Schmerzhafte Mutter in Riffian in Tirol

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte unserer himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Schmerzhafte Mutter in Riffian bei Meran in Tirol

Einer der berühmtesten und besuchtesten Wallfahrtsorte des Etschlandes ist unstreitig Riffian, eine Stunde von Meran gegen Passeier an der Talesengung, auf der fruchtbaren Oberfläche einer ungeheuren, mehrere turmhohen Erdwand gelegen. Kühle Lüfte wehen, Weinberge wechseln mit Wäldern, Liebliches mengt sich mit Schauerlichem, – Bilder, die auf den Wanderer aus dem rauhen Passeier oder heißem Etschland ihren Eindruck nicht verfehlen. Von einem abgesonderten, wunderschönen Hügel blickt die stattliche Pfarrkirche auf die Häuser der Dorfbewohner majestätisch herab, sie und den Wandersmann einladend unter ihrem Gewölbe an das Himmlische und Ewige zu denken. Ein neueres Gebäude, in runder Form, heiter und zierlich gebaut, enthält sie schon ein aus uralter Zeit berühmtes Gnadenbild, welches die schmerzhafte Mutter mit dem Weltheiland in ihrem Schoß vorstellt. Schon die Gestalt des Bildes weist auf hohes Altertum hin. Es ist aus Gips gemacht und von ziemlicher Größe. Sein Ursprung ist unbekannt und schreibt sich ohne Zweifel aus früheren Zeiten her. Schon die ältesten Urkunden reden von dem „uralten“ Gnadenbild zu Riffian. – Sein Auffinden ward also erzählt:

In tiefer Stille einer dunklen nacht erblickte ein Landmann in fernen Talesgründen ein Lichtlein immer an der nämlichen Stelle; zu wiederholten Malen sahen es auch die Nachbarn. Man schaute nach und fand im Schutt des Wildbaches Passer das erwähnte Gnadenbild. Mit jubelnder Freude trug man das Bild der gebenedeiten Mutter aus dem verlassenen Ort und beschloss, eine eigene Kirche für dasselbe zu bauen. Allein der Bau wollte nicht vorwärts; die Arbeiter verunglückten einer nach dem andern; was bei Tage aufgebaut war, stürzte zur Nachtzeit wieder zusammen. Vögel kamen und trugen die vom Blut der Zimmerleute gefärbten Holzspäne auf den benachbarten Hügel; man erkannte den Wink der göttlichen Jungfrau, und erbaute daselbst ohne Gefahr eine Kapelle.

Durch eine Reihe von Jahrhunderten wurde nun das Bild in dieser Kapelle der Gegenstand allseitiger Verehrung; zahllose Pilger strömten aus allen Landesteilen zur schmerzhaften Mutter in Riffian, und fanden nicht selten wunderbare Erhörung. Ein merkwürdiges Ereignis bestärkte alle Landeskinder ungemein in dem Zutrauen und der Verehrung des Gnadenbildes.

Als nämlich die Republik von Venedig mit den Erzherzögen von Österreich im Kampf lag, und so auch die Grafen von Tirol in diesen Krieg verwickelt wurden, kam es zwischen den Landsknechten der Republik Venedig und den Tirolern im Jahre 1511 zu einem Gefecht. Schon standen die Tiroler auf dem Punkt, geschlagen zu werden, als sie inbrünstig zur Muttergottes von Riffian beteten. Feuriger wallt jetzt das Blut durch ihre Adern; mit dem Losungswort „Maria“ stürzen sie aufs Neue in den Feind; die Landsknechte fliehen und – „die Gnadenmutter von Riffian hat gesiegt“, war der einstimmige Dankesruf der Streiter. Ein im Pfarrhof von Riffian aufbewahrtes großes Gemälde enthält die Darstellung dieses Ereignisses, nebst fürstbischöflicher Approbation.
Die Verehrung des Gnadenbildes nahm von Tag zu Tag zu, und als sich in der Folge das Bedürfnis einer neuen Pfarrkirche mehr und mehr zeigte, beschloss man, dieselbe anstatt im Dorf, wo sie bisher gestanden, auf dem Hügel nächst der Gnadenkapelle zu bauen und das Bild auf den Hochaltar zu setzen. Solches geschah dann im Jahre 1743.

Als der Bau schon der Vollendung nahe war, da stürzte ein Arbeiter plötzlich vom Dachstuhl; er hätte sich in viele Stücke zerfallen, hätte ihn nicht die Gnadenmutter unversehrt erhalten. Ein Bild zeigt noch diese wunderbare Rettung des Arbeiters. Mit größer Feierlichkeit wurde das Bild aus der Kapelle auf den Hochaltar der neuen Pfarrkirche übersetzt, und jährlich sieht man dort am Übersetzungsfest, am Sonntag nach Martini und am 3. Mai, dem Tag der Kreuzauffindung, unzählige Verehrer. Eine unbeschreibliche Volksmenge aber strömte zur Feier des Jubiläums der Gnadenkapelle am 3. Mai 1843 aus der ganzen Umgegend herbei; man schätzte die Zahl der Anwesenden auf 9-10000 Menschen; Dächer, Weinreben-Geländer und Bäume waren übersät von Menschen, welche der Gnadenmutter freudig ihr „Ave“ zuriefen, als sie in feierlicher Prozession im Dorf herum getragen wurde.

Möchte sich der fromme Sinn der Gläubigen durch alle Jahrhunderte gleich bleiben in der Verehrung der seligsten Gottesmutter! Glücklich die Gemeinde, glücklich das Land, dessen Kinder mit einfältig-gläubigem Herzen die Jungfrau der Jungfrauen anrufen und preisen, in ihr diejenige ehrend, die Gott selbst vor allen andern Heiligen geehrt wissen will. (Der Pilger durch Tirol.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 772 – Sp. 774

Bildquellen

  • ott-marianum-gnadenorte: Bildrechte beim Autor
  • ott-marianum-prozession: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott
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