Heilige Maria von Ägypten Büßerin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

2. April

 Die heilige Maria von Ägypten Büßerin

„So wahr Ich lebe“, spricht Gott der Herr, „Ich will nicht den Tod des Gottlosen, sondern daß der Gottlose sich bekehre von seinen Wegen und lebe. Bekehret euch, bekehret euch von euren gar bösen Wegen!“ (Ezech. 33,11) Diesen Gnadenruf, der jetzt um Ostern so laut vom Kreuze erschallt, hat Maria von Ägypten – zur Freude des Himmels und der Erde – befolgt.

Als im Jahre 420 der heilige Abt Zosimus die österliche Fasten, wie gewohnt, in der Wüste am Jordan einsam zubrachte, sah er in weiter Ferne eine menschliche Gestalt und rief: „Wenn du ein Diener Gottes bist, so komm zu mir.“ Er vernahm die Antwort: „Vater Zosimus, ich bin ein Weib und darf nicht zu dir kommen, weil mein Kleid zerrissen ist: wirf mir deinen Mantel zu, damit ich deinen Segen empfange.“ Erstaunt, seinen Namen nennen zu hören, erkannte er, daß Gott dieser Person denselben offenbart habe; er legte den Mantel hin und erwartete in einiger Entfernung die Fremde. „Wer bist du?“ fragte er, als sie, in den Mantel gehüllt, ihm nahte. Sie begann: „Ich bin eine Sünderin, nicht wert die Sonne anzuschauen: vor Scham möchte ich lieber unter die Erde kriechen, als dir sagen, wer ich bin. Doch Gott, der sich der Verirrten erbarmet, hat deinen Weg hierher geleitet, damit du mein vergangenes Leben wisset und für mich betest. Ich bin eine Tochter Ägyptens, war von Gott mit besonderen Gaben des Geistes und des Körpers ausgestattet, die ich schrecklich mißbraucht habe. Erst zwölf Jahre alt, entlief ich meinen frommen Eltern, um in der Hauptstadt Alexandria zügellos zu sündigen. Siebenzehn lange Jahre wälzte ich mich im Schmutz des häßlichsten Lasters – nicht des Gewinnes wegen, (denn ich verdiente mit Spinnen mir den Unterhalt), sondern nur um meiner bösen Leidenschaft zu frönen.“

„Im Herbst 374 strömten viele Pilger nach Jerusalem zum Fest der Kreuzerhöhung, ich schloß mich ihnen an und trieb auf dem ganzen Weg – sogar in Jerusalem noch – alle Gräuel. Am Festtag ging ich im Volksgedränge – das Haupt mit Rosen bekränzt, den Busen mit Perlen geschmückt – zur Kirche des hl. Kreuzes, um daselbst Verehrer meiner Schönheit zu finden; aber ich konnte durch die weite Pforte nicht eintreten, eine unsichtbare Macht stieß mich zurück: ich wollte zum zweiten, dritten und vierten Male mir den Eintritt erzwingen, aber umsonst. Zürnend fragte ich: Warum können denn alle andern in diese Kirche gehen, nur ich nicht? Da fiel ein Strahl des göttlichen Gnadenlichtes in meine Seele, und ich erkannte meine abgründliche Verworfenheit. Von Scham und Reue gebeugt, wankte ich in einen Winkel des Vorhofes und weinte bitterlich. Mir gegenüber an der Mauer hing das Bild der gnadenvollen Jungfrau Maria – meiner Namenspatronin -, ich sank in die Knie und flehte zur Mutter der Barmherzigkeit und zur Zuflucht der Sünder um Erbarmen in meinem verzweiflungsvollen Elend. Nun raffte ich mich auf und nahte zagenden Herzens der Kirchenpforte, ich konnte hinein gehen und hinknien vor das heilige Kreuz, ich riß die Rosen vom Haupt, die Perlen von der Brust, warf sie fort und seufzte: O Jesu, Lamm Gottes, das Du hinweg nimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich meiner, laß mich doch für Dich sterben, die ich nicht für Dich gelebt habe! – Vom Kreuz ging ich wieder zum Bild Mariä, der Mutter, und ließ meinen Reuetränen freien Lauf. Da hörte ich ganz deutlich eine Stimme mir zurufen: Geh` über den Jordan, dort wirst du Ruhe finden.“

