Andacht zu den sieben Schmerzen Mariens

Das Martyrium der schmerzhaften Mutter Jesu: Maria sitzt auf einem steinernen Stuhl mit lateinischer Inschrift, ein Schwert ins Herz gestoßen, die Hände über der Brust gekreuzt; auf ihrem Schoß liegt einen Dornenkrone, rechts steht der Lieblingsjünger Johannes mit geneigtem Kopf; rechts gebeugt und weinend eine Frau, die ein Kreuz hält; über ihr steht ein Engel, der mit beiden Händen auf das Kreuz zeigt

Andachtsübungen zu den sieben Schmerzen Mariens

Erster und Zweiter Schmerz

Erster Schmerz

Ich habe Mitleid mit dir meine geliebte Mutter Maria, um des ersten Schmerzens-Schwertes willen, das dein Herz durchbohrte, als dir durch den heiligen Simeon alle Misshandlungen vor Augen gestellt wurden, die deinem Jesu von den Menschen widerfahren würden und die dir alle durch die heilige Schrift bekannt waren, da du sogar wußtest, daß er vor deinen Augen am Kreuz, nachdem er all sein Blut vergossen, den Geist aufgeben werde, verlassen von Allen, ohne daß du ihm helfen, ihn verteidigen konntest.

Um dieser bitteren Erinnerung willen, die so lange Jahre dein Herz betrübte, bitte ich dich, meine Königin, erflehe mir die Gnade, daß ich das Leiden Christi und deine Schmerzen im Leben und im Sterben immer in meinem Herzen trage.

1 Vater unser. 1 Gegrüßet seist Du. 1 Ehre sei dem Vater etc.

Zweiter Schmerz

Ich habe Mitleid mit dir, meine geliebte Mutter Maria, um des zweiten Schmerzens-Schwertes willen, das dein Herz durchbohrte, als du sahst, wie dein unschuldiger, neugeborener Sohn von denselben Menschen, um deren Seligkeit willen er in die Welt gekommen war, verfolgt wurde. Mitten in der Nacht musstest du damals heimlich nach Ägypten fliehen. Um all der Leiden willen, die du, o zarte Jungfrau, mit deinem vertriebenen Kindlein auf dieser langen und mühsamen Reise, durch rauhe und wüste Länder und während deines Aufenthaltes in Ägypten erduldet hast, wo du unbekannt und fremd mehrere Jahre arm und verachtet lebtest, bitte ich dich, meine geliebte Königin, erflehe mir die Gnade, geduldig und mit dir vereinigt bis zu meinem Tod alle Leiden dieses elenden Lebens zu ertragen, damit ich dereinst von den Peinen der Hölle, die ich verdient habe, befreit werde.

1 Vater unser. 1 Gegrüßet seist Du. 1 Ehre sei dem Vater etc.

Dritter Schmerz

Ich habe Mitleid mit dir, meine geliebte Mutter Maria, um des dritten Schmerzens-Schwertes willen, das dich durchbohrte, als du deinen lieben Sohn Jesus verloren hattest, da er drei Tage lang von dir getrennt in Jerusalem blieb. Gewiß fandest du damals, o meine geliebte Königin, weil du den Gegenstand aller deiner Liebe nicht mehr bei dir hattest und nicht mehr wußtest, warum er dich verlassen habe, Tag und Nacht keine Ruhe; gewiß hast du damals unausgesetzt nach Dem geseufzt, der dein höchstes Gut war. Ich bitte dich, um deiner Seufzer willen, die du während dieser drei bitteren und für dich gar zu langen Tage zu Gott gesandt hast, erflehe mir die Gnade, nie wieder meinen Gott zu verlieren, damit ich immer hier auf Erden mit Gott vereinigt lebe, und damit ich in seiner Gnade dereinst diese Welt verlassen möge.

1 Vater unser. 1 Gegrüßet seist Du. 1. Ehre sei dem Vater etc.

Vierter Schmerz

Ich habe Mitleid mit dir, meine geliebte Mutter Maria, um des vierten Schmerzens-Schwertes willen, das dich durchbohrte, als du deinen Jesus zum Ode verurteilt, mit Stricken und Ketten gebunden, mit Blut und Wunden bedeckt, mit Dornen gekrönt, auf dem Wege unter dem schweren Kreuz, das er auf seinen verwundeten Schultern trug, fallen sahst, als er wie ein unschuldiges Lamm aus Liebe für uns Zum Tode ging. Damals saht ihr einander an, und eure Blicke wurden eben so viele schmerzliche Pfeile, mit denen eure, von Liebe zu einander entzündeten Herzen verwundet wurden. Um dieses großen Schmerzes willen bitte ich dich, mir die Gnade zu erflehen, daß ich immer ergeben in den Willen meines Gottes lebe und daß ich immer freudig, mit Jesu vereinigt, mein Kreuz bis zu meinem letzten Atemzug trage.

1 Vater unser. 1 Gegrüßet seist Du. 1 Ehre sei dem Vater etc.

Fünfter Schmerz

Ich habe Mitleid mit dir, meine geliebte Mutter Maria, um des fünften Schmerzens-Schwertes willen, das dich durchbohrte, als du auf dem Kalvarienberg vor deinen Augen deinen geliebten Sohn Jesus unter so furchtbaren Schmerzen von den Menschen verhöhnt, nach und nach auf dem rauen Kreuzbett sterben sahst, ohne daß du ihm auch nur die geringste Erleichterung verschaffen konntest, die man selbst dem größten Verbrecher in der Todesstunde nicht versagen würde. Um der Todesangst willen, die du damals, geliebte Mutter, mit deinem sterbenden Sohn ausstandest, um der Traurigkeit willen, die du empfandest, als Jesus zum letzten Mal vom Kreuz herab mit dir sprach und Abschied von dir nahm und mit dem heiligen Johannes uns alle dir als deine Kinder übergab, und um der furchtbaren Schmerzen willen, die du erdulden musstest, als du ihn sein Haupt neigen und und den Geist aufgeben sahst, bitte ich dich, erbitte mir von deiner gekreuzigten Liebe die Gnade, daß auch ich abgestorben sei allen Dingen dieser Welt und daß ich mein ganzes Leben hindurch nur für Gott lebe und auf solche Weise dereinst dahin gelange, ihn von Angesicht zu Angesicht im Himmel zu schauen.

1 Vater unser. 1 Gegrüßet seist Du. 1 Ehre sei dem Vater etc.

Sechster Schmerz

Ich habe Mitleid mit dir, meine geliebte Mutter Maria, um des sechsten Schmerzens-Schwertes willen, das dich durchbohrte, als man das süße Herz deines toten Sohnes durchstach, der schon für jene Undankbaren gestorben war, die auch nach seinem Tode nicht müde wurden, ihn zu mißhandeln. Um dieses heftigen Schmerzes willen bitte ich dich, du wollest mir die Gnade erflehen, daß ich immer in dem für mich durchbohrten und geöffneten Herzen Jesu wohne – in diesem Herzen, das jene Liebeskammer ist, in der alle Seelen, die Gott lieben, ihre Ruhe finden, damit ich daselbst, so lange ich lebe, an nichts Anderes denke und nichts Anderes liebe, als Gott allein. O allerseligste Jungfrau Maria! Du kannst dies bewirken, von dir hoffe ich es.

1 Vater unser. 1 Gegrüßet seist Du. 1 Ehre sei dem Vater etc.

Siebenter Schmerz

Ich habe Mitleid mit dir, meine geliebte Mutter Maria, um des siebenten Schmerzens-Schwertes willen, das dich durchbohrte, als du deinen toten Sohn in deinen Armen hieltest, nein, er ist blutig, seine heiliger Leib ist ganz zerrissen von den Geißelschlägen, und man kann sogar seine Gebeine durch die Wunden erkennen. O mein geliebter Sohn! – sagtest du damals – mein geliebter Sohn, wozu hat deine Liebe dich gebracht! Und als man ihn ins Grab trug, da wolltest du ihn begleiten und ihn mit deinen eigenen Händen im Grab zurecht legen, um, nachdem du zum letzten Mal Abschied von ihm genommen, dein liebendes Herz dort zu lassen. Um all dieser furchtbaren Leiden willen, die deine heilige Seele erdulden musste, erflehe mir, Mutter der schönen Liebe, die Verzeihung aller Beleidigungen, die ich meinem mich so innig liebenden Gott zugefügt habe, und die ich von ganzem Herzen bereue. Stehe mir bei, o Maria, in allen Versuchungen, stehe mir bei in meiner Todesstunde, damit ich durch die Verdienste Jesu und die deinigen selig werde und eines Tages mit deinem Beistand, nach dieser elenden Verbannung auf Erden, im Himmel Jesu und dein Lob die ganze Ewigkeit hindurch verkündigen könne.

1 Vater unse.r 1 Gegrüßet seist Du. 1 Ehre sei dem Vater etc.

Bitte für uns, o schmerzhafte Mutter Maria!
Damit wir teilhaftig werden der Verheißungen Christi.

Kirchengebet.
O Gott, bei dessen Leiden, nach der Weissagung Simeons, die süßeste Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Maria ein Schmerzens-Schwert durchdrang, verleihe gnädiglich, daß wir, die wir mit Verehrung ihrer Schmerzen gedenken, der glücklichen Wirkungen deines Leidens teilhaftig werden. Der du lebst etc. Amen.

aus: Vollständiges Betrachtungs- und Gebetbuch von dem heiligen Alphons Maria von Liguori, 1902

Bildquellen

  • Bitschnau Schmerzhafte Mutter Jesu Maria: Bildrechte beim Autor

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