Heiliger Gaudentius Bischof von Brescia

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

25. Oktober

Der heilige Gaudentius Bischof von Brescia

(Der Reichtum)

Dieser Heilige erzählt in seinen hinterlassenen Schriften, daß er eine Reise in das Morgenland gemacht und bei dieser Gelegenheit in Cäsarea zwei Nichten des hl. Basilius des Großen angetroffen habe. Diese waren Vorsteherinnen eines Klosters; ihr Oheim hatte ihnen aber Asche von den 40 Märtyrern hinterlassen, welche sie als kostbaren Schatz mit vieler Verehrung aufbewahrten. Sie fehlten fortwährend zu Gott, er möge ihnen Jemanden zuführen, welcher würdig wäre, eine so kostbare Erbschaft zu übernehmen, und welcher in gleicher Weise die Überreste der Märtyrer in Ehren halten würde. Ihr Gebet wurde erhört, indem Gaudentius von selbst sie bat, daß sie ihm auch von der heiligen Asche gäben. Im Vertrauen, daß er sie mit aller Sorgfalt und Verehrung bewahren werde, übergaben sie ihm dieselbe. Gaudentius entsprach auch diesem Vertrauen, und verehrte jene Heiligen mit großer Ergebenheit, und sagte selbst, daß er ihnen große Gnaden zu verdanken habe. Er nahm ihre Reliquien mit sich nach Jerusalem, was das Ziel seiner Reise war.

Während nun Gaudentius im Morgenland war, starb der Bischof von Brescia in Italien; es war der hl. Philaster gewesen. Man glaubte nun in Brescia, es könne Niemand den Verlust dieses heiligen Mannes ersetzen außer Gaudentius, und so wurde er gewählt, obschon er weit entfernt war und verhältnismäßig auch noch jung. Es wurden Abgeordnete an Gaudentius geschickt und der hl. Ambrosius, welcher damals Erzbischof in Mailand war, schrieb ihm einen so dringenden Brief, daß er ungeachtet seiner großen Scheu von der bischöflichen Würde doch nicht mehr ausweichen konnte. Die Wähler hatten nämlich sogar einen Eid geschworen, daß sie durchaus und auf keinen Fall einen andern wählen würden und eher ohne Bischof blieben, wenn es Gaudentius nicht annähme; und die Bischöfe im Morgenland hatten ihm gedroht, daß sie ihn exkommunizieren würden, wenn er länger sich weigere die Wahl anzunehmen.

In seiner großen Demut hatte Gaudentius gefürchtet, daß er dem Wort Gottes durch die Schwachheit seiner eigenen Worte Abtrag tue und daß er der Erwartung nicht entsprechen könne, die man von ihm habe; und nur im Gehorsam gegen den hl. Ambrosius und andere Bischöfe hatte er sich gefügt.

Dieselbe Demut zeigte er auch als Bischof. Man konnte von ihm seine Predigten nicht geschrieben bekommen; deshalb schrieben Mehrere in der Kirche auf, was und während er predigte. Er sah aber solches nicht gern und sagte, jene Leute geben sich viele Mühe um nichts. Dennoch kam der hl. Bischof in den Fall, wo die Liebe ihn nötigte, die bisher geübte Art von Demut bei Seite zu setzen. Ein Edelmann, Benevolus mit Namen, hatte sich lieber von seinem hohen Amt absetzen lassen, als daß er eine der Kirche schädliche Anordnung der Kaiserin Justina vollführt hätte. Dieser fromme Herr konnte schon ein ganzes Jahr wegen Kränklichkeit die Kirche nicht besuchen, und es kümmerte ihn schwer, daß er die Predigten, welche Gaudentius in der Osterwoche gehalten, nicht hören konnte; deshalb ließ er dem hl. Bischof keine Ruhe, bis er ihm seine Predigten geschrieben gab. Diese Predigten sind nun noch vorhanden.; denselben geht gleichsam als Vorrede ein Brief voraus, womit der hl.Gaudentius die Predigten an Benevolus übersandte. Ich will nun Einiges aus diesem Brief hier mitteilen, weil es auch jedem wahren Christen in Krankheit und Leiden als Trost dienen mag:

