Innere Erneuerung nach dem Glaubensabfall

Aufschwung der Kirche unter den Päpsten nach dem Glaubensabfall 1517

Dem beklagenswerten Abfall ging aber ein großartiger Aufschwung der Kirche unter den Päpsten dieser Periode zur Seite und bewies jedem, der es sehen wollte, wo die Wahrheit zu finden ist. Dieser Aufschwung gab sich kund in der inneren Erneuerung, in der kräftigen Abwehr, in den glänzenden Eroberungen.

Konzil von Trient

Frühzeitig erkannte Papst Leo X. die Gefahr und suchte ihr zu begegnen. Durch Legaten, Belehrungen und Warnungen, durch ernste Aufforderungen an die weltliche Macht, die Einheit und Einigkeit im Glauben aufrecht zu erhalten, bemühte man sich von Rom aus, dem Übel Einhalt zu tun und den entstandenen Brand zu löschen. Es zeigten sich die Päpste von Anfang der Bewegung an geneigt, Missbräuche zu beseitigen, wie sie auch dem Ruf nach einem Konzil sich nicht feindlich entgegen stellten. Leider erhoben sich fortwährend Schwierigkeiten und Hindernisse. Als nach Überwindung zahlloser Hemmnisse endlich das Konzil von Trient eröffnet werden konnte, wollten die Protestanten nichts davon wissen. Luther hatte so lange und so erfolgreich gegen Papst und Konzil gelästert, daß seine Anhänger die Anteilnahme an demselben entschieden verweigerten. Auch während ihrer Tagung hatte die Kirchen-Versammlung mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Zweimal musste sie unterbrochen werden und erst nach 18 Jahren konnte sie zum Abschluss gelangen. Durch dieselbe haben die Päpste den festen Grund zu einer wahren Reform in der Kirche gelegt, die die herrlichsten Früchte zeitigte. Neues Leben flutete allenthalben durch die Kirche.

Reform und Neugründung von Orden

Auf dem päpstlichen Stuhl erblicken wir ausgezeichnete, vom tief religiösen Geist getragene Männer, unter ihnen einen Heiligen. Unterstützung fanden die Päpste in ihrer Reform-Tätigkeit bei vielen vortrefflichen Kardinälen, die mit dem Glanz erhabener Tugenden seltene Gelehrsamkeit verbanden, bei den würdigen Bischöfen, denen wir in den verschiedenen Ländern begegnen und die mit Eifer an der Reform bei Klerus und Volk arbeiteten, bei den Orden, die während dieses Jahrhunderts ins Leben traten oder zu ihrem ursprünglichen Eifer zurück kehrten. Zu den ersteren gehören die Theatiner, gegründet vom hl. Cajetan († 1547) und Peter Caraffa (Papst Paul IV.) die Barnabiten (1530), die Somascker vom hl. Hieronymus Ämilianus († 1536), die Oratorianer vom hl. Philipp Neri († 1595), die Jesuiten vom hl. Ignatius († 1556), die Ursulinen von der hl. Angela von Merici († 1540), die Barmherzigen Brüder vom hl. Johannes von Gott († 1550), die Väter des guten Todes vom hl. Kamillus de Lellis († 1614), die Kapuziner (1528) und Kapuzinerinnen (1538). Zu den neureformierten Orden zählen: Benediktiner, Franziskaner, Karmeliten und Karmelitinnen von der hl. Theresia (1582) und vom hl. Johann vom Kreuz († 1591). Während die Reformatoren die evangelische Strenge und die guten Werke verwarfen und die Gebetsstätten zerstörten, übten die einen Orden vorherrschend das Gebets- und Bußleben, die anderen die Lehrtätigkeit, wieder andere die Krankenpflege. Zu allen Ländern ließen diese Orden das Licht ihrer Tugenden erstrahlen und sich das Heil der Seelen mit unermüdlichem Eifer angelegen sein. In diesen Reform-Bestrebungen wurden die Päpste ferner durch hl. Männer und Frauen unterstützt.

Viele Heilige verherrlichen die Kirche Gottes

Es gab wohl keine Zeit, in welcher so viele Heilige die Kirche Gottes verherrlichten als gerade in diesem Jahrhundert. Wer kennt außer den bereits genannten nicht die Heiligen: Thomas von Villanova, der vorher das Bett verschenkt hatte, auf welchem er starb († 1555), Petrus von Alcantara († 1562), den Kapuziner Felix von Cantalicio († 1587), Stanislaus († 1568), Franz Borgias († 1572), Aloysius († 1591), Karl Borromäus, Paschalis Baylon († 1592), Franz Xaver († 1552) und viele andere. Während die meisten Irrlehrer im Schmutz wühlten und andere in Sittenlosigkeit hinein rissen, erhoben sich in der alten Kirche zahllose zur höchsten Stufe der Vollkommenheit. Während die Irrlehrer in Hunderte von Sekten zerfielen, sich gegenseitig verketzerten, stellte die Kirche sich unter dem Papst vollkommen geeint dar. Die Betrachtung dieser Gegensätze hat schon manchen gutwilligen Protestanten zur katholischen Kirche zurück geführt.

