Heiliger Franz Xaver Bianchi Barnabit

 Heiligenkalender

31. Januar

Heiliger Franz Xaver Bianchi, Barnabit und Apostel Neapels

(3. Dezember 1743 bis 31. Januar 1815)

Heiliggesprochen am 21. Oktober 1951

Vor seinem Eintritt in den Orden

Die heilige Maria Franziska von den fünf Wunden (1732 bis 1791) meinte scherzend, wie die Stadt Rom ihren Apostel Philipp Neri (Schwarz) gehabt habe, so besitze Neapel seinen Bianchi (Weiß). Das war nicht bloß eine Anspielung auf die wörtliche Bedeutung der beiden Namen, sondern vor allem ein Hinweis auf die Heiligkeit und die menschenfreundliche und milde Art der beiden. – Bianchi, der seinen Geburts- und Namenstag am 3. Dezember 1743 beging, war ein Zeitgenosse des Bischofs Strambi und hatte um seinen Eintritt bei den Barnabiten nicht weniger zu kämpfen wie jener um seinen Beruf als Passionist. Im Kolleg der Barnabiten in seiner Heimatstadt Arpino machte er seine ersten Studien. Als er aber davon sprach, daß er selbst einmal Barnabit werden wolle, schickte ihm sein Vater in eine andere Schule, nämlich in das Seminar von Nola. Dort aber bestärkte ihn der heilige Alphons Liguori gelegentlich bei Exerzitien noch mehr in seinem Ordensberuf. Das vom Vater hierauf befohlene Rechtsstudium in Neapel brachte zwar den jungen Studenten in eine gewisse seelische Gefahr, konnte ihm aber den Beruf nicht nehmen. So trat er schließlich im Jahre 1762 doch bei den Barnabiten ein (die 1533 vom heiligen Antonio Zaccaria gegründet worden waren).

Bianchi als Ordensmann

Bianchi war stets ein vorbildlicher Ordensmann und wurde nach Vollendung seiner Ausbildung beauftragt, den jüngeren Mitbrüdern zuerst in Arpino und dann in Neapel Rhetorik und Philosophie vorzutragen. Während er eines Abends mit einem Gefährten sein Brevier betete, machte er plötzlich eine Pause und lud seinen Mitbruder ein, das De profundis zu beten für die Seelenruhe des 19jährigen Novizen Franz Castelli. Dieser war tatsächlich, wie sich nachher heraus stellte, in jener Stunde außerhalb Neapels im Ruf der Heiligkeit gestorben. Von 1773 bis 1785 war Bianchi Oberer im Kolleg von Portanova (Neapel). In diese Zeit fällt eine Begegnung, die der Heilige später als die größte besondere Gnade betrachtete, die ihm Gott nächst der Gnade der Taufe und jener des Ordensberufes gegeben habe. Er lernte nämlich im Jahre 1777 die Franziskanerin Maria Franziska von den fünf Wunden kennen (die durch Pius IX. heilig gesprochen wurde): Zwischen dieser Schwester, die neben anderen außergewöhnlichen Gnaden besonders an den Freitagen das Leiden Christi nacherlebte, und zwischen Saverio Bianchi entstand ein ähnliches Verhältnis der Verbundenheit in Gott und des gegenseitigen Anspornes zur Vollkommenheit, wie wir es zwischen der heiligen Katharina von Siena und ihrem Beichtvater oder zwischen Franz von Sales und Franziska von Chantal kennen. Die Heilige berichtete Bianchi von ihren außergewöhnlichen Gnaden und Prüfungen, erwies ihm aber auch manche geistige Hilfe. Mehr als einmal geschah es auch, daß der Heilige am Altar mit großer Bestürzung gewahr wurde, daß die eucharistischen Gestalten zum Teil verschwunden waren; nachher aber beruhigte ihn die heilige Franziska und erzählte ihm in aller Einfachheit, daß sie nicht bloß am heiligen Opfer teil genommen habe, sondern durch Engelshand auch Anteil bekommen habe am eucharistischen Opfermahl. Als aber einmal Pater Bianchi selbst eine weitere Hostie an den Altar mitnahm, in der Hoffnung, daß nach der heiligen Wandlung das Wunder sich erneuern würde, da geschah nichts Besonderes, und der Heilige bereute es, daß er in allzu großer Vertraulichkeit gleichsam in die geheimen, freien Verfügungen Gottes hatte eindringen wollen.

Was nützt die menschliche Weisheit?

