Der heilige Petrus von Luxemburg

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

2. Juli

Der heilige Petrus von Luxemburg, Kardinal

Aus dem gräflichen Haus von Luxemburg sind Kaiser, Könige und eine Menge berühmter Helden hervor gegangen, welche die Welt mit dem Glanz ihres Ruhmes erfüllten, allein keiner war vor Gott dem Herrn ein größerer Held, keiner hat von Gott mehr Ruhm erlangt, als der Heilige, dessen Leben hier beschrieben wird.

Petrus, ein Sohn Guidos von Luxemburg, Grafen von Liguy, kam auf die Welt 1369 zu Ligny, einer kleinen Stadt in Lothringen. Schon im Alter von vier Jahren hatte er seine Eltern verloren, seine Base übernahm nun die Sorge seiner Erziehung. Schon als Kind zeigte er, daß ihn die Gnade des Herrn zu ihrem Gefäß ausgewählt habe. Er floh die Spiele mit Kindern des andern Geschlechtes, bekämpfte jede Regung des Zornes und des Stolzes und war von einer solchen Liebe zu den Armen durchdrungen, daß er ihnen fast Alles hingab. Er sollte sich dem geistlichen Stand widmen, und hatte bereits die Tonsur empfangen, deshalb widmete er sich denn auch allen Übungen der Frömmigkeit. Das Gebet war seine Freude, der Umgang mit Gott seine Lust, von Gott zu reden und zu hören war seine Wonne.

In diese seine feurige Liebe hatte er auch die Liebe zur gebenedeiten Gottesmutter mit eingeschlossen, und er glaubte ihr seine Liebe nicht besser bezeugen zu können, als wenn er durch ihre Hände seine jungfräuliche Reinigkeit Gott dem Herrn opfern würde. Dies Gelübde machte er im Alter von sieben Jahren. Er war von wunderbar schöner Gestalt, und aus seinen Augen, aus allen seinen Bewegungen leuchtete eine englische Reinigkeit hervor.

Erst zehn Jahre alt, bezog er schon die Hochschule von Paris, um dort seine Studien fortzusetzen und zum geistlichen Stand sich auszubilden. Der heilige Geist war sein Lehrer, aber auch der Bewahrer seiner Unschuld. – Mit 14 Jahren zum Kanonikus an der Domkirche von Paris erwählt, bewunderte man an ihm die höchste Bescheidenheit und Demut. Davon nur ein Beispiel. Es war der Brauch, daß die Kanoniker nach der Reihe bei Prozessionen das Kruzifix voran tragen mussten. Einer der Kanoniker schämte sich, dieses zu tun; da ergriff Petrus alsbald das Kreuz und trug es mit Freuden so lange die ganze Prozession dauerte mit der Haltung eines Engels.

Die Heiligkeit seines Wandels gelangte auch zu den Ohren des Papstes, der damals in der Stadt Avignon residierte. Dieser erhob ihn zum Archidiakon und hierauf zum Bischof von Metz. Diese unerwartete Erhebung versetzte ihn in die tiefste Trauer; er tat Alles, um diese Würde von sich abzulehnen; allein, da man ihm vorstellte, er würde Gott dadurch beleidigen, ergab er sich, obwohl er noch nicht Priester war. –

Seinen Einzug hielt er barfuß, sitzend auf einemEsel, um die Demut seines göttlichen Heilandes nachzuahmen; jede Pracht verschmähte er; die Armen waren seine Freunde; sie zu trösten, sie zu unterstützen, das war sein Ruhm. Der dritte Teil seiner Einkünfte gehörte ihnen, ein Teil den Kirchen, und der geringste für den Unterhalt seines Hauses. Obwohl er sich nach dem Zeugnis seiner nächsten Umgebung nie einer Todsünde schuldig gemacht, beichtete er doch alle Tage; denn er verabscheute auch die geringsten Fehler. Er hatte viele Versuchungen auszustehen, die er aber durch Gebet, Fasten und Geißeln überwand. Seine beste Helferin in diesem Kampf war aber seine geliebte Mutter Maria. Gegen sie hatte er immer die höchste Verehrung, die zarteste Andacht. Sie hatte er, wie einer seiner Lebensbeschreiber sagt, immer vor Augen. So oft er ein Bild von ihr sah, begrüßte er sie mit einem Ave. Um die neunte Stunde jeden tages opferte er ihr auf den Knien mit gefaltenen Händen zweihundert Ave Maria, und die zärtlichsten Seufzer der Liebe entströmten seiner Brust. Daher hatte er auch, sagt sein Lebensbeschreiber, Maria immer zu einer Helferin und Beschützerin bei seinem Ein- und Ausgang, bei all seinem Tun und Lassen. Unter ihrem Schutz gelang es ihm überall, die Missbräuche ins einem Bistum abzustellen, und obwohl er erst 15 Jahre zählte, verstand er doch Volk und Geistlichkeit mit größter Klugheit auf den Weg des Heiles zu leiten. Dabei übte er fort und fort die strengste Buße, um sich ja vor jedem Fehltritt zu bewahren.

