Betrachtung Das Fest Mariä Empfängnis

Ein Engel mit einem Lilienzweig in der Hand steht auf einer Wolke; mit der linken Hand hält er ein Spruchband, auf dem mit schönen großen Buchstaben das Wort Maria steht

Maria als Himmelskönigin steht auf einer Wolke, eine Krone auf ihrem Haupt, eine Lilie in der Hand, die Hände über der Brust gekreuzt, hinter ihr eine helle Lichtkuppel wie im Petersdom

Kurze Betrachtungen für die sieben Hauptfeste Mariens

Betrachtung über das Fest Mariä Empfängnis

(8. Dezember)

1. Es geziemte sich, daß die drei göttlichen Personen der heiligen Dreifaltigkeit Maria vor der Erbsünde bewahrten. – Es geziemte sich, daß der ewige Vater es tat, weil Maria Seine erstgeborne Tochter war. Gleichwie Jesus der Erstgeborne des Herrn war: Der Erstgeborne vor allen Geschöpfen (Kol. 1, 5), so wurde auch Maria, die zur Mutter Jesu bestimmt war, immer als die erstgeborne, angenommene Tochter des Herrn betrachtet, und deshalb war sie auch immer durch die göttliche Gnade ein Eigentum des Vaters: Der Herr besaß mich im Anfang Seiner Wege. (Sprichw. 8, 22) Es geziemte sich, daß der ewige Vater, um Seinen göttlichen Sohn zu ehren, die Mutter desselben vor aller Sündenmakel bewahrte. Doch auch deshalb geziemte es sich, weil diese heilige Jungfrau bestimmt war, der höllischen Schlange, die den Menschen verführt hatte, den Kopf zu zertreten; wie es in der heiligen Schrift heißt: Sie wird deinen Kopf zertreten. (Gen. 3, 15) Wie wäre es wohl möglich gewesen, daß sie selbst vorher unter der Herrschaft des Teufels gelebt hätte? – Überdies war Maria auserwählt worden, eine Fürsprecherin der Sünder zu sein; und deswegen geziemte es sich, daß Gott sie vor aller Sündenschuld bewahrte, damit sie nicht selbst mit der Schuld der Menschen, für die sie Verzeihung erbitten sollte, beladen sei.

2. Es geziemte sich, daß der göttliche Sohn eine von aller Schuld unbefleckte Mutter habe. Jesus Selbst hatte Maria zu Seiner Mutter gewählt. Wer würde wohl glauben, daß ein Sohn, der eine Königin zur Mutter haben könnte, sich eine Sklavin wählen würde? Wie kann man also denken daß das ewige Wort, welches eine von aller Sünde unbefleckte Mutter, die immer durch die Liebe mit Gott vereinigt gewesen, zur Mutter haben konnte, eine durch dir Sünde entweihte Mutter wählen würde, eine Mutter, die eine Zeit lang in der Feindschaft Gottes gelebt hätte? Überdies, sagt der heilige Augustin, müssen wir bedenken, daß das Fleisch Christi das Fleisch Mariens ist. Gewiß hätte der Sohn Gottes Seinen heiligen Leib nicht von einer heiligen Agnes, von einer heiligen Gertrud oder Theresia annehmen wollen, weil diese heiligen Jungfrauen vor ihrer Taufe durch die Sündenschuld befleckt waren, und weil alsdann der Teufel Christo dem Herrn den Vorwurf hätte machen können, daß Er Seinen Leib von einem Geschöpf empfangen habe, welches ihm eine Zeit lang unterworfen gewesen wäre. Allein Jesus empfand gar keinen Widerwillen, aus Maria Mensch zu werden, weil sie immer ganz rein und unbefleckt geblieben ist. Der heilige Thomas sagt, daß Maria von Gott vor jedem auch dem mindesten Fehler bewahrt wurde, wie sich dies für die hohe Würde einer Mutter Gottes geziemte; aber wie viel unwürdiger wäre es wohl für sie gewesen, wenn sie mit der Erbsünde, durch welche die Seele ein Gegenstand des göttlichen Hasses wird, behaftet gewesen wäre?

3. Maria musste aber auch als die geliebte Braut des heiligen Geistes rein und unbefleckt sein. Nachdem die Erlösung der sündigen Menschen beschlossen war, wollte der heilige Geist, daß Seine heilige Braut auf erhabenere Weise als alle andern Menschen erlöst würde, und bewahrte sie deshalb vor aller Sünde. Wenn Gott den Leib Mariens nach ihrem Tode vor Fäulnis bewahrte, o wie viel mehr muss man nicht glauben, Er werde ihre Seele vor der Fäulnis der Sünde behütet haben! Daher nennt ihr himmlischer Bräutigam sie einen verschlossenen Garten und eine versiegelte Quelle, weil die Feinde der gebenedeiten Seele Mariens nie den Eingang dazu fanden. Er verkündigte ihr Lob und nennt sie ganz schön und sagt, daß sie immer Seine Freundin gewesen und ganz rein sei: Ganz schön bis du, Meine Freundin, und keine Makel ist an Dir. (Hohel. 4, 7)

O meine liebenswürdige Königin, ich freue mich darüber, daß Du durch Deine heilige Reinheit und Schönheit Deinem Gott so angenehm bist, und danke Gott, daß Er Dich vor aller Schuld bewahrt hat. O meine Königin! Weil die ganze heilige Dreieinigkeit Dich so lieb hat, so wende auch Deine barmherzigen Augen auf meine arme Seele, die mit so vielen Sünden beladen ist, und erlange mir bei Gott Verzeihung meiner Sünden und die ewige Seligkeit! Blicke gnädig auf mich herab und ändere mein armes Herz um durch Deine Lieblichkeit! O heilige Jungfrau Maria! Du hast schon so viele Herzen mit Deiner Liebe entzündet, entzünde heute auch mein Herz, damit ich in der Folge nichts liebe als nur Gott und Dich! Du weißt es, daß ich alle meine Hoffnung auf Dich gesetzt habe. O meine liebe Mutter, verlassen mich nicht! Stehe mir, so lange ich lebe, durch Dein heiliges Gebet bei; aber besonders stehe mir in meiner Todesstunde bei; mache, daß ich Dich alsdann anrufe, daß ich Dich alsdann liebe, damit ich Dich die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel lieben könne! Amen. –
aus: Alphons Maria von Liguori, Die Herrlichkeiten Mariens Teil 2, 1860, S. 217 – S. 218

siehe auch: Ganz schön bis du, Meine Freundin, und keine Makel ist an Dir. (Hohel. 4, 7) – Tota pulchra es Maria

Bildquellen

  • Maria Himmelskoenigin: Bildrechte beim Autor
  • Hattler Engel Mit Namen Maria: Bildrechte beim Autor

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