Unsere Liebe Frau von Puy in Frankreich

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte unserer himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Unsere Liebe Frau von Puy en Velay in Frankreich

Mit der Ausbreitung des Christentums in Frankreich entstand schon diese uralte Wallfahrt. Der heilige Georg, erster Bischof von Puy, hatte eine noch heidnische Matrone aus dem Stamm der Gallier, der früheren Bewohner Frankreichs, getauft. Sie wurde von einer Krankheit ergriffen, und schon dem Tode nahe, hatte sie ein Gesicht, worin ihr verkündet wurde, daß sie ihre Gesundheit wieder erlangen werde, wenn sie sich auf den Gipfel des Berges, der nahe an ihrem Wohnort lag, tragen ließe. Sie tat es, und kaum auf dem Gipfel des Felsens angekommen, befiel sie ein süßer Schlaf. Da erschien ihr im Traum eine himmlische Frau, deren blendend weiße Gewand wie Nebel um sie wallten. Eine Krone von Edelsteinen zierte ihr Haupt; sie war umgeben von englischen Geistern. „Wer ist denn, fragte die Matrone einen Engel, diese holde, schöne Frau und Königin, die zu mir armen Kranken in meiner äußersten Bedrängnis kommt?“ „Das ist die Mutter des Sohnes Gottes“, antwortete ihr der Engel; „Sie hat diesen Felsen erwählt, daß man sie da verehre, und sie will, daß du solches ihrem Diener Georg zu wissen machest. Damit du aber den Befehl des Himmels nicht für einen leeren Traum hältst, so erwache und sei gesund!“ Wirklich fühlte die Matrone, als sie erwachte, daß sie genesen. Von Dank durchdrungen, eilte sie zum Bischof und überbrachte ihm die Botschaft des Engels. Nachdem dieser schweigend vernommen, was ihm Unsere L. Frau, die er nach Gott am meisten verehrte, hatte sagen lassen, schritt er alsbald in Begleitung einiger Diener und der nun gesunden Matrone auf den Felsen. Unaussprechlich war sein Erstaunen, als er den Felsen mit Schnee bedeckt fand, während im Tal unten auf den Ebenen alle Fluren grünten und blühten und der heiße Sommer die Früchte reifte. Da erschien plötzlich ein Hirsch, der auf diesem Sommerschnee mit seinen leichten Füßen hin- und wieder laufend, den Grundriss eines großen eines großen Gebäudes zeichnete. Der heilige Bischof, dessen Erstaunen immer größer wurde, ließ den Ort, welchen der Hirsch umlaufen hatte, mit einer starken Hecke umgeben, und bald erhob sich auf der Spitze des Felsens eine herrliche Kirche, und rings um sie herum entstand die Stadt du Puy, die man für unüberwindlich hält, weil der Schutz Mariä mit ihr ist.

Das kleine Muttergottes-Bild, das auf dem Altar steht und welches aus dem entlegenen Spanien und von allen Provinzen Frankreichs Besucher herbei zieht, rührt ohne Zweifel von uralten Zeiten her. Es hat zwei Schuh in der Höhe; die heilige Mutter Gottes sitzt auf einem Stuhl und hat das Kind auf ihrem Schoß. Das Bild ist von Kopf bis zu den Füßen mit mehreren sehr feinen Linnenbinden umwickelt, die sehr sorgfältig und fest auf das Holz geklebt sind. – Das ganze Aussehen des Bildes, das Zedernholz, aus dem es geschnitzt ist, und die Binden, die es umgeben, deuten an, daß es ein Werk der ersten Christen vom Berg Libanon ist, die es nach Weise der Ägypter geformt haben. Man versichert, der heilige Ludwig habe es aus dem heiligen Land nach Frankreich gebracht. – Päpste und Könige wallfahrteten hierher. – Im Jahre 1422 empfahl Karl VII. , der damals Kronprinz von Frankreich und in Gefahr war, sein Reich zu verlieren, seine fast aufgegebene Sache Unserer L. Frau von Puy, und in derselben Kirche ward er zum König von Frankreich ausgerufen.

Unter allen der heiligen Jungfrau geweihten Kirchen wird die Kirche Unserer L. Frau von Puy von den Franzosen am meisten geehrt und besucht. Und die Stadt Puy selbst kann sich rühmen, wahrhaft unter dem Schutzmantel der Himmelskönigin zu stehen. Sie wurde von den Ketzern angegriffen, von den ungläubigen Sarazenen bestürmt, aber sie blieb wohlbehalten unter dem Mantel Unserer L. Frau. Einmal kamen die Sarazenen in die Stadt, aber der Kirche taten sie nicht das geringste Leid. Ja, als die abendländischen Sarazenen von den Wundern hörten, welche in dieser Kirche durch die Anrufung der heiligen Jungfrau geschahen, kamen sie in großen Scharen dahin, um Hilfe gegen die Stürme und Wetter zu erbitten, durch welche sie sehr zu leiden hatten. Ihre Bitten wurden erhört, und zum Dank schickten sie Unserer L. Frau viele schöne Geschenke. Wegen dieses mächtigen Schutzes, welchen Maria der Stadt Puy immer gewährt hat, liest man in der sehr alten Kirche die Inschrift:

„Was du siehst, Wanderer, ist eine heilige Stadt,
Von der Jungfrau bewacht, und von Engeln umgeben:
Sie lacht der Gewalt der grimmigen Feinde
Kraft des Schutzes, womit Maria ihr beisteht.“

aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 182 – Sp. 183

Wallfahrt zu Unserer Liebe Frau von Puy

Machen Sie eine Wallfahrt nach Le Puy: In diesem Video ab Minute 1:30 geht es zur Kirche, um das Gnadenbild zu sehen: Le Puy en Valay

Auch wenn Sie kein Französisch verstehen, können Sie in diesem Video eine digitale Wallfahrt nach Puy zu Unserer Lieben Frau von Puy machen: Ode à la Vierge Noir

Bildquellen

  • ott-marianum-gnadenorte: Bildrechte beim Autor
  • ott-marianum-prozession: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott
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