Unterricht für das Fest Kreuzerhöhung

Das Fest Kreuzerhöhung

Was ist das für ein Fest?

Dieses Fest ist das jährliche Gedächtnis, daß das Kreuz, an welchem Christus gestorben, in der von Konstantin dem Großen und seiner Mutter, der hl. Helena, zu Jerusalem erbauten heiligen Kreuzkirche zur öffentlichen Verehrung wieder aufgestellt worden, nachdem es vierzehn Jahre in Persien zurück behalten gewesen.

Wann ist dies geschehen?

Dies geschah unter dem Kaiser Heraklius († 641), der das heilige Kreuz, welches von dem Perserkönig Cosroes nach Persien gebracht worden war, nach vierzehn Jahren wieder eroberte, nach Jerusalem zurück brachte und selbst auf den Kalvarienberg trug, auf den es der Heiland getragen hatte. Als Heraklius, angetan mit dem kaiserlichen schmuck, aus Ehrfurcht das heilige Kreuz auf seinen Schultern an den bestimmten Ort tragen wollte, konnte er dasselbe nicht weiter bringen, bis er auf Anraten des Patriarchen Zacharias den kaiserlichen Schmuck ablegte, sich schlecht kleidete, die Schuhe auszog und auf solche Art sich dem demütigen Heiland gleich machte.

Was sollen wir hieraus lernen?

Daß, wer immer Christo ähnlich werden und ins Himmelreich eingehen will, vorerst sein Kreuz auf sich nehmen, die Pracht der Welt von sich entfernen und in Demut und Geduld Ihm nachfolgen müsse. Konnte schon beim Tragen des heiligen Kreuzes der Kaiser nicht an die bestimmte Stelle gelangen, weil er ein prächtiges Kleid trug; wie viel weniger wird der Christ bei weichlichem Leben in das Reich Gottes eingehen können?

Die heilige Messe

Eingang wie am Fest der Auffindung des heiligen Kreuzes (3. Mai)

Gebet der Kirche.
O Gott! Der Du uns heute durch die jährliche Feier der Erhöhung des heiligen Kreuzes erfreuest; wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir, die wir dessen Geheimnis auf Erden erkannt haben, den Preis seiner Erlösung auch im Himmel zu erhalten gewürdigt werden. Durch JesumChristum, deinen Sohn, unseres Herrn. Amen.

Evangelium nach dem hl. Johannes. (Kap. 12, V. 31-36)

Was ist zu verstehen unter den Worten: „Jetzt ergeht das Gericht über die Welt“?

Der hl. Augustinus sagt: „Der Teufel besaß das Menschengeschlecht und behielt, vermöge der Sündenhandschrift, die der Strafe Schuldigen; er herrschte in den Herzen der Ungläubigen und schleppte die Betrogenen und Gefangenen dahin, daß sie den Schöpfer verlassend das Geschöpf verehrten. Aber durch den Glauben an Christus, welcher durch dessen Tod und Auferstehung befestigt worden ist, durch Christi zur Vergebung der Sünden vergossenes Blut werden Tausende der Gläubigen von der Herrschaft des Teufels befreit, dem Leibe Christi eingefügt und unter einem so großen Haupt, als treue Glieder, durch den hl. Geist belebt. Das nannte er das Gericht, diese Aussonderung, diese Vertreibung des Teufels von seinen Erlösten.“

Was bedeuten die Worte: „Wenn Ich erhöht sein werde“?

Christus versteht darunter seinen Tod zur Erlösung aller. Er wollte mit diesem Ausdruck andeuten, daß man sich an seinem Kreuzestod nicht ärgern soll, da er ja eine Erhöhung, ein Sieg sei, der Sieg über die Herrschaft des Satans.

Was sagen die Worte: „Werde Ich alles an Mich ziehen?“

Das heißt: Christus wird durch seinen Tod am Kreuz alle, Juden und Heiden, dem Satan entziehen und mit sich vereinigen. „Ziehen“, sagt Jesus, um die Gewalt, womit der Satan die Menschen unter seiner Dienstbarkeit zurück hält, ferner unser Unvermögen, uns aus eigener Kraft von dem Satan loszumachen, und endlich die Notwendigkeit seiner Gnade anzudeuten.

Warum verstanden die Juden die Worte von der Erhöhung nicht?

Das Gesetz und die Propheten reden zwar von der ewigen Herrschaft Christi, aber nicht minder deutlich von seinem Leiden und sterben. Den Juden aber war das Kreuz ein Ärgernis (1. Kor. 1,23); sie wollten nur von einem glorreichen Messias etwas wissen. Diese Verblendung war schuld, daß sie die Rede Jesu, sowie die Prophezeiungen des alten Bundes nicht verstanden.

Was bedeuten die Worte: „Wandelt, solange ihr das Licht habet etc.“?

Das ist eine Warnung Jesu vor der Verblendung und eine Mahnung, die Augen dem offenbaren Licht seiner Lehre und seiner Wunder nicht zu verschließen. Bei den Juden war diese Mahnung umsonst, und bei uns? O wandeln wir, solange wir noch das Licht haben! Wie lange noch, und die Nacht des Todes bricht über uns herein.

Gebet.
O Herr Jesus Christus! Der Du uns am Stamm des Kreuzes von der Dienstbarkeit des Teufels befreit hast, erhöre uns arme Sünder, die wir vor diesem heilsamen Zeichen des heiligen Kreuzes unsere Sünden erkennen und flehentlich um Verzeihung derselben bitten. Wir bitten Dich, Du wollest uns um deines bitteren Leidens und Sterbens willen vor allem Übel und allen Gefahren behüten, daß wir in der Kraft deines Todes der Arglist des bösen Feindes widerstehen und, von dem ewigen Tode befreit, das ewige Leben erlangen mögen. Amen.

in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 656-658

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