Die heilige Notburga Dienstmagd

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

13. September

Die heilige Notburga steht, die Hand erhoben, die Sichel frei schwebend, während über ihr ein Engel schwebt; der Bauer und die Landarbeiter schauen erstaunt das Wunder, eine Magd im Vordergrund kniet vor Ehrfurcht vor diesem Wunder

Heilige Notburga Dienstmagd

Das lieblichste Vorbild aller Mägde in der Welt ist Maria, einst „die Magd des Herrn“, jetzt die Königin des Himmels. Unzählige Jungfrauen aus allen Ständen sind ihr, der Hochgebenedeiten, nachgefolgt und haben in niedrigem Dienst durch Demut und Gehorsam um Gottes willen die ewige Glorie gefunden. In dieser Ruhm gekrönten Schar glänzt auch die hl. Notburga, welche Pius IX. am 27. März 1862 in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen hat.

Zu Rattenberg in Tirol 1265 geboren, war sie die sehr talentvolle Tochter wohlhabender und gottesfürchtiger Bürgersleute, von denen sie eine sehr sorgfältige Erziehung erhielt. Die fromme Mutter benutzte jeden Anlass sie zur Liebe Gottes zu ermuntern, z. B. oft wenn die Sonne durch das Fenster in die Stube schien, sprach sie mit tiefer Empfindung: „Sieh, liebes Kind, so schaut Gott in unsere Herzen und weiß alles, was wir denken“; oder auf dem Felde: „Wie diese Blumen beständig zum Himmel hinauf schauen und duften, so musst auch du dein junges Herz mit dem Wohlgeruch des Gebets zum himmlischen Vater empor richten.“

Was die heilige Mutterliebe pflanzte, gedieh vortrefflich in der Tochter, sie war in der Kirche wie ein betender Engel, voll Ehrfurcht und Gehorsam gegen die Eltern, sehr höflich und freundlich gegen Jedermann, besonders mitleidig gegen die Armen, demütig in Kleidung und Benehmen.

Auf dem nahen Schloß Rattenburg wohnte der sehr mächtige und edle Ritter Heinrich I. mit seiner frommen Gemahlin Gutta und sein Sohn Heinrich II., dessen junge Frau Ottilia eine stolze und geizige Dame war. Heinrich I. nahm die allgemein geachtete Notburga in seinen Dienst als Beschließerin und übertrug ihr, als sie erst achtzehn Jahre zählte, die Küche und die Aufsicht über die zahlreiche weibliche Dienerschaft. Die junge Beschließerin hatte einen sehr harten Stand. Ottilia kannte nur Spott und Gelächter wider sie, weil sie ihr zu fromm und demütig war; die Mägde waren widerwillig und gehässig gegen sie, weil sie – die jüngere – ihnen vorgezogen worden, und sparten nicht höhnende Blicke und trotzige Worte, sobald sie die Abneigung der Ottilia bemerkt hatten.

Notburga, die an Fleiß und Geschicklichkeit Alle weit übertraf, bestand diese Prüfung siegreich; sie setzte den Neckereien Freundlichkeit, dem Trotz Geduld, den Beleidigungen Sanftmut entgegen. Sie nahm den Mägden manche Arbeit ab, bat sie höflich, statt zu befehlen, und dankte ihnen für ihre Pflichterfüllung, als ob sie ihr eine kostbare Wohltat erwiesen hätten; sie darbte oft selbst, um ihnen etwas Besseres zuzuwenden, und kaufte vom eigenen Lohn Geschenke, um ihnen eine Freude zu machen. Die Fehlenden mahnte sie unter vier Augen mit schonender Liebe zur Besserung und machte nur im äußersten Notfall dem Herrn Anzeige: dagegen die Fleißigen und Treuen rühmte sie bei der Herrschaft, um für sie Lob oder ein Trinkgeld zu erwirken, und die Kranken pflegte sie mit mütterlicher Zärtlichkeit. Durch solches Betragen gewann sie nach und nach die Herzen Aller und erzielte eine aufrichtige Liebe. Diese Liebe benützte sie, den häuslichen Gottesdienst, das Gebet bei der Arbeit und die Tugend der Dienstfertigkeit um Jesu willen unter den Mägden einzuführen. Gutta sagte oft zu ihrem Gemahl: „Mit Notburga ist Gottes Segen in unser Schloß und der schöne Geist des Friedens in unsere Dienstleute gekommen.“

Heinrich I. gestattete der treuen Beschließerin gerne die Freude, nebst den gewöhnlichen Almosen auch noch die Überbleibsel des Tisches den Armen auszuteilen und Kranke zu besuchen. Sie hatte ein wundersames Talent, nicht bloß deren Leib zu erquicken, sondern auch ihre Seele mit frommen Zusprüchen zur Geduld und Gottesliebe anzueifern.

