vgl. Histor.-polit. Blätter LII, 1863, 949ff) nicht bloß dem Unglauben, sondern auch der politischen Agitation der amerikanischen, englischen und französischen Freimaurerei eröffnet. Mehr durch diese politische Agitation als durch das Ausstreuen des Unglaubens wurden die Indianer in unsägliches Elend gestürzt (vgl. W. Menzel, Gesch. der neuesten Zeit, Stuttg, 1860, 313f). Sie zeigten übrigens schon bei dem ersten Aufstand gegen das Mutterland, wie sehr sie im Christentum befestigt waren, gerade so, wie es noch heute an den Tag legen, trotz so langer Missregierung ihrer freimaurerischen Präsidenten.

Nachdem im Jahre 1821 die förmliche Losreißung vom Mutterland erfolgt, konstituierte sich Mexiko 1823 als Föderativ-Republik. Dies war das Werk der mächtigen republikanischen Partei, welche sich Yorkinos oder Föderalisten nannte, gegenüber des Escosesos oder Zentralisten, (nach dem doppelten hier eingeführten Ritus der Freimaurerei, dem Yorker und dem schottischen, benannt)… –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 8, 1893, Sp. 1468 – Sp. 1469

Das romanische Amerika

Mittel- und Südamerika wurden nicht wie Nordamerika von der germanischen Rasse (Engländern und Deutschen), sondern von der romanischen beherrscht, indem die Spanier hier alles eroberten, mit Ausnahme Brasiliens, welches den Portugiesen zufiel, ungerechnet die kleinen Niederlassungen der Holländer, Engländer und Franzosen in Guyana. Aber auch von vor der Eroberung Amerika’s durch die Weißen bestand unter den eingebornen Indianern (den Rothäuten) im Norden und Süden ein Unterschied. Die Yankee’s stießen nur auf wilde nicht sehr zahlreiche Stämme, und suchten dieselben einfach auszurotten; die Spanier dagegen fanden wohlorganisierte Staaten mit einer überaus zahlreichen ackerbauenden und verhältnismäßig gebildeten Bevölkerung vor, mit der sie sich friedlich vermischten. Sogar das Verhältnis der Neger, die man als Sklaven einführte, war im romanischen Süden ein anderes, als im germanischen Norden. Es gab nämlich im Süden viel weniger Schwarze und sie wurden viel menschlicher behandelt, die Vermischung mit ihnen war nicht arg verrufen.

Das System, nach welchem Spanien seine unermeßlich ausgedehnten Kolonien in Mittel – und Südamerika behandelte, ist von den meisten Geschichtschreibern auf eine ungerechte und unverständige Weise getadelt worden. Es ist wahr, die Kolonien wurden vom Mutterlande aus durch vier Virey’s (Vicekönige) in Neuspanien (Mexiko), Peru, Neugranada und Rio de la Plata, despotisch regiert. Die Regierung allein hatte das Monopol des Handels und erlaubte erst 1765 den Handel nach Westindien (den Antillen) aus sieben Häfen. Die Reichtümer aus den Kolonien, sonderlich die Ausbeute der Bergwerke von Potosi, wurden dem Mutterlande jährlich auf der großen s. g. Silberflotte zugeführt, auf welche die Engländer so oft Jagd machten. Der Verkauf europäischer Industrieartikel war ebenfalls Regierungsmonopol. Wie die Virey’s selbst ihre Posten oft nur einer Camarilla in Madrid verdankten, so übten auch sie wieder groben Nepotismus.