Im Jahre 1778 wurde Bianchi auch zum Mitglied der „Akademie der Wissenschaften“ ernannt, nachdem er das Amt eines Professors der Theologie an der Universität ausgeschlagen hatte. Er selbst hatte schon in jener Zeit den Zug, sich mehr dem beschaulichen Leben im Gebet und in der Betrachtung der Vollkommenheiten Gottes und der Glaubens-Wahrheiten zu widmen; Maria Franziska wies ihn jedoch darauf hin, daß er nur sich selbst ersterben und auf den Willen Gottes allein bedacht sein solle. Beim Generalkapitel der Barnabiten in Bologna im Jahre 1785 erhielt er aber wirklich die erbetene Erlaubnis, sich dem beschaulichen Leben hinzugeben, nunmehr auch von der heiligen Schwester dazu angespornt. Xaver Bianchi selbst erzählte einmal einem wißbegierigen Akademiker, wie Gott ihn in einem geistigen, übernatürlichen Licht hatte verstehen und vernehmen lassen: „Was nützt die menschliche Weisheit? Studiere meine Liebe!“ Dem oblag er denn auch in den nächsten zwölf Jahren trotz der Anfeindungen von Seiten Satans und auch mancher Menschen. Man tadelte seine neue Lebensweise, obwohl er sich dabei keiner Pflicht der Ordens-Satzungen, des Gehorsams oder der Liebe entzog. Er lehnte auch mehrmals die ihm angebotene Erhebung zur bischöflichen Würde ab.

Bianchi verkehrt mit heiligmäßigen Personen

Im Jahre 1791 starb die heilige Maria Franziska. Nachdem sie die für ihn kommenden schweren Leidensjahre voraus gesagt hatte. Sie mahnte ihn noch, er solle in seinem künftigen Apostolat in tiefem Geist der Demut sich zu jeder Sünde fähig halten, wenn die Gnade Gottes ihm nicht helfen würde; und er solle nur zwei große Gnaden vom Herrn erbitten: Starkmut und Frieden im Leiden, wobei er dann immer den Herrn am Ölberg oder am Kreuz vor Augen haben solle. –

Auch mit mehreren im Ruf der Heiligkeit stehenden Männern stand Xaver Bianchi in Verbindung, so mit dem ehrwürdigen Giovanni Jossa, einem Laien, in dem der Heilige als sein Seelenführer einen zweiten Johannes von Gott sah; ebenso mit dem ehrwürdigen Vinzenz Morelli, Bischof von Otranto, und mit dem ehrwürdigen Placido Baccher, einem schüchternen Priester, dem er, wie manchen anderen, verborgene Gewissens-Geheimnisse erklärte und den späteren großen Triumph seiner Bemühungen um die Verehrung eines Bildes der Immakulata voraus sagte. Rat und geistige Hilfe brachte er auch mehr als einmal einem erlauchten, heiligmäßigen Ehepaar, nämlich den entthronten König Emmanuel IV. aus dem Hause Savoyen und dessen Gemahlin, der ehrwürdigen Klothilde, einer Schwester des unglücklichen Königs Ludwig XVI., des Opfers der Französischen Revolution. Klothilde starb im Jahre 1802; Karl Emmanuel dankte ab zugunsten seines Bruders Vittorio Emmanuele und trat in das Noviziat der Jesuiten ein.