„Die Natur des menschlichen Körpers unterliegt ohne Ausnahme bei einem Jeden verschiedenen Krankhaftigkeiten, seitdem die Verurteilung der Sterblichkeit über sie ausgesprochen worden: „Du bist Erde und wirst in Erde zurück kehren.“ Obgleich wir aber sämtlich uns als Sünder bekennen müssen, so darf dennoch nicht Verdienst oder Schuld eines Menschen berechnet werden nach dem Grad der Stärke oder der Schwachheit des Leibes: denn oft genießen Götzendiener der Gesundheit und Güter dieser Welt, während die Diener Gottes von Krankheit und andern Mühsalen geplagt werden So lesen wir, daß der gottlose Abimelech geherrscht habe, und der heilige Abraham heimatlos in der Fremde sich herum treiben musste, daß der fromme Jakob der Knecht des Götzendieners Laban gewesen sei, und der gerechte Moses unter der Regierung des gottlosen Pharao sich verbergen habe müssen im Lande Madian, und daß der wunderbare Elias, verfolgt von der Königin Jezabel, sich in die Einsamkeit geflüchtet habe. Im neuen Testament aber wird der größte aller Propheten, Johannes, nach langem Elend in Kerker und Ketten enthauptet; sein Mörder aber, der ruchlose Herodes, liegt beim Gastmahl in Gesellschaft der Vornehmsten von Galiläa nicht nur vom Wein trunken, sondern auch vom Blut des Täufers selbst. Welchen Ausgang aber diese Geduld Gottes endlich nehme, lehrt der Heiland selbst in dem Evangelium vom reichen Prasser: Es geschah aber, daß der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde; der Reiche aber kam nach dem Tod in die höllischen Strafen, wo er vergeblich seinen Durst zu löschen wünschte an dem ins Wasser getauchten Finger jenes Armen. In eine solche Strafe wandelt sich das Glück der Gottlosen, und zu solcher Glückseligkeit führt die Trübsal der Gerechten. Daher rühmt sich der hl. Apostel in seinen Nöten und sagt: „Wenn ich bedrängt bin, dann bin ich stark.“ Daß auch der hl. Timotheus an beständigen Unpäßlichkeiten gelitten habe, schreibt derselbe Paulus in dem Brief an jenen: „Trinke nicht mehr Wasser, sondern nimm etwas Wein, wegen deines Magens und häufiger Kränklichkeit.“ Nun möchte vielleicht mancher Reiche sagen: „Also hat Gott den Reichtum in böser Absicht gegeben, wenn er deswegen den Reichen peinigt?“ Nicht in böser Absicht, sondern wohlwollend hat Gott dich reich gemacht, damit du durch Werke der Barmherzigkeit eine Arznei für die Wunden deiner Sünden bereitest. Jener wird nicht gepeinigt, weil er reich war, sondern weil der arme Lazarus hungerte, während jener sich bei der Tafel wohl sein ließ. Übrigens war auch der heilige Abraham reich, aber zugleich ein Hort der Fremden und Dürftigen. Auch der heilige Job hatte ein fürstentum in Arabien, aber keine Witwe, kein Armer ging leer aus seinem Haus fort. Da Job im Elend war, warf ihm das Weib seine Werke der Barmherzigkeit vor, als seien sie umsonst gewesen. O giftige Schlauheit der grausamen Schlange! Da sie den Diener Gottes von den guten Werken nicht abwendig machen kann, will sie die Frucht der Barmherzigkeit durch Reue darüber zu Grund richten. Es mögen deshalb die Reichen sich das schreckliche Beispiel ihres unbarmherzigen Genossen zu Herzen nehmen, und Almosen geben reichlich, oft und gern. „Denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Sie mögen ihre Güter den Dürftigen verteilen und sich dadurch Schätze im Himmel erwerben, die kein Rost und keine Motte verzehrt, und keine Diebe ausgraben und stehlen, damit sie beim Scheiden von dieser Welt den Trost finden können im Schoß jenes wahrhaft reichen Abraham.“

Der hl. Gaudentius erbaute eine Kirche, worin er die Reliquien der 40 Märtyrer beisetzen ließ. Bei der Einweihung waren viele Bischöfe gegenwärtig und Gaudentius hielt jenen Blutzeugen eine Lobrede. Auch hielt er jedes Jahr den Gedächtnistag seines Vorgängers, des hl. Philasterius, und predigte dabei über die Tugenden desselben; so sehr war er von Liebe und Verehrung für den hl. Bischof erfüllt. Als der hl. Chrysostomus verfolgt wurde, nahm sich der hl. Gaudentius auf das eifrigste um ihn an. Da derselbe in der Angelegenheit des verfolgten Heiligen in das Morgenland reiste, wurde er selbst von der herrschenden Partei auf der Reise gewaltsam nach Thrazien geführt und ins Gefängnis geworden. Als alle Versprechungen und Drohungen, womit man den hl. Gaudentius auf die ungerechte Seite ziehen wollte, vergeblich waren, ließ man ihn wieder aus dem Gefängnis, nötigte ihn aber wieder nach Hause zurück zu kehren. Ich will die Erzählung seines Lebens schließen mit dem Brief, welchen der hl. Chrysostomus an ihn schrieb: „Wir wissen Alles, was du getan hast, und kennen, wie wenn wir selbst gegenwärtig gewesen wären, den Eifer, die Nachtwachen, die Sorgen, die Mühsale, die Arbeiten, welche du aufgeboten hast für die Wahrheit. Wir sind dir dafür äußerst verbunden, und es hat uns nicht wenig erquickt in der so entlegenen Einöde, wohin man uns verbannt hat. Wir sehen, daß du nichts von jenem Eifer verloren hast, den wir früher an dir bewundert haben. Fahre so fort; du weißt, um wie vieler Kirchen Wohl es sich in dieser Angelegenheit handelt, und wie groß das Verdienst ist, hierfür tätig zu sein. Die so kurzen Mühen, welche du für diese Sache zu tragen hast, werden dir nach dem Kampf eine ewige Belohnung im Himmel bereiten.“.-
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 145 – S. 148

Category: Bischöfe, Stolz
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