Die Kolonien blieben dem Ausland hermetisch verschlossen, namentlich durfte kein Strahl von Philosophie und Aufklärung aus der alten Welt eindringen und die katholische Kirche übte unumschränkte Gewalt über die kindlichen Seelen der Kreolen (in Amerika geborene Weiße) wie der Indianer und Neger und der aus allen diesen Rassen entstandenen Mischlinge. Da fehlte freilich die politische Agitation und Tribune, die freie Presse, unbedingte Lehrfreiheit, die Schule, die Industrie, der Börsenschwindel, aber das Volk war glücklich, das Land im tiefsten Frieden, der Fortschritt der Gesittung, namentlich in den Jesuiten-Missionen unter den Indianer-Stämmen der entlegenen Urwälder (in Paraguay, am Amazonenfluss und in Kalifornien), in hohem Grade erfreulich. Der üppige Himmelsstrich gewährte den Eingebornen eine leichte Befriedigung ihrer einfachen Bedürfnisse. Frohe und glückliche Naturkinder hätten sie in ihrer seligen Ruhe niemals gestört werden sollen. (siehe dazu den Beitrag: Die Mission der Jesuiten in Paraguay)

Sie wurden aus einem behaglichen Frieden, aus einem keineswegs beklagenswerten Zustande von Unmündigkeit und kindlicher Genügsamkeit auf einmal ohne alle Not, ohne daß sie es irgend bedurft hätten, lediglich durch fremden Einfluss heraus gerissen in unsägliches, noch immer fortdauerndes Unglück, im Namen einer Freiheit, deren sie nie fähig waren, noch seither fähig geworden sind.

Der Einfluss der katholischen Kirche bewirkte Einheit der verschiedenen Rassen

Durch den Einfluss der katholischen Kirche war ein Gefühl der Einheit in alle mittel- und südamerikanischen Rassen gekommen, denn alle waren gute Christen. Nun erlitt aber der alte fromme Glaube wenigstens bei den Kaufleuten, Offizieren und höheren Klassen überhaupt einen gewaltigen Stoß durch die seit der Revolution eindringende Frivolität, Aufklärung und kirchenfeindliche Literatur. Südamerika wurde systematisch mit den Werken Voltaire’s und der ganzen revolutionären Schandliteratur Frankreichs von Bordeaux aus überschwemmt. Dieses Gift verdarb die Herzen und nährte den Egoismus der Generale, einen Ehrgeiz und eine Genusssucht, die nur auf Kosten der Nebenbuhler befriedigt werden können, daher die ganze nun schon fünfzigjährige Revolutionsperiode einfach einer Superfötation von Blasen verglichen werden kann, von denen immer eine die andere verdrängt, eine plagt und eine andere wieder hervor kommt, um wieder zu plagen. Aus demselben Grunde aber, aus welchem das romanische Amerika sich innerlich nicht zu beruhigen und irgendwie auf eine feste und dauernde Art neu zu gestalten vermag, ist es auch nicht fähig, der Yankee-Strömung von Norden her zu widerstehen, und als romanische Welt der germanischen gegenüber in starker Einheit dazustehen. Das romanische Element in ihnen ist auf ein Minimum reduziert und durch Verschwimmen in den farbigen Rassen für immer korrumpiert, während das germanische Element in Nordamerika in der ungeheuren Mehrheit der Bevölkerung sich rein erhalten hat.

Der Grundcharakter des folgenden Revolutions-Zeitalters

Erst als Napoleon die regierende Dynastie in Spanien abfegte und der blutige Volkskrieg auf der pyrenäischen Halbinsel begonnen hatte, wurden auch die Kolonien aufgeregt. Die Altspanier, welche dort die ersten Stellen und die reichsten Etablissements besaßen, wollten Amerika dem gefangenen König Ferdinand VII. erhalten. Die Kreolen verlangten gleiche Rechte mit dem Altspaniern und wurden wirklich von der Zentraljunta im Mutterlande aufgefordert, Deputierte zu schicken. Nach und nach aber ließen sie sich durch die Engländer und Nordamerikaner verführen, sich überhaupt vom Mutterland loszureißen. Die Farbigen hielten sich anfangs passiv, bis die Uneinigkeit unter den Weißen sie ihre Bedeutung und Macht zum erstenmal fühlen ließ. Als ein bisher äußerst bigottes, von Priestern geleitetes Volk waren sie den Liberalen in den Städten nicht hold und wollten nichts von den neuen Theorien, nichts von der Aufklärung und Freimaurerei, welche sie von den Fremden lernten, wissen; jedoch rotteten sich die Indianer gegen die alte Regierung zusammen, wenn man ihnen vorspiegelte, alle Weißen würden vertrieben und das alte Indianerreich von Mexiko hergestellt werden. Und bald taten sich in den Bürgerkriegen Farbige als tüchtige Krieger hervor und machten den gebildeten Städtern die Regierungsgewalt streitig. Das ist als Grundcharakter des gesamten Revolutions-Zeitalters im spanischen Amerika festzuhalten.

