Unterricht für das Fest der sieben Schmerzen Mariä

Das Martyrium der schmerzhaften Mutter Jesu: Maria sitzt auf einem steinernen Stuhl mit lateinischer Inschrift, ein Schwert ins Herz gestoßen, die Hände über der Brust gekreuzt; auf ihrem Schoß liegt einen Dornenkrone, rechts steht der Lieblingsjünger Johannes mit geneigtem Kopf; rechts gebeugt und weinend eine Frau, die ein Kreuz hält; über ihr steht ein Engel, der mit beiden Händen auf das Kreuz zeigt

Das Fest der sieben Schmerzen Mariä

Am Freitag vor dem Palmsonntag

Das Fest der sieben Schmerzen Mariä wurde im 15. Jahrhundert zur Sühne der hussitischen Bilderstürmerei und anderer Gräuel eingeführt. Maria, die mitleidende, am Erlösungswerk mitwirkende Mutter, das ist der Gedanke des Festes. Es soll uns ermuntern, mit Maria und wie sie das Leiden Jesu zu beherzigen. Das Fest der sieben Schmerzen wird es genannt, weil dasselbe nicht bloß an die Schmerzen Mariä unter dem Kreuz erinnert, sondern ihre beständige Teilnahme am Leiden Jesu von seiner Geburt bis zu seinem Kreuzestode uns vor Augen stellt. Im 13. Jahrhundert schon hatte der Servitenorden die Leiden Mariä in folgende Geheimnisse zusammen gefaßt und den Gläubigen zur Verehrung empfohlen:

1) Da ihr Sohn beschnitten worden;
2) da sie mit Ihm nach Ägypten fliehen musste;
3) da sie Ihm drei Tage zu Jerusalem verloren hatte;
4) da sie Ihn das schwere Kreuz tragen sah;
5) da sie Ihn sterbend am Kreuze erblickte;
6) da man Ihn vom Kreuze herab nahm, in ihren gebenedeiten Schoß, und
7) da man Ihn in das Grab legte.

Am dritten Sonntag im September wird das Fest der sieben Schmerzen Mariä nochmals gefeiert, um uns zu erinnern, daß Maria, die Schmerzensreiche, die Königin der Märtyrer ist, die im Himmel stets für uns bittet.

Die Heilige Messe 

Der Eingang der heiligen Messe lautet: „Bei dem Kreuze Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Salome und Maria Magdalena.“ – „Weib, siehe deinen Sohn!“ sprach Jesus; zu dem Jünger aber: Siehe, deine Mutter!“ (Joh. 19, 25 u. 27) – Ehre sei dem Vater etc.

Gebet der Kirche.

O Gott! Bei dessen Leiden gemäß der Weissagung Simeons die sanftmütigste Seele der glorwürdigen Jungfrau und Mutter Maria das Schmerzens-Schwert durchbohrte, verleihe uns gnädig, daß wir, die wir diesen Schmerz und dieses Leiden derselben feiern, durch die Fürbitte und die glorwürdigen Verdienste aller Heiligen, die in Liebe neben dem Kreuz standen, die segensreichen Früchte deines Leidens erlangen, der Du als Gott mit Gott dem Vater in Einigkeit des hl. Geistes lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.

Lesung aus dem Buch Judith, Kap. 13, V. 22-25

Der Herr hat dich gesegnet in seiner Kraft, denn durch dich hat Er unsere Feinde zunichte gemacht. Gesegnet bist du, o Tochter! Von dem Herrn, dem höchsten Gut, vor allen Weibern auf Erden. Gebenedeit sei der Herr, der Himmel und Erde erschaffen hat; denn heute hat Er deinen Namen also erhöht, daß dein Lob nimmer weichet aus dem Mund der Menschen, die der Kraft des Herrn eingedenk sein werden ewiglich. Für sie hast du nicht geschont deines Lebens, um der Bedrängnis und Trübsal deines Volkes abzuhelfen, und hast vorgebeugt dem Untergang vor dem Angesicht unseres Gottes.

Erklärung und Anwendung.

Mit Recht wendet die heilige Kirche diese Worte, welche das Volk von Bethulien zu Judith gesprochen, nachdem sie dem Holofernes das Haupt abgeschlagen und die Bethulier gerettet hatte, auf Maria, die Schmerzensmutter, an. Maria ist die wahre Judith, die durch ihre Schmerzen mitgeholfen hat, uns zu erlösen; denn Maria wußte, was sie leiden werde, als sie freiwillig Mutter des Erlösers wurde. O danken wir stets der lieben Mutter Gottes für ihre große Liebe zu uns! Nie weiche ihr Lob aus unserm Munde!

Evangelium nach dem hl. Johannes, Kap. 19, V. 25-27

In derselben Zeit standen bei dem Kreuze Jesu seine Mutter, und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den Er liebte, stehen sah, sprach Er zu seiner Mutter: Siehe da deine Mutter! Und von derselben Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Was lehrt uns dieses kurze heilige Evangelium?

