Unterricht für das Fest des hl Joseph

Der heilige Joseph sitzt auf einem Thron, das Jesuskind steht links und wird vom heiligen Joseph gehalten, in der Hand hält er einen Lilienzweig; vor ihnen knien rechts ein Mann in päpstlicher Kleidung und links ein Priester

Unterricht für das Fest des heiligen Nährvaters Joseph

19. März

Was wir vom hl. Joseph wissen

Der hl. Joseph stammte aus dem königlichen Geschlecht Davids und war mit der seligsten Jungfrau Maria verwandt. (Matth. 1, 1-16) Das Evangelium gibt ihm das Zeugnis, daß er gerecht (Matth. 1, 19), d. i. ein durch alle Tugenden ausgezeichneter Mann war. Und gewiß, da er von Gott vor allen Menschen erwählt wurde, der Nährvater seines Sohnes zu sein, so mag er wohl an Verdiensten und Heiligkeit alle damaligen heiligen Männer übertroffen haben. Von seiner Jugend ist uns nichts Gewisses bekannt. Von seiner weiteren Lebensgeschichte aber wissen wir nur so viel, als uns die Evangelisten erzählen. Er war ein Zimmermann (Matth. 13,55) und wohnte zu Nazareth in Galiläa. (Luk. 2, 4) Mit Maria vermählt, wollte er sie, als er das Geheimnis der Menschwerdung erkannte, heimlich verlassen, um sie nicht in üblen Ruf zu bringen (Matth. 1, 19); nahm sie aber, von einem Engel belehrt, zu sich, jedoch ohne ihr beizuwohnen (Matth. 1, 25), begab sich später, dem Befehl der weltlichen Obrigkeit gehorsam, mit ihr nach Bethlehem (Luk. 2), floh mit Maria und dem neu geborenen Kind ohne Zagen nach Ägypten (Matth. 2, 14), kehrte von da auf Befehl des Engels zurück und ließ sich wieder in Nazareth nieder. (Matth. 2, 19ff) Von hier aus gingen Joseph und Maria jährlich zum Fest nach Jerusalem hinauf, wobei es sich ereignete, daß der zwölfjährige Knabe Jesus im Tempel zurück blieb und von ihnen ängstlich gesucht wurde. Weiter wird uns nichts gemeldet. Zur Zeit der Hochzeit von Kana scheint er nicht mehr gelebt zu haben, da seiner keine Erwähnung geschieht. Man nimmt gewöhnlich an, daß der hl. Joseph, noch bevor Jesus sein Predigtamt antrat, in der Gegenwart Jesu und Mariä eines seligen Todes gestorben sei. –

Um seiner Heiligkeit willen hat ihn Gott besonders durch Wunder ausgezeichnet und verehrt ihn die Kirche auf besondere Weise. Schon am 10. September 1847 hatte Papst Pius IX. für die ganze Christenheit das Schutzfest des hl. Joseph eingesetzt und angeordnet, daß dasselbe jährlich am dritten Sonntag nach Ostern gefeiert werde. Am 8. Dezember 1870 aber erklärte derselbe Papst den hl. Joseph zum Schutzpatron der ganzen katholischen Kirche und verordnete, daß sein Fest am 19. März dem Rang nach den höchsten Feiertagen gleich gehalten werde. Trotzdem wurde leider dieses Fest in einigen Diözesen als Feiertag aufgehoben. (siehe den Beitrag: Heiliger Joseph und Papst Pius IX.)

Die heilige Messe

Eingang der heiligen Messe: „Der Gerechte sproßt wie eine Palme, und wie ein Zeder des Libanon wächst er. Die gepflanzt sind im Hause des Herrn, erblühen in den Vorhöfen des Hauses unseres Gottes. (Ps. 91, 13 u. 14) Gut ist es, den Herrn preisen und lobsinge deinen Namen, o Allerhöchster!“ (Ps. 91, 2) – Ehre sei dem Vater etc.

Gebet der Kirche.
Wir bitten Dich, o Herr! Laß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner allerseligsten Gebärerin geholfen werden, damit was unser Vermögen nicht erlangen kann, durch seine Fürbitte uns geschenkt werde, der Du lebst und regierst etc. Amen.

Lesung aus dem Buch Ecclesiasticus. Kap. 45, Vers 1-6.

Er ward von Gott und den Menschen geleibt, sein Andenken ist im Segen. Der Herr hat ihn wie die Heiligen verherrlicht, ihn groß gemacht zum Schrecken der Feinde und ließ auf sein Wort die ungeheuren Plagen aufhören. Er verherrlichte ihn vor Königen, gab ihm Befehle an sein Volk und zeigte ihm seine Herrlichkeit. Um seiner Treue und Sanftmut willen heiligte Er ihn und erwählte ihn vor allen Menschen. Er ließ ihn von sich hören und seine Stimme vernehmen und führte ihn in die Wolke. Er gab ihm in seiner Gegenwart die Gebote, das Gesetz des Lebens und der Zucht.

