Unterricht für das Fest Bekehrung des hl Paulus

In den Wolken erscheint Christus dem Saulus, der vom Pferd auf den Boden fällt, da das Pferd quasi scheut; die Soldaten als seine Begleiter fallen ebenfalls zu Boden, halten sich die Ohren zu, bedecken ihren Kopf und sind voll Angst

Unterricht für das Fest Bekehrung des hl. Apostels Paulus

Dieser Tag wird so genannt, weil an demselben der hl. Paulus sich zum Glauben an Jesus Christus bekehrt hat. Die Geschichte dieser Bekehrung erzählt die Epistel ausführlich:

Apostelgeschichte Kap. 9, Vers 1-22

siehe dort

Was lehrt uns diese Bekehrung des hl. Paulus?

1) Daß man an dem Heil keines Sünders verzweifeln, keinen verachten solle. Denn der größte Sünder kann sich durch die Gnade Gottes augenblicklich bekehren und heilig werden, wie Paulus auf dem Weg nach Damaskus;

2) daß man fleißig für die Sünder beten solle, wie der hl. Stephanus für Saulus gebetet hat. Für die Bekehrung der Sünder beten heißt, das Leiden Christi an ihnen fruchtbar machen. Wie angenehm ist solches Gott, und wie nützlich dem Menschen! „Wer einen Sünder“, sagt der hl. Jakobus (Jak. 5,20), „von seinem Irrweg zurück führt, wird dessen Seele vom Tod erretten und die Menge der Sünden bedecken“;

3) wie auch unsere Bekehrung beschaffen sein soll, um eine wahre zu sein. Paulus wurde bei seiner Bekehrung am Leibe blind, im Gemüt aber so erleuchtet, daß er sogleich ausrief: „Herr, was willst du, daß ich tun soll?“ Er nahm dann auf Befehl Gottes den Ananias zum Führer auf dem Weg des Heiles an und war gerade so eifrig für die Ehre Christi, als zuvor eifrig in dessen Verfolgung gewesen. Ebenso muss ein Bekehrter für alles, was ihn bisher verführt hat, die Augen verschließen und nur auf das acht haben, was Gott von ihm verlangt; er muss sich ferner einem erfahrenen geistlichen Führer anvertrauen und ihm in allem folgen; er muss endlich der Ehre Gottes und der Tugend ebenso eifrig zugetan sein, als er vorher dem Teufel, dem Fleisch, der Welt und allem Bösen zugetan war, und von diesem neuen Weg weder durch Spott, noch durch Verfolgung sich mehr abbringen lassen.

Gebet zum hl. Paulus.
O du auserwähltes Gefäß, hl. Paulus, du hast, nachdem du den Willen Gottes erkannt, den Namen unseres Herrn Jesus Christus zu den Heiden und Königen getragen; ich bitte dich durch deine wunderbare Bekehrung, deine strenge Buße und dein eifriges Predigen, du wollest mir von Gott die Gnade erlangen, daß ich mich ernstlich bemühe, den Willen Gottes zu erkennen und demselben gern zu folgen. Bitte auch für mich, daß ich nach deinem Beispiel so eifrig die Gerechtigkeit übe, wie ich zuvor die Sünde begangen habe. Amen.

Evangelium nach dem hl. Matthäus Kap. 19, Vers 27-29

In jener Zeit sagte Petrus zu Jesus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt; was wird uns wohl dafür werden? Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich sage Ich euch, ihr, die ihr Mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen wird, auch auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Und wer immer sein Haus, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Äcker um Meinetwillen verläßt, der wird Hundertfältiges dafür erhalten und das ewige Leben besitzen.

Welche Lehren gibt uns dieses heilige Evangelium?

Daß auch wir mit den hl. Aposteln „alles verlassen“ sollen; nicht zwar im buchstäblichen Sinne – dieses ist nur ein evangelischer Rat – sondern dem Geist nach, dadurch, daß wir an den Gütern, die wir besitzen, nicht mit dem Herzen hängen, vielmehr sie nach Jesu Geist und zu seiner Ehre verwenden, und wenn wir keine Güter besitzen, den Mangel derselben aus Liebe zu Jesus geduldig ertragen. „Das Gemüt muss man beachten, nicht das Besitztum“, sagt der hl. Gregor; „vieles verläßt, wer sich nichts vorbehält, vieles, wer auch das Verlangen nach Hab und Gut überwindet.“ 2) Daß wir mit Petrus nicht nur geistig alles verlassen, sondern auch Christo nachfolgen sollen. Nachfolge fordert Christus vom reichen Jüngling. Deshalb schreibt der hl. Hieronymus: „Es ist nicht genug, alles zu verlassen, sondern man muss auch dem Herrn nachfolgen“ (d. h. leben, wie Er gelebt hat). Willst du Jesu Jünger sein? Wohlan, so folge Ihm in seinem Leben nach!

Was ist hier unter der „Wiedergeburt“ zu verstehen?

Die Wiedergeburt des Leibes durch die Vereinigung mit der Seele bei der allgemeinen Auferstehung und dem Gericht.

Was bedeuten die Worte: „Ihr werdet auf zwölf Thronen sitzen und die Stämme Israels richten“?

Das will, wie der hl. Bernhard sagt, bedeuten, daß, da die Zahl zwölf in der heiligen Schrift oft eine Allgemeinheit ausdrückt, alle, welche nach dem Beispiel der Apostel alles verlassen haben und Christo nachgefolgt sind, als Richter mit Ihm kommen werden; denn die Apostel und ihre Nachfolger werden beim letzten Gericht in richterlicher Hoheit und Würde erscheinen und jene richten, die das Evangelium von sich gestoßen haben.

Welchen Lohn erhalten jene, die um Jesu willen alles verlassen?

„Hundertfältige Frucht und das ewige Leben.“ Darunter versteht der hl. Hieronymus die geistlichen Güter, die Gnade Gottes, die Tugenden, den innerlichen Trost und die ewige Seligkeit, welche hundertmal, d.i. unendlich schätzbarer sind als alle zeitlichen Güter. O wie wenig ist das, was man Gott zuliebe verläßt, und was der Tod doch einmal rauben wird, im Vergleich mit jenen Gütern, die Gott in diesem und jenem Leben dafür erteilt! „Was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat, und was in keines Menschen Herz gekommen ist, hat Gott denen bereitet, die Ihn lieben.“ (1.Kor. 2,9) –
aus: Leonhard Goffine, Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 531 –  S. 534

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