1) Es offenbart uns die Größe Mariens in ihren Schmerzen. a) Maria steht unter dem Kreuze. Die Liebe hat sie hingetrieben, die Liebe aber ist stark wie der Tod. Die Liebe gibt ihr Kraft, mit ihrem göttlichen Kind unnennbare Schmerzen zu dulden. b) Maria schweigt unter dem Kreuz, sie klagt nicht, sie klagt niemanden an. Der Glaube ist ihr Licht, Christi Leiden ist ihr Gotteskraft und Gottesweisheit. c) Maria weicht nicht vom Kreuz, sie will mit Jesus das Opfer für unsere Erlösung vollenden.

2) Es fordert uns zur Nachahmung Mariens unter dem Kreuz auf. Auch wir sollen die uns von Gott auferlegten Leiden standhaft, ohne Murren und so lang, wie Gott will, ertragen, ihren Wert im Glauben erkennend.

3) Es offenbart die Liebe, die Treue und den Mut der übrigen Frauen und des Johannes, die mit Maria beim Kreuze standen. Sie wollten weder Jesum noch Maria in ihren Leiden verlassen, sondern in Liebe die Schmerzen mit ihnen teilen und bekannten sich vor den grimmigsten Feinden als Freunde und Anhänger Jesu. Wo ist unsere Liebe, unsere Treue, unser Mut, wenn es gilt, vor Feinden für Jesus und Maria einzustehen?

4) Es zeigt uns die liebende Sorge des Heilandes für seine Mutter. Das Kreuz wird hier zum Lehrstuhl, sagt der hl. Augustinus. Der Gekreuzigte lehrt durch das Wort: „Weib, siehe deinen Sohn!“ alle Kinder, wie sie für ihre betagten Eltern mit Liebe sorgen und sie verpflegen sollen.

5) Es offenbart uns die Liebe Jesu zu allen frommen Seelen, die Er in Johannes durch das Wort „Sohn, siehe deine Mutter!“ mit sich verbrüderte und denen Er Maria zur Mutter gab. Freuen wir uns, Maria zur Mutter zu haben; lieben und ehren wir sie auch als Mutter; beten wir oft die herrliche Sequenz:

Stabat Mater

Seht die Mutter voller Schmerzen,
Wie sie mit zerriss`nem Herzen
An dem Kreuz des Sohnes steht!
Wie sie traurig, seufzend ringet,
Tiefes Wehe sie durchdringet,
Durch die Seel` ein Schwert ihr geht.

Wie betrübt im stummen Leidensgefährten
Steht die Hochgebenedeite,
Des Erlösers Mutter, da!
Wie sie zittert, wie sie zaget,
Um den Eingebornen klaget,
Den so sehr sie leiden sah.

Welcher Mensch wird da nicht weinen,
Sieht er unter solchen Peinen
Dort die Mutter Jesu steh`n?
Kann sie jemand ohne Trauer,
Ohne tiefen Mitleidsschauer
Mit dem Sohne leiden seh`n?

Für die Sünden seiner Brüder
Sieht sie, ach! Wie Jesu Glieder
Schwerer geißeln Wut zerreißt;
Sieht den lieben Sohn erblassen,
Trostberaubt, von Gott verlassen,
Still ausatmen seinen Geist.

Gib, o Mutter, Quell der Liebe,
Daß ich mich it dir betrübe,
Flöße deinen Schmerz mir ein!
Laß mich liebend Ihn umfangen,
Der zum Tod für mich gegangen,
Und gefallen Ihm allein.

Drück`, o Heilige! Die Wunden,
Die dein Sohn für mich empfunden,
Tief in meine Seele ein!
Ach, das Blut, das Er vergossen,
Ist für mich dahingeflossen, –
Laß mich teilen seine Pein!

Ach, mit dir will ich die Peinen
Des Gekreuzigten beweinen
Bis zum letzten Atemzug;
Will mit dir ans Kreuz mich stellen,
Dir im Schmerz mich zugesellen,
Den dein Mutterherz ertrug.

Jungfrau aller Jungfrau`n Krone,
Laß mit dir mich deinem Sohnes
Mitleidsvolle Klagen weih`n;
Seinen Tod mit Ihm mich tragen,
Seiner Wunden, seiner Plagen
Eingedenk und teilhaft sein.

Laß mich Lieb` zum Sohn` entzünden,
Meine Freud` im Kreuze finden,
Seinen Schmerz Ihm fühlen ach!
Mich von Liebe so Erglühten
Wollst, o Jungfrau, du behüten
Einst an des Gerichtes Tag!

Gib auch, daß das Kreuz mich stütze,
Christi Tod mich mächtig schütze,
Gnad` mich stärke jederzeit.
Gilt dem Leib es einst zu sterben,
Hilf dann meiner Seel` erwerben
Paradieses Herrlichkeit!

in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 562 – S. 565

siehe auch die Andacht zu den sieben Schmerzen Mariens

Stabat mater – Vivaldi

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Bildquellen

  • Bitschnau Schmerzhafte Mutter Jesu Maria: Bildrechte beim Autor

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