Nach einigen Jahren starben Heinrich I. und Gutta. Ottilia, aller Rücksichten enthoben, führte nun das Zepter allein, und für Notburga kamen trübe Tage. Die Herrin schaffte den gemeinsamen häuslichen Gottesdienst ab und erklärte der Notburga, daß das Almosen verteilen jetzt aufhöre, daß sie des Amtes einer Beschließerin enthoben und als die Jüngste im Hause, die niedrigste Stelle zu besorgen und die Reste der Speisen den Schweinen zu geben habe, „die nützlicher seien als die Bettler.“

Voll Schmerz darüber, daß die Armen jetzt Nichts mehr bekämen, sparte sie ihrem eigenen Munde Speise und Trank ab, wozu sie von den andern Mägden Zuschuss erhielt, und trug es am Abend zu den Armen ins Tal hinab, weil Ottilia es nicht mehr duldete, daß „das elende Gesindel fürder um das Schloß herum lungere“. Und als sie es erspähte, daß Notburga doch den Armen Speise zutrug, klagte sie dem Gemahl deren Diebereien. Heinrich II. wollte die Sache genau untersuchen, erwartete am Feierabend die Notburga auf ihrem Weg zu den Armen und fragte sie herrisch, was sie in ihrem Korb trage. Unbefangen, wie es der Unschuld eigen ist, öffnete sie das Körblein mit der Erklärung: „Ich bringe da meine Portion an Speise und Trank den lieben Armen.“ Der Herr schaute hinein; aber seine Sinne waren gebunden, er sah die Speisen für Hobelspäne und den Trunk für Spülicht an; zürnend ritt er heim und meinte, die listige Magd habe ihn genarrt. Ottilia schürte den Verdacht und – Heinrich ließ die Kleider „der frechen Diebin“ in einen Sack legen und vor das Schlosstor werfen.

Als Notburga von ihrem Werk der Barmherzigkeit zurückkam, gab ihr der Torwärter das Bündel mit nassen Augen und teilte ihr mit, daß sie ohne Gnade und Erbarmen entlassen sei. Ottilia bestätigte dies vom Fenster herab; denn sie sei eine Diebin, eine heuchlerische Betschwester und habe stolz ihren Herrn verspottet.

Notburga schwieg, nahm das Bündel unter den Arm, ging hinaus in die dunkle Nacht und hinab in das Tal, beschützt von derselben Hand Gottes, welche ihr diesen Kelch des Heiles darreichte. Die Beschließerin des angesehensten Schlosses hätte wohl bei einer andern Herrschaft in der Nähe Anstellung gefunden; aber ihre Demut wählte lieber einen einfachen Bauer, dem sie sich als Haus- und Stallmagd anbot. Als dieser die Bitte der feinen zart gebauten Jungfrau von Rattenburg anhörte, trug er Bedenken, ob ihre Hände für seine Arbeit paßten, und stellte sie nur zur Probe ein. Aber bald verwandelte sich sein Bedenken in Staunen über das Geschick und die Leistungen Notburga`s, da er sah, wie sie in Haus und Stall und auf dem Felde sich tummelte früh und spät und dabei so gutwillig und fröhlich, so sittsam und fromm wie ein Engel war. Gerne ging er auf ihre einzige Bedingung ein, daß sie am Vorabend eines jeden Sonn- und Festtages beim Ave-Maria-Läuten zu arbeiten aufhören und in das nahe St. Rupert-Kirchlein zum Gebet gehen dürfe, um sich auf den Empfang der heiligen Sakramente vorzubereiten.