Papst Klemens VI. erhob ihn zum Kardinal, beschied ihn zu sich und befahl ihm, seine Gesundheit, die zusehends abnahm, mehr zu schonen. Der Heilige gab ihm zur Antwort: „Heiliger Vater, wenn ich auch ein unnützer Diener bin, so weiß ich doch zu gehorsamen.“ Dabei sah der Papst ihn vom Strahlenlicht umgeben, und ein wunderbarer Geruch, der von dem heiligen ausging, setzte ihn in Staunen. Petrus mäßigte zwar jetzt seine Abtötungen, aber seiner Liebe zu den Armen setzte er keine Schranken. Er selbst lebte arm, um recht viel geben zu können. Selbst seine Zimmer- und Reisegeräte schaffte er ab, sogar seinen Bischofsring verkaufte er, um den Erlös davon den Dürftigen zu spenden. – Bei seinem Tod bestand seine ganze Habschaft in sieben Batzen! –

Nie verlor er Gottes Gegenwart aus seinen Augen, und mehrmals ward er in Gegenwart des Volkes bei Betrachtung des Leidens des Herrn verzückt. In dem Kollegiatstift zu U. L. Frau in Autun zeigte man ein Gemälde, das ihn in einer Verzückung darstellt, und worauf die Worte standen: „Verachte die Welt; verachte dich selbst, freue dich deiner Selbstverachtung, hüte dich aber irgend einen Menschen, sei er wer immer, zu verachten.“

Diese so tiefe Verdemütigung seiner selbst bewahrte er bis zum Tode. Ein heftiges Fieber, das ihn befallen hatte, warf ihn aufs Krankenlager. Als er sein Ende heran nahen fühlte, ließ er sich die heiligen Sterbesakramente reichen und darnach seine Diener kommen, die weinend sein Bett umstanden. Er bat sie um Verzeihung über das Ärgernis, das er ihnen mochte gegeben haben dadurch, daß er ihnen nicht mit gutem Beispiel voran geleuchtet habe, wie es seine Pflicht gewesen. Alsdann beschor er sie, ihm zu versprechen, aus Liebe zu ihm Alles zu tun, was er ihnen vorschreiben wolle. Wie erstaunten sie, als er zu ihnen sprach: „Nehmt die Rute, die sich unter meinem Kopfkissen befindet, und gebt mir, jeder von euch, mehrere Streiche auf den Rücken, zur Strafe für die Vergehen, deren ich mich gegen euch, die ihr meine Brüder seid in Christus Jesus, und meine Gebieter, schuldig gemacht habe.“ Die Diener mussten trotz ihrer Weigerung gehorchen, um den sterbenden Heiligen nicht zu betrüben, der im Stillen darauf mit Gott sich unterhaltend, ruhig und sanft, erst 18 Jahre alt, seinen Geist aufgab am 2. Juli 1387. Ein erstaunliches Wunder bezeugt seine Heiligkeit. –

Zu Avignon, wo der Heilige begraben wurde, fiel ein zwölfjähriger Knabe von einem Turm herab auf einen jähen Felsen. Sein Körper ward zerschmettert, sein Haupt zersprang und das Gehirn spritzte auf die Erde herab. Der Vater des Knaben, von dem Unglück benachrichtigt, läuft herbei, wirft sich auf die Knie, und fleht die Fürbitte des hl. Petrus an; dann sammelte er das Gehirn mit dem Leichnam seines Sohnes und trägt es auf die Grabstätte des Heiligen. Das Volk und die Geistlichen fangen zu beten an und einige Augenblicke darnach lebte der Knabe wieder auf. Man stellte ihn auf den Altar, damit Jene, die ihn tot gesehen hatten, sich von dessen Auferweckung überzeugen konnten. Dieses Wunder geschah am 5. Juli, an welchem Tage in der Folge das Fest des Heiligen zu Avignon gefeiert wurde. (Ex Bollando.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 1555 – Sp. 1558

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