Abwehr der Irrlehrer

Der Aufschwung, den die Kirche bald nach dem Abfall nahm, zeigte sich ferner in der kräftigen Abwehr der Irrlehrer vor weiterem Vordringen. Wie eine Sturmflut hatte sie sich über ganze Länder ergossen; ihrem Siegeslauf gegenüber schien jeder Widerstand unmöglich. Die energische Förderung der religiösen und sittlichen Erneuerung von Seiten der Päpste gebot jedoch der Irrlehre ein kräftiges Halt. Diese konnte nur dort zur Herrschaft gelangen, wo die Unwissenheit oder sittliche Verkommenheit den Weg bereitet hatte. Durch die sittliche Erneuerung wurde sowohl die Verkehrtheit des Herzens als auch die Unwissenheit behoben. Infolgedessen gelangten die Wissenschaften namentlich in Italien, Spanien und Frankreich zu herrlicher Blüte und lieferten neue Waffen zur siegreichen Bekämpfung der Irrlehre. Die Päpste gründeten und förderten Anstalten, um Priester heran zu bilden, die todesmutig in die abgefallenen Länder drangen, um die daselbst treu gebliebenen Katholiken zu retten und andere zu gewinnen. So sehen wir eine schar von Helden erstehen, die ihren Glaubenseifer und ihre Glaubenstreue mit der Martertod, namentlich in England und Schottland, besiegelten.

Missionstätigkeit

Den herrlichen Aufschwung in der Kirche in diesem Jahrhundert bewies endlich ihre wahrhaft großartige Missions-Tätigkeit in den überseeischen Ländern. Während in Europa die Kirche den Verlust vieler Kinder betrauerte, hatte sie die Freude, andere Länder und Weltteile sich dem Licht des Evangeliums öffnen zu sehen und in Scharen Neubekehrter einen Ersatz zu finden. In Amerika breitete sich der Glaube immer weiter aus und es entstanden nacheinander Bischofssitze in Zentralamerika, Mexiko und Südamerika. In Afrika waren die Missionare an der West- wie an der Ostküste, in den portugiesischen und französischen Kolonien tätig. In Indien verkündete der hl. Franz Xaver mit wunderbarem Erfolg das Evangelium und drang nach Japan vor. Hier bildeten sich bald starke christliche Gemeinden, so daß man im Jahr 1579 schon über 200000 Christen zählte. Leider gingen dieselben in den blutigen Verfolgungen wieder zugrunde. Nach dem Tod des hl. Franz Xaver, der 1552 auf der Insel Sanzian mit dem Blick auf China, das Ziel seiner Sehnsucht, starb, setzten seine Mitbrüder das Bekehrungswerk in Vorder- und Hinterindien fort und drangen nach Cochinchina und in das chinesische Reich vor. Auf den Philippinen wurde bereits 1579 in Manila ein Bistum errichtet. So erfüllte die Kirche den von Christus erhaltenen Auftrag: „Gehet hin und lehret alle Völker“ und beglaubigte durch ihre großartigen Erfolge ihre göttliche Sendung.

Schutz des Abendlandes

Zum Schluss sei noch die Tätigkeit der Päpste zum Schutz des Abendlandes gegen die Türken erwähnt. Wahrhaft rührend ist es zu sehen, wie die Päpste tätig sind, um Deutschland vor der Türkengefahr zu retten, das ihnen so viele Kränkungen und Schmach antat. Während Luther erklärte, man solle zuerst mit dem Papst aufräumen, bevor man gegen die Türken ziehe, während Protestanten erklärten, lieber unter den Türken als unter dem Papst leben zu wollen, machen die Päpste alle Anstrengungen, um die Deutschen zur Rettung und zum Schutz des eigenen Vaterlandes zu vereinigen. Während die protestantischenFürsten und Stände, die Verlegenheit des Kaisers benützend, ihre Hilfe von immer neuen Begünstigungen abhängig machten, brachten die Päpste die größten Opfer für Kaiser und Reich. Daß Deutschland nicht von den türkischen Horden überflutet und verwüstet wurde, ist nicht das Verdienst Luthers, sondern der Päpste. Zudem war in diesem Jahrhundert dem Papst das Verdienst beschieden, die Macht der Türken bei Lepanto 1571 zu brechen und die abendländischen Küsten vor Türken-Einfällen zu befreien.

So sehen wir, wie nach dem traurigen Abfall anfangs dieser Periode die Kirche einen großartigen Aufschwung nimmt, der nur durch den Dreißigjährigen Krieg behindert wurde. Träger und Mittelpunkt dieses Aufschwunges waren die Päpste. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 531 – S. 533

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