Mit der Verstoßung der treuen Notburga von Rattenburg war auch aller Segen Gottes aus dem Schloß gewichen, und Ottilia erkrankte gefährlich. Heinrich II., der sein Unrecht klar erkannt hatte, bat Notburga dringend, zurück zu kehren. Diese sagte zu, sobald ihre Dienstzeit zu Ende sei, und erhielt von ihrem Meister die Erlaubnis, die kranke Ottilia einstweilen zu pflegen; sie pflegte ihre strenge Herrin an Leib und Seele mit einer Liebe, Zärtlichkeit und Aufopferung, wie sie nur einer Heiligen möglich ist, so daß sie sich aufrichtig zu Gott bekehrte und den Tod einer christlichen Büßerin starb. Nach diesem Werk heroischer Feindesliebe eilte Notburga zu ihrem Bauern zurück. An einem Samstag ertönte die Betglocke, bevor man mit dem Abmähen des Kornes fertig war. Da erklärte der Bauer: „Heute mußt du das Beten aufschieben und die Arbeit vollenden helfen.“

Notburga faßte die Sichel und antwortete: “Wohlan, wir wollen den lieben Gott entscheiden lassen: bleibt meine Sichel frei in der Luft hängen, so soll es seinem heiligen Willen bedeuten, daß ich auch den heutigen Feierabend heilige; fällt sie zur Erde, so soll es bedeuten, daß ich fortarbeite.“ Der Bauer erklärte sich einverstanden. Notburga hielt die Sichel in die Höhe und – die Sichel schwebte frei in der Luft. Heilige schauer durchzuckte die Schnitter, sie knieten nieder, beteten die Herrlichkeit Gottes an und machten auch Feierabend; sie aber nahm die Sichel und ging ihren weg zum Kirchlein.

Inzwischen war neues Unglück über die Rattenburg gekommen; Herr Heinrich war von seinem eigenen Bruder Siegfried im Bunde mit dem Herzog von Bayern bekriegt, schwer beschädigt, fast zu Grunde gerichtet worden. Er sah in dem Unglück eine Strafe Gottes für seine Härte gegen die Armen, die seit Notburga`s segensreicher Wirtschaft vom Schloß verbannt waren. Um sein doppeltes Unrecht wieder gut zu machen, das er gegen Notburga und die Armen begangen, ritt hinab zur frommen Magd, klagte ihr sein Unglück und erklärte ihr seinen festen Entschluss, mit der Bitte, daß sie das geschehene vergesse, mit ihm auf die Rattenburg komme, dort schalte und walte, wie unter seinen verstorbenen Eltern. Notburga willigte ein und ging, da Heinrich sich mit ihrem Herrn abfand, sogleich mit ihm auf das Schloß, wo sie von den Dienstleuten und den Armen der Umgegend mit Jubel begrüßt wurde.

Mit ihr kam der Segen Gottes sichtbar auf die Rattenburg, und auch die Notleidenden durften wieder kommen. Bald heiratete Heinrich die edle Margaretha von Hoheneck, ein Muster von Sanftmut und Liebenswürdigkeit. Bei der Hochzeit wußte Notburga die schönste Freude zu veranstalten, indem sie wesentlich beitrug, daß die beiden Brüder ihren tödlichen Haß ablegten und sich vollkommen aussöhnten. Margaretha beglückte ihren Gemahl mit drei Söhnen und drei Töchtern, die unter Notburga`s Leitung und Mithilfe gar lieblich aufwuchsen in jeglicher Tugend. Der Schlossherr Heinrich wurde vom Landesherrn für seine Treue mit Ehren und Gütern beschenkt, zum Landeshauptmann an der Etsch und zum Burggrafen von Tirol ernannt, und die so tief gesunkene Rattenburg strahlte wieder in verjüngtem Leben und Glanz. Gott weiß es, welch großen Anteil die gute Notburga an der Blüte dieses häuslichen Glückes hatte.

Noch achtzehn Jahre lang führte sie mit bewunderungswürdiger Umsicht und Tätigkeit die Wirtschaft, hütete die Gottesfurcht im Schloß und tröstete mildreich die Armen bis zu ihrem glückseligen Tode 1313. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 678 – S. 680

Verwandte Beiträge

Unterricht für das Fest Kreuzerhöhung
Pius X und seine Fürsorge für den Klerus
Menü