Feierliche Übertragung des heiligen Kreuzes

Das Kreuz wurde wieder zurück erobert und nun mit Freuden aufgestellt; der Bischof steht neben dem Kreuz und erhebt die rechte Hand; ein Jüngling umfaß den Kreuzesstamm und küßt ihn; weitere Frauen und Männer stehen oder knien dabei

Das Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes

14. September

Die feierliche Übertragung des heiligen Kreuzes

Das heutige Fest ist von der katholischen Kirche zum Gedächtnis des Tages eingesetzt, an welchem das heilige Kreuz Jesu Christi mit großer Feierlichkeit wieder nach Jerusalem zurück gebracht worden ist. Chosroes II., König von Persien, war im Jahre 614 zur Zeit des Kaisers Heraklius mit einem mächtigen Kriegsheer in Syrien eingefallen und hatte nebst anderen Städten auch Jerusalem erobert. Er richtete ein schreckliches Blutbad durch Ermordung von 80000 Menschen an und nahm viele Gefangene mit sich, unter denen sich auch der fromme Patriarch Zacharias befand. Die Kirche des heiligen Grabes wurde zerstört, und das in einer vom Patriarchen Zacharias versiegelten Lade verwahrte Kreuzholz Jesu, das die heilige Helena aufgefunden hatte, vom Perserkönig in seine Hauptstadt Ctesiphon hinweg geführt. Dies betrübte die christlichen Bewohner von Jerusalem mehr als alle Verluste.

Chosroes drang jetzt bis in die Nähe von Konstantinopel vor, zwang den Kaiser zum Tribut und verlangte in seinem Übermut sogar, daß er das Christentum abschwören und die Sonne, den Gott der Perser, anbeten sollte. Mit Abscheu verwarf Heraklius dies Ansinnen, rief sein Volk zum Gebet und zur Buße auf und sammelte ein Heer. Damit schlug er endlich 627, von Gott sichtbar unterstützt, den stolzen Perserkönig gänzlich; Chosroes ward auf der Flucht von Sisroes, seinem eigenen Sohn, ermordet, Sisroes schloß eiligst mit Heraklius Frieden, gab alle Eroberungen und Gefangenen, wie auch das heilige Kreuz im Jahre 628 zurück. Der Patriarch Zacharias, jetzt erlöst, überbrachte es dem Kaiser; noch war das Siegel unverletzt. Das Jahr darauf wollte Heraklius selber nach Jerusalem, das hl. Kreuz wieder an seinen vorigen Verehrungsort zu setzen. Er selbst trug es auf seinen Schultern. Als er damit an das nach dem heiligen Berg führende Tor kam, vermochte er bei aller Anstrengung erst dann weiter zu gehen, als er sich auf die Ermahnung des Patriarchen, seine prächtigen kaiserlichen Kleider abzulegen, in ein ärmliches Pilgergewand gekleidet und seine Schuhe ausgezogen hatte. In der Kirche auf dem Kalvarienberg ward dann das heilige Kreuz vom Patriarchen wieder in den dazu bestimmten Schrein verschlossen. Die Worte, welche der Patriarch sprach, als der Kaiser nicht mehr weiter gehen konnte, sind folgende: Herr! Du bist mit kaiserlicher Pracht bekleidet, Jesus Christus aber trug arme Kleider, dein Haupt prangt mit einer kostbaren Krone, und Jesus war mit Dörnern gekrönt; du hast reich besetzte Schuhe, und Christus ging barfuß.“

Jetzt begaben sich viele Wunder zum Zeichen des göttlichen Wohlgefallens an der Wiedereinsetzung des heiligen Kreuzes. Ein Toter wurde durch die Berührung des heiligen Kreuzes wieder zum Leben erweckt. Vier Gichtkranke erlangten den Gebrauch ihrer Glieder, 15 Blinde das Licht der Augen, viele Besessene die Befreiung von dem bösen Geist, viele Kranke die gewünschte Gesundheit durch andächtige Berührung des heiligen Kreuzes. Also wurde das heilige Kreuz zum unbeschreiblichen Trost aller Rechtgläubigen wieder erhöht.
Diese feierliche Übertragung geschah am 14. September. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 731 – S. 732

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