In Mexiko regierte der Virey Iturrigarai seit 1802 wie ein wirklicher König mit großer Hofhaltung, machte sich aber als Anhänger Godoy’s so verhaßt, daß ihn bei der Nachricht von Godoy’s Verrat und der Absetzung der Bourbons in Bajonne die Altspanier in Mexiko selbst| ab-, und statt seiner eine Zentraljunta einsetzten, am 15. Sept. 1808. Die Anhänger des Mutterlandes taten das, um den Kreolen zuvorzukommen und das Heft in der Hand zu behalten. Weil aber in Mexiko die Indianer in dichten Massen wohnen, ließen sie sich durch den Pfarrer Hidalgo betören, die Zeit zur Wiederbegründung ihres Reiches sei gekommen, die unrechtmäßige Gewaltherrschaft der Spanier in der neuen Welt neige sich zum Ende. Trotz ihrer Menge aber erlagen sie 1810, und gleiches Schicksal hatte ein späterer Aufstand 1815. Einen dritten erhob der aus Spanien während der Restauration geflüchtete jüngere Mina, aber auch er wurde besiegt und erschossen, 1817.

Die Freimaurerei nahm zu mit dem sinkenden Ansehen der Kirche

Nun erfolgte eine völlige Herstellung der altspanischen Regierung unter dem neuen Virey Apodaca. Die Ruhe währte aber nur bis 1821, denn sobald die Nachricht von der spanischen Revolution im Jahre 1820 angelangt war, regte sich der Ehrgeiz und die Neuerungssucht auch unter den Offizieren in Mexiko, und General Jturbide erhob sich gegen den Virey, der ihm wenig Energie entgegen setzte. Der Gedanke, sich vom Mutterland zu trennen, war durch die schlechte Regierung Ferdinands VII. und durch die Mahnungen der Amerikaner und Engländer genährt worden, aber das monarchische Gefühl im Volke noch so stark, daß man wenigstens keine Republik wollte. Schon Hidalgo und Merelos hatten einen einheimischen Kaiser verlangt, das Beispiel Napoleons musste daher für einen kühnen General sehr lockend sein, und da die altspanische Partei die Bourbons nicht retten konnte, so wollte sie wenigstens den Thron retten. Es ist charakteristisch, daß diese loyale Partei sich als Freimaurerloge nach dem schottischen Ritus konstituiert hatte, weshalb man sie die Escosesos nannte. Die republikanische Gegenpartei konstituierte sich nach dem englischen oder Yorkritus und erhielt davon den Namen der Yorkinos. So stark war schon der Einfluss europäischer und nordamerikanischer Sitten geworden. Die Maurerei nahm in der neuen Welt genau in demselben Maße überhand, in welchem das Ansehen der Kirche sank. Unter dem Beistand der Offiziere und des Heeres und unter Zulassung der monarchischen Partei ließ sich der eigentlich eben so talent- als verdienstlose Iturbide am 18. Mai 1822 als Augustin I. zum erblichen Kaiser von Mexiko ausrufen.

Aber weder die V. Staaten von Nordamerika, noch die unterdes in Südamerika entstandenen Republiken erkannten ihn an. Im Ärger wollte er Rache nehmen und beging so viele Fehler, daß ihn eine Soldatenempörung eben so schnell wieder stürzte, als ihn die erste erhoben hatte, 1823.

aus: Wolfgang Menzel, Geschichte der neuesten Zeit (1856 bis 1860), 1860, S. 312 – S. 316

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