Seine Zelle wurde Mittelpunkt seines Apostolats

Durch die Not der Seelen in jenen Zeiten der Revolution auch in Neapel, und vor allem durch den Ruf der Heiligkeit und Wunder, der Xaver Bianchi umgab, wurde die Zelle, in der er lange zurückgezogen gelebt hatte, allmählich der Mittelpunkt eines umfassenden Apostolats. Die Vorsehung Gottes hatte es nämlich gefügt, daß er in seinem Zimmer bleiben konnte, auch nachdem unter der Herrschaft des Königs Joseph Bonaparte, des Bruders von Napoleon, die Ordensleute vertrieben worden waren. Das Apostolat des Paters Bianchi war aber von eigener Art, insofern es verbunden war mit dem Apostolat des Leidens. „Was werden diese Beine zu leiden haben!“ hatte Maria Franziska einmal dem Heiligen voraus gesagt; und tatsächlich hielt ihn in den letzten Jahren seines Lebens eine äußerst schmerzliche Krankheit seiner Knie und Beine unbeweglich fest. Nur die heilige Messe konnte er, wie durch ein Wunder, zelebrieren, um nachher wieder in den Zustand der Unbeweglichkeit zu verfallen. Sein Krankenzimmer aber wurde von den Neapolitanern wie das Heiligtum ihres Apostels betrachtet, der die eigenen Schmerzen und Beschwerden verbarg und vergaß, um jederzeit allen, trotz seiner Krankheit stets freundlich und heiter, mit seinem Rat und geistlichen Trost zur Verfügung zu stehen. Viele bezeugten, auch wunderbare Hilfe durch ihn erhalten zu haben. Unter Tränen der Dankbarkeit erklärte ihm jemand: „Pater, ich kann ihnen nie genug danken für die Wunder und Gaben, die der Herr mir auf Ihre Gebete hin gewährt.“ Worauf der Heilige freundlich entgegnete: „Schau, mein Sohn, was der Glaube vermag! Du siehst darin, daß man alles erlangt, wenn man auf Gott vertraut.“ Es würde zu weit führen, wenn man die außergewöhnlichen Gnaden, die er selbst von Gott empfangen hat, auch nur erwähnen wollte. Er hätte ja unter der Last der Leiden und auch der Sorge um die Seelen erliegen müssen, wenn ihm nicht immer wieder neue, übernatürliche Kraft aus jener Lebensquelle zugeflossen wäre, die Jesus Christus ist. Der Heilige selbst sagte, sein ganzes Leben ruhe auf dem heiligen Messopfer, und er erklärte: „An dem Tage, an dem du hörst, daß ich nicht mehr die heilige Messe feiere, kannst du annehmen, daß ich gestorben sei.“ So schien an ihm sich in besonderer Weise das Wort des Herrn zu bewahrheiten: „Wie ich durch den Vater lebe, so wird auch der, der mich ißt, durch mich leben“ (Joh. 6, 57).

Ich will leiden, nicht ins Fegefeuer kommen

Schon im Januar 1814, nachdem der Heilige unter anderem die Rückkehr des Papstes Pius VII. nach Rom für den 24. Mai voraus gesagt hatte, erwartete man sozusagen stündlich seinen Tod, er aber erklärte, die ehrwürdige Maria Franziska habe ihr Versprechen noch nicht eingelöst. Er begleitete im Geist den Papst auf seiner Reise von Fontainebleau und Savona nach Rom, und am 25. März, der zugleich der Geburtstag der von ihm sehr verehrten Heiligen ist, las er wieder die heilige Messe. In den späteren Monaten jenes Jahres schrieb er jemandem: „Ich antworte Ihnen inmitten der argen Schmerzen meiner Wunden. Ich habe zu nichts mehr Kraft außer zur Feier der heiligen Messe, die mir durch die göttliche Barmherzigkeit täglich gegönnt ist.“ Der Strom von Menschen, die zum „Apostel von Neapel“ pilgerten, ließ nunmehr nach. Manche aber kamen immer noch, um sich an seiner heiligen Geduld Trost zu holen. „Ich will leiden, und zwar freudig leiden; denn ich will nicht ins Fegefeuer kommen“, sagte er einem Freund. Auf die Frage eines anderen Besuchers nach seinem Befinden erwiderte er: „Wenn ich tanzen könnte, so würde ich durch dieses Zimmer tanzen, weil ich weiß, daß dieses Feuer in meinen Beinen mir von Gott kommt.“

Sein Heimgang

Im August 1814 schrieb er noch mühsam einen langen Akt der Hingabe oder Erneuerung seiner Gelübde, worin es heißt: „Vernichte und umkleide mich, o Herr, ganz wie es dir gefällt. Nur das behalte ich mir vor, daß ich dich immer liebe, … weil du ganz liebenswürdig bist, und weil ich nicht leben kann, ohne dich gar sehr zu lieben.“ Es erfüllte sich aber auch noch, was er früher einmal gesagt hatte: „Gott gab mir die Gnade, ihm in Heiterkeit der Seele liebend zu dienen; aber an meinem Ende werde auch ich die Bedrängnisse und Ängste der Seele und die Macht der Versuchung spüren.“ Am Abend des 29. Januar 1815 erschien ihm die heilige Maria Franziska in seinem Zimmer und sprach lange mit ihm, bevor sie wieder verschwand. Am frühen Morgen des 31. Januar 1815 verließ die Seele des Paters Francesco Saverio Bianchi den Leib, der kurz vorher noch geheiligt worden war durch die Vereinigung mit dem im heiligen Sakrament der Wegzehrung verborgenen Gott. Schon während des Leichenbegängnisses verherrlichte der Herr seinen treuen Diener durch außergewöhnliche Zeichen und Wunder. –
aus: Ferdinand Baumann SJ, Pius XII. erhob sie auf die Altäre, S. 126 – S. 130

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