„Ich stand auf, ein fremder Mann schenkte mir drei Silberstücke, ich kaufte dafür drei Brote auf den Weg und erreichte noch am Abend die Kirche des hl. Johannes, welches am Ufer des Jordan steht. Die ganze Nacht weinte und betete ich, am Morgen beichtete und kommunizierte ich und ging dann über den Fluss in die Wüste. Von dieser Zeit bis heute – es sind jetzt meines Erinnerns 47 Jahre – hab` ich kein menschliches Antlitz mehr gesehen. Meine Wohnung war eine enge Felsenschlucht, meine Nahrung Kräuter und Wurzeln, wie solche in dieser Wildnis wachsen, und Wasser, wie ich es bekommen konnte. Mit Tränen über meine Sünden, die ich allein und mit Andern begangen hatte,, mir Gebeten des Dankes für die Bekehrung und um die Gnade der Beharrlichkeit, und mit Betrachtung meiner letzten Dinge füllte ich die Stunden des Tages und der Nacht aus.“

Zosimus unterbrach die Erzählerin mit der Frage, ob sie auch noch Versuchungen und schwere Kämpfe zu bestehen gehabt habe. Die Büßerin gestand: „Von der Verdorbenheit des Herzens hatte ich wütende Anfälle zu erdulden: siebzehn hatte ich dem Laster gedient, siebzehn Jahre musste ich beständig martervolle Versuchungen leiden. Oft wütete die ganze Hölle wider mich: alle bösen Neigungen, die früheren Leidenschaften und Angewöhnungen kamen in Aufruhr, die unkeuschen Bilder meiner Vergangenheit standen und gaukelten alle lebendig vor meiner Seele, mein Fleisch empörte sich wild gegen die Kräuterkost, gegen die Sommerhitze und Winterkälte und die Entbehrung jeglicher Freude. Da betete ich mit Tränen, schlug mein rebellisches Fleisch mit Ruten, schrie zu Maria um Hilfe. O die Mutter der Barmherzigkeit hat mich nie verlassen, immer hat sie mein Weinen und Seufzen bei Jesus unterstützt und mir süße Erquickung von Ihm gebracht! Nach 17 Jahren hörten die Versuchungen auf, der Sieg war erstritten, seither lebte ich in ungestörtem Gottesfrieden, und die Wüste ward mir unendlich angenehmer als die große Stadt Alexandria. Jetzt, o Zosimus, kennst du meine Lebensgeschichte, halte sie geheim bis nach meinem Tode, bete für mich arme Sünderin und bringe über`s Jahr am grünen Donnerstag mir das hochheiligste Altarsakrament dort an das Ufer desJordan.“

Maria bat noch um den priesterlichen Segen und entfernte sich in die Wüste. Zosimus kam zur verabredeten Zeit mit dem sakramentalen Jesus an den Jordan. Gegen Abend erschien die Büßerin am jenseitigen Ufer, machte das heilige Kreuz über das Wasser und schritt über die Fluten wie über festes Land. Sie beichtete unter vielen Tränen, empfing die heilige Kommunion und frohlockte zum Himmel hinauf: „Nun, o Herr, entlasse deine Dienerin im Frieden nach deinem Wort; denn meine Augen haben dein Heil gesehen!“ Dann sprach sie zu Zosimus: „Habe Dank für diesen großen Liebesdienst und gewähre mir die Bitte, daß du in der nächsten Fasten wieder an den Ort kommst, wo ich dich das erste Mal sah“; hierauf entfernte sie sich über den Jordan in die Wüste.

In der folgenden Fasten fand Zosimus sie als Leiche, aber noch so frisch, als wäre sie erst Tags vorher gestorben, und daneben ein Palmblatt, überschrieben mit den Worten: „Vater Zosimus, begrabe die Leiche der armen Maria, die am Karfreitag starb, bald nachdem sie die heilige Kommunion aus deinen Händen empfangen; bete für ihre Seele!“ Ein Löwe kam und scharrte eine tiefe Grube in den Sand. Zosimus legte die Leiche hinein und erzählte dann die Geschichte der heiligen Büßerin seinen Brüdern, von denen Einer sie sogleich niederschrieb und der Nachwelt aufbewahrte.
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 249 – S. 251

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