Fest der sieben Schmerzen Mariä

Das Martyrium der schmerzhaften Mutter Jesu: Maria sitzt auf einem steinernen Stuhl mit lateinischer Inschrift, ein Schwert ins Herz gestoßen, die Hände über der Brust gekreuzt; auf ihrem Schoß liegt einen Dornenkrone, rechts steht der Lieblingsjünger Johannes mit geneigtem Kopf; rechts gebeugt und weinend eine Frau, die ein Kreuz hält; über ihr steht ein Engel, der mit beiden Händen auf das Kreuz zeigt

Fest der Sieben Schmerzen der allerseligsten Jungfrau Maria

Festum septem dolorum B.M.V.

Das Fest der sieben Schmerzen Mariä soll zunächst jene Leidensmomente aus dem Leben Maria`s vergegenwärtigen, da sie unter dem Kreuz des sterbenden Sohnes stand, dann aber auch das gesamte geistige Martyrium der Gottesmutter, das sie zur Königin der Märtyrer adelte, der gläubigen Betrachtung vor Augen stellen. Die Verehrung der um Jesu willen leidenden und mit Jesu um unseretwillen mitleidenden Mutter war längst volkstümlich; der Orden der Diener Mariä war zur Pflege dieser Verehrung gestiftet, die bildlichen Darstellungen ihrer Schmerzen waren weit verbreitet, und das Stabat mater des Jacopone da Todi (gest. 1306) war Gemeingut der Christenheit geworden, bevor das Fest der Schmerzen Mariä in die Liturgie Eingang gefunden hatte. Angeordnet wurde dasselbe zuerst auf der Kölner Provinzialsynode vom Jahre 1423 zur Sühne für die Bilderstürmerei der Husiten als Commemoratio angustiae et doloris B.M.V. Und, da nach den damals geltenden Normen Feste in der Fastenzeit nicht gefeiert werden sollten, für den Freitag nach dem Sonntag Jubilate, dem dritten nach Ostern, bestimmt (Hartzheim V, 221).

Nachdem das Fest zunächst in Deutschland Verbreitung gefunden hatte, wurde es von Benedikt XIII. im Jahre 1725 für den Kirchenstaat vorgeschrieben, 1727 auf die ganze Kirche ausgedehnt und seinem Charakter entsprechend auf den Freitag der Passionswoche, acht Tage vor den Karfreitag, gelegt. Der Passionszeit gehört es so eigentümlich an, daß seine Feier für das betreffende Jahr dann gänzlich ausfällt, wenn es an dem bestimmten Freitag oder dem nächst folgenden Tage nicht gehalten werden kann (Rubr. Spec. Festi). Durch seine Stellung in der liturgischen Zeit erscheint das Fest seiner Idee nach hauptsächlich als compassio der seligsten Jungfrau mit dem Leiden des Erlösers. Der in der Liturgie wie im Volksmund vorwaltende Festtitel erwähnt sieben Schmerzen, die aber im Offizium selber nicht näher angegeben sind. Daß das geistige Martyrium Maria`s in sieben Hauptmomenten zusammen gefaßt und diesem entsprechend von der bildenden Kunst Maria als Schmerzensmutter von sieben Schwertern durchbohrt dargestellt wird, ist nach einer von Benedikt XIV. (De Festis 2, 4, n. 9) erwähnten Angabe auf die Stifter des Ordens der Diener Mariä zurück zu führen, deren Fest 1888 für den 11. Februar allgemein vorgeschrieben worden ist.

Die volkstümliche Andacht findet diese Leidensstationen im Einzelnen in den Schmerzen Maria`s: 1. bei der Weissagung Simeons, 2. bei der Flucht nach Ägypten, 3. bei dem dreitätigen Suchen nach dem zwölfjährigen Knaben, 4. bei dem Anblick des Kreuz tragenden Heilandes, 5. bei seiner Kreuzigung, 6. bei der Abnahme seines Leichnams vom Kreuz und 7. bei seinem Begräbnis. Andere lassen die sieben Schmerzen mit der Flucht nach Ägypten beginnen und heben anderweitige Momente aus dem bitteren Leiden des Herrn hervor; wieder Andere beschränken die sieben Schmerzen Mariä auf den Karfreitag und den Vorabend in folgender Reihenfolge: 1. da Christus von seiner Mutter Abschied nahm; 2. da er mit der Dornenkrone vorgestellt wurde; 3. da er an das Kreuz geschlagen, und 4. da er mit Essig getränkt wurde; 5. da er ausrief: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ 6. da er starb, und 7. da sein Leichnam auf ihrem Schoß ruhte. Weiterhin werden auch sieben Schmerzen Mariä in der siebenfachen Lästerung gefunden, welche der Herr am Kreuz über sich ergehen ließ, sowie endlich in den sieben Worten, die der Herr am Kreuz sprach . –

Neben diesem vom Volk Schmerzens-Freitag genannten Fest ist durch Pius VII. im Jahre 1814 eine zweite Feier zu Ehren der Schmerzen Mariä auf den dritten Sonntag im September angesetzt worden, weil, wie die Einführungs-Bestimmung andeutet, zur Zeit der Passionstrauer eine festliche Feier weniger zur Geltung kommen kann. Eine solche zweite Feier bestand bereits länger im Orden der Diener Mariä und in manchen Diözesen. Während das Festoffizium in der Passionszeit sich mehr an das Leiden des Herrn anlehnt, erscheint in dem zweiten Fest Maria als Königin der Märtyrer; statt der transfixio et passio Mariae, welche die Oration am Schmerzens-Freitag hervorhebt, werden in der Oration der Feier im September einfach die dolores Mariae betont.

In beiden Festen ist (nach Amberger) Maria die Schmerzensmutter, jedoch im zweiten Fest als Königin der Märtyrer, die immer im Himmel für uns bittet und deren auf Erden mit Jesus für uns ertragene Leiden wir von ihrem höchsten Punkt aus, unter dem Kreuz, überschauen. Am Schmerzens-Freitag sehen wir in Maria, wie in Jesu, bloß die tiefste Schmerzensfülle; es tritt das Leiden Jesu in den Vordergrund, und Maria ist Repräsentantin der mitleidenden, zu erlösenden Menschheit; am zweiten Fest aber betrachten wir das Leiden der heiligen Jungfrau selbst, für welches sie nun die Glorie des Himmels zunächst ihrem Sohne besitzt. Aber Maria ist Königin der Märtyrer nur durch ihr Mitleiden mit ihrem göttlichen Sohn; daher ist die Feier beider Feste nur wenig verschieden und der Rang beider Feste duplex majus. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 8, 1893, Sp. 819 – Sp. 820

siehe auch den Beitrag: Die Größe der Leiden Mariens

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