Selbstaussagen Jesu bezüglich Seiner Gottheit

III. Die Selbstaussagen Jesu bezüglich Seiner Gottheit

Was ist von den Selbstaussagen Jesu zu halten in Bezug auf Seine Gottheit? Er setzt Sich in Seinen Aussagen identisch mit Gott, das ist gar nicht zu bezweifeln. Seine Aussagen allein aber genügen uns nicht, wenn nicht Sein ganzes Leben und Reden und Wirken hinzu genommen wird. Dann aber, wenn wir die ganze Persönlichkeit Christi, Sein Lehren und Leben und Sterben und Wirken vor uns haben, gewinnt jede Seiner Aussagen ein unglaubliches Gewicht.

Christus sagt von Sich aus

daß Er der Weg, die Wahrheit und das Leben sei (Joh. 14,6);
daß Er die Macht habe, Sünden zu vergeben, eine Macht, die nur Gott allein zustehen kann (Joh. 15,13);
daß Er allein Meister und Lehrer sei (Joh. 15,13);
daß niemand zum Vater komme außer durch Ihn (Joh. 14,6);
daß Er der Menschensohn sei.

Das sind indirekte Aussagen über Seine Gottheit. Klar und eindeutig und direkt spricht Er es aus mit den Worten, die Er dem Petrus erwidert auf sein Bekenntnis: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“. Christus lehnt Petri Worte nicht aber, sondern Er bekräftigt und bejaht sie: „Nicht Fleisch und Blut hat dir das geoffenbart, sondern Mein Vater, Der im Himmel ist.“ (Mt. 16,16-17)

Auf die Frage des Hohenpriesters beim Verhör vor dem Synedrium: „Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott: Sag uns: Bist Du der Christus, der Sohn Gottes“, antwortet Er ohne Zögern und ganz kategorisch: „Ich bin es.“ (Mt. 26,63-64)

Die Juden sehen in diesem Bekenntnis eine Gotteslästerung und fällen das Todesurteil über Ihn.
Alle Aussagen Christi über Sich Selbst, Seine Herkunft und Seine Person gipfeln in den beiden Worten:

„Wer Mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen“ (Joh 14,9) und
„Ich und der Vater sind eins“ (Joh. 10,30).

Wenn wir diese und andere Aussagen Jesu auf uns wirken lassen, dann kommen wir zu folgendem Schluß:
Entweder haben wir es hier mit einem Narren zu tun oder aber mit Gott Selbst!
Das Erstere hat noch niemand zu behaupten gewagt, also stimmen wir dem Zweiten zu.

Die These von der Gottheit Christi findet eine ganz gewaltige Stütze in Seiner Lehre, die das Volk damals so beeindruckte, daß es erklärte: „Er lehrt wie einer, der Macht hat“ (Mt. 7,29). Christus lehrte nicht nur, was andere auch gelehrt hatten, sondern Er lehrte mehr, Er lehrte Dinge, die nur Er allein wußte, weil Er sie im Schoße des Vaters geschaut hatte.

Warum Unschuldige leiden müssen

Er bringt die frohe Botschaft vom Woher und Wohin des Menschen, von der Erlösung von Schuld und Sühne, von der persönlichen Unsterblichkeit, von der Auferstehung, vom ewigen Besitz Gottes und von der Anteilnahme am Leben des dreifaltigen Gottes. Er hat eine Antwort auf alle brennenden Lebensfragen, die den Menschen quälen, und Er allein weiß auch eine Antwort auf die Frage nach Zweck und Sinn des Leidens. Diese Frage löst Er nicht durch Worte, sondern durch Seine Tat, indem Er Sich ans Kreuz schlagen läßt und dadurch das Leid umbiegt zum herrlichsten Sieg über Tod und Sünde. Das Leid ist bei Ihm ganz und gar unverschuldet, und gerade das ist das Neue in der Welt, daß Er dem unverschuldeten Leid seinen Sinn gibt. Bei verschuldetem Leid kennt der Mensch für gewöhnlich kein Mitleid, sondern er schaut nur auf die Gerechtigkeit und sieht im Leid die natürliche Folge der gesetzten Tat. Hier aber, bei Christus, geht es um die Frage des Leides eines Unschuldigen. Durch das Kreuz gibt Er der Welt und Seinem Vater den sichersten und den größten Beweis Seiner Liebe und Seines Gehorsams und leistet dadurch Sühne und Genugtuung für alle Sünden und Verbrechen der Welt. Von da an ist das unschuldige Leid zur Tat der größten Gottesliebe geworden und zur Sühne für die Sünde der Welt, da Christus das unschuldige Leid der Welt mit hinein nimmt in Seine Erlösung. Das ist auch heute die Antwort auf die Frage, warum Unschuldige leiden müssen.

