Heiliger Paulus der Völkerapostel

Der heilige Völkerapostel Paulus predigt mit erhobenen Händen Christus vor den Griechen, insbesondere den Weisen und Philosophen, die frohe Botschaft Jesu Christi

Der heilige Apostel Paulus sieht majestätisch aus, wie er da steht mit Vollbart und in der rechten Hand auf ein Schwert gestützt

Der heilige Paulus der Völkerapostel

Von keinem Apostel gibt uns die heilige Schrift selbst einen so ausführlichen Bericht, ein so lebendiges Bild, wie vom heiligen Paulus. Dieser an Talent, Geistestiefe, Herzensinnigkeit, Charakterstärke und Opferliebe wahrhaft große Mann ist auch wirklich eine lebendige Urkunde von dem, was die Christen aller Zeiten den Aposteln verdanken. – Paulus weihte sein Leben ganz der Einen Wahrheit, die Welt von der Katholizität des Christentums zu überzeugen, daß die Lehre und Gnade Jesu Christi die allein wahre, die jedem Menschen allein notwendige und zur vollkommenen Seligkeit allein genügende Religion sei. Wie wenig die Juden und Heiden für diese göttlich schöne Wahrheit empfänglich und wie wenig sie geneigt waren, dieselbe anzuerkennen und in sich aufzunehmen, das bezeugt Paulus selbst mit beredten Worten: „Allen bin ich Alles geworden, um Alle selig zu machen.“ (1. Kor. 9,22) Aber „diese katholische Liebe“ wurde nicht verstanden. Er bekennt: „Mich dünkt, daß Gott uns Apostel als die Allerletzten hingestellt, als wie dem Tod Geweihte, da wir ein Schauspiel geworden sind dem Menschen und den Engeln, verachtet um Christi willen. Bis zur Stunde leiden wir Hunger und Durst und Mangel an Kleidung, wir werden mit Fäusten geschlagen, haben keine Heimat und plagen uns mit Handarbeit; wir werden verflucht und – segnen, wir werden verfolgt und – bleiben geduldig, wir werden gelästert und – beten, wir werden für den Auskehricht dieser Welt, für den Abschaum von Allem gehalten.“ (2. Kor. 4)

Sein apostolisches Ansehen rechtfertigt Paulus unter Anderm also: „Immer tragen wir die Abtötung Jesu an unserm Körper umher, damit auch das Leben Jesu an unsern Körpern offenbar werde. In allem bewähren wir uns als Diener Gottes durch große Geduld in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Kerkern, in Aufruhr, in Mühen, in Nachtwachen, in Fasten, Durch Keuschheit, mit Weisheit, mit Langmut, mit Freundlichkeit, mit dem heiligen Geist, mit ungeheuchelter Liebe, mit dem Wort der Wahrheit, mit der Kraft Gottes…“ (2. Kor. 11) Aber wie wurde diese „katholische Liebe“ ihm vergolten? Der zweite Korintherbrief sagt es: „Von den Juden habe ich fünfmal vierzig Streiche weniger einen bekommen; dreimal bin ich mit Ruten gestrichen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch gelitten, einen Tag und eine Nacht in der Meerestiefe zugebracht; oft auf Reisen, in Gefahren auf Flüssen, in Gefahren vor Räubern, in Gefahren vor meinem Volk, in Gefahren vor Heiden, in Gefahren in Städten und einsamen Orten, in Gefahren auf dem Meere, in Gefahren vor falschen Brüdern…“ (2. Kor. 11)

Nur eine Tatsache soll hier das Wirken des heiligen Paulus veranschaulichen. Auf seiner dritten Missionsreise hielt er sich fast drei Jahre in Ephesus auf. Zuerst, wie überall, predigte er das Evangelium den Juden dieser Stadt; hernach erst den Heiden. Seine Tätigkeit war unermüdlich, verbunden mit Gebet und Bußübungen. Bei Tag und bei Nacht, in den Häusern, auf den Straßen und öffentlichen Plätzen, in der Synagoge, in Hörsälen verkündete er Jesum Christum. Große und zahlreiche Wunder wirkte er an Leidenden, dergleichen auch von Andern geschahen, indem sie die Schweißtücher und Gürtel von seinem Leib auf die Kranken legten, und dieselben so von den Krankheiten und bösen Geistern befreiten. Der Erfolg seiner Belehrung war ein so gründlicher und günstiger, daß das Volk von freien Stücken Zauberbücher, im Wert von 50000 Denaren ( = 15000 Gl.), zusammen trug und auf öffentlichem Platz verbrannte. Selbstverständlich entbrannte auch Neid und Haß gegen Paulus. Zauberer wollten ebenfalls Wunder wirken; aber die bösen Geister selbst machten sie zu Schanden. Die Fabrikanten und Krämer mit Götzenbildern, als sie ihr Gewerbe stocken sahen, erregten einen Aufstand und wollten den Apostel den wilden Tieren vorwerfen; aber die Hand Gottes schützte den treuen, eifrigen Diener. (Apg. 19) …

In Jerusalem kam Paulus in die größte Gefahr, von den Juden in Stücke gerissen zu werden, weil er den Abfall von Moses, von der Beschneidung und von den übrigen Gebräuchen predigte; und als dieser Angriff mißlang, verschworen sich vierzig Männer weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn würden getötet haben. Doch die göttliche Vorsehung fügte es, daß er gefesselt nach Cäsarea und nach zweijähriger Gefangenschaft nach Rom abgeführt wurde. Dort frei gelassen, arbeitete er noch zwei Jahre für das Evangelium, wurde aber unter Nero wieder eingekerkert. Das nahe Ende erkennend, frohlockte er: „Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn. Ich habe einen guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Im Übrigen ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, welche mir der Herr an jenem Tage als gerechter Richter geben wird.“ (2. Tim. 4) – Er starb am gleichen Tage mit dem hl. Petrus. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 493 – S. 494

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