Unterricht für den Gedächtnistag Allerseelen

Ein von Ornamenten und Girlanden umranktes Bild von Jesus am Kreuz, an Seiner linken Seite eine Heilige mit einem Turm, auf der rechten Seite ein heiliger Mann; umgeben sind alle von jeweils einem Engel, der die Seelen der Verstorbenen aus dem Fegefeuer holt

 Unterricht für Allerseelen

(2. November)

Was ist der Allerseelentag?

Feierte die Kirche gestern das Andenken aller Heiligen, so ist der Allerseelentag der Tag des jährlichen Gedächtnisses aller in der Gnade und Freundschaft Gottes abgeschiedenen Seelen, welche noch im Fegefeuer aufgehalten werden.

Warum wird das Gedächtnis aller Seelen gleich nach dem Fest aller Heiligen begangen?

Um anzudeuten, daß die triumphierende Kirche mit der leidenden wie mit der streitenden in engster Verbindung stehe.

Wann und wie ist das jährliche Gedächtnis der Verstorbenen eingeführt worden?

Die Zeit der ersten Einführung dieses Gedächtnisses kann nicht bestimmt werden; denn es meldet schon Tertullian, daß die Christen seiner Zeit ein jährliches Gedächtnis der Verstorbenen gehalten haben. Gegen Ende des zehnten Jahrhunderts (998) hat der hl. Odilo, Abt der Benediktiner zu Cluny, dieses Fest jährlich am 2. November in allen Klöstern seines Ordens zu halten befohlen, welcher Gebrauch später vom Papst Johann XVI. auf die ganze Christenheit ausgedehnt worden ist.

Mit welchen Zeremonien feiert die Kirche dieses Gedächtnis?

Am Vorabend wird die Vesper für die Abgestorbenen gebetet und gewöhnlich eine Prozession zu den Gräbern der Verstorbenen gehalten; ferner werden die kirchlichen Gebete für die Verstorbenen verrichtet. Am Tage selbst wird in schwarzem Messgewand und vor schwarz verhülltem Altar die Totenmesse gelesen, nachher das „Libera“ gesungen und sodann eine Prozession zu den Gräbern gehalten. Der Altar und der priesterliche Schmuck deuten auf Trauer hin, die Gesänge „Libera“ und „Dies irae“ erinnern an Tod und Gericht und die dabei stattfindende Rechenschaft von unserem Leben. Das schwarze, mit einem weißen Kreuz gezeichnete, auf dem Boden zwischen Wachslichtern ausgebreitete Tuch stellt den Friedhof vor. Da steht nun der Priester, betet und ermahnt die Umstehenden zum Gebet um Gnade und Erbarmung, um Befreiung aus den Qualen, um Gewährung ewiger Ruhe. Die Lichter deuten auf den Glauben der Verstorbenen, sowie auf die Zuversicht der Betenden. Das Weihwasser und Rauchwerk deutet den Wunsch an, daß das Gebet der Gläubigen Gott wohl gefallen möge.

Wie soll man dieses Gedächtnis begehen?

1) Du sollst ernstlich an Tod und Gericht denken und so zu leben trachten, daß du die Peinen des Fegefeuers nicht zu fühlen bekommst.

2) Du sollst eifrig mit der Kirche für die Abgestorbenen beten, wenn es die Umstände erlauben, die heilige Messe darbringen lassen für die armen Seelen, fasten, Almosen geben oder die heilige Kommunion und heilige Ablässe aufopfern.

3) Es ist löblich, wenn man nicht bloß diesen Tag, sondern eine ganze Oktav, ja den ganzen Monat November den armen Seelen widmet.

4) Eine schöne Sitte ist es, wenn Kinder die Gräber ihrer Eltern mit Blumen schmücken, doch tröstlicher wird es für die Verstorbenen sein, wenn sie diese Gräber mit frommen Gebeten und Tugenden zieren und mit Bußtränen begießen. –
aus: Leonhard Goffine, Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 686 – S. 687

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