Herr, zu wem sollen wir gehen?

Als der Herr im sechsten Kapitel bei Johannes die Lehre vom Essen Seines Fleisches und Blutes vorgetragen hatte, da verließen Ihn viele, weil diese Rede ihnen zu hart vorkam. Da fragt der Herr Seine Jünger, ob auch sie weggehen wollen. „Herr, zu wem sollen wir gehen?“ gibt Petrus Ihm fragend zur Antwort, „Du allein hast Worte des ewigen Lebens“. (Joh. 6,67 u. 68)

Es mag ja sein, daß manches Wort des Herrn uns Angst einflößt, weil Er unerbittlich ist in Seinen Forderungen und weil manches uns in einer Form gesagt wird, die zuerst übertragen werden muss in unsere Art und Weise zu denken. Aber, wenn wir die ganze Lehre Christi von Anfang bis Ende vor uns hinstellen, dann kommt auch auf unsere Lippen die Petrus-Frage: „Herr, zu wem sollen wir gehen?“

Sollen wir zu den Philosophen gehen, die uns die eine oder andere Frage lösen, die uns aber die Antwort auf die wichtigsten Fragen des Lebens schuldig bleiben?

Sollen wir zu anderen Religionsstiftern gehen? Zu Mohammed, der sicher nicht mehr als einMensch und daher nicht mehr als menschliche Autorität für sich beanspruchen kann und will?

Sollen wir zu Konfuzius gehen, der überhaupt keine Religion gegründet hat, sondern nur ein Lehrer der Ethik ist, einer sehr schönen und erhabenen Ethik, aber mit ethischen Vorschriften allein ist es noch nicht getan und wir verlangen mehr, viel mehr, wir wollen Religion und nicht nur Ethik.

Sollen wir zu Buddha gehen, der nicht mehr war als ein Mensch, der mit 70 Jahren starb und nicht von den Toten auferstand, der nie von sich behauptete, er sei Gott, dessen Lehre viel mehr Philosophie als Religion ist und uns deshalb unmöglich befriedigen kann? Weder die Lehre des „großen“ noch des „kleinen Fahrzeuges“ kann unsere Seele dorthin führen, wo sie sein will.

Sollen wir zu den Politikern gehen, die uns sicher ins Verderben stürzen, wenn sie über ihr Terrain hinaus gehen und sich mit Fragen der Weltanschauung befassen, in denen sie durchaus nicht kompetent sind?

Sollen wir zu den Ökonomen gehen und zu den Männern der Wirtschaft, die uns das Paradies auf Erden schenken wollen, aber die Seele leer ausgehen lassen?

Jesus Christus ist die Wahrheit

Er aber, Christus, weiß uns zu sagen, daß wir eine unsterbliche Seele haben, der gegenüber die ganze Welt gering einzuschätzen ist. Nach Seiner Lehre ist jede Person ein ewiger und großer und göttlicher Wert und nicht eine große Null, wie die Praxis der vergangenen Jahre das gelehrt hat.

Er verkündet das Fundamentalgesetz: das Gesetz der Liebe, das allein aufbauen kann, während der Haß nur Spuren der Vernichtung hinter sich läßt.

Er bringt uns die frohe Botschaft vom Menschen als dem Ebenbild Gottes und zeigt uns, was der wahre Übermensch ist, und Er weist uns den sicheren Weg zur Verwirklichung des Übermenschen.
Er ist die Wahrheit, und aus jedem Worte, das aus Seinem Munde kommt, spüren wir den Hauch der göttlichen Wahrheit heraus.

Das innere Kriterium der Heiligen Schrift und aller Worte Christi deuten auf Seine Gottheit hin und jedes Seiner Worte stützt die These von Seiner Gottheit. –
aus: Benedikt Reetz, Christus, die große Frage, Vortrag gehalten vor der Gemeinschaft der katholischen Akademiker in Graz am, 8. Mai 1946, S. 20 – S. 25

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