Erklärung und Anwendung.
Was die heilige Schrift hier von Moses sagt, gilt auf vorzügliche Weise von dem hl. Joseph. Daß der hl. Joseph von Gott sehr geliebt ward, zeigt seine Auserwählung zum Nährvater Jesu; deshalb ist auch sein Andenken bei allen wahren Christen gesegnet und gepriesen. Seine Reinigkeit, Treue und Liebe haben ihn zu einem sehr großen heiligen gemacht. Gott „Führte ihn in die Wolke“, indem Er ihm das den übrigen Menschen verborgene Geheimnis der Menschwerdung seines Eingeborenen offenbarte und ihn nach seinem Tode in den Himmel aufnahm, wo er nun Gott von Angesicht zu Angesicht schaut, ein viel vermögender Fürbitter für die Menschen ist und darum unser volles Vertrauen verdient.

Evangelium nach dem hl. Matthäus. Kap. 1, Vers 18-21.

Als Maria, die Mutter Jesu, mit Joseph vermählt war, fand es sich, ehe sie zusammen kamen, daß sie empfangen hatte vom hl. Geist. Weil nun Joseph, ihr Mann, gerecht war und sie nicht in üblen Ruf bringen wollte, gedachte er, sie heimlich zu verlassen. Als er aber mit diesem Gedanken umging, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Schlaf und sprach: Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen; denn was in ihr erzeugt worden ist, das ist vom hl. Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn Er wird sein Volk erlösen von dessen Sünden.

Warum ist die allerseligste Jungfrau dem hl. Joseph vermählt worden?

Dies ist auf göttliche Anordnung geschehen, die alles auf liebliche Weise zum Ziel führt. Der hl. Hieronymus führt folgende Ursachen an:

1) Damit durch das Geschlecht der hl. Joseph, der von David abstammte, auch die Abstammung Mariens und Christi aus dem Geschlecht Davids bewiesen würde, da man im alten Bund nicht aus seinem Geschlecht hinaus heiraten durfte, wenn keine männlichen Erben vorhanden waren; (siehe den Beitrag: Das Buch der Abstammung Jesu Christi)

2) damit Maria nicht gesteinigt würde, was der Fall gewesen wäre, wenn sie außer der Ehe geboren hätte; und damit Christus nicht als ein uneheliches Kind angesehen und deshalb verschmäht und verworfen würde; (siehe den Beitrag: Die Verlobung Unserer Lieben Frau mit Joseph)

3) damit Maria mit dem Kinde an ihm einen kräftigen Beistand hätte, namentlich zur Zeit, da sie mit Jesus nach Ägypten fliehen musste; und

4) damit dem Teufel das Geheimnis der Menschwerdung verborgen bliebe, wie der hl. Märtyrer Ignatius sagt.

Was bedeutet das Wort „gerecht“?

Daß der hl. Joseph Gott wohlgefällig und mit allen Tugenden geziert gewesen sei. Das Wort „gerecht“ enthält das höchste Lob des hl. Joseph.

Warum hat Joseph Maria heimlich verlassen wollen?

Weil er, von den göttlichen Geheimnissen noch nicht unterrichtet, als ein gerechter Mann den gerechtesten Weg einschlagen wollte; er wollte seine Gerechtigkeit durch Verheiratung mit einer allfällig entehrten Person nicht verletzen; aber auch, da er den Hergang nicht wußte, die Liebe nicht, die ohne genaue Kenntnis der Sache nicht urteilt, noch dem Argwohn sich hingibt, sondern schonend handelt. – Lerne von ihm gerecht sein und wahre Liebe üben!

Warum hat ihm aber Maria das Geheimnis nicht selbst geoffenbart?

Aus Demut, vermöge welcher sie lieber den üblen Argwohn auf sich ruhen lassen wollte, als die großen Gnaden, die ihr Gott erwiesen, offenbaren. Überdies musste sie erwarten, daß Gott sich selbst ihrer annehmen und ihre Unschuld bekannt machen werde. – Welche Beschämung für jene, die ihre guten Werke so gerne aller Welt ausposaunen und bei der geringsten Antastung ihrer Ehre fast verzweifeln wollen!

Gebet zum hl. Joseph.
O keuschester Joseph! Der du durch deine Keuschheit und andere hohe Tugenden würdig geworden bist, zum Bräutigam Mariä und zum Nährvater Jesu Christi auserwählt zu werden, ich bitte dich um der großen Gnaden willen, die dir zu teil geworden, du wollest durch deine Fürbitte allen Eltern die Gnade erflehen, ihre Kinder gottselig zu erziehen; allen bedrängten und betrübten Eheleuten Trost und Ermunterung in Armut und Widerwärtigkeiten; allen Unverheirateten, die ihre Keuschheit Gott angelobt haben, die Gnade der Beharrlichkeit, und endlich allen Sterbenden die Gnade, nach einem seligen Tode zu deinem Pflegekind Jesus Christus zu gelangen, der mit dem Vater und dem hl. Geist als gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